„Wir sind mehr denn je gefordert, stark und geeint aufzutreten“

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Pressekonferenz von Kanzler Merz und Sloweniens Ministerpräsident Golob „Wir sind mehr denn je gefordert, stark und geeint aufzutreten“

Slowenien ist ein verlässlicher Partner für Deutschland. Das betonte Bundeskanzler Merz beim Besuch des slowenischen Ministerpräsidenten Golob. Beide sprachen über die Notwendigkeit, die Ukraine weiter zu unterstützen.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Freitag, 28. November 2025
Das Foto zeigt Bundeskanzler Friedrich Merz und Robert Golob, Sloweniens Ministerpräsident.

Ein zentrales Thema der Gespräche zwischen Bundeskanzler Merz und dem slowenischen Ministerpräsidenten Golob war die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der EU.

Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, hybride Bedrohungen, wirtschaftliche Herausforderungen und zunehmender Druck durch autoritäre Kräfte: Beim Besuch des slowenischen Ministerpräsidenten Robert Golob betonte Bundeskanzler Friedrich Merz, wie wichtig ein starkes und geeintes Auftreten sei. „Ich bin dankbar, auch in Slowenien einen verlässlichen Partner für unseren Kurs, auch für meinen Kurs in der Europäischen Union zu haben“, sagte der Kanzler in einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Unterstützung der Ukraine: Kanzler Merz und Ministerpräsident Golob waren sich einig, dass ein unausgewogener Friedensplan keinen langfristigen Frieden bringen könne. In den vergangenen Tagen habe es eine neue Dynamik gegeben. „Wir alle, die Ukrainer, die Europäer, die Amerikaner, wollen, dass der Krieg in der Ukraine wirklich endlich endet “, so Merz. Wichtig sei, bei der Verwendung des innerhalb der EU eingefrorenen russischen Staatsvermögens voranzukommen – als Zeichen der Stärke und als Hebel, um Moskau an den Verhandlungstisch zu bringen.
  • Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland und Slowenien setzen sich gemeinsam für eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der EU ein. „Wir können unseren Wohlstand, unsere Freiheit und unsere Sicherheit nur gemeinsam dauerhaft sichern“, betonte der Kanzler. Daher sei es ihm wichtig, bei den Themen Bürokratieabbau und Mehrjähriger Finanzrahmen eine Priorität zu sehen.
  • Deutsch-slowenische Beziehungen: Beide Länder sind enge und freundschaftliche Partner, bilateral und in der EU, betonte Merz. Ein Ausdruck davon sei der gemeinsame Aktionsplan, der im Juli durch die Außenminister erneuert wurde. Besonders im Automobil- und Zulieferbereich seien Deutschland und Slowenien eng verbunden. Diese Zusammenarbeit wolle man weiter fortsetzen, so der Kanzler.

Sehen Sie hier das Video der Pressekonferenz: 

22:03

Video Pressekonferenz des Kanzlers mit dem Ministerpräsidenten der Republik Slowenien, Robert Golob

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen! Ich freue mich sehr, dass ich heute den slowenischen Ministerpräsidenten Robert Golob in Berlin empfangen darf. Herzlich willkommen in Berlin! Wir kennen uns ja aus der Zusammenarbeit im Europäischen Rat. Ich freue mich, dass wir heute auch in Berlin einmal persönlich bilateral miteinander besprechen konnten, was uns in Europa gemeinsam beschäftigt, aber auch, was unsere beiden Länder miteinander verbindet. Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Slowenien und Deutschland, aber wir arbeiten auch in der Europäischen Union sehr gut und sehr eng zusammen.

Es beschäftigt uns erneut und seit Langem der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Aber es beschäftigen uns auch hybride Bedrohungen, die wir in unseren Ländern sehen – wir haben darüber gesprochen –, in Slowenien, aber auch in Deutschland, wirtschaftliche Herausforderungen, vor denen wir gemeinsam stehen und zunehmender Druck auch durch autoritäre Kräfte. Wir sind mehr denn je gefordert, stark und geeint aufzutreten. Deshalb haben wir heute auch über die Notwendigkeit der fortgesetzten Unterstützung der Ukraine gesprochen. Ich bin dankbar, auch in Slowenien einen verlässlichen Partner für unseren Kurs, auch für meinen Kurs in der Europäischen Union zu haben.

Wir haben in den letzten Tagen eine neue Dynamik erlebt. Wir alle, die Ukrainer, die Europäer und die Amerikaner, wollen, dass der Krieg in der Ukraine wirklich endlich endet. Wir waren uns einig, dass ein unausgewogener Friedensplan keinen langfristigen Frieden bringen kann. Für den weiteren Verhandlungsprozess ist nun das wichtig, was der amerikanische Außenminister Marco Rubio ja auch schon vor einigen Tagen gesagt hat, nämlich dass wir alles, was uns als Europäer und uns in der NATO betrifft, gemeinsam tun. Alles, was die NATO betrifft, und alles, was die Europäer betrifft, erfordert natürlich auch unsere Zustimmung. Das bedeutet unter anderem, dass die Einheit der NATO gewahrt bleiben muss. Ihre Fähigkeit zur Abschreckung darf an keiner Stelle eingeschränkt werden. Das bedeutet auch, dass jede Entscheidung über die Verwendung des innerhalb der Europäischen Union eingefrorenen russischen Staatsvermögens ausschließlich bei der Europäischen Union und den Mitgliedstaaten der Europäischen Union liegt. Wir wollen hierbei als Zeichen der Stärke und als Hebel, um Moskau nun wirklich an den Verhandlungstisch zu bringen, vorankommen.

Der belgische Ministerpräsident hat seine Position noch einmal ausführlich dargelegt. Wir werden jetzt in die konkreten Beratungen der Rechtstexte eintreten, und ich hoffe, dass auch in diesem Zusammenhang alle berechtigten Interessen Belgiens adressiert und berücksichtigt werden können. Am Ende geht es uns gemeinsam darum, dass alle erkennen: Es geht in dieser Frage um die Sicherheit Europas und die Sicherheit von uns allen. Meine Damen und Herren, das liegt in unserem gemeinsamen Interesse. Wir wollen zwischen Slowenien und Deutschland auch weiter eng zusammenarbeiten.

Ich habe deutlich gemacht, dass Deutschland und Slowenien auch die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in der Europäischen Union unterstützen. Ich werde den Brief, den ich heute Morgen der Kommissionspräsidentin geschickt habe, in englischer Übersetzung allen Staats‑ und Regierungschefs der Europäischen Union zur Verfügung stellen, um auch die Vorbereitung für unsere gemeinsame außerordentliche Ratstagung am 12. Februar zu ermöglichen. Wir können unseren Wohlstand, unsere Freiheit und unsere Sicherheit nur gemeinsam dauerhaft sichern. Deswegen ist es mir so wichtig, dass wir beim Thema Bürokratieabbau, beim Thema mehrjähriger Finanzrahmen und beim Thema Wettbewerbsfähigkeit eine wirkliche Priorität sehen, die wir jetzt gemeinsam in der Europäischen Union auf den Weg bringen.

Last, but not least, lieber Robert: Die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern sind eng und freundschaftlich. Ein Ausdruck unserer vertrauensvollen Partnerschaft ist der gemeinsame Aktionsplan, der erst im Juli durch unsere Außenminister erneuert wurde. In ihm sind die Fundamente unserer Zusammenarbeit festgelegt, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. Wir arbeiten eben in vielen Bereichen sehr partnerschaftlich und sehr eng zusammen, bis hin zu den wirtschaftlichen Themen, die wir haben und über die wir gesprochen haben, etwa im Automobil‑ und Zulieferbereich. Hierbei sind unsere Länder eng verbunden. Aber genau deswegen haben wir auch einen gemeinsamen Willen, die deutsche und die europäische Automobilindustrie eben auch zusammen zu sehen und dies auch als eine gemeinsame Verabredung zu betrachten. Wir sind enge und freundschaftliche Partner, bilateral und in der Europäischen Union. Daher noch einmal sehr, sehr herzlichen Dank für unsere gute Zusammenarbeit in der Europäischen Union und ganz herzlichen Dank für deinen Besuch heute in Berlin. Ich freue mich sehr darüber. Auf gute weitere Zusammenarbeit!

Ministerpräsident Robert Golob:

Vielen Dank, Bundeskanzler Merz, lieber Friedrich, für diese Worte, für die Willkommensgrüße! Ich freue mich selbst auch sehr darüber, dass ich heute hier in Berlin sein kann.

Die Themen, die wir angesprochen haben, sind in diesem Moment sehr aktuell. Auf der einen Seite haben wir viele europäische Themen und Standpunkte mit Herausforderungen, bei denen ich davon überzeugt bin, dass nur ein starkes, einheitliches Europa Antworten auf diese finden kann, unter anderem auch Antworten auf die Frage, wie der Krieg möglichst schnell zu Ende gebracht werden kann, damit Frieden in der Ukraine einkehrt. Das kann aber ohne die Ukraine, ohne Europäer nicht geschehen. Deswegen meine ich, dass der Ansatz, der sich in der letzten Woche herausgebildet hat und der auch diese Woche in der Koalition der Willigen bestätigt wurde, nämlich dass 19 neue Verhandlungspunkte hinzukommen, eine richtige Entscheidung war. Das kann ein guter Grundstein sein, damit wir auch mit der anderen Seite konkrete Gespräche beginnen können, die tatsächlich dazu führen können, dass die Aggression, dass der Krieg beendet wird.

Wir haben auch sehr klare Diskussionen auch zu den stillgelegten Vermögenswerten geführt. Slowenien versteht den Standpunkt Belgiens, versteht natürlich den Standpunkt eines kleineren Staates und auch dessen Erwartungen nach bestimmten Garantien, wenn diese Mittel verwendet werden. Auf der anderen Seite ist klar, dass dies das stärkste Instrument ist, das sich in den Händen Europas befindet und das von Europa zu einem einzigen Ziel eingesetzt werden kann, nämlich für Frieden und ein Kriegsende in der Ukraine. Ich denke, wir teilen diese Position und diese Meinung.

Auf der anderen Seite war viel die Rede von Wettbewerbsfähigkeit und darüber, wie diese im europäischen Raum gestärkt werden kann. Slowenien ist traditionell wirtschaftlich sehr eng an Deutschland geknüpft. Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten immer ein wichtiger Handelspartner gewesen. Deswegen ist es natürlich nicht immer leicht, sich mit konkreten Vorschlägen auseinanderzusetzen. Die letzten Vorschläge der Europäischen Kommission gehen in die Richtung, dass Europa flexibel sein muss, indem es versucht, die grünen Ziele zu erreichen, aber dabei nicht die Wirtschaft vergessen darf. Die Automobilindustrie war jahrzehntelang der Stolz Europas, und ich denke, hier gibt es das Potenzial, dass das in der Zukunft auch so bleibtAber man muss es breiter anschauen. Man muss auch neue Bereiche entwickeln. Auch zwischen unseren beiden Ländern gibt es heute bereits gute Kooperation, zum Beispiel im Bereich fortschrittlicher Technologien und Weltraumtechnologien. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns in der Zukunft hierbei noch verbessern werden.

Wir haben aber auch darüber gesprochen, wie die Kooperation im Bereich der Verteidigungsindustrie verbessert werden kann. Hierbei, aber auch im Bereich der Energetik und der Technologien, die mit dem Energiesektor verbunden sind, gibt es noch viel Spielraum.

Ich glaube, dass wir nicht nur durch solche Besuche, sondern auch durch die Kooperation, die zwischen Slowenien und Deutschland stattfindet, den Weg auch für andere Mitgliedstaaten in der Europäischen Union zeigen. Nur gemeinsam, können wir global wettbewerbsfähig sein und bleiben. Wenn Europa technologisch souveräner wird als heute, auch, was die fortschrittlichen Technologien anbelangt, so gelangt es in die Position, die es schon einmal hatte, in der es das Primat auf dem globalen Markt hatte, global gesehen, in allen globalen Angelegenheiten. In der Vergangenheit hat man das vielleicht übersehen. Aber ich bin davon überzeugt, dass dies in der Zukunft unter einer starken Leitung der wichtigsten Wirtschaft in Europa, nämlich der deutschen, besser funktionieren wird. In der Vergangenheit haben wir, ehrlich gesagt, eine starke deutsche Position im europäischen Raum vermisst. Wir haben sie heute hier. Sie ist heute präsent. Ich freue mich darüber, und ich freue mich auch über die Tatsache, dass wir uns in unseren Standpunkten komplett einig sind.

Noch einmal vielen Dank für diesen Empfang, vielen Dank für die Einladung zum Besuch! Ich freue mich auf weitere gemeinsame Erfolge. Danke schön!