Klimaschutz, Wirtschaft und Sicherheit im Einklang

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Pressekonferenz des Bundeskanzlers nach dem World Climate Leaders‘ Summit  Klimaschutz, Wirtschaft und Sicherheit im Einklang

In Belém betonte Bundeskanzler Merz, dass Klimaschutz, wirtschaftliche Stärke und internationale Zusammenarbeit Hand in Hand gehen. Deutschland und Europa setzen auf Innovation und Partnerschaften, um Wohlstand und Klimaschutz zu vereinen.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Freitag, 7. November 2025
Bundeskanzler Merz und der brasilianische Präsident Lula da Silva reichen sich die Hände.

Bundeskanzler Merz und der brasilianische Präsident Lula da Silva wollen die strategische Zusammenarbeit in Klima-, Handels- und Rohstoffpolitik ausbauen.

Foto: Bundesregierung / Steffen Kugler

Im brasilianischen Belém gab Bundeskanzler Friedrich Merz eine Pressekonferenz zu seiner Teilnahme am World Climate Leaders‘ Summit von Staats- und Regierungschefs, der im Vorfeld der Weltklimakonferenz stattfand. 

„Wir werden dann Erfolg haben, und wir werden vor allen Dingen im Klimaschutz vorankommen, wenn wir ihn mit ökonomischem Erfolg verbinden können. Dann werden auch Unternehmer mehr investieren, und dann werden Bürgerinnen und Bürger auch überzeugter sein, den Weg mitzugehen,” sagte der Kanzler.

Lesen Sie hier die gesamte Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen! Ich freue mich, dass Sie an dieser kurzen Pressekonferenz teilnehmen.

Ich habe heute den Tag über am World Climate Leaders’ Summit in Belém in Brasilien im Amazonasmündungsgebiet teilgenommen. Von Anfang an war klar, dass das keine einfache Klimakonferenz wird. In vielen Ländern der Welt, in vielen Hauptstädten hat der Elan beim Klimaschutz deutlich nachgelassen. Nachgelassen hat auch vielfach der Wille, die Verantwortung gemeinsam zu tragen. Gerade deshalb ist es mir wichtig, heute hier zu sein und zu zeigen, dass Deutschland und Europa weiterhin für den Klimaschutz einstehen. Das hat einen ganz einfachen Grund. Wir haben ein essenzielles Interesse daran, in unserem Einsatz für den Klimaschutz voranzukommen.

Wir dürfen den Klimawandel dabei nicht isoliert betrachten. Klimawandel, Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaften und Sicherheit unserer Länder müssen in Einklang stehen. Wir müssen sie in Einklang bringen. Das gilt national wie international. Eine wettbewerbsfähige und widerstandsfähige Industrie ist nicht nur in Deutschland das Rückgrat unserer Volkswirtschaft, sondern das gilt für ganz Europa und für viele Länder auf der Welt. Gleichzeitig bleibt die Industrie ein Treiber des Klimawandels. Deshalb müssen wir gerade in der Industrie die CO2-Emissionen verringern.

Wir haben uns zu den Klimazielen verpflichtet, und dazu stehen wir. Sie alle wissen, dass die europäischen Umweltminister in dieser Woche den europäischen Weg zur Klimaneutralität neu vermessen haben. Aber die Botschaft ist entgegen allem, was dazu kritisch gesagt und geschrieben wird, klar: Wir sind und wir bleiben auf Kurs.

Ein Denken in Dogmen wird uns allerdings nicht voranbringen. Wir brauchen eine Klimapolitik, die offen ist, vor allen Dingen offen für Technologie. Die Bundesregierung wird deshalb keine Technologien verordnen. Wir werden gerade neuen Technologien auch Raum zur Entfaltung geben. Wir wollen gerade unseren Wissenschaftlern und unseren Unternehmen vertrauen, dass sie den richtigen Weg gehen. Wir werden dann Erfolg haben, und wir werden vor allen Dingen im Klimaschutz vorankommen, wenn wir ihn mit ökonomischem Erfolg verbinden können. Dann werden auch Unternehmer mehr investieren, und dann werden Bürgerinnen und Bürger auch überzeugter sein, den Weg mitzugehen.

Sie wissen, dass wir Marktinstrumente für richtig halten. Zu diesen Marktinstrumenten zählt vor allen Dingen ein Preismechanismus für CO2. Dieser Preismechanismus spielt eine Schlüsselrolle, und diese Rolle wollen wir stärken.  Deshalb unterstützt die Bundesregierung die brasilianische Waldschutzinitiative TFFF. Ich will, damit keine Missverständnisse entstehen, sagen: Es gibt eine Abstimmung in der Koalition, die wir auch am Mittwoch im Kabinett noch einmal bestätigt haben. Wir werden einen nennenswerten Beitrag für diese Initiative leisten. Darüber gibt es in der Bundesregierung Konsens. Ich habe das auch noch einmal mit dem Finanzminister abgesprochen, auch auf dem Weg hierher. Wir werden zunächst einmal diese Initiative prüfen. Das erfordert ein bisschen Zeit. Aber wir werden dieser Initiative dann auch beitreten und es mit einem nennenswerten Beitrag aus Deutschland begleiten. Ich habe das eben auch in beiden Diskussionen, an denen ich teilgenommen habe, noch einmal bestätigt. Da gibt es auch keinerlei Differenzen zwischen den Koalitionspartnern in Berlin.

Wir wollen mit diesem innovativen Marktinstrument auch private Investitionen zum Klimaschutz mobilisieren. Wir schützen die tropischen Regenwälder. Wir belohnen, wer ihren Bestand garantiert. Das ist genau die Verbindung von Klimaschutz und Marktwirtschaft, die wir brauchen. Dieser Ansatz ist im Übrigen auch allemal klüger und wirtschaftlicher, als nach der Rodung von Wäldern in die Wiederaufforstung investieren zu müssen. Deshalb sind wir bei dieser Initiative dabei.

Größere Unabhängigkeit von Kohle, Öl und Gas kommt nicht nur dem Klimaschutz zugute. Wenn wir es richtig machen – und wir wollen es richtig machen –, dann treibt sie Wachstum und Wohlstand, und dies in einer neuen Zeit, die von Großmachtpolitik und Systemkonkurrenz mehr geprägt ist als in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Das macht uns unabhängiger, das macht uns widerstandsfähiger, und das macht uns sicherer. Wir sehen das gerade aus der europäischen Perspektive angesichts des fortdauernden russischen Angriffskriegs in der Ukraine schärfer denn je. Klimapolitik ist heute eben auch ein Stück Sicherheitspolitik.

Meine Damen und Herren, heute geht es mir aber nicht nur um Klimaschutz. Das ist nicht zuletzt mein erster Besuch in Lateinamerika als Bundeskanzler. Mit diesem Besuch möchte ich zusätzlich drei wichtige Botschaften verbinden.

Erstens: Die Bundesregierung arbeitet in strategischer Weise daran, globale Partnerschaften aufzubauen und auszubauen. Das gilt für die Klimapolitik; das gilt aber auch für die Handelspolitik und für die Rohstoffpolitik. Brasilien, die MERCOSUR-Staaten insgesamt und andere Partner in Lateinamerika haben wir dabei fest im Blick. Darüber habe ich mich heute auch sehr intensiv mit Präsident Lula da Silva ‑ Sie haben es mitbekommen ‑ und mit anderen Staats- und Regierungschefs ausgetauscht. Ich nutze die Gelegenheit meines Besuches in Brasilien, um auch diese bilateralen Gespräche zu führen.

Ich will auch betonen, dass ich mich sehr darüber gefreut habe, dass Präsident Lula da Silva meine Einladung angenommen hat, die Hannover Messe mitzueröffnen. Wir werden am 20. April des nächsten Jahres gemeinsam die Hannover Messe eröffnen. Das ist insofern eine wichtige Botschaft, weil Brasilien im nächsten Jahr Partnerland der Hannover Messe Industrie ist. Präsident Lula hat mir heute zugesagt, dass er persönlich kommen wird, obwohl in der Reihenfolge der deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen eigentlich wir an der Reihe wären, nach Brasilien zu kommen. Aber wir werden es jetzt so machen, dass Präsident Lula gerade wegen der Hannover Messe nach Hannover kommen wird.

Zweitens: Die Bundesregierung stärkt gemeinsam mit den Partnern eine internationale Ordnung, die auf Recht und Regeln beruht und die auf Verabredungen und auf Respekt unter Gleichen baut. Multirão, unter dieses Motto hat Brasilien diese Konferenz ja gestellt. Genau so, wir werden auf den Klimawandel und auf die weiteren globalen Herausforderungen unserer Zeit nur dann wirkungsvoll antworten können, wenn wir es gemeinsam tun. Wir tun das auf der europäischen Seite im europäischen Verbund. Das ist in unserem eigenen Interesse. Das ist aber auch im Interesse der Welt, die so ist, wie ich sie heute beschrieben habe.

Meine Damen und Herren, die 30. COP kehrt heute sozusagen an ihre Wurzeln zurück. Dafür will ich Gastgeber Brasilien und Präsident Lula da Silva herzlich danken. Hier im Amazonasbecken schärft sich eben auch noch einmal unser Blick auf diese wahre Menschheitsaufgabe. Wir alle sind uns der Verantwortung bewusst, die wir für unsere Welt und für unser Zusammenleben tragen. Wir wollen ihr auch als Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam nachkommen. Deswegen will ich noch einmal sagen: Ich freue mich, dass es eine große Übereinstimmung in der Bundesregierung gibt, wie wir mit diesem Thema umgehen. Es gibt aber auch eine große Übereinstimmung zwischen Deutschland und den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Wir sind hier heute mit einer gemeinsamen, übereinstimmenden Botschaft gemeinsam aufgetreten. Ich denke, dass ist gerade für den Klimaschutz wichtig, das ist aber auch wichtig, um zu zeigen, dass wir Europäer auf dieser wichtigen Konferenz gemeinsam unterwegs sind.

Vielen Dank.