Bundeskanzlerin Merkel will sich für eine rasche Fertigstellung des Dokumentationszentrums für Flucht, Vertreibung und Versöhnung einsetzen. Das Zentrum sei ein wichtiger Ort, um Geschichts- und Verantwortungs-Bewusstsein für die Zukunft zu schärfen.
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Merkel: Das Jahr 2014 mahnt uns, denn es ist ein großes Gedenkjahr.
Foto: Bundesregierung/Steins
"Ich verspreche, alles zu tun, dass das Tempo zur Fertigstellung des Dokumentationszentrums jetzt nicht nachlässt", bekräftigte die Kanzlerin. Im vergangenen Jahr hatte sie den Startschuss für einen entsprechenden Umbau des Deutschlandhauses im Herzen Berlins gegeben.
"Deutschland geht nicht ohne uns" – so das Jahresmotto des Bundesverbandes der Vertriebenen (BdV). Dieses Leitwort rege an "zum Nachdenken über die eigene Identität, über unsere Geschichte und auch über unsere heutige Realität", sagte Merkel.
"Flucht und Vertreibung sind Teil unserer Geschichte. In Deutschland leben Millionen Menschen, die entweder selbst flüchten mussten, vertrieben wurden oder Angehörige jener sind, die dieses Schicksal erlitten haben" so die Kanzlerin weiter. Herkunft und Geschichte der Familie, aber auch das Erlebte und die oftmals leidvollen Erfahrungen hinterlasse immer Spuren. "Wir alle wissen: Verdrängen hilft da überhaupt nicht" betonte die Kanzlerin.
In der ehemaligen DDR sei das Vertreibungsschicksal jahrzehntelang tabu gewesen. "Erst nach dem Fall der Mauer vor 25 Jahren konnten die Vertriebenen auch im Osten unseres Landes und damit in ganz Deutschland endlich offen und öffentlich über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen." Daher sei Erinnerung auch in der Öffentlichkeit angemessen Raum zu geben.
"Dies bedeutet, Erlebtes zu benennen, ohne es gegeneinander aufzurechnen. Denn an das Leid des einen zu erinnern, heißt keineswegs, das Leid des anderen zu vergessen. Dabei wissen wir ganz genau, dass das Leid, das Deutschland mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust über Millionen Menschen gebracht hat, zum Ende des Krieges letztlich auf uns Deutsche zurückschlug. Wir verwechseln Ursache und Wirkung nicht. Gedenken im Geiste der Versöhnung nimmt beides in den Blick", stellte die Kanzlerin klar.
Die Bundeskanzlerin hob hervor, dass 2014 "wirklich ein großes Gedenkjahr" sei. So wäre nicht nur dem Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren zu gedenken. Im November vor 25 Jahren sei auch die Berliner Mauer gefallen - eine freudige Erinnerung.
Diese Gedenktage böten die Chance, besonders auch Jüngere anzusprechen und ihr Geschichtsbewusstsein zu schärfen. Denn das tiefe Gefühl des Verlusts könne die jüngere Generationen ja allenfalls nachempfinden. "Das aber zumindest zu versuchen – das ist absolut notwendig. Denn so lässt sich unser aller Auftrag wirklich verinnerlichen, alles dafür zu tun, dass es auf unserem Kontinent nie wieder zu Flucht und Vertreibung kommt", so Merkel weiter.
Die Bundeskanzlerin betonte, wie wichtig es sei, immer wieder daran zu erinnern, dass Menschen mit einem Vertreibungsschicksal keine Wahl hätten. Gegen ihren Willen seien sie gezwungen, ihre Heimat zu verlassen - auch heute noch.
"Ich erinnere nur an Syrien, wo in diesen Tagen Hunderttausende vor dem grausamen Bürgerkrieg fliehen, um die Chance auf ein Überleben zu wahren. Ich kann mir vorstellen, dass gerade die Älteren unter Ihnen hier besonders mitfühlen, denn sie haben als junge Menschen erfahren, was es heißt, Angst um das eigene Leben zu haben. Sie wissen, was es bedeutet, sich auf den Weg ins völlig Ungewisse machen zu müssen" erklärte die Merkel.