Merz würdigt Beitrag Rumäniens für Europas Sicherheit

  • Bundesregierung | Startseite
  • Bundeskanzler

  • Schwerpunkte 

  • Bundesregierung

  • Aktuelles

  • Mediathek 

  • Service   

Pressekonferenz von Kanzler Merz und Rumäniens Ministerpräsident Bolojan Merz würdigt Beitrag Rumäniens für Europas Sicherheit

Deutschland und Rumänien übernähmen gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit Europas, unterstrich Kanzler Merz beim Besuch des rumänischen Ministerpräsidenten Bolojan in Berlin. Zudem betonte er die Zusammenarbeit bei der Unterstützung der Ukraine.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Mittwoch, 28. Januar 2026
Kanzler Merz mit dem rumänischen Ministerpräsident Bolojan im Kanzlerbüro im Kanzleramt in Berlin.

Frieden für die Ukraine und Sicherheit für Europa: Diese Ziele verfolgten Deutschland und Rumänien gleichermaßen, betonte Kanzler Merz nach dem Gespräch mit Ministerpräsident Bolojan.

Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann

„Wie machen wir Europa gemeinsam in diesen schwierigen Zeiten sicherer? Wie machen wir es wettbewerbsfähiger?“ Diese Fragen seien im Mittelpunkt seines Gesprächs mit Ilie Bolojan gestanden. Das sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem rumänischen Ministerpräsidenten am Mittwoch in Berlin. Bolojan war bei seinem Antrittsbesuch im Bundeskanzleramt mit militärischen Ehren empfangen worden. 

In einer „neuen Zeit der Großmachtpolitik“, in der Freiheit, Sicherheit und der Wohlstand Europas nicht mehr selbstverständlich seien, sei die Stärkung der Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit Europas dringend notwendig, bekräftigte Bundeskanzler Merz. Er dankte Rumänien, das an der NATO-Ostflanke und an der Grenze zur Ukraine gelegen „täglich Großes“ für die europäische Sicherheit leiste.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vereint für die Ukraine: Deutschland und Rumänien helfen „unseren ukrainischen Freunden durch diese bitteren Wintertage“, in denen Russland die Energieversorgung der Ukraine systematisch angreife, sagte der Bundeskanzler. So leiste Rumänien mit seinen Energielieferungen einen sehr wichtigen Beitrag. Auch Deutschland habe die Unterstützung für Energieversorgung und Luftabwehr der Ukraine erneut verstärkt. „Wir wollen Frieden für die Ukraine. Und wir wollen gleichzeitig Sicherheit für Europa“, forderte Merz.
  • Sicherheit in Europa stärken: Merz und Bolojan erörterten auch, wie mit der von Russland ausgehenden hybriden Bedrohung umzugehen ist. Die Angriffe reichten von gezielter Desinformation über Cyber-Operationen bis hin zu Lauftraumverletzungen an der NATO-Ostflanke. „Deutschland und Rumänien begegnen dem gemeinsam und entschlossen“, sagte der Bundeskanzler. So beteilige sich Deutschland bereits zum vierten Mal mit Eurofightern an der Luftraumüberwachung in Rumänien. Parallel zum Treffen der Regierungschefs in Berlin am Mittwoch unterzeichneten die Verteidigungsminister Deutschlands und Rumäniens zudem ein Memorandum of Understanding zu Rüstungsexporten.
  • Wirtschaftsbeziehungen ausbauen: Deutschland und Rumänien seien wirtschaftlich bereits eng miteinander verwoben, hob Bundeskanzler Merz hervor. So investierten deutsche Unternehmen in Rumänien, schafften dort Arbeitsplätze und trügen dadurch zur Modernisierung der Wirtschaft bei. Doch Merz zufolge gibt es auch noch großes Potenzial. Gerade in den Bereichen Industrie, Digitalisierung, Infrastruktur und Energie gelte es, die „gemeinsame Erfolgsgeschichte jetzt mit Engagement" fortzusetzen.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video:

28:34

Video Pressekonferenz von Kanzler Merz und Rumäniens Ministerpräsident Bolojan

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Ich heiße den rumänischen Ministerpräsidenten sehr herzlich willkommen – lieber Ilie Bolojan, herzlich willkommen zu unserem ersten Treffen in Berlin! Wir haben uns heute zum ersten Mal getroffen, weil Rumänien im Europäischen Rat durch den Staatspräsidenten vertreten wird. Umso wichtiger war es, dass wir heute einmal Gelegenheit hatten, uns über die bilateralen, aber auch über die europäischen Themen auszutauschen.

Im Mittelpunkt unseres Gesprächs heute standen zwei Fragen. Die erste ist: Wie machen wir Europa gemeinsam in diesen schwierigen Zeiten sicherer? Die zweite Frage ist: Wie machen wir es wettbewerbsfähiger? In einer neuen Zeit der Großmachtpolitik, in der unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unser Wohlstand nicht mehr selbstverständlich sind, ist eine solche Zusammenarbeit dringend notwendig. Wenige Länder in der Europäischen Union spüren das im Alltag so deutlich wie Rumänien. Rumänien leistet an der NATO-Ostflanke und an der Grenze zur Ukraine täglich Großes für die europäische Sicherheit. Dafür, Herr Ministerpräsident, möchte ich Ihnen persönlich, aber auch namens der Bundesregierung sehr herzlich danken.

Wir unterstützen gemeinsam die Ukraine – wir unterstützen sie politisch, wir unterstützen sie finanziell, wir unterstützen sie humanitär und wir unterstützen sie auch militärisch. Wir helfen unseren ukrainischen Freunden durch diese bitteren Wintertage, in denen Russland systematisch die Energieversorgung der Ukraine angreift und dieses Land in eine humanitäre Energiekrise gestürzt hat. Rumänien leistet hier mit seinen Energielieferungen an die Ukraine einen sehr wichtigen Beitrag.

Wir haben seitens der Bundesregierung unsere Unterstützung für die ukrainische Energieversorgung und die Luftabwehr noch einmal verstärkt. Im Rahmen eines Winterpakets haben wir zum Jahreswechsel 2025/2026 zusätzliche 160 Millionen Euro für die Ukraine in den Ukraine Energy Support Fund eingezahlt. Damit können dringend benötigte Technologien für die Wärmeversorgung beschafft werden. Wir liefern außerdem Blockheizkraftwerke und modulare Kesselanlagen, zum Beispiel für Kitas, für Gesundheitszentren und für Schulen, die eben in der Ukraine vollkommen rücksichtslos durch Russland attackiert werden. Wir liefern Luftverteidigungssysteme, wir liefern Abfangdrohnen, wir liefern gepanzerte Fahrzeuge, wir liefern Munition und vieles mehr, was die Ukraine in diesen besonders schweren Tagen so dringend braucht.

Wir unterstützen die Ukraine in diesen Tagen ebenso weiter im Kampf gegen die russische Aggression. Wir wollen, dass die Kämpfe aufhören. Wir wollen, dass Russland am Verhandlungstisch bleibt und dort auch bereit ist, diesen Angriffskrieg im Wege eines verhandelten Friedens zu beenden. Wir wollen Frieden für die Ukraine und wir wollen gleichzeitig Sicherheit für Europa. Es ist gut, dass die in Abu Dhabi begonnenen Gespräche zwischen Ukrainern und Russen fortgesetzt werden. Wir werden mit unseren europäischen Partnern das Unsere dazu beitragen, diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden.

Wir haben heute auch zwischen den beiden Regierungen beraten, wie wir mit hybriden Bedrohungen durch Russland umgehen. Die Angriffe reichen ja weiter, über gezielte Desinformation und Cyberoperationen bis hin zu Luftraumverletzungen an der NATO-Ostflanke. Deutschland und Rumänien begegnen dem gemeinsam und entschlossen. So beteiligt sich Deutschland bereits zum vierten Mal mit Eurofightern an der Luftraumüberwachung in Rumänien.

Parallel oder gleich im Anschluss an dieses Treffen werden sich unsere Verteidigungsminister hier in Berlin treffen. Sie werden ein Memorandum of Understanding zur Rüstungskooperation unterzeichnen. Das zeigt, dass wir gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit Europas und in diesem Falle ganz besonders für die Sicherheit unserer beiden Länder übernehmen.

Unsere beiden Länder sind nicht nur in der Sicherheitspolitik miteinander verbunden, wir sind auch wirtschaftlich eng verbunden. Zahlreiche deutsche Unternehmen sind in Rumänien aktiv. Sie investieren dort, sie schaffen dort Arbeitsplätze und tragen zur Modernisierung der Wirtschaft bei. Wir tun das gern, und viele Unternehmen wissen die Investitionen in Rumänien als gute Investitionen, als sichere Investitionen zu schätzen.

Rumänien spielt seinerseits eine wichtige Rolle für die europäische Energieversorgung, etwa bei der Diversifizierung von Gaslieferungen oder beim Ausbau von erneuerbaren Energien. Auch darüber haben wir intensiv gesprochen. Wir sehen hier ein großes Potenzial. Gerade in Industrie, Digitalisierung, Infrastruktur und Energie wollen wir unsere gemeinsame Erfolgsgeschichte jetzt mit Engagement fortsetzen.

Dabei ist klar: Unsere nationalen Anstrengungen müssen in eine starke europäische Antwort auf die neuen Herausforderungen eingebettet sein. Auch der nächste Mehrjährige Finanzrahmen der Europäischen Union muss diesem Anspruch gerecht werden. Er muss Verteidigungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit klar priorisieren. Ich bin dankbar, dass wir uns auch über diese Prioritäten einig sind. Wir werden uns über diese Fragen im Kreis der EU-Staats- und ‑Regierungschefs beim sogenannten Leaders‘ Retreat am 12. Februar intensiv austauschen. Wir haben ein gemeinsames Ziel: Auch Rumänien und Deutschland werden Beiträge zu einem spürbaren Rückbau der Bürokratie leisten, und wir wollen gleichzeitig den europäischen Binnenmarkt stärken.

Dazu gehört, dass wir unsere Handelsbeziehungen diversifizieren und intensivieren. In diesem Sinne habe ich gemeinsam mit der italienischen Ministerpräsidentin Meloni in der vergangenen Woche ein entsprechendes Papier erarbeitet.

In diesem Zusammenhang möchte ich ausdrücklich noch einmal danken, dass auch Rumänien bereit war, dem MERCOSUR-Abkommen zuzustimmen. Wir haben auch über das nächste Abkommen gesprochen, das in diesen Tagen mit Indien verabredet wird. Ich hoffe, dass wir auch hier erneut eine gemeinsame Zustimmung erreichen können und dass wir vor allen Dingen auch dieses Abkommen schnell in Kraft setzen können. Ich will das in diesem Sinne auch an die Europäische Kommission richten: Das MERCOSUR-Abkommen jetzt vorläufig in Kraft treten zu lassen, ist genauso wichtig, wie schnell an einer Ratifikation des Abkommens mit Indien zu arbeiten.

In diesen unsicheren Zeiten bauen wir also unsere Partnerschaften weltweit aus. Wir stärken damit Sicherheit und Wohlstand in unseren Ländern und in der Europäischen Union.

In diesem Sinne, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, freue ich mich sehr darüber, dass wir heute die Gelegenheit haben, hier zusammenzutreffen, und dass wir hierfür auf dem starken Fundament unserer Partnerschaft aufbauen können. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern.

Noch einmal ein sehr herzliches Willkommen in Berlin!

Ministerpräsident Ilie Bolojan:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, ich bedanke mich herzlich, dass Sie mich empfangen, und danke für unser gemeinsames Gespräch heute.

Wir leben in unsicheren Zeiten. Der Druck auf die europäische Wirtschaft, der immer härtere globale Wettbewerb, der Krieg in der Ukraine: All das verpflichtet uns, in unseren Entscheidungen effizienter zu sein. Die Partnerschaft zwischen Rumänien und Deutschland gestattet uns diese Art der Herangehensweise. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Rumäniens. Der bilaterale Handel beläuft sich auf mehr als 42 Millionen Euro im Jahr 2024, und für 2025 erwarten wir eine ähnliche Tendenz. Die deutschen Investitionen belaufen sich auf mehr als 18,5 Milliarden Euro. Mehr als 10.000 Unternehmen mit deutschem Kapital sind in Rumänien aktiv. Das bedeutet, dass sie mehr als 200.000 Arbeitsplätze in Rumänien geschaffen haben. Das bedeutet Arbeitsplätze, Technologietransfer und Stabilität.

Auch jenseits dieser Zahlen bedeutet es insbesondere Vertrauen zwischen Deutschland und Rumänien. Wir möchten diese Zusammenarbeit erweitern. Wir haben heute mit Herrn Bundeskanzler Merz über weitere Investitionen in strategischen Bereichen gesprochen, wie zum Beispiel Energie, Industrie und Verteidigung, einschließlich der Nutzung der europäischen Instrumente wie das Programm CEF. Das sind die Bereiche, die über die Wettbewerbsfähigkeit Europas in den nächsten Jahren entscheiden werden. Rumänien möchte dort ein seriöser Partner sein; ein Partner, auf den du dich verlassen kannst.

Das Memorandum, das heute zwischen den beiden Verteidigungsministerien unterzeichnet wird, ist ein praktisches Instrument, das es uns gestatten wird, unsere Verteidigungsindustrie zu modernisieren und den Sicherheitsbedarfen schneller gerecht zu werden.

Rumänien und Deutschland teilen die gleichen Visionen über die Bedeutung der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit in der Schwarzmeerregion. Ich habe Herrn Bundeskanzler Merz unsere Ziele und Aktionen vorgestellt für die Verteidigung der Ostflanke und zur Gewährleistung der Sicherheit des Schwarzen Meeres. Die Luftverteidigung ist eine unserer Prioritäten. Der Beitrag Deutschlands in diesem Bereich ist notwendig und wird hochgeschätzt.

Hinsichtlich der Ukraine unterstützen wir alle Bemühungen zur Herstellung eines dauerhaften Friedens. Die Angriffe Russlands auf Zivilpersonen und auf die kritische Infrastruktur einschließlich der Energiestruktur treffen die Bevölkerung sehr; das muss bei unseren politischen Entscheidungen und unseren Sicherheitsentscheidungen berücksichtigt werden.

Für Rumänien hat die Republik Moldau eine strategische Priorität. Die Stabilität von Chişinău und der europäische Kurs der Stadt sind für die gesamte Region wichtig. In diesem Kontext spielt die Europäische Union eine wesentliche Rolle. Die Eröffnung der Beitrittsverhandlungen für die Republik Moldau ist sehr wichtig; dies ist ein wichtiges Signal für die Bürger dieses Landes und die Sicherheit in der Region.

Ein weiterer Punkt unseres Gesprächs war der Beitritt zur OECD und die wirtschaftliche Unterstützung. Wir danken der deutschen Seite für die Unterstützung bei der Erreichung dieses Ziels. Rumänien möchte bessere Standards haben, eine effizientere Politik und eine größere Glaubwürdigkeit auf internationaler Ebene. Unser Ziel ist es, den Beitrittsprozess zur OECD in diesem Jahr abzuschließen.

Die Beziehung zwischen Deutschland und Rumänien besteht nicht nur zwischen politischen Institutionen. Ich danke Deutschland für die Unterstützung der Rumänen, die in Deutschland leben, arbeiten und sich in die deutsche Gesellschaft integrieren. Ich bedanke mich gleichzeitig für die Unterstützung der deutschen Gemeinschaften und Minderheiten in Rumänien, also der Sachsen und Schwaben, durch Projekte, die zur Erhaltung ihrer Identität beitragen und die für die Rumänen ein wichtiger Zugewinn ihres Kulturgutes sind.

Heute haben wir uns angesehen, was kommen wird und was wir konkret tun können. Rumänien und Deutschland können gemeinsam viel tun, wenn wir uns auf Ergebnisse konzentrieren. Wir haben eine solide Basis, gemeinsame Interessen sowie die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und uns gegenseitig in der Europäischen Union zu unterstützen.

Ich bedanke mich, Herr Bundeskanzler Friedrich Merz, für unser heutiges Gespräch und das Treffen. Wir werden unsere Gespräche in Bukarest fortsetzen. Wir hoffen, das wird sehr bald sein, und wir werden uns darauf konzentrieren, was wir tun müssen. Vielen herzlichen Dank.