Gemeinsam die Sicherheit Europas stärken

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Belgiens Premierminister De Wever Gemeinsam die Sicherheit Europas stärken

Deutschland und Belgien eint als Nachbarn, EU-Gründungsmitglieder und NATO-Verbündete das „fundamentale Interesse an einem freien und sicheren Europa”, so Bundeskanzler Friedrich Merz beim Besuch des belgischen Premierministers Bart De Wever.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 26. August 2025
Auf dem Foto zu sehen sind Bundeskanzler Friedrich Merz und Belgiens Premierminister Bart De Wever bei der Begrüßung vor dem Bundeskanzleramt.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat den belgischen Premierminister Bart De Wever im Bundeskanzleramt empfangen.

Foto: Bundesregierung/Sandra Steins

Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach dem Gespräch mit dem belgischen Premierminister Bart De Wever die „sehr enge und sehr partnerschaftliche” Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Belgien gewürdigt. 

Als Beispiel nannte er das erfolgreiche Zusammenwirken der Innenbehörden beider Länder beim Kampf gegen organisierte Kriminalität und Drogenschmuggel. Das sei vor allem für die Häfen in Hamburg, Antwerpen und Rotterdam von großer Bedeutung, so Merz in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit De Wever im Bundeskanzleramt.

Das Wichtigste in Kürze:  

  • Frieden in der Ukraine: Gemeinsam wollen Belgien und Deutschland einen gerechten Frieden in der Ukraine unterstützen. Merz begrüßte die Bereitschaft der USA, sich an Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu beteiligen. „Die gemeinsame transatlantische Arbeit an solchen Garantien ist unterwegs“, sagte der Kanzler. Das sei allerdings erst ein Schritt in die richtige Richtung.
  • Lage in Nahost: Bundeskanzler Merz bekräftigte gegenüber De Wever, dass die Grundlinien der deutschen Israelpolitik unverändert bleiben. Er richtete einen dringenden Appell an die Terrororganisation Hamas, die Waffen niederzulegen und die noch in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln umgehend freizulassen. Außerdem müssten diese bis zu ihrer Freilassung menschenwürdig behandelt werden. Israel wiederum dürfe es nicht unmöglich machen, dass es eines Tages zu einer Zwei-Staaten-Lösung komme.
  • Migration in Europa: Die Eindämmung der irregulären Migration nach Europa bezeichnete Bundeskanzler Merz als gemeinsame Priorität beider Regierungen. Besonders wichtig seien dabei eine Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) und der effektive Schutz der europäischen Außengrenzen.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video: 

16:07

Video Pressebegegnung von Kanzler Merz und Belgiens Premierminister De Wever

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz: 

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, ein zweites Mal herzlich willkommen heute! Ich freue mich, dass ich heute den belgischen Ministerpräsidenten Bart De Wever hier in Berlin willkommen heißen darf. Wir haben diesen Besuch vor einiger Zeit miteinander verabredet.

Bart De Wever spricht sehr gut Deutsch, deswegen haben wir unser Treffen gerade auch in deutscher Sprache abgehalten. Ich habe gelernt, dass er das sogar auf Latein machen könnte, aber es würde uns hier im Haus vor große Schwierigkeiten stellen, das übersetzen zu lassen.

Zurück zu unseren bilateralen Beziehungen: Belgien und Deutschland arbeiten sehr eng und sehr partnerschaftlich zusammen. Ein jüngstes Beispiel ist die erfolgreiche Zusammenarbeit unserer Innenbehörden im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Drogenschmuggel. Das ist ein Thema, das wir besprochen haben, auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit der großen Häfen Hamburg, Rotterdam und Antwerpen. Hier gibt es eine Allianz, auch für neue Standards, die wir gerne in der Europäischen Union gemeinsam verwirklichen würden. Es hat hierüber auch schon erste intensive Beratungen mit den betroffenen Städten gegeben.

Wir sind Nachbarn. Wir sind Gründungsmitglieder der Europäischen Union. Wir sind Verbündete in der NATO. Uns eint das fundamentale Interesse an einem freien und sicheren Europa; und deshalb haben wir auch über den Krieg Russlands gegen die Ukraine gesprochen, sprechen müssen. Wir begrüßen, dass die USA bereit sind, sich an Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu beteiligen. Die gemeinsame transatlantische Arbeit an solchen Garantien ist unterwegs, ist begonnen worden. Aber das ist erst ein Schritt in die richtige Richtung. Es wird lange dauern, bis wir hier auch einen Friedensprozess sehen.

Ich habe heute Vormittag schon gesagt: Deutschland wird sich wie die anderen Partner in Europa natürlich an diesem Prozess beteiligen. Dafür, zu beantworten, wie genau der deutsche Beitrag aussehen kann, ist es heute zu früh. Wichtig ist, dass wir zunächst einmal miteinander über Rahmenbedingungen und Ziellinien sprechen.

Es ist wertvoll, dass wir uns heute zwischen den beiden Regierungen ausgetauscht haben, sehr vertrauensvoll und vertraulich. Belgien ist für uns ein wichtiger Partner.

Wir haben uns auch über die Lage im Nahen und Mittleren Osten ausgetauscht. Die Grundlinien unserer Israelpolitik bleiben unverändert. Ich habe dem belgischen Ministerpräsidenten auch erläutert, warum wir bestimmte Entscheidungen in Deutschland im Hinblick auf Gaza und im Hinblick auf die Westbank getroffen haben.

Wir wollen hier noch einmal von dieser Stelle aus einen dringenden Appell an die Hamas aussprechen, die Waffen niederzulegen und die Geiseln freizulassen, und bis zu einer Freilassung müssen die Geiseln im Gazastreifen menschenwürdig behandelt werden. Das ist aus unserer Sicht eine besonders dringliche Frage.

Wir haben uns heute auch europapolitisch abgestimmt. Die Eindämmung irregulärer Migration nach Europa ist eine gemeinsame Priorität. Ich habe meinem Gast erläutert, was wir in den letzten Monaten in Deutschland in der Migrationspolitik gemacht haben, auch, was wir mit einer Reduktion der Asylbewerberzahlen um mittlerweile mehr als 40 Prozent erreicht haben. Es ist für uns auch im Zusammenhang mit dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem wichtig, dass wir hier zu einem gemeinsamen Schutz der Außengrenzen kommen.

Schließlich, last, but not least, haben wir über die europäische Handelspolitik gesprochen. Ich habe noch einmal dafür geworben, dass wir gemeinsam auch das Handelsabkommen mit den MERCOSUR-Staaten so schnell wie möglich verabschieden. Das wird im Europäischen Rat im Herbst auch noch einmal auf der Tagesordnung stehen. Schließlich ist ein entscheidender Beitrag der Europäischen Union auch zum Rückbau der Bürokratie notwendig, um die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft deutlich zu verbessern.

Ich will auch an dieser Stelle ein herzliches Wort des Dankes dafür sagen, dass wir uns in der absoluten Priorität der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie einig sind. Wir wollen die Umweltpolitik bzw. den Klimaschutz nicht vernachlässigen, aber wir wollen in Europa Industrie behalten, und Belgien ist ja der größte petrochemische Standort, sogar, glaube ich, der Welt, zumindest Europas, jedenfalls einer der größten der Welt. Wir haben auch ein hohes gemeinsames Interesse daran, die chemische Industrie in Europa zu halten, und das heißt, wir müssen wettbewerbsfähig werden, auch im Hinblick auf die Industrie in unseren beiden Ländern.

Also noch einmal sehr herzlichen Dank! Ich freue mich, dass wir unsere Zusammenarbeit nicht nur bilateral vertiefen, sondern dass wir uns miteinander auch über gemeinsame Arbeit in der Europäischen Union abstimmen. Danke für das Vertrauen und danke für die gute Zusammenarbeit, die wir in Zukunft noch weiter vertiefen wollen!

Premierminister Bart De Wever:

Ich habe diese Pressekonferenz nicht vorbereitet, wie Sie das getan haben, Herr Merz, aber ich möchte trotzdem damit beginnen, Ihnen herzlich zu danken für die Einladung und dafür, dass Sie die Zeit genommen haben, über viele bilaterale, europäische und auch geopolitische Themen, die wir besprochen haben, zu reden.

Mein Land und Deutschland sind Nachbarn, wir sind gute Freunde, und ich glaube, dass wir auch enge Partner sein können und müssen. Ich habe festgestellt, dass wir uns in vielen Fragen völlig einig sind, und deshalb freue ich mich darauf, weiter zusammenzuarbeiten.

Die Herausforderungen sind sehr groß, aber ich bin überzeugt, dass Deutschland und Europa mit Bundeskanzler Merz eine starke Führungspersönlichkeit an Bord haben. Das ist wichtig; denn wir haben es – Sie haben es schon gesagt – mit großen Themen zu tun. Ich glaube, dass Europa der Wettbewerbsfähigkeit Priorität geben muss, dass wir an einer strengeren Migrationspolitik arbeiten müssen und dass auch die Stärkung des Binnenmarktes für Europa ein sehr wichtiges Thema ist. Ich glaube, dass wir mit Deutschland daran arbeiten können. Vielen Dank.