„Die Sicherheit des Baltikums ist auch die Sicherheit Deutschlands“

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und den B3-Staats- und Regierungschefs „Die Sicherheit des Baltikums ist auch die Sicherheit Deutschlands“

Die Verteidigung der NATO-Ostflanke stärken und weiter fest an der Seite der Ukraine stehen – das seien Kernpfeiler der gemeinsamen Sicherheitspolitik Deutschlands und der drei baltischen Staaten, betonte Bundeskanzler Merz beim B3+1-Treffen.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Freitag, 3. Juli 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz und die Regierungschefs der baltischen Staaten während der gemeinsamen Pressekonferenz.

Deutschland und die baltischen Staaten seien „enge Partner in der Europäischen Union und in der Europapolitik“, unterstrich der Kanzler.

Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

„Die Sicherheit des Baltikums ist auch die Sicherheit Deutschlands“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz beim Empfang von Estlands Premierminister Kristen Michal, Lettlands Staatspräsident Edgars Rinkēvičs und Litauens Staatspräsident Gitanas Nausėda in Berlin. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden NATO-Gipfels in Ankara sei eine enge Abstimmung der Alliierten wichtiger denn je. An der Klarsicht und Entschlossenheit der baltischen Partner nehme sich die Bundesregierung ein Vorbild.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sicherheit an der NATO-Ostflanke: Die anhaltenden Provokationen, Luftraumverletzungen und hybriden Angriffe durch Russland nehmen wir „sehr ernst, und wir wappnen uns dagegen“, bekräftigte der Bundeskanzler. So werde Deutschland das vereinbarte 3,5-Prozent-Ziel bei den jährlichen Verteidigungsausgaben bereits im Jahr 2029 erreichen. Zudem übernehme die Bundeswehr etwa im Rahmen des Deutsch-Niederländischen Korps eine Führungsrolle bei der Verteidigung der NATO-Ostflanke in Estland. Auch wolle man die volle Einsatzbereitschaft der deutschen Brigade in Litauen bis Ende 2027 sicherstellen.
  • Entschlossene Ukraine-Hilfe: Die baltischen Staaten zählten zu den entschlossensten Unterstützern der Ukraine, hob Merz hervor. Pro Kopf gerechnet leisteten Esten, Letten und Litauer sogar noch mehr als Deutschland, das seit geraumer Zeit der größte finanzielle Unterstützer Kyjiws sei. Dies sende eine klare Botschaft, so der Bundeskanzler: „Russland kann diesen Krieg nicht gewinnen.“ Moskau müsse an den Verhandlungstisch kommen, um einen Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie auszuhandeln.
  • Zukunft der Europapolitik: Deutschland und die baltischen Staaten seien gemeinsam für einen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union. Der ersten Cluster-Öffnung in den Beitrittsverhandlungen müssten nun schnell weitere folgen, forderte Bundeskanzler Merz. Einigkeit bestehe auch über einen „fokussierten europäischen Haushalt“, der Europa sicherer und wettbewerbsfähiger mache.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video:

31:12

Video Pressekonferenz des Kanzlers mit den Staats- und Regierungschefs Lettlands, Litauens und Estlands

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz: 

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass ich zum Ende der Woche drei Nachbarn in der Europäischen Union und in der NATO aus dem östlichen Teil Europas bei uns begrüßen darf, Präsident Gitanas Nausėda, Edgars Rinkēvičs und Kristen Michal.

Wir haben heute verabredet, auch noch einmal über den NATO-Gipfel in der nächsten Woche zu sprechen, der ja am Dienstag und Mittwoch in Ankara stattfinden wird. Mir ist wichtig, dass wir auf der europäischen Seite so viel wie möglich miteinander koordiniert sind. Wir wollen gemeinsam mit unseren Verbündeten in Europa gut vorbereitet in diesen Gipfel gehen. Wir haben vorgestern deshalb im Bundeskabinett in der jährlich stattfindenden Sitzung im Bundesverteidigungsministerium über den NATO-Gipfel gesprochen und dies mit Generalsekretär Mark Rutte zusammen getan. Wir haben vor gut einer Woche hier im Bundeskanzleramt im sogenannten E5-Format, also mit Italien, Frankreich, Großbritannien und Polen, zusammengesessen, um uns abzusprechen. Ich befinde mich auch im engen Austausch mit Präsident Trump und mit Präsident Erdoğan, der ja in diesem Jahr der Gastgeber sein wird.

Die Abstimmung mit Estland, Lettland und Litauen liegt uns am Herzen, und zwar weit über den NATO-Gipfel hinaus. Es freut mich deshalb, dass wir in diesem Kreis heute schon zum zweiten Mal zusammentreffen: das erste Mal am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz und heute hier, in Berlin.

Liebe Kollegen, wir Deutsche lernen auch von euch. Wir wollen das auch sehr deutlich sagen. Ihr habt erstens sehr viel früher als wir verstanden, dass wir für unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand etwas tun müssen. Diese Bedrohung ist nicht abstrakt, sondern sie ist sehr konkret. An der Ostflanke der NATO, über die wir hier sprechen, ist sie mit Händen zu greifen. Russland verletzt ständig den Luftraum der NATO-Staaten. Russland führt hybride Angriffe im Internet durch. Russland zerstört Unterwasserkabel in der Ostsee. Moskau testet, wie geschlossen und entschlossen die NATO ist. Wohin dieser russische Revisionismus führen kann, erleben wir seit über vier Jahren Tag für Tag in der Ukraine. Ihr in den baltischen Staaten habt daraus längst eure Lehren gezogen. Das 3,5-Prozent-Ziel, das wir in der NATO vor einem Jahr gemeinsam in Den Haag verabredet haben, habt ihr heute schon längst erreicht und übertroffen. An dieser Klarsicht und an dieser Klarheit nehmen wir uns als Bundesregierung ein Beispiel. Wir nehmen die russische Bedrohung ebenfalls sehr ernst, und wir wappnen uns dagegen. Die 3,5-Prozent-Marke von Den Haag werden wir schon 2029 erreichen, also deutlich vor der verabredeten Frist.

Wir zählen zweitens wie ihr zu den Unterstützern der Ukraine. Deutschland leistet seit geraumer Zeit in absoluten Zahlen die größte Unterstützung Kyjiws weltweit. Aber pro Kopf, pro Einwohner leisten Esten, Letten und Litauer mehr. Die baltischen Staaten haben sich vor Jahren verpflichtet, 0,25 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts für Hilfen für die Ukraine zur Verfügung zu stellen. Das ist vorbildlich. Gemeinsam senden wir eine Botschaft an Russland: Russland kann diesen Krieg nicht gewinnen. Moskau muss an den Verhandlungstisch kommen, um einen Waffenstillstand entlang der heutigen Kontaktlinie auszuhandeln. Präsident Putin muss diesen Krieg beenden. Es liegt allein an ihm, das zu tun. In diese Anstrengungen wollen wir und werden wir die baltischen Staaten eng einbeziehen.

Drittens sind die Balten enge Partner in der Europäischen Union und in der Europapolitik. Wir wollen gemeinsam den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union. Der ersten Öffnung von sogenannten Clustern müssen nun bald weitere folgen. Für die Zeit bis zum Beitritt habe ich ja eine sogenannte assoziierte Mitgliedschaft der Ukraine vorgeschlagen. Das ist ein, wie ich finde, sehr weitreichendes Angebot, das so noch kein Beitrittsland vorher bekommen hat. So könnten wir die Ukraine schon heute näher an die Europäische Union heranführen. Ich will aber ausdrücklich sagen, dass das kein Ersatz für die Vollmitgliedschaft ist, sondern es ist ein Schritt hin zur Vollmitgliedschaft, die aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Wir haben uns als Mitglieder der Europäischen Union heute schließlich auch über den Mehrjährigen Finanzrahmen unterhalten. Wir teilen die gleiche Vision. Wir wollen einen fokussierten europäischen Haushalt, der Europa sicherer und wettbewerbsfähiger macht. Aber wir sind uns alle auch über die Dimension der Verhandlungen im Klaren, die in der Europäischen Union in den nächsten Monaten vor uns stehen.

Zurück zum NATO-Gipfel: Der NATO-Gipfel in Ankara soll ein Erfolg werden. Wir wollen die NATO europäischer machen, damit sie transatlantisch bleiben kann. So sagen wir es ja immer wieder. Wir investieren deshalb als Europäer intensiv in unsere Sicherheit. Wir werden auch in der Verteidigungsindustrie zwischen unseren Ländern enger zusammenarbeiten. Das gilt auch und besonders für die baltischen Staaten, die daran ein hohes Interesse haben, wie wir umgekehrt ein hohes Interesse daran haben, mit den Staaten des Baltikums zusammenzuarbeiten. Unsere Unterstützung für die Ukraine wollen wir auch nochmals stärken. Wir haben einen entsprechenden „pledge“ vorgeschlagen. Wir werden schließlich die Vereinigten Staaten weiterhin dabei unterstützen, den Krieg im Iran dauerhaft zu beenden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vielen Dank noch einmal für den Besuch in Berlin. Ich will etwas wiederholen, was ich beim Aufstellungsappell der Litauenbrigade in Vilnius vor knapp einem Jahr gesagt habe: Die Sicherheit des Baltikums ist auch die Sicherheit Deutschlands. – Insoweit sind wir eng miteinander verbunden. Daran orientieren wir uns, in Worten wie in Taten. Ich will auch hinzufügen, dass das Deutsch-Niederländische Korps in Estland diese Woche ja die Führungsrolle in der Verteidigung der NATO-Ostflanke übernommen hat. Das zeigt, dass wir hierbei gemeinsam als Europäer auf einem guten Weg sind, unsere Territorien zu schützen und dies auch gemeinsam gerade im östlichen Teil Europas zu tun. Das alles ist eine Investition in unsere Freiheit und in unsere Sicherheit. Es ist aber auch Ausdruck des tiefen Vertrauens, das uns als Staatengemeinschaft und auch als Ministerpräsidenten, Regierungschefs, Präsidenten miteinander verbindet. In diesem Sinne noch einmal sehr herzlichen Dank für das Kommen nach Berlin.

Ministerpräsident Kristen Michal:

Vielen Dank, Friedrich, für die Einladung! Lieber Friedrich, lieber Edgars, lieber Gitanas. Für uns ist es sehr wichtig, dass wir mit einem gemeinsamen Verständnis dafür, was Europa jetzt tun sollte, nach Ankara reisen. Der Gipfel muss hierbei liefern. Im letzten Jahr haben wir uns in Den Haag darauf geeinigt, mehr in die Verteidigung zu investieren. Diese Zusagen müssen jetzt in Fähigkeiten umgewandelt werden.

Estland investiert bereits mehr als fünf Prozent seines BIP in die sogenannte Kernverteidigung der NATO, das heißt die Bündnisverteidigung. Wir benötigen aber auch eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigungsindustrie und der gemeinsamen Beschaffung. Denn so können wir die Fähigkeitslücken schneller schließen. Die Sicherheit des baltischen Raums ist die Sicherheit der NATO. Wir kennen unseren Nachbarn nur zu gut. Wir begreifen die Bedrohung hier. Deshalb werden wir auch weiterhin die Vorneverteidigung der NATO an der östlichen Flanke stärken.

Deutschland ist einer unserer engsten Bündnispartner und gehört zu denen, die einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit im baltischen Raum leisten. In dieser Woche hat das 1. Deutsch-Niederländische Korps das Kommando für die Landstreitkräfte in Estland und Lettland übernommen. Deutschland spielt aber auch eine wichtige Rolle bei der Luftraumüberwachung im baltischen Raum, bei Baltic Sentry und Eastern Sentry. Wir schätzen die langfristige Verpflichtung sehr, die Deutschland gegenüber der Sicherheit in unserer Region gezeigt hat.

Die Europäische Union kann diese Anstrengung verstärken. Eine stärkere Unterstützung für militärische Mobilität, für die Verteidigungsindustrie, für die kritischen Fähigkeiten und die östliche Grenze liegt im gemeinsamen europäischen Interesse. Die Ukraine bleibt unsere dringendste Sicherheitsaufgabe. Heute ist Russland schwächer, als es das seit Jahren gewesen ist. Das ist nicht zufällig so. Es ist das Ergebnis unseres Handelns. Unsere Strategie funktioniert. Lassen Sie uns den Druck auf Russland aufrechterhalten, nicht auf die Ukraine.

Gleichzeitig aber zeigen die jüngsten groß angelegten Angriffe Russlands gegen Zivilisten, dass sich an den Zielen Russlands nichts geändert hat. Russland will immer noch die gesamte Ukraine und die Spaltung Europas erlangen. Deshalb müssen wir unsere Antwort darauf anpassen. Die Ukraine braucht mehr militärische Unterstützung, nicht weniger. Die EU hat deutlich mehr Mittel zugesagt, und die Bündnispartner müssen auch bilateral mehr tun. Estland wird weiterhin jedes Jahr mindestens 0,25 Prozent seines BIP in die militärische Unterstützung der Ukraine stecken. Letztes Jahr haben wir bereits 0,35 Prozent erreicht.

Ein gerechter und dauerhafter Friede setzt aber auch voraus, dass es einen klaren Pfad zur Europäischen Union gibt. Die Ukraine ist schon lange bereit gewesen. Es ist nun an der EU, ihre Arbeit zu leisten, indem man auch die verbleibenden Cluster noch öffnet, und zwar unverzüglich. Das ist kein Gefallen, den wir der Ukraine tun. Es liegt im strategischen und wirtschaftlichen Interesse Europas. So können wir auch den Frieden in Europa schützen. Vielen Dank!

Präsident Edgars Rinkēvičs:

Zunächst möchte ich dem Bundeskanzler für seine Gastfreundschaft danken. Ich danke den Kollegen, dass sie hier sind. Ich glaube, es ist sehr, sehr wichtig, dass wir uns hier so kurz vor dem NATO-Gipfel in Ankara treffen.

Ich möchte auch sagen, dass mein Land Deutschland sehr dankbar dafür ist, dass es im baltischen Raum präsent ist. Die Tatsache, dass das Deutsch-Niederländische Korps jetzt die Verantwortung für die Verteidigung von Lettland und Estland übernommen hat, wird sehr stark gewürdigt und geschätzt. Uns ist bewusst, dass wir in einer sehr unsicheren Welt leben, in der man nicht vorhersehen kann, was passiert, in der man sich auf eine ganze Reihe von Provokationen und Aggressoren einrichten muss. Da ist es von größter Bedeutung, dass wir begreifen, dass die Mitgliedstaaten der NATO Lettland, Litauen und Estland unabhängig von den Provokationen, denen wir uns gegenübersehen, in einer direkten Konfrontation stehen werden, wenn wir angegriffen werden. Manchmal fehlt mir das ein bisschen bei den Diskussionen über die Sicherheit. Wenn man von der Sicherheit jedes Bündnismitgliedes spricht, spricht man ja gleichzeitig von der Sicherheit des ganzen Bündnisses. Dieses Bewusstsein muss da sein.

Wir sind uns aber in fast allen Dingen einig, die wir vom Gipfel in Ankara erwarten. Erstens haben wir letztes Jahr in Den Haag entschieden, dass wir fünf Prozent des BIP für Verteidigung ausgeben wollen. Nun verwandelt sich diese Zahl in reale Fähigkeiten. Es geht nicht mehr nur um Geld, sagt man manchmal. Es geht auch darum, dass wir das richtige Gerät beschaffen, die richtigen Rüstungsgüter und auch die Verteidigungsindustrie jedes Mitgliedstaates dazu heranziehen.

Zweitens glaube ich, dass es ebenso wichtig ist, dass die NATO, obwohl es hier und da Diskussionen öffentlicher und privater Art gibt, bekräftigt, dass sie dennoch geschlossen hinter diesem Fünf-Prozent-Ziel und den Verpflichtungen steht, die ein jeder Mitgliedstaat der NATO eingegangen ist. Mein eigenes Land, Lettland, gibt schon dieses Jahr fast fünf Prozent aus. Wir haben ein Verteidigungsausgabengesetz, in dem wir eine fünfprozentige Ausgabenschwelle haben. Wir hoffen sehr, dass auch die anderen Bündnispartner sich an die Zusage des letzten Jahres halten, die wir in Den Haag abgegeben haben.

Noch eine letzte Anmerkung: Ich glaube, wir sind uns auch dahingehend einig, dass wir weiterhin die Ukraine unterstützen müssen. Wir leisten unseren Teil. Entscheidungen wie die PURL-Initiative, wie weitere Initiativen finden nächste Woche, so hoffen wir, auch die Unterstützung des Bündnisses. Ich hoffe auch, dass es uns gelingen wird, uns auf einen gemeinsamen Ansatz zu einigen, wenn wir uns der hybriden Bedrohung durch Russland und Belarus und Bedrohungen anderer Art entgegenstellen müssen.

Aber, Herr Bundeskanzler, ich möchte Ihnen und auch meinen Kollegen aus den beiden Partnerländern für den offenen Austausch danken, den wir heute hatten. Er war sehr hilfreich. Wir können uns auf den Gipfel gemeinsam vorbereiten. Ganz, ganz herzlichen Dank dafür.

Präsident Gitanas Nausėda:

Jetzt setze ich meine Brille auf, und dann haben wir alle vier eine Brille auf der Nase!

Herr Bundeskanzler, lieber Friedrich, lieber Edgars, lieber Kristen, erlauben Sie mir zunächst, Bundeskanzler Friedrich Merz herzlich dafür zu danken, dass er uns hier heute, sozusagen am Vorabend, also wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Ankara, zusammengebracht hat. Wir sind uns voll und ganz einig, was die Ziele des Gipfels in Ankara anbetrifft. Der Erhalt der transatlantischen Geschlossenheit sollte unsere höchste Priorität bleiben. Ein starkes transatlantisches Bindeglied ist der Eckpfeiler unserer kollektiven Sicherheit und Verteidigung. Europa muss mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen. Ein stärkeres Europa innerhalb einer stärkeren NATO, das sollte unser gemeinsames strategisches Ziel bleiben.

Der Gipfel muss hinsichtlich der Umsetzung der Zusage, dass wir fünf Prozent unseres BIP in die Verteidigung stecken werden, greifbare Fortschritte erzielen. In diesem Jahr hat mein Land bereits 5,38 Prozent des BIP in die sogenannte Kernverteidigung, also die Bündnisverteidigung, gesteckt. Weitere 1,5 Prozent gehen in die Dual-Use-Infrastruktur und infrastrukturbezogene Investitionen. Die gesamten Ausgaben Litauens für Verteidigung und Sicherheit nähern sich sieben Prozent des BIP an. Das heißt, sie liegen deutlich über dem Ziel, das wir uns in Den Haag gesetzt haben.

Eine Stärkung der Abschreckung, der Verteidigung, vor allem im Bereich der Luftverteidigung, ist genauso wichtig. Ich begrüße hierfür den neuen Plan der NATO zur integrierten Luftverteidigung und Flugkörperabwehr. Der Übergang von der Luftraumüberwachung hin zu einer erweiterten Luftverteidigungsmission ist ein Meilenstein. Die Stationierung der deutschen Brigade in Litauen im nächsten Jahr wird eine deutliche Verstärkung unseres Verteidigungsdispositivs sein. Wir fragen uns auch, was die Litauer von deutschen Soldaten, Soldatinnen und Offizieren auf den Straßen unserer Städte halten werden. Aber wenn Sie ihnen die Frage stellen, dann werden Sie Ihnen antworten, dass sie sie mehr als willkommen heißen. Ich glaube, dass das der beste Beleg, der beste Beweis, das beste Beispiel für unsere Solidarität und Freundschaft ist.

Wir müssen auch das US-geführte nukleare Abschreckungsdispositiv innerhalb der NATO verstärken. Ich habe vor wenigen Tagen eine Verfassungsänderung auf den Weg gebracht, die das Ziel hat, die bestehende Beschränkung über die mögliche Nutzung von Nuklearwaffen in Litauen zu beseitigen. Diese Änderung würde Litauen in die Lage versetzen, Vorkehrungen der NATO für eine kollektive nukleare Abschreckung mit zu unterstützen und sich daran zu beteiligen.

Abschließend möchte ich sagen, dass wir beim Gipfel in Ankara demonstrieren müssen, dass die NATO geschlossen ist, geschlossen bleibt, entschlossen bleibt, bereit bleibt, Fortschritte auf dem Weg zur NATO 3.0 zu machen. Indem wir in unsere kollektive Verteidigung, die Stärkung des transatlantischen Bindeglieds investieren und weiterhin, solange es notwendig sein wird, an der Seite der Ukraine stehen, stärken wir nicht nur die Sicherheit unserer Nationen, sondern auch die Zukunft der gesamten euroatlantischen Gemeinschaft.