Künstliche Intelligenz – eine Jahrhundertchance für die Industrienation

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Bundesminister Wildberger beim Digital-Gipfel 2026
Künstliche Intelligenz – eine Jahrhundertchance für die Industrienation

In seinem Pressestatement beim Digital-Gipfel 2026 hat Bundeskanzler Friedrich Merz dazu aufgerufen, die großen Chancen von Künstlicher Intelligenz zu nutzen. Europa dürfe die technologische Gestaltungsmacht nicht anderen überlassen. 

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Montag, 2. November 2026
Bundeskanzler Merz und Bundesminister Wildberger bei einer Pressekonferenz auf dem Podium.

Die Bundesregierung sei entschlossen, die Chancen, die sich durch KI bieten, zu nutzen, betonte Kanzler Merz.

Foto: Bundesregierung/Laurin Schmid

Unter dem Motto „Shaping AI: safe, sovereign, competitive“ knüpfte der Digital-Gipfel 2026 neben dem Themenschwerpunkt Künstliche Intelligenz auch an den letztjährigen Gipfel zur europäischen digitalen Souveränität an. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesdigitalminister Karsten Wildberger betonte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass Europa die technologische Gestaltungsmacht nicht anderen überlassen dürfe. „Wir haben uns dazu bekannt, einen eigenen europäischen Weg zu gehen, einen Weg, der auf Offenheit, Vertrauen und unseren demokratischen Werten basiert“, erklärte Merz.

Der Bundeskanzler verwies in diesem Zusammenhang auch auf die European Future AI Initiative: Mit ihr „bündeln wir nun die Kräfte von Deutschland, Frankreich und vielen weiteren Partnern wie Finnland, Italien und Polen“. Gemeinsam mit privaten Investoren wolle man souveräne europäische „frontier“-Modelle entwickeln. „Wir sichern uns damit die technologische Basis unserer eigenen Freiheit“, unterstrich Merz.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Investitionsgipfel: Die 230 Milliarden Euro an Investitionszusagen beim Investitionsgipfel in Berlin seien ein wichtiges Signal, so Merz: Deutschland wolle nicht nur Nutzer von KI sein, sondern Vorreiter bei der industriellen KI und der Physical AI. 

  • Ressortübergreifende KI-Taskforce: Unter der Federführung des Digitalministeriums habe eine KI-Taskforce die übergreifende Vision von Deutschlands Weg zur KI-Nation bis 2030 erarbeitet. Der heute veröffentlichte Ergebnisbericht setze dafür messbare Ziele und bündele 18 ressortübergreifende Schlüsselmaßnahmen, so der Kanzler. 

  • KI-Sicherheitsinstitut AISI Deutschland: „Sicherheit und Vertrauen sind für uns ein ganz erheblicher Standortvorteil“, betonte der Bundeskanzler. Deshalb habe man das KI-Sicherheitsinstitut AISI Deutschland geschaffen. „Wir bauen eine Infrastruktur auf, die KI-Systeme vertrauenswürdig macht. Dabei wollen wir mit unseren Ressourcen effizient umgehen.“

  • Souveräne digitale Verwaltung: „Wir setzen auf eine souveräne digitale Verwaltung, und wir engagieren uns auf der europäischen Ebene im Rahmen des sogenannten Digital-Omnibus für die Entlastung unserer kleinen und mittelständischen Unternehmen“, sagte der Kanzler. Bürokratie dürfe kein Hemmnis sein, so Merz.

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen zum diesjährigen Digital-Gipfel! Wir treffen uns in einer Zeit, in der sich die digitale Welt rasant entwickelt. Die Geschwindigkeit, mit der künstliche Intelligenz in unsere Wirtschaft, unsere Verwaltung und unser gesellschaftliches Miteinander eindringt, ist geradezu beispiellos. Wir haben vergangenes Jahr auf unserem Digital-Gipfel eine wichtige Richtungsentscheidung getroffen. Wir haben uns dazu entschlossen und setzen es auch durch: Europa darf die technologische Gestaltungsmacht nicht anderen überlassen. Wir haben uns dazu bekannt, einen eigenen europäischen Weg zu gehen, einen Weg, der auf Offenheit, Vertrauen und unseren demokratischen Werten basiert. Wir wollen souverän handeln.

Heute, ein Jahr später, können wir sagen: Wir sind auf diesem Weg nicht nur angetreten, sondern wir haben das Tempo deutlich beschleunigt. Wir begleiten den Wandel nicht mehr nur, sondern wir gestalten ihn. – Das ist ein zentraler Pfeiler dieser Strategie, einer Strategie, für die wir uns mit internationalen Partnern vernetzen. Wir wollen, dass Europa an der Spitze dieser Technologien mitspielt. Ich habe es in meiner Rede eben erwähnt: Mit der European Future of AI Initiative bündeln wir nun die Kräfte von Deutschland, Frankreich und vielen weiteren Partnern wie Finnland, Italien und Polen, die auf unsere Einladung hin hier heute auch dabei sind. Wir wollen gemeinsam mit privaten Investoren souveräne europäische „frontier“-Modelle entwickeln. Wir sichern uns damit die technologische Basis unserer eigenen Freiheit.

Ich habe auf meiner Reise in der vergangenen Woche nach Singapur, Japan und Korea auch die Weichen für weitere Kooperationen gestellt, gerade bei KI-„frontier“ und KI-Security. Diese Partnerschaften mit, wie wir es nennen, „like-minded“ Staaten, sind essenziell, um einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren und am besten gar nicht erst entstehen zu lassen.

Auch die sehr beeindruckenden über 200 Milliarden Euro an Investitionszusagen, die wir bei unserem Investitionsgipfel vor gut einer Woche hier in Berlin bekommen haben, sind für mich ein wichtiges Signal. Deutschland will nicht nur Nutzer von KI sein, sondern Vorreiter, insbesondere bei der industriellen KI, die wir dringend brauchen, auch für unseren Mittelstand.

Wir haben vor dem Sommer auf meine Bitte hin in der Bundesregierung eine ressortübergreifende KI-Taskforce eingesetzt. Unter der Federführung von Bundesminister Karsten Wildberger hat diese Taskforce nun ressortübergreifende Vorschläge für Deutschlands Weg zur KI-Nation 2030 unterbreitet. Der Ergebnisbericht, der heute veröffentlicht wird, setzt dafür messbare Ziele und bündelt insgesamt 18 ressortübergreifende Schlüsselmaßnahmen Ich will Karsten Wildberger bei dieser Gelegenheit noch einmal sehr herzlichen Dank dafür sagen, dass er diese Arbeit in seinem Haus so zügig und so zielgerichtet durchgeführt hat. Herzlichen Dank dafür!

Sie haben es in meiner Rede eben gehört, aber ich will es hier wiederholen: Sicherheit und Vertrauen sind für uns ein ganz erheblicher Standortvorteil. Deshalb haben wir mit dem ganzen Thema auch den Aspekt der Sicherheit verbunden. Wir haben ein KI-Sicherheitsinstitut geschaffen. Wir bauen eine Infrastruktur auf, die KI-Systeme vertrauenswürdig macht. Wir wollen mit unseren Ressourcen effizient umgehen. Wir wissen gleichzeitig, dass Vertrauen in die Technik und die Sorge um die Ressourcen sehr viele Menschen in unserem Lande umtreiben. Wir arbeiten an diesen Strategien.

Wir arbeiten parallel dazu auch an einer Nationalen Rechenzentrumsstrategie, um unsere Rechenkapazitäten bis zum Jahr 2030 zu vervierfachen. Das ist eine enorme Kraftanstrengung, die wir leisten, die wir aber auch leisten müssen; denn Rechenleistung ist die Währung für KI.

Wir setzen auf eine souveräne digitale Verwaltung, und wir engagieren uns auf der europäischen Ebene im Rahmen des sogenannten Digital-Omnibus für die Entlastung unserer kleinen und mittelständischen Unternehmen. Wir wollen einen Rechtsrahmen auch in Europa, der Innovation ermöglicht. Bürokratie darf dabei kein Hemmnis sein.

Meine Damen und Herren, die zentrale Frage ist für uns nicht mehr nur, was wir kaufen und produzieren, sondern, wer den tiefgreifenden technologischen und geopolitischen Wandel, in dem wir uns befinden, gestaltet und wer die Chancen nutzt. Ich persönlich bin sehr davon überzeugt, dass Deutschland und Europa, wenn wir unsere technologische Exzellenz und unsere Innovationskraft mit unseren demokratischen Werten verbinden, diese Rolle übernehmen werden. Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit den Unternehmen und vor allen Dingen auch mit unseren internationalen Partnern zu gehen.

Diese Bemerkung will ich zum Schluss noch machen: Ich habe gerade die Gelegenheit gehabt, mit Karsten Wildberger an einem Round Table teilzunehmen, an dem unsere Gäste aus vielen Ländern der Welt und auch Unternehmen vertreten waren, die uns sozusagen den Spiegel vorgehalten haben: Was ist in Deutschland möglich, und was müssen wir noch leisten? – Ich habe es in meinen Schlussbemerkungen dort gesagt und will es hier gern wiederholen: Ich gehe noch zuversichtlicher aus diesem Gipfel heraus, als ich hineingekommen bin. Ich war ohnehin sehr optimistisch, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber wir bekommen es auch von unseren internationalen Partnern und von vielen Unternehmen bestätigt: Deutschland ist auf dem richtigen Weg. Europa ist auf dem richtigen Weg. Wir haben alle Chancen, ein großer Profiteur dieser neuen Technologie zu sein.

Wir wollen das nutzen. Wir wollen unsere Bevölkerung dabei mitnehmen. Aber wir sehen eben auch die großen Chancen, die sich für uns als Industrienation ergeben. Denn wir haben etwas, was die meisten Länder auf der Welt nicht haben, jedenfalls nicht in dieser Form. Das ist eine tief gestaffelte, breit aufgestellte industrielle Basis in unserem Land, vor allem geprägt durch große internationale Unternehmen, große mittelständische Unternehmen bis in den kleinteiligen Mittelstand hinein, die mit dieser neuen Technologie Chancen haben, wie sie sich wahrscheinlich nur einmal in Jahrzehnten, vielleicht nur einmal in einem Jahrhundert so ergeben, wie wir sie gegenwärtig sehen. Wir sind entschlossen, diese Chance zu nutzen.

Bundesminister Karsten Wildberger:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrte Damen und Herren, erst einmal herzlich willkommen hier beim Digitalgipfel! Sie hören es den ganzen Tag: KI verändert unsere Wirtschaft schneller, als viele erwarten. Die Technologie geht immer schneller voran. Im vergangenen Jahr, in der Zeit seit dem vorigen Gipfel bis heute, ist in Deutschland unglaublich viel in Bewegung gekommen. Dinge nehmen Gestalt an. Gleichzeitig sage ich, auch bei der Geschwindigkeit: Wir müssen schneller werden. Sicherlich ist es so, dass KI mit vielen Risiken kommt. Wir nehmen sie sehr ernst. Deshalb unternehmen wir auch ganz konkrete Dinge wie das Sicherheitsinstitut. Wir investieren in Sicherheitsforschung. Aber das größte Risiko, das wir haben, ist, an der KI technologisch und wirtschaftlich. nicht ausreichend teilzunehmen. Das ist das größte Risiko.

Deshalb komme ich zu der Seite der Möglichkeiten durch KI. Sie kann Forschung beschleunigen. Sie kann Unternehmen produktiver machen. Sie kann den Produktentwicklungsprozess verbessern. Sie kann den Staat leistungsfähiger machen. Wir brauchen das Wachstum, das KI produzieren kann – Wachstumsraten, die wir lange schon nicht mehr kennen, sind mit KI möglich –, um damit auch unseren Wohlstand zu sichern, auch Arbeitsplätze zu sichern, unseren Sozialstaat zu finanzieren und Menschen auch neue Chancen zu eröffnen. Es geht auch um das Vertrauen, dass unsere Demokratie eine bessere Zukunft möglich macht. Das geht nicht, ohne dass wir an dieser Technologie führend teilhaben. Wir haben alle Möglichkeiten dazu.

Um das konkret zu machen, haben wir in der Taskforce zum allerersten Mal als Bundesregierung, und zwar über alle Ressorts geeint, KI-Ziele für 2030 definiert. Das ist ein ganz wichtiger Schritt. Wir als Regierung übernehmen gemeinsam Verantwortung dafür, uns zu beschleunigen und uns messbar zu machen: Bis 2030 sollen mindestens 55 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen KI einsetzen. Wir werden über die Zeit auch bewerten, wie tief das geht. Mindestens 90 Prozent der Bundesbehörden sollen wenigstens eine KI-Anwendung produktiv nutzen. Das setzen wir um. Die Rechenzentrumskapazität – Herr Bundeskanzler, Sie haben es gesagt – wird sich vervierfachen. Mindestens eine europäische KI-Gigafabrik soll auch in Deutschland ihren Betrieb aufnehmen.

Wir haben in Summe 18 Maßnahmen auf sechs Feldern vereinbart. Daraus entsteht ein Arbeitsprogramm. Jetzt werden manche, die das lesen, sagen: Was heißt denn das? – Ganz einfach: Wir haben ein klares, definierbares Arbeitsprogramm. So, wie auch unser Ministerium arbeitet, indem wir uns transparent machen, gehen wir in der Regierung jetzt an die Arbeit und kommen regelmäßig zusammen, um den Fortschritt voranzubringen. Wir werden über diese Fortschritte regelmäßig berichten, und wir wollen uns an den Ergebnissen messen lassen, auch ich persönlich.

Entscheidend ist, was tatsächlich entsteht: Rechenzentren, die in Betrieb gehen, Unternehmen, die mit KI wettbewerbsfähiger werden, neue Unternehmen, die entstehen und wachsen, und auch eine Verwaltung, die Anträge schneller bearbeitet und auch diese Technologie nutzt.

Wir in Deutschland haben alle Möglichkeiten, hierbei wirklich nach vorn zu kommen und auch vorn mitzuspielen. Wir haben die Ingenieurskunst. Wir haben unsere Industrie und unseren Mittelstand mit all der Industrieexpertise in den verschiedenen Sektoren. Wir haben unglaubliche Datenschätze, die man braucht, um auch industrielle KI entsprechend zu trainieren. Unser Anspruch ist deshalb auch die Fabrik, die denkt, die man schneller produzieren kann, die man schneller und flexibler umbauen kann. Dafür brauchen Unternehmen Rechenleistung, nutzbare Daten und Regeln, die Innovation besser ermöglichen.

Sicherheit ist selbstverständlich auch ein entscheidender Faktor und ein Fokusthema. Wir müssen Missbrauch verhindern und KI unter menschlicher Kontrolle halten. Deshalb gründen und bauen wir gerade das KI-Sicherheitsinstitut in Deutschland aus und investieren auch in Sicherheitsforschung, aus der dann Produkte und Modelle entstehen, die sicherer funktionieren als heutige Modelle.

Aber auch der technologische Rückstand ist, wie gesagt, ein Risiko, und ihn halte ich für massiv. Ich werbe noch einmal dafür, dieses Thema aufzuholen und es auch positiv zu begleiten. Das ist, denke ich, für unsere Zukunft, für die Zukunft aller Menschen in Deutschland ein wichtiger Faktor. Am Ende geht es um die Menschen. Gerade junge Menschen müssen auch sehen, dass sich Lernen und Anstrengungen lohnen, dass sie Arbeit finden, von der sie leben können und sich etwas aufbauen können. Ich habe es heute auch in meiner Rede gesagt. Es wird auch eine große Aufgabe sein, in dieser Zeit der neuen Technologie junge Menschen, die ja noch lernen müssen, zu befähigen, ihren Weg in dieser Technologie zu finden. Die Frage, wie wir junge Menschen auf diesem Weg mitnehmen, dass sie lernen, dass sie ihre Zukunft bauen können und auch die Möglichkeiten spüren, wird auch für uns in der Regierung ein wichtiges Thema sein. Das ist nämlich eine echte Chance, am Ende auch selbst zu gestalten.

Wir als Bundesregierung haben uns gemeinsam auf diese Ziele verpflichtet, und jetzt übernehmen wir gemeinsam Verantwortung für die Ergebnisse. Wie machen wir das? – Indem wir arbeiten.

Vielen Dank.