Rede von Bundeskanzler Merz anlässlich der Ehrung der Medaillengewinnerinnen und Medaillengewinner der Maccabiah 2026 in Israel am 6. November 2026 in Berlin

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Rede von Bundeskanzler Merz anlässlich der Ehrung der Medaillengewinnerinnen und Medaillengewinner der Maccabiah 2026 in Israel am 6. November 2026 in Berlin

Freitag, 6. November 2026 in Berlin

Liebe Medaillengewinnerinnen und Medaillengewinner der diesjährigen Maccabiah,
liebe Trainerinnen und Trainer,
liebe Mitglieder des Vorstandes von Makkabi Deutschland,
sehr geehrter Herr Präsident, lieber Herr Meyer,
sehr geehrter Staatsminister für Sport und Ehrenamt hier im Kanzleramt,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag,

herzlich willkommen im Kanzleramt! Ich freue mich sehr, dass ich Sie und euch alle heute hier herzlich begrüßen darf, um die Medaillengewinner und -gewinnerinnen der diesjährigen Maccabiah in Israel zu ehren.

Ihr habt Deutschland bei den Spielen erfolgreich vertreten, mehr als erfolgreich vertreten ‑ wir haben es schon gehört, 128 Medaillen ‑, und damit war das deutsche Team das erfolgreichste europäische Team im Wettbewerb. Herzlichen Glückwunsch, ein toller Erfolg! Sie alle, ihr alle könnt stolz sein auf diese wahre Meisterleistung, die ihr da auf internationaler Bühne gezeigt habt, und wir sind als Deutsche stolz auf Sie und auf euch.

Sie haben hart dafür gearbeitet. Sie haben im Training viel dafür gearbeitet. Sie haben viel Unterstützung von den Familien, den Trainern, den Ehrenamtlichen in den Vereinen gehabt. Dieser Erfolg ist deshalb ein Erfolg für alle, nicht nur für die Sportlerinnen und Sportler, sondern auch für diejenigen, die ihn begleitet haben, die Verbände, die Vereine, die Trainer, die Familien. So hoffe ich, und ich bin mir eigentlich sicher ‑ der Film hat es ja auch gezeigt ‑: Es ist und bleibt eine unvergessliche Zeit in Israel, die Sie gehabt haben. Sie haben neue Freundschaften geknüpft, Sie haben unbeschwerte Stunden erlebt, und Sie haben das alles trotz der politischen und auch der geopolitischen Lage erlebt, in der die Spiele in diesem Jahr stattfanden. Genau das macht Ihre Leistung ja auch so besonders wertvoll und besonders bemerkenswert, dass Sie es eben in diesem Umfeld getan haben, in dem Sie diese Höchstleistungen erbracht haben, eben trotz widriger Umstände.

Sie haben 2025 erlebt, dass die Spiele aufgrund der Sicherheitslage kurzfristig verschoben werden mussten, und auch in diesem Jahr war die Sicherheitslage nicht so, wie wir es uns, wie wir es Israel, wie wir es uns allen, wie wir es Ihnen gewünscht hätten. Sie haben es mir eben bei unserem kurzen Vorgespräch gesagt: Auch die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Jahr war deutlich geringer als beim letzten Mal. Trotzdem sage ich es: Sie haben sich nicht unterkriegen lassen. Sie haben „More Than Ever“ gesagt, Sie sind zu den Spielen gereist und  „the rest is history“, wie man so schön sagt. - Herzlichen Dank dafür!

So ist das Ganze nicht nur Sportgeschichte, sondern es ist jüdische Geschichte, denn Sie haben auch die Geschichte des jüdischen Widerstands und seiner Widerstandskraft fortgeschrieben. Zusammenhalten, weitermachen trotz widriger Umstände - das ist ein ganz zentraler Bestandteil, ja, auch jüdischen Lebens in Deutschland.

Dass die Maccabiah in diesem Geist gegründet worden ist und dass sie auch in diesem Jahr unter widrigen Umständen stattfinde musste, erinnert uns daran: Jüdinnen und Juden sind eben immer noch und sind weiterhin einer Vielfalt von Bedrohungen ausgesetzt. Sie sind von Ausgrenzungen und Antisemitismus betroffen. Aber andererseits zeigen uns die Spiele, wie vielfältig jüdisches Leben eben nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt ist, und das muss uns wohl gerade hier in Deutschland auch bisweilen so vor Augen geführt werden. Danke, dass Sie da waren. Danke, dass Sie mit so großer Fröhlichkeit und so großem Erfolg da waren. Danke auch, dass Sie heute diesen Film noch einmal gezeigt haben. Ich fand, wir waren alle sehr beeindruckt. Das darf ich jedenfalls für mich sagen und ‑ ich bin mir ganz sicher ‑ für Sie und für euch alle.

Nun berichten viele Jüdinnen und Juden in unserem Land davon, dass der deutsche Blick auf das Jüdische in der sogenannten Mehrheitsgesellschaft doch manchmal sehr eindimensional ist. Wir sehen hierzulande vor allem die Geschichte von Katastrophen. Es ist ja auch Teil der deutschen Identität und sollte es zumindest sein: Die Erinnerung an das ungeheuerliche Verbrechen am jüdischen Leben müssen wir lebendig halten. Wir müssen immer wieder daran erinnern, was auf deutschem Boden geschehen ist. Aber schwierig und ungerecht wird es dann, wenn es uns davon abhält, die vielen Aspekte jüdischen Lebens, jüdischen Sports, jüdischer Kultur zu sehen, die unsere Gesellschaft eben auch heute bereichert und die uns alle stolz macht. Die vielen Einzelleistungen in der Musik, in der Kultur und eben bei Ihnen, bei euch im Sport, das alles ist auch Teil unseres gemeinsamen Lebens, auch Teil jüdischen Lebens in Deutschland.

Ihr Verband Makkabi Deutschland ist auch darum von unschätzbarem Wert. In den 40 Ortsverbänden von Makkabi trainieren nicht nur jüdische Sportlerinnen und Sportler, sondern Menschen ganz unabhängig von ihrem Glauben und von ihrer Herkunft. Sie haben es mir eben gesagt: 90 Prozent, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, der Mitglieder der Vereine sind nicht jüdischen Glaubens. Dies zeigt also auch, welche ungeheure Integrationsleistung Sie mit dieser Arbeit in den Verbänden, in den Vereinen vollbringen. Sport kann eben Begegnung auf Augenhöhe ermöglichen. Er kann im Kleinen das miteinander schaffen, was wir im Großen in unserem Land gemeinsam anstreben.

Dass dieses Miteinander im Großen immer wieder bedroht ist, und zwar insbesondere durch das Gift des Antisemitismus, das wissen wir, das wissen Sie alle, das erleben Sie, das erleben wir, das erleben Ihre Familien, und ich muss befürchten, wir erleben es alle im Alltag. Meine Damen und Herren, ich will Ihnen deshalb an dieser Stelle noch einmal sagen, wie ich es an vielen anderen Stellen tue und am kommenden Montag erneut in einer Synagoge in München tun werde: Diese Zeit nimmt uns in die Pflicht, dass wir von historischer Verantwortung nicht bloß sprechen, sondern dass wir unsere Verantwortung, Antisemitismus zu bekämpfen, wo immer er sich zeigt, mit Leben erfüllen und in unserem Land als eine beständige Aufgabe annehmen.

Wir tun das in der Bundesrepublik. Wir wollen mit der Unterstützung der Maccabiah und Ihrer Vereine auch die Sichtbarkeit und Selbstverständlichkeit jüdischen Lebens in Deutschland unterstützen. Wir wollen das fördern, und deswegen fördert der Bund ja zum Beispiel auch den Wiederaufbau von Synagogen, zahlreiche Institutionen, Projekte, Verbände sowie auch Sie. Wir haben deshalb die Entsendung der deutschen Mannschaft zur Maccabiah 2026 hier aus dem Bundeskanzleramt heraus auch mit einem nennenswerten Betrag unterstützt.

Die Summen, die Zahlen schaffen natürlich nur eine Infrastruktur, schaffen nur den Rahmen für jüdische Sicherheit und für jüdisches Leben. Sie sind es, die das alles mit Leben erfüllen müssen, die Sportlerinnen und Sportler sowie die Menschen in vielen anderen Bereichen. Herzlichen Dank dafür, dass Sie das tun. Ich danke Ihnen nicht nur im Namen der Bundesregierung, ich danke Ihnen im Namen der Bundesrepublik Deutschland, dass Sie das tun.

Dass Sie den Wert des Sports im Allgemeinen und des Ehrenamts auch gut aufgehoben wissen, das war die Begründung dafür, dass ich mich im letzten Jahr mit der Amtsübernahme der Bundesregierung hier im deutschen Bundeskanzleramt entschieden habe ‑ übrigens heute auf den Tag genau vor 18 Monaten ‑, die Verantwortung nicht nur für Kultur und Medien, sondern auch die Verantwortung für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt aufzuwerten und dies mit einem Staatsminister beim Bundeskanzler auch zu zeigen. Das war die Entscheidung, die ich im letzten Jahr getroffen habe, und ich will es auch an dieser Stelle sagen: Lieber Herr Rauhe, herzlichen Dank, dass Sie das tun, aus dem Sport kommend und jetzt sozusagen im Zentrum der deutschen Politik angekommen, dass Sie die Aufgabe übernehmen. Ich habe eben schon gehört und gesehen, wie gut Sie beide sich auch kennen. Vielen Dank, dass Sie diese Aufgabe hier übernehmen. Wenden Sie sich jederzeit an ihn, und wenn Sie sich an ihn wenden, dann haben Sie unmittelbar auch mich an Ihrer Seite.

Die vorgesehenen Urkunden wird Ihnen Herr Rauhe gleich überreichen. Aber, Frau Reitz, wir haben vorgesehen, dass wir hier noch eine kurze Fragerunde mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern machen. Aber bevor wir einsteigen, noch einmal ganz, ganz herzlichen Dank, dass Sie hier sind. Ich freue mich wirklich, dass Sie das alles gemacht haben, dass Sie diese Arbeit tun, dass Sie diesen Sport leisten. Herzlichen Dank und vor allem noch einmal herzlichen Glückwunsch zu diesem großen Erfolg, den Sie in Israel in diesem Jahr erzielt haben!

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