Deutschland sichert Unterstützung zu

Explosion in Beirut Deutschland sichert Unterstützung zu

Bei seiner Reise in den Libanon konnte sich Außenminister Maas ein Bild von der Lage in Beirut nach den Explosionen machen. Der Minister dankte den Rettungskräften für ihren Einsatz und sicherte Unterstützung zu. Kanzlerin Merkel wies auf die "verheerenden Folgen für hunderttausende von Menschen" hin.

Bundesaußenminister Heiko Maas besucht das Epizentrum der Explosion im Hafen von Beirut.

Außenminister Maas besucht das Epizentrum der Explosion im Hafen von Beirut.

Foto: Xander Heinl/photothek.net

"Das Maß an Verwüstung und an Zerstörung ist nahezu unvorstellbar", erklärte Außenminister Heiko Maas im Hafen von Beirut, wo er sich über die Lage und die Folgen der Katastrophe informierte. Angesichts des bevorstehenden Welttags der humanitären Hilfe betonte Kanzlerin Merkel, die Ereignisse im Libanon zeigten, wie schnell eine Notlage entstehen könne. "Ich bin sehr froh, dass wir sofort helfen konnten", so Merkel in ihrem aktuellen Video-Podcast.     

Am 4. August war es in der libanesischen Hauptstadt Beirut zu schwerwiegenden Explosionen und starken Zerstörungen im gesamten Stadtgebiet gekommen. Die Energie der Explosionen entsprach einem Erdbeben der Stärke 4,5 und war noch im mehr als 250 Kilometer entfernten Zypern zu spüren.

Vier Millionen Euro Nothilfe übergeben

Deutschland hat dem Land insgesamt 21,8 Millionen Euro Nothilfe zugesagt. Die ersten vier Millionen Euro hat Maas nun übergeben - damit "das Geld da ankommt, wo es gebraucht wird", erklärte der Außenminister. In Beirut traf er unter anderem mit Vertretern des Libanesischen Roten Kreuzes zusammen, um darüber zu sprechen, wie die von Deutschland und anderen Staaten zugesagten Gelder am besten eingesetzt werden können.

"Im Moment wollen wir erstmal helfen, das Leid der Menschen hier zu lindern und dafür zu sorgen, dass all das, was zerstört ist, so schnell wie möglich wieder aufgebaut wird", so Maas weiter.

Tiefgreifende Reformen notwendig

In Beirut gehen die Proteste gegen die politische Führung auch nach dem Rücktritt der Regierung weiter. Mit Vertretern der Zivilgesellschaft sprach Maas vor Ort über die Zukunft des Landes und den Wiederaufbau nach der Explosion. Das Land brauche dringend schnelle, wirtschaftliche Reformen, so Maas. Voraussetzung dafür sei, dass die internationale Hilfe mittel- und langfristig erhalten bleibe.

Der Außenminister bemerkte dazu bereits am vergangenen Sonntag: "Ohne dringend benötigte Reformen kann es weder nachhaltigen Wandel noch Stabilität geben. Genau das ist es, was die libanesische Bevölkerung zu Recht fordert: Einzelinteressen und alte Konfliktlinien müssen überwunden und das Wohl der gesamten Bevölkerung vorangestellt werden."

Internationale Geberkonferenz

Am vergangenen Sonntag hatte die Bundesregierung bei der von Frankreich ausgerichteten Internationalen Geberkonferenz verkündet, die deutschen Hilfsgelder aufzustocken, um die größte Not im Libanon zu lindern. Demnach stellt Deutschland weitere 20 Millionen Euro aus Mitteln der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit bereit. Das Geld ergänzt den Betrag von 1,5 Millionen Euro, den die Bundesregierung direkt nach der Explosion in Beirut für Soforthilfemaßnahmen zur Verfügung gestellt hatte.

Insgesamt sind auf der Geberkonferenz für den Libanon Hilfsgelder in Höhe von 252,7 Millionen Euro zusammengekommen. Die Europäische Kommission beteiligt sich mit mehr als 33 Millionen Euro, finanziert durch die Mitgliedsstaaten. Das Geld soll unter anderem der Bereitstellung medizinischer Ausrüstung dienen.

THW und Bundeswehr im Einsatz

Nach den verheerenden Explosionen im Hafen Beiruts am 4. August hatte die Bundesregierung Hilfskräfte des Technischen Hilfswerks (THW) und Soldaten der Bundeswehr in die libanesische Hauptstadt entsandt, um vor Ort zu unterstützen. Ein Großteil der SEEBA-Kräfte ist mittlerweile nach Deutschland zurückgekehrt. Die verbliebenen THW-Einsatzkräfte beurteilen die Stabilität von beschädigten Gebäuden und sind beratend in der Krisenkoordination für die Deutsche Botschaft tätig.

Am Flughafen Köln-Wahn steht weiterhin die sogenannte fliegende Intensivstation der Bundeswehr (StratAirMedEvac – Strategischer Patienten-Transport) bereit. Damit können bis zu 44 Patienten liegend transportiert werden, davon bis zu sechs Intensivpatienten. Der MedEvac wurde ursprünglich beschafft, um verletzte Soldaten aus Krisenregionen zur weiteren medizinischen Behandlung zu fliegen. Bereit steht auch ein Luftlanderettungszentrum des Sanitätsdienstes in Leer/ Ostfriesland. Es kann innerhalb von 96 Stunden in den Einsatzraum verlegt werden. Die mobile Sanitätseinrichtung mit zehn Pflegebetten dient der medizinischen Erstversorgung von Patienten.

Krankenbetten in einem Flugzeug.

Mit der StratAirMedEvac (Strategischer Patienten-Transport) können bis zu 44 Patienten liegend transportiert werden, davon bis zu sechs Intensivpatienten.

Foto: Bundeswehr/Kevin Schrief

Unterstützung durch EU-Zivilschutzmechanismus

Janez Lenarčič, EU-Kommissar für Krisenmanagement, teilte mit, dass der EU-Zivilschutzmechanismus auf Anfrage der libanesischen Behörden aktiviert wurde. Der europäische Zivilschutzmechanismus koordiniert die Hilfsangebote und Hilfsleistungen der Mitgliedstaaten, die ihre Unterstützung anbieten. Darüber hinaus wird das europäische Satellitensystem Copernicus eingesetzt, um das Ausmaß der Schäden festzustellen.

Die verheerenden Explosionen im Beiruter Hafen stellen den Libanon vor große Herausforderungen, nicht zuletzt bei der Bewältigung der humanitären Krise. Das Land war schon vor der Katastrophe in prekärer Situation: Es steckt in einer schweren Wirtschaftskrise und auch von der Corona-Pandemie ist der Libanon stark betroffen.

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