Deutschland im Blick der Briten

Ausstellung in London Deutschland im Blick der Briten

Eine Ausstellung im British Museum widmet sich 600 Jahren deutscher Kultur und Geschichte. Eine Schau "aus der Perspektive eines Freundes", stellte Kulturstaatsministerin Grütters bei der Eröffnung in London fest.

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"Germany: Memories of a Nation" lautet der Titel der Ausstellung, die Grütters heute in Vertretung der Bundeskanzlerin offiziell eröffnete. Beeindruckt zeigte sich die Kulturstaatsministerin nicht nur von der Vielfalt der rund 200 Ausstellungsstücke aus sechs Jahrhunderten.

Beeindruckend sei auch der Anspruch, "ein differenziertes und faires Bild deutscher Geschichte und Identität zu zeichnen", so Grütters. In einem Jahr, das zu Recht vom Gedenken an das unfassbare Leid geprägt sei, das Deutschland im Ersten und Zweiten Weltkrieg über Europa gebracht habe.

Differenziertes Bild deutscher Geschichte

Es gehöre zu den großen Verdiensten der Ausstellung, dass sie historische Eigenheiten anschaulich mache, daneben aber auch all die anderen Facetten deutscher Identität nicht zu kurz kommen lasse, sagte Grütters.

"Freiheit und Demokratie habe wir in Deutschland zu schätzen gelernt", betonte die Kulturstaatsministerin. Großbritannien habe entscheidend dazu beigetragen, dass das politisch und wirtschaftlich zerstörte und auch geistig und moralisch verwüstete Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf die Beine gekommen sei. "Das werden wir niemals vergessen!", versicherte Grütters.

Mehr als eine Ausstellung

Rund 200 Exponate lassen in der Ausstellung sechs Jahrhunderte deutscher Kultur und Geschichte anschaulich werden.

Und damit nicht genug: Eine 30-teilige BBC-Radioserie begleitet die Schau, zu der Museumsdirektor Neil Mac Gregor außerdem ein Buch angekündigt hat. Im Rahmenprogramm werden Filme, Konzerte sowie Lesungen und Vorträge geboten.

Genug Material, um ein umfassendes und detailreiches Deutschlandbild zu zeichnen. Als Einstieg wählten die Kuratoren das Transparent "Wir sind ein Volk" aus dem Jahr 1989 – für viele Briten ein Stück deutscher Geschichte, das sie zumindest aus der Ferne miterlebt haben.

Made in Germany

Andere Fixpunkte der Ausstellung führen weit in die Vergangenheit. Zum Beispiel die Gutenberg- Bibel aus dem Jahr 1455, die an die Erfindung des Buchdrucks erinnert. Oder das erstaunliche Porzellan-Rhinozeros, das 1730 in einer Meissner Manufaktur nach einem Entwurf Albrecht Dürers hergestellt wurde. Die Qualität jüngeren Designs "made in Germany" belegt ein originaler VW-Käfer im Hof des Museums – auch in Großbritannien ein Kultobjekt.

Anliegen der Kuratoren war es, Dinge zu präsentieren, die Geschichte erzählen. Das gilt für die Replik des Tors zum Konzentrationslager Buchenwald. Es gilt auch für den Leiterwagen, mit dem eine Familie Ende des Zweiten Weltkriegs aus Pommern flüchtete. Entstanden ist ein Parcours sprechender Erinnerungen, an dessen Ende mit Blick in die Gegenwart das Modell des Reichstagsgebäudes von Architekt Norman Foster steht.

Viele dieser Objekte und Kunstwerke werden als Leihgaben deutscher Museen zum ersten Mal in Großbritannien gezeigt. Zu sehen sind sie in der Ausstellung im British Museum noch bis zum 25. Januar 2015.