So wird "Pepper" zum Helfer im Seniorenheim

Erste Praxistests So wird "Pepper" zum Helfer im Seniorenheim

"Pepper" ermuntert sein Publikum zum Mitmachen: Er spielt mit Senioren ein Quiz. In Zukunft sollen Roboter wie er noch viel mehr leisten – sie könnten Pflegekräfte entlasten und Pflegebedürftigen helfen, länger zu Hause zu leben. Daran arbeiten Robotik-Forscher aus Siegen und Kiel, gefördert vom Bundesforschungsministerium.

Roboter 'Emma' steht am 11.05.2017 in Kiel (Schleswig-Holstein) in einer Demenz-Wohngruppe der Diakonie Altholstein.

Mit den Bewohnern der Demenz-Wohngruppe in Kiel kann "Pepper" sprechen, Musik hören oder fotografieren.

Foto: picture alliance / Carsten Rehder

"Pepper" stellt Quizfragen. Die Senioren müssen nur auf seinem Bildschirm die richtige Antwort antippen. "Gut gemacht!", sagt "Pepper". Berührungsängste? Scheinen die Senioren nicht zu haben. Mit dem Quiz vertreiben sie sich die Zeit bis zum Mittagessen. "Pepper" kann mit ihnen spielen, sie beruhigen oder zu Bewegung animieren: Und das sind auch die Aufgaben sogenannter sozial-interaktiver Roboter.

Es gehe darum herauszufinden, wie ein solcher Roboter die Lebensqualität von Senioren verbessern "und die Arbeit von Pflegekräften unterstützen kann", sagt Volker Wulf, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Siegen.

Wissenschaftsinformatiker Felix Carros ergänzt: "Roboter können kein qualifiziertes Pflegepersonal ersetzen. Die Pflegeschlüssel dürfen keinesfalls verändert werden". Stattdessen sollen Roboter Druck vom Pflegepersonal nehmen und so Freiräume für mehr menschliche Nähe schaffen, so Carros.

Förderung durch das Bundesforschungsministerium

Ihr Projekt "Anwendungsnahe Robotik in der Altenpflege" (ARiA) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Als Teil des Wissenschaftsjahres 2018, das sich den Arbeitswelten der Zukunft widmet, präsentieren die Forscher ihr Projekt und auch "Pepper" bei zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland. So waren sie beim Deutschen Stiftungstag und dem Deutschen Seniorentag und wollen "Pepper" beim Demografiekongress Ende September in Berlin vorstellen.

Forschungsprojekt ARiA – Anwendungen für Roboter in der Altenpflege
ARiA ist ein gemeinsames Projekt der Universität Siegen und der Fachhochschule Kiel. Außerdem sind Partner wie das Diakonische Werk Schleswig-Holstein, die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas oder der Paritätische Wohlfahrtsverband vertreten. Pflegekräfte, Angehörige und Pflegebedürftige entwickeln in Workshops gemeinsam Ideen, wie Roboter im Alltag und bei der Arbeit eingesetzt werden können. Sie können Vorschläge machen und diskutieren, wie Roboter konkret helfen können.

Neue Pflegetechnologien im Praxistest

Während in der Autoindustrie oder Lagerlogistik schon lange mit Sensorik und Robotern gearbeitet wird, ist ihr Einsatz in Krankenhäusern und in der Pflege noch Neuland. Damit sich das ändert, müssen praxistaugliche und bezahlbare Pflegetechnologien erforscht und weiterentwickelt werden. Das BMBF fördert deshalb das Forschungsnetzwerk zur "Zukunft der Pflege" bis 2022 mit 20 Millionen Euro.

Zu dem sogenannten Cluster gehören ein Pflegeinnovationszentrum in Oldenburg sowie vier Pflegepraxiszentren in Hannover, Freiburg, Nürnberg und Berlin. In Oldenburg werden in einer Modellwohnung eine intelligente Medikamentenbox und Sensoren getestet. Sensoren sind auch in Freiburg im Einsatz. Sie beobachten, wie sich Patienten im Bett bewegen und signalisieren, wenn sie versuchen aufzustehen. Wundliegen und Stürze sollen damit verhindert werden. Im Oldenburger Innovationszentrum wird zudem ein Roboterarm erprobt, der als "dritte Hand" Pflegefachkräfte dabei unterstützt, Patienten im Bett umzulagern.

Intuitive Interaktionen zwischen Mensch und Roboter

Um von Menschen als gefahrlos und hilfreich wahrgenommen zu werden, sollen Assistenzroboter neben physischen auch kognitive und soziale Fähigkeiten besitzen. Aus diesem Grund fördert das BMBF gezielt Projekte, die intuitive Mensch-Roboter-Interaktionen entwickeln und testen. Ziel ist es, mehr darüber zu erfahren, wie Roboter sich verhalten und bemerkbar machen müssen, damit sie Menschen sicher begleiten können.

Das denken die Menschen über Roboter
83 Prozent der Bundesbürgerinnen und -bürger können sich vorstellen, einen Service-Roboter zuhause zu nutzen – wenn sie dadurch im Alter länger in den eigenen vier Wänden wohnen könnten. 76 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind davon überzeugt, dass Service-Roboter in Zukunft eine immer wichtigere Rolle in ihrem Alltag spielen werden.
Die Forschung an Service-Robotern für den Einsatz in Haushalt, Pflege und Gesundheit halten 80 Prozent für wichtig oder sogar sehr wichtig. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag des BMBF durchgeführt hat.

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