Handwerk als eine der wichtigsten Säulen der Volkswirtschaft

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Pressekonferenz mit Kanzler Merz zum Münchener Spitzengespräch  Handwerk als eine der wichtigsten Säulen der Volkswirtschaft

Bundeskanzler Friedrich Merz hat in München am Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft teilgenommen und die Internationale Handwerksmesse besucht. In der Pressekonferenz würdigte Kanzler Merz die Bedeutung des Handwerks für die deutsche Wirtschaft.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Freitag, 6. März 2026
Das Foto zeigt Bundeskanzler Friedrich Merz mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden beim Münchner Spitzengespräch.

Es gibt gute Nachrichten zu Beginn des Jahres 2026, auch für die deutsche Wirtschaft", so Kanzler Merz in seinem Statement beim Münchener Spitzengespräch.

Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann

Laut Bundeskanzler Friedrich Merz ist und bleibt es Priorität der Bundesregierung, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wieder vollumfänglich herzustellen. Das betonte er in seinem Statement zum Münchener Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft. 

Dort kommen jährlich die Repräsentanten der vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft – BDI, BDA, DIHK und ZDH – anlässlich der Internationalen Handwerksmesse zusammen. Zuvor hatte sich der Bundeskanzler bei einem Rundgang auf der Messe über die aktuellen Entwicklungen im Handwerk informiert und sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche ausgetauscht. 

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Geopolitische und geoökonomische Lage: Derzeit stehe die Wirtschaft in Deutschland vor zahlreichen Herausforderungen, nicht zuletzt aufgrund des Konfliktes in Iran. Ein politisch und wirtschaftlich stabiler Iran sei jedoch im Interesse aller, betonte der Kanzler. „Deshalb arbeiten wir mit unseren europäischen Partnern, aber auch mit den Partnern in der Region daran, eine gemeinsame Perspektive zur Beendigung dieser Kampfhandlungen zu formulieren und zu ihrer Umsetzung beizutragen.“
  • Bedeutung des Handwerks: Viele Betriebe stünden derzeit vor großen Herausforderungen, etwa durch hohe Energiepreise, Fachkräftemangel oder bürokratische Belastungen. Dennoch habe „das Handwerk in Deutschland mit der dualen Ausbildung beste Voraussetzungen für wirklich zukunftsfähige, innovative Berufe“, sagte Kanzler Merz.
  • Wirtschaft nachhaltig stärken: Die Bundesregierung habe bereits wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu stärken – etwa die Senkung der Strompreise für die Wirtschaft, steuerliche Entlastungen und den laufenden Bürokratieabbau. Zudem werde die neue Grundsicherung den Sozialstaat zielgenauer machen und den Arbeitsmarkt wieder in Ordnung bringen, so Merz. Darüber hinaus wolle die Bundesregierung weitere Strukturreformen auf den Weg bringen. 

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz: 

Beate Preuschoff:

Willkommen, liebe Kolleginnen und Kollegen, zur Pressekonferenz im Anschluss an das Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft mit Bundeskanzler Friedrich Merz!

Herr Merz, wir freuen uns sehr, dass Sie nach Ihren Besuchen in den Machtzentren dieser Welt, in China und den USA, heute ins Zentrum der Wirtschaftsmacht von nebenan gekommen sind und uns hier auf der Handwerksmesse die Ehre Ihres Besuchs geben.

Mit auf dem Podium sind neben dem Bundeskanzler die Präsidenten der vier führenden deutschen Wirtschaftsverbände: BDA, BDI, DIHK und ZDH. Natürlich haben bei dem Spitzengespräch die Ereignisse vom vergangenen Wochenende eine Rolle gespielt. Doch den Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft war es sehr wichtig, den Blick auch bewusst nach vorn zu richten und darauf, welche Hebel wir in Deutschland selbst in der Hand haben, um die Standortbedingungen zu verbessern.

Ob Sie hier übereinstimmende Handlungsnotwendigkeiten identifizieren konnten, darüber werden zunächst ZDH-Präsident Jörg Dittrich und anschließend Sie, Herr Bundeskanzler, berichten.

Doch zunächst geht das Wort an Herrn Dittrich.

Jörg Dittrich:

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen zur Pressekonferenz! Der Bundeskanzler konnte sich gerade auf dem Messerundgang an wenigen Ständen auch von der Innovationskraft des Handwerks überzeugen. Wie mein Kollege Leibinger sagte: Es gibt das Ökosystem der deutschen Wirtschaft, das aus Industrie, Handwerk und Mittelstand besteht. Einen Sandspeicher haben wir gesehen, und wir haben gesehen, wie Solaranlagen gereinigt werden können. All das muss für die Zukunft geklärt werden. Wir haben auch einen Stand über die Ukraine gesehen, was die Gesundheitshandwerker dort leisten können.

Wir haben einen neuen Krieg in Nahost, im Iran. Natürlich wollen wir loben, was der Kanzler geopolitisch an Dingen macht, auch, was in der Regierung im letzten Jahr schon passiert ist. Wir müssen aber erkennen, dass es eine neue Normalität gibt, die Normalität der Krisen, die sich aneinanderreihen.

Das bedeutet, dass wir dort trotz aller Betroffenheit nicht stehen bleiben können, sondern dass der Reformdruck auf den Standort Deutschland noch einmal gestiegen ist. Wir müssen mehr Resilienz anstreben. Die Standortfaktoren müssen von uns so beeinflusst werden, dass ein selbsttragendes Wachstum entsteht, das nicht nur aus ausgefallenen Feiertagen oder aus den Schulden des Staates kommt.

Die Investitionen kommen momentan nicht so, wie wir in der Wirtschaft uns das wünschen. Ich höre in Handwerksbetrieben, die betroffen sind, je nach Branche unterschiedlich, immer den Satz: Die Hütte brennt an vielen Stellen.

Der Druck ist immens. Es ist nicht nur in der Industrie so, sondern auch im Mittelstand und im Handwerk. Wir haben Defizite in den sozialen Sicherungssystemen, wir brauchen mehr Netto vom Brutto in den Lohntüten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. SPD und CDU/CSU haben eine Mehrheit im Bundestag, sind sich aber offensichtlich manchmal nicht einig, welchen Weg man gehen sollte. Wir hatten heute Gespräche, und die Erwartung ist dem Bundeskanzler nicht neu. Er stellt sich dieser Erwartung, dass wir adäquate Reaktionen auf diese Krisen brauchen, um den Standort zu stärken und wieder ins Wachstum zu kommen. 

Vielen Dank.

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Lieber Herr Dittrich und Kollegen im Präsidentenamt von BDI, BDA und DIHK, ich freue mich sehr, dass ich Gelegenheit habe, in diesem Jahr die gute Tradition fortzusetzen, dass der Bundeskanzler nach München auf die Handwerksmesse kommt und zuvor auch das Gespräch mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft führt. Herzlichen Dank für die Einladung nach München und herzlichen Dank auch für den Austausch, den wir miteinander hatten.

Wir treffen uns zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Weltlage noch einmal dramatisch verändert, insbesondere seit dem letzten Wochenende mit dem Krieg im Iran. Mit dieser Entwicklung und dem im Mittleren Osten ausgebrochenen Krieg hat sich diese Lage noch einmal drastisch verschärft. Ich will hier auch deutlich für die Bundesregierung sagen: Wir teilen die Ziele der Vereinigten Staaten von Amerika und auch des Staates Israel, die das iranische Nuklear- und Raketenprogramm genauso wie Teherans Bedrohung des Landes Israel und seiner Nachbarn, die Unterstützung von Terrorismus und der sogenannten Proxys in der Region betreffen.

Ich will auch deutlich sagen: Das iranische Volk hat das Recht, frei über sein Schicksal zu entscheiden. Mit zunehmender Dauer und auch mit weiteren Auswirkungen und der Ausweitung der Kampfhandlungen sehen wir aber auch wachsende Risiken. Diese Risiken betreffen die Sicherheit Israels und der gesamten Golfregion. Sie betreffen aber auch die Staatlichkeit und die territoriale Integrität Irans. Eine dauerhafte Fortführung dieses Krieges wäre nicht in unserem Interesse.

Gleiches gilt auch für den möglichen Zusammenbruch der iranischen Staatlichkeit oder auf dem iranischen Boden ausgetragener Stellvertreterkonflikte. Solche Szenarien können für Europa weitreichende Folgen haben, unter anderem für die Sicherheit, für die Energieversorgung und für die Migration.

Deshalb arbeiten wir mit unseren europäischen Partnern, aber auch mit den Partnern in der Region daran, eine gemeinsame Perspektive zur Beendigung dieser Kampfhandlungen zu formulieren und zu ihrer Umsetzung beizutragen.

Diese Überlegungen sind im Fluss. Sie orientieren sich zunächst an folgenden Parametern: Das Leitbild muss eine regionale Friedensordnung sein, die die Sicherheit und Existenz aller Staaten, einschließlich Israels und der Golfstaaten, gewährleistet. Der regionale Konflikt muss beendet werden. Ein politischer Prozess des Dialogs und der Vertrauensbildung in der Region muss nach dem Ende der Kampfhandlungen beginnen. Das militärische Nuklearprogramm sowie das ballistische Raketenprogramm Irans müssen überprüfbar beendet werden. Es muss sichergestellt werden, dass Nuklearmaterial aus Iran nicht an nichtstaatliche Akteure oder Drittstaaten gelangt. Iran muss die Unterstützung von Terrornetzwerken und Proxys einstellen.

Auch das will ich bei dieser Gelegenheit hier noch einmal betonen: Die territoriale Integrität des Iran muss gewahrt bleiben. Iran darf nicht zum Schauplatz von Stellvertreterkriegen werden, und der iranische Staat als solches muss funktionsfähig bleiben. Öffentliche Ordnung und Grundversorgung müssen aufrechterhalten werden. Wir wollen auch unkontrollierte Migrationsbewegungen aus Iran verhindern.

Meine Damen und Herren, bis es so weit ist, bedeutet der Konflikt aber zunächst einmal eine weitere Herausforderung für die Konjunktur und auch für die Wirtschaft in Deutschland und in Europa. Wir haben uns heute auch über dieses Thema, Herr Dittrich, ausgetauscht. Wenn der Konflikt zeitlich begrenzt bleibt, dürften sich die Auswirkungen in Grenzen halten. Aber es sind gewaltige Herausforderungen, die auch unabhängig davon vor uns stehen, vor denen Politik und Wirtschaft in Deutschland und Europa heute stehen.

Ich sage trotzdem zuversichtlich: Wir haben die Chance, diese Herausforderungen gemeinsam zu bestehen. Ich will dabei auch auf das Positive blicken, das wir schon erreicht haben. Es gibt gute Nachrichten zu Beginn des Jahres 2026, auch für die deutsche Wirtschaft.

Die Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen MERCOSUR-Staaten sind in Kraft; mit Indien sind sie abgeschlossen und auf dem Weg, in Kraft gesetzt zu werden. Wir werden weiter Handelsabkommen mit Mexiko, Indonesien und Australien auf den Weg bringen. Das zeugt von einer neuen europäischen Entschlossenheit, auch strategische Partner auf der Welt zu suchen und neue Geschäftsmöglichkeiten für Mittelstand, Handwerk und Industrie zu eröffnen.

Sie haben dankenswerterweise auf meine jüngsten Reisen nach China und nach Amerika Bezug genommen. Diese Reisen dienen auch genau diesem Zweck, gute Bedingungen für deutsche Unternehmen in der Welt zu schaffen, und das ist auch notwendig.

Ich sehe positiv, dass im Augenblick die Konjunktur langsam, sehr langsam Fahrt aufnimmt, überwiegend dank staatlicher Impulse, dank der Investitionsprogramme, die wir sowohl für die Bundeswehr als auch für die Industrie aufgelegt haben. Wir sehen in einigen Unternehmen die Auftragslage wieder steigen, und es sind auch erstmalig die Investitionen in Deutschland wieder höher als die Kapitalabflüsse. Aber das alles ist – Herr Dittrich, da sind wir uns einig – nur ein kleiner Trost. Nach wie vor sind wir mit der konjunkturellen Lage in Deutschland nicht zufrieden.

Der selbsttragende Aufschwung ist nicht gesichert. Priorität der Bundesregierung ist und bleibt deshalb, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft wieder vollumfänglich herzustellen. Hinter diesem Wort „Wettbewerbsfähigkeit“ steckt ein ganzes Bündel von Themen und Maßnahmen, die wir weiter angreifen und anpacken müssen. Wir haben viel umgesetzt. Die vergangenen neun Monate haben wir genutzt, um die Verabredungen des Koalitionsvertrages in Gesetze zu bringen.

Aber das reicht nicht. Wir müssen Strukturreformen anpacken, die in Deutschland viel zu lange aufgeschoben worden sind. Steuern und Abgaben sind zu hoch. Energie ist nach wie vor zu teuer. Der Sozialstaat muss zielgenauer werden. Genau das haben wir übrigens gestern im Deutschen Bundestag in zweiter und dritter Lesung mit dem sogenannten Bürgergeld beschlossen. Das Bürgergeld ist Geschichte. Wir haben die neue Grundsicherung eingeführt. Das ist auch ein Beitrag dazu, dass wir in Deutschland den Arbeitsmarkt wieder in Ordnung bringen, denn auch unsere Volkswirtschaft leidet ja unter einem Mangel an Fachkräften.

Wir haben die Energiewirtschaft unterstützt. Die Verbraucherinnen und Verbraucher, die privaten Haushalte wie die energieintensive Industrie merken es langsam. Wir haben die Körperschaftsteuer gesenkt, wir sind beim Bürokratieabbau auf den Weg gegangen. So muss es und so wird es weitergehen.

Ein großes Thema - das haben wir im Kreis der Präsidenten der Verbände miteinander besprochen – sind die Arbeitskosten; steigende Sozialabgaben schwächen unseren Wettbewerb. Die Wirtschaft muss hier entlastet werden, und das gilt ganz besonders für das Handwerk und die kleinen standortgebundenen Unternehmen.

Wir wissen, dass im Augenblick einige Vorhaben unterwegs sind. Wir haben Reformkommissionen berufen, die im Laufe der nächsten Wochen und Monate Vorschläge machen werden. Wenn wir alle, die Unternehmen und wir, die Politik, zusammenstehen, wenn wir alles geben, was wir jetzt gemeinsam tun können, dann werden wir auch einen Weg aus der Standortkrise heraus finden; ich bin jedenfalls davon überzeugt.

Last but not least: Ich freue mich, dass ich Gelegenheit hatte, hier auf der Handwerksmesse auch einige Beispiele zu sehen. Es sind nur einige wenige, aber schon sehr eindrucksvolle Beispiele gewesen, die ich sehen konnte, wie zum Beispiel den thermischen Sandspeicher, den wir da gerade in Augenschein genommen haben, den innovativen Schuh, aber auch das Handwerk mit konkreter Hilfe für die Ukraine und für die Menschen, die in dem Krieg dort schwer verletzt worden sind, wie das auch mit einem solchen Unternehmen gemeinsam wieder angepackt werden kann, mit einer Hilfsorganisation, die in Berlin ihren Sitz hat, mit solchen Prothesenzentren.

Das sind Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Ich will das ausdrücklich noch einmal sagen: Herzlichen Dank auch für die Möglichkeit, bei Ihnen zu sein, und ganz herzlichen Dank für die Arbeit, die Sie gerade in diesem Bereich leisten für die vielen Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Das alles imponiert mir. 

Ich will abschließend noch einmal meiner persönlichen Überzeugung Ausdruck geben, dass wir im Handwerk tolle Berufsbilder haben, dass das Handwerk in Deutschland mit der dualen Ausbildung beste Voraussetzungen für wirklich zukunftsfähige, innovative Berufe hat. Wir sehen es hier auf der Messe. Ich komme aus einer Region, in der das Handwerk traditionell tief verwurzelt ist. Deswegen freut es mich, das hier alles zu sehen.

Herr Dittrich, insbesondere Ihnen und dem deutschen Handwerk viel Erfolg bei der Arbeit, die Sie sich vorgenommen haben. Sie können sich sicher sein: Die Bundesregierung steht an Ihrer Seite, ich persönlich aus tiefster innerer Überzeugung. Das Handwerk ist wirklich eine der wichtigsten Säulen unserer Volkswirtschaft, neben Industrie, neben Mittelstand, neben der exportorientierten Wirtschaft. Aber das, was wir hier in München sehen, ist wirklich ermutigend. Insofern wünschen wir Ihnen eine gute Messe. Noch einmal herzlichen Dank für die guten Gespräche.