appell der bundesregierung zur solidaritaet mit den fluechtlingen aus dem frueheren jugoslawien

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der sprecher der bundesregierung, staatssekretaer
dieter vogel, erklaerte am 20.juli 1992:

die bundesregierung verfolgt mit groesster sorge,
dass die zahl der fluechtlinge aus dem frueheren jugoslawien
staendig zunimmt. hinter den zahlen stehen tragische
einzelschicksale und unermessliches persoenliches
leid.
wir stehen vor einer fluechtlingskatastrophe, wie
sie europa seit dem zweiten weltkrieg nicht mehr
erlebt hat. die unmittelbaren nachbarstaaten, deren
ausserordentliche bemuehungen um aufnahme und versorgung
der fluechtlinge unsere anerkennung verdienen, koennen
die damit verbundene last allein nicht mehr tragen.
in dieser lage duerfen europa und insbesondere die
europaeische gemeinschaft die betroffenen menschen
nicht allein lassen.
es ist ein gebot europaeischer solidaritaet, neben
den umfassenden bemuehungen um eine dauerhafte beendigung
des krieges jetzt zusaetzliche anstrengungen zur
linderung des fluechtlingselends zu unternehmen.
die bundesregierung hat in der vergangenheit einen
erheblichen beitrag in diesem bereich geleistet.
mit ihren humanitaeren hilfsleistungen in hoehe von
150 mill. dm steht sie bei weitem an der spitze
aller bilateralen geber. deutschland hat ferner
einen betraechtlichen anteil an fluechtlingen aus
den buergerkriegsgebieten aufgenommen - allein in
diesem jahr ueber 100000.
die bisherigen massnahmen reichen angesichts der
juengsten entwicklung nicht aus. gefragt ist jetzt
eine europaeische aktion der mitmenschlichkeit.
die bundesregierung fordert daher unsere partner
in der europaeischen gemeinschaft und darueber hinaus
in europa eindringlich auf, fluechtlinge aus den
buergerkriegsgebieten im frueheren jugoslawien fuer
eine begrenzte zeit aufzunehmen.
die bundesrepublik deutschland ist ihrerseits bereit,
ueber die bereits im bundesgebiet untergekommenen
fluechtlinge hinaus unverzueglich einen weiteren,
angemessenen anteil an fluechtlingen zu uebernehmen.
die bundesregierung bemueht sich derzeit darum, hierfuer
die zustimmung der bundeslaender zu erlangen.
die solidaritaet im neuen europa nach dem ende des
kalten krieges steht jetzt auf dem pruefstand. nicht
nur die beilegung des krieges im ehemaligen jugoslawien
ist eine gesamteuropaeische aufgabe. auch die loesung
der humanitaeren fragen ist eine voraussetzung fuer
stabilitaet in ganz europa.