Willkommenskultur statt neuer Gesetze

Fachtagung zur Zuwanderung Willkommenskultur statt neuer Gesetze

Bundesinnenminister de Maizière hat sich auf der Migrationskonferenz dafür ausgesprochen, stärker um ausländische Fachkräfte zu werben. Statt neuer Gesetze seien hier aktives Handeln der Wirtschaft und eine Willkommenskultur gefragt.

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Studentinnen aus Deutschland und Indien arbeiten zusammen an einem Robotermodell.

Innenminister de Maizière: "Deutschland ist heute ein Einwanderungsland."

Foto: photothek.net/Grabowsky

Ausländische Fachkräfte stünden nicht Schlange, um nach Deutschland zu kommen. Viele zögen lieber nach Kanada, Australien, Neuseeland oder in die Vereinigten Staaten, stellte Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf der Migrationskonferenz 2015 fest.

Mit einem "Zuwanderungsmarketing" sollten mehr Hochqualifizierte nach Deutschland geholt werden, forderte er. Wichtig sei, das Interesse an der deutschen Sprache in den Herkunftsländern zu erhöhen. Gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft könnten neue Anreize etwa in Form von Stipendien und Praktika entwickelt werden.

De Maizière lobte die "Willkommenszentren" für Einwanderer in einigen Städten. Vor allem aber die Unternehmen, die deutschen Handelskammern im Ausland und Auslandsvertretungen müssten eine stärkere und aktivere Rolle bei der gezielten Anwerbung etwa von Fachkräften spielen.

"Nicht schweigen, sondern streiten"

Nach einer aktuellen Umfrage der Bertelsmann-Studie würden 59 Prozent der Deutschen sagen, dass Einwanderer von der Bevölkerung willkommen geheißen würden. Aber es gebe eine relevante Minderheit, die das ganz anders sehe, so de Maizière. "Hier hilft nicht schweigen, sondern streiten."             

Statt über das "Erlauben" von Zuwanderung sollte mehr über das "Einladen und Ankommen" der Migranten gesprochen werden. Ein neues Gesetz, ob es nun Zuwanderungsgesetz oder Aufenthaltsgesetz, regele immer nur, "wer kommen und bleiben darf", so de Maizière. Gesetze könnten immer verbessert werden. "Besser gemacht" werden müsse vor allem die Zuwanderung selbst: die Werbung, die Haltung, die Aufnahme, die Integration, die Integrationsbereitschaft.

Der Minister sprach sich insbesondere dafür aus, die Zuwanderung aus anderen EU-Staaten zu fördern. Es sei unverständlich, warum über die größte Migrantengruppe so wenig gesprochen werde.

Humanitäre Verantwortung für Flüchtlinge

Die Fachkonferenz diskutierte auch über Asyl und Flüchtlingsschutz. Deutschland nehme seine humanitäre Verantwortung sehr ernst, sagte de Maizière in seiner Eröffnungsrede. Kein Land in Europa leiste bei der Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Irak und aus Syrien so viel wie Deutschland. Deutschland nimmt rund drei Viertel aller syrischen Flüchtlinge auf, die weltweit durch humanitäre Programme außerhalb der Krisenregion Schutz finden.

Nationales Bündnis für Migration und Integration

De Maizière strebt ein breites nationales Bündnis für Migration und Integration an: weg von den Überschriften, hin zu den Inhalten, nicht nur über die Frage "wie regeln wir, wer kommen darf?", sondern über die Frage "wie finden wir die Richtigen und wie leben wir zusammen?", so der Innenminister.