„Fest an der Seite der Ukraine“

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Rede von Bundeskanzler Merz anlässlich der Ukraine Recovery Conference 2026 „Fest an der Seite der Ukraine“

Deutschland und seine Privatwirtschaft seien bereit, einen Beitrag zu Wiederaufbau und Wohlstand der Ukraine zu leisten. Das deutsche Engagement sei unerschütterlich, hat Bundeskanzler Merz bei der diesjährigen Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig betont.

Donnerstag, 25. Juni 2026 in Danzig
Bundeskanzler Friedrich Merz während seiner Rede bei der Ukraine Recovery Conference.

Russland werde den Krieg nicht gewinnen, betonte Bundeskanzler Merz bei der Ukraine Recovery Conference.

Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

„Die Unterstützung Europas für Kyjiw ist unerschütterlich“, betonte Bundeskanzler Merz bei der Eröffnung der Ukraine Recovery Conference 2026 (UCR) im polnischen Danzig. Die militärische und zivile Unterstützung für die Ukraine sind nach wie vor von grundlegender Bedeutung. „Sicherheit, Investitionen, Reformen, Menschen. Das sind die vier Bausteine für die wirtschaftliche Erholung der Ukraine“, sagte der Bundeskanzler. Gemeinsam mit seinen Partnern sei Deutschland bereit, die Ukraine in all diesen vier Bereichen konkret zu unterstützen.

„Die Ukraine ist in einer neuen Position der Stärke“, so Merz. An Russland sendete der Kanzler eine klare Botschaft: Russland werde diesen Krieg nicht gewinnen. Man sei bereit, den Druck auf die bereits angeschlagene russische Wirtschaft zu erhöhen. „Die Zeit ist gekommen, um in Verhandlungen einzutreten, die Frontlinie einzufrieren und das Töten zu beenden“, forderte der Bundeskanzler.

Wiederaufbau der Ukraine: Die durch den russischen Angriffskrieg verursachten Verluste und Schäden sind immens und mit öffentlichen Mitteln allein nicht zu bewältigen. Im Mittelpunkt der URC 2026 stehen die weitere internationale Unterstützung der Ukraine und die Mobilisierung von privaten Investitionen für den Wiederaufbau. Öffentliche und private Akteure müssen hier eng zusammenarbeiten. Neben Bundeskanzler Merz nahm auch Entwicklungsministerin Alabali Radovan an der Konferenz teil. Auch sie warb für internationale Investitionen in den Wiederaufbau der Ukraine.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sicherheit: Die kontinuierliche Lieferung von Luftabwehrsystemen helfe bei der Verteidigung ukrainischer Städte und Infrastruktur vor den russischen Angriffen. Die Sicherheit der Ukraine zu stärken, bedeute, die Sicherheit Europas zu stärken, so der Kanzler.
  • Investitionen: Der European Flagship Fonds für den Wiederaufbau der Ukraine hat ein Finanzpaket von bis zu 220 Millionen Euro geschaffen. Es soll dabei helfen, umfangreiche private Investitionen in strategische Sektoren der ukrainischen Wirtschaft zu mobilisieren. „Denn allein öffentliche Mittel werden niemals ausreichen, um ein Land wiederaufzubauen, das so massive Zerstörungen erlitten hat“, erklärte Merz in seiner Rede.
  • Reformen: „Vertrauen hängt von starken Institutionen ab“, machte Merz mit Blick auf in der Ukraine begonnene Reformen hinsichtlich Korruptionsbekämpfung und Stärkung des Rechtsstaates deutlich. Diese seien wichtig, um das Vertrauen von Bürgern, internationalen Partnern und Investoren zu bewahren.
  • Menschen: Die 2024 auf Initiative Deutschlands und der Ukraine ins Leben gerufene internationale Allianz für Wiederaufbau-Fachkräfte („Skills Alliance for Ukraine “) hat inzwischen 1,2 Milliarden Euro für Initiativen im Bereich der beruflichen Bildung bereitgestellt – eine Investition in die Menschen, die die Zukunft der Ukraine gestalten werden.

Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede: 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Donald, 
sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Swyrydenko aus der Ukraine, 
sehr geehrte Präsidentinnen und Präsidenten, Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten,
Exzellenzen,
meine Damen und Herren,
liebe Freunde der Ukraine,

die militärische und zivile Unterstützung für die Ukraine ist nach wie vor von grundlegender Bedeutung. Lugano, London, Berlin, Rom und nun heute hier in Danzig – die Ukraine Recovery Conference hat sich inzwischen als das große internationale Treffen für die wirtschaftliche Erholung der Ukraine etabliert. Deshalb freue ich mich, heute mit Ihnen hier zu sein – als ein Zeichen unseres unerschütterlichen Engagements.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde, es gibt noch einen weiteren Aspekt, der die diesjährige Konferenz insbesondere für einen deutschen Bundeskanzler zu etwas Besonderem macht. Donald, Sie haben es uns gerade in Erinnerung gerufen: An diesem Ort, nur wenige Minuten von hier entfernt, hat vor mehr als 87 Jahren der Zweite Weltkrieg begonnen.
Vor 35 Jahren haben Deutschland und Polen den Vertrag über gute Nachbarschaft unterzeichnet. Dieses Jubiläum ist ein Meilenstein der deutsch-polnischen Beziehungen. Lieber Donald, seit 35 Jahren stellen Deutsche und Polen eines unter Beweis: Selbst nach den abscheulichen Verbrechen, die die Deutschen zwischen 1939 und 1945 in Polen und an der polnischen Bevölkerung begangen haben, sind Frieden, gute Nachbarschaft und Freundschaft möglich. Ich bin dem polnischen Volk hierfür zutiefst dankbar. Und heute zeigt sich folgendes Gesamtbild: Als Europäer stehen wir fest zusammen, nicht nur, um unsere Sicherheit oder den Wohlstand auf unserem Kontinent zu verteidigen. Wir stehen fest zusammen, um die Freiheit auf unserem Kontinent zu verteidigen. Und deshalb stehen wir fest an der Seite der Ukraine.
Und, meine lieben Freunde und Kolleginnen und Kollegen, gerade erleben wir eine neue Dynamik. Vom G7-Gipfel, dem Europäischen Rat letzte Woche und dem gestrigen E5-Treffen in Berlin gingen starke Signale der europäischen und transatlantischen Einigkeit und Unterstützung für die Ukraine aus. Die Ukraine mit ihren mutigen Bürgerinnen und Bürgern wird sich als starke und souveräne Nation und als zukünftiges Mitglied der europäischen Familie behaupten.

Zu Beginn dieses Jahres, in einem der kältesten Winter seit Langem, stand der ukrainische Energiesektor besonders unter Druck, da Russland schonungslos Heizanlagen und Kraftwerke angriff. Um dem entgegenzuwirken, haben wir unsere Anstrengungen intensiviert, was auch erhebliche zusätzliche Beiträge für den „Ukraine Energy Support Fund“ und die Bereitstellung von Blockheizkraftwerken umfasst.

Ich sage das, weil wir jetzt handeln müssen, um die Ukraine auf den nächsten Winter vorzubereiten.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde, verehrte Kolleginnen und Kollegen, 
lassen Sie mich vier Punkte nennen, bei denen wir gemeinsam spürbare Fortschritte machen und Europa seine Zusagen gegenüber der Ukraine mit Leben füllt.

Erstens: Sicherheit.

Sicherheit ist die Grundlage für alles. Wiederaufbau, Investitionen und eine nachhaltige Entwicklung sind langfristig nur möglich, wenn Sicherheit herrscht. Ich möchte Polen dafür danken, dass den Themen Sicherheit und Verteidigung auf der diesjährigen Konferenz hier in Danzig besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Unsere militärische Unterstützung für die Ukraine bleibt weiter intensiv: Wir liefern kontinuierlich moderne Flugabwehrsysteme, die dabei helfen, ukrainische Städte und ukrainische Infrastruktur vor russischen Angriffen zu schützen.

Es entstehen deutsch-ukrainische Joint Ventures, die eine zentrale Rolle in Bezug auf bemerkenswerte und beeindruckende innovative Technologien und die Stärkung unserer gemeinsamen Sicherheit spielen. 
Indem wir die Sicherheit der Ukraine stärken, stärken wir die Sicherheit Europas.

Zweitens: Investitionen.

In Rom haben wir die Idee eines Europäischen Flaggschiff-Fonds für den Wiederaufbau der Ukraine verkündet. Hier in Danzig werden wir dieses Versprechen heute einlösen.

Der Fonds bringt Deutschland, Polen, Italien und Frankreich zusammen. Wir wollen substanzielle private Investitionsmittel für strategische Sektoren der Ukraine mobilisieren: Infrastruktur, Energie, Industrie, Logistik.
Der Grund dafür ist ganz einfach: Staatliche Förderung allein wird bei Weitem nicht ausreichen, um ein Land wiederaufzubauen, das so immense Zerstörungen erlitten hat. Mit einem ersten öffentlichen Paket von bis zu 220 Millionen Euro schaffen wir das notwendige Vertrauen und die Mechanismen zur Risikoteilung, die erforderlich sind, damit sich private Investoren jetzt engagieren.

Indem wir heute investieren und langfristig Kapital zusichern, sendet Europa eine klare Botschaft: Wir glauben fest an die Zukunft der Ukraine in der europäischen Familie!

Drittens: Reformen.

Investitionen sind unabdingbar für die wirtschaftliche Erholung, und sie erfordern Vertrauen. Vertrauen wiederum hängt von starken Institutionen ab.

Aus diesem Grund sind die Reformen, die im Zusammenhang mit dem EU-Beitrittsprozess der Ukraine vorgenommen werden, so wichtig. Kontinuierliche Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung und der Stärkung der Rechtsstaatlichkeit sind unerlässlich, um das Vertrauen von Bürgerinnen und Bürgern, internationalen Partnern und Investoren gleichermaßen zu wahren.

Dass die deutsche Wirtschaft hier auf der Ukraine Recovery Conference 2026 so stark vertreten ist, zeigt, dass Deutschland und der deutsche Privatsektor bereit sind, zu wirtschaftlicher Erholung und Wohlstand beizutragen.

Und schließlich viertens: die Menschen.

Vor zwei Jahren, auf der Wiederaufbaukonferenz in Berlin, haben wir die Fachkräfte-Allianz für die Ukraine ins Leben gerufen – eine einzigartige, von vielen Akteuren getragene Plattform für die Ausbildung von Ukrainerinnen und Ukrainern. Seitdem konnte die Allianz die beeindruckende Summe von 1,2 Milliarden Euro für laufende und künftige Berufsbildungsinitiativen mobilisieren.

Dieses Projekt spiegelt unsere Überzeugung wider, dass es bei einem Wiederaufbau nicht nur darum geht, Zerstörtes neu zu errichten, sondern auch darum, in die Menschen zu investieren, die die Zukunft der Ukraine gestalten werden.

Also meine Damen und Herren,

Sicherheit. Investitionen. Reformen. Menschen. Das sind die vier Bausteine für die wirtschaftliche Erholung der Ukraine. Gemeinsam mit unseren Partnern sind wir bereit, die Ukraine in allen vier Bereichen zu unterstützen.

Das heutige Treffen in Danzig stellt einen Moment der Hoffnung dar. Die Ukraine ist in einer neuen Position der Stärke.
In Moskau sickert langsam die Erkenntnis durch: Russland wir diesen Krieg nicht gewinnen. Meine Damen und Herren, die Unterstützung Europas für Kyjiw ist unerschütterlich. Wir sind entschlossen, den Druck auf die ohnehin schon belastete Wirtschaft Russlands zu erhöhen. Seit dem G7-Gipfel in Évian herrscht ein neues Gefühl der transatlantischen Einigkeit. Heute senden wir eine klare Botschaft an Russland: Die Zeit ist gekommen, um in Verhandlungen einzutreten, die Frontlinie einzufrieren und das Töten zu beenden.

Ich möchte erneut der polnischen Regierung und Ihnen persönlich, lieber Donald, ebenso wie allen Anwesenden hier im Saal, für die Ausrichtung dieser wichtigen Konferenz danken.

Und Ihnen allen: Danke, dass sie an der Seite der Ukraine stehen. Vielen Dank!