Mit einer Feierstunde hat die Bundesregierung den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gewürdigt. Vor 70 Jahren verübten Graf von Stauffenberg und seine Mitstreiter ein Attentat auf Hitler. Der Diktator überlebte, die Widerstandskämpfer ließ er hinrichten.
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Bundespräsident Gauck bei der Kranzniederlegung im Ehrenhof des Bendlerblocks.
Foto: Schacht
Die Bundesregierung gedachte der Widerstandsbewegung des 20. Juli 1944 zunächst im Ehrenhof des Bendlerblocks. Am Nachmittag fand eine Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Plötzensee in Berlin statt.
Bundespräsident Joachim Gauck hielt eine Ansprache, nachdem ihn der Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes, Peter Altmaier, begrüßt hatte. Altmaier betonte, die Männer und Frauen des 20. Juli 1944, die Attentäter selbst und ihre Helfer seien nicht vergessen.
"Der Ehrenhof des Bendlerblocks, die Gedenkstätte in Plötzensee und die vielen anderen Orte des Gedenkens - sie halten unsere Erinnerung wach und mahnen unser Gewissen," so der Bundesminister.
Der Bundespräsident würdigte den Mut der Widerstandskämpfer: "Heute blicken wir zurück auf einen bedeutenden Tag in der deutschen Geschichte. In der Zeit, als unser Land Europa mit Krieg und Leid überzog, schien ein Licht der Hoffnung und des Anstands auf. Dieses Licht schien auf, als vor 70 Jahren Männer einen mutigen Schritt wagten, den sie selbst Jahre zuvor noch für undenkbar gehalten hätten: Sie richteten sich entschlossen gegen die eigenen Machthaber, gegen die Führung des nationalsozialistischen Staates. Sie handelten mit dem klaren Ziel, den Diktator zu töten und die Herrschaft von Gewalt und Willkür zu beenden."
Anschließend legte Gauck einen Kranz nieder. Im Hof des Bendlerblocks wurden Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitstreiter am 20. Juli 1944 getötet. Gauck wurde vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, begleitet.
Am 1. Juli 2014 eröffnete die Gedenkstätte Deutscher Widerstand eine neue Dauerausstellung. Hier würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Mut der Widerstandskämpfer: Die den Frauen und Männern des 20. Juli 1944 gebührende volle Anerkennung sei auch nach Kriegsende nicht selbstverständlich gewesen.
"Umso wichtiger war und ist es, jedes Jahr am 20. Juli derer zu gedenken, die während der dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte nicht mitmachten, nicht wegschauten, nicht schwiegen, sondern die widerstanden und dafür ihr Leben aufs Spiel setzten und in letzter Konsequenz auch verloren", sagt Merkel über den 20. Juli. "Dies geht weit über Graf von Stauffenberg und sein Umfeld hinaus. Deshalb ehren wir an diesem Tag alle Männer und Frauen, die auf diese Weise Zeichen gegen Terror, Verfolgung, Erniedrigung und Gewalt in Deutschland gesetzt haben."
In den Tagen nach dem Attentat auf Hitler nahm die Gestapo Tausende von Regimegegnern fest. Anfang August 1944 begannen die Prozesse vor dem "Volksgerichtshof". Sie dauerten bis zum Zusammenbruch des NS-Regimes im Mai 1945. Die genaue Zahl der Verurteilten ist nicht bekannt. Hunderte wurden hingerichtet. Auch viele Familienangehörige wurden in "Sippenhaft" genommen, kamen ins Gefängnis oder ins Konzentrationslager.
Am Nachmittag fand in der Gedenkstätte Plötzensee eine Kranzniederlegung statt. Die Bundesregierung gedachte auch dort der Opfer des Nationalsozialismus. Das Totengedenken sprach Axel Smend, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung 20. Juli 1944.
Gedenkstätte Plötzensee
Foto: Bilan
An den Gedenkfeierlichkeiten nahmen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Edelgard Bulmahn, Bundesratspräsident Stephan Weil und Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, teil.
Am Abend legten rund 430 Soldatinnen und Soldaten mit einem feierlichen Appell auf dem Paradeplatz am Bendlerblock ihr Gelöbnis ab. Man hat bewusst den 20. Juli für die Zeremonie gewählt. Mit dem Gelöbnis unterstreicht die Bundeswehr, dass sie in der Tradition dieses militärischen Widerstandes steht.
Diesjähriger Gastredner war Generalmajor a.D. Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, der älteste Sohn des Widerstandskämpfers Stauffenberg. Er sprach neben Verteidigungsministerin von der Leyen zu den Rekruten.
Im Bendlerblock befand sich 1944 der Sitz des Oberkommandos des Heeres. Hier wurden Stauffenberg und drei weitere Widerstandskämpfer nach dem Attentatsversuch standrechtlich erschossen. Heute erinnert die ständige Ausstellung in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand an die Frauen und Männer des 20. Juli 1944. Das Bundesministerium der Verteidigung nutzt das Gebäude seit 1993 als zweiten Dienstsitz.
Am Ort der heutigen Gedenkstätte Plötzensee befanden sich von 1933 bis 1945 ein Strafgefängnis und eine Hinrichtungsstätte. Fast 3.000 Menschen wurden hier getötet. Unter ihnen viele Gegner des Nationalsozialismus.