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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und dem Staatspräsidenten Kasachstans, Tokajew
Enge Partner für Energie und Frieden

Bundeskanzler Merz und Kasachstans Präsident Tokajew haben eine Roadmap vereinbart, um die Zusammenarbeit bei Industrie, Technologie und Rohstoffen zu stärken. Beim Treffen ging es auch um die europäische Ölversorgungssicherheit und den russischen Angriffskrieg. 

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 29. September 2026
Bundeskanzler Merz und der kasachische Präsident Tokajew stehen sich gegenüber und lächeln.

Kasachen und Deutsche seien auch kulturell sehr nah, sagte Bundeskanzler Merz beim Empfang des kasachischen Präsidenten Tokajew in Berlin.

Foto: Bundesregierung/Xander Heinl

Kasachstan sei Deutschlands wichtigster Handelspartner in Zentralasien, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz beim Besuch des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew am Dienstag in Berlin. Er wies auf die Aufnahme diplomatischer Beziehungen beider Länder vor 35 Jahren hin. Dass Kasachstan Russland zum Einlenken bei seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine aufgerufen habe, verdiene größten Respekt, so Merz.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Friedensinitiativen und Sanktionen: Bundeskanzler Merz bekräftigte die deutsche Haltung, wonach Russland nach bald fünf Jahren Krieg endlich ernsthafte Verhandlungen aufnehmen müsse. Dabei folge man einem klaren Kompass: Friedensverhandlungen kann es Merz zufolge nur mit der Ukraine und den Europäern am Tisch geben, mit dem Ziel einer souveränen Ukraine in einem sicheren Europa. Der Bundeskanzler dankte Kasachstan für seine Hilfe, die Umgehung von Sanktionen gegen Russland zu unterbinden: „Das ist Arbeit für den Frieden.“
  • Wirtschaftliche Roadmap 2026–2028: Die von Deutschland und Kasachstan vereinbarte gemeinsame Roadmap soll die industrielle, technologische und rohstoffbezogene Entwicklung voranbringen. Kernbestandteile sind die Förderung gemeinsamer Lieferketten-Analysen sowie die Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen für den Mittelstand, beispielsweise durch die gegenseitige Anerkennung von Standards. Dies sei gerade für den Mittelstand bei Investitionen über große Distanzen hinweg essentiell, unterstrich Bundeskanzler Merz.
  • Energie und Logistik: Kasachstan sei der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Zentralasien und leiste schon heute einen wichtigen Beitrag zur europäischen Öl-Versorgungssicherheit. Der deutsch-kasachische Energiedialog beweise hier seinen Wert, so der Kanzler. Die Schaffung resilienter Logistiknetze und der Ausbau des Mittleren Korridors sollen dazu beitragen, Deutschland und Kasachstan künftig noch enger zu vernetzen.

Der Mittlere Korridor (Transkaspische Route) ist eine Handels- und Transportroute zwischen Asien und Europa. Er führt von China über Zentralasien und den Kaukasus in die EU und umgeht dabei Russland. Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine dient der Mittlere Korridor als wichtige Alternative, um Lieferketten und Energietransporte unabhängig von Moskau abzusichern.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video:

29:41

Video Pressekonferenz des Kanzlers und des Präsidenten Kasachstans, Tokajew

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen! Ich heiße den Staatspräsidenten aus Kasachstan besonders herzlich willkommen in Berlin. Sehr geehrter Präsident Tokajew, herzlich willkommen in Berlin! Ich freue mich sehr, dass wir uns heute zum ersten Mal treffen und dass wir Gelegenheit haben, auch über unsere Zusammenarbeit zu sprechen. Wir feiern in diesen Tagen 35 Jahre diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern, und wir können sagen, dass wir 35 Jahre am Wohlstand und an der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger gearbeitet haben.

Wir haben uns heute auch über die internationale Lage ausgetauscht. Wir haben sehr intensiv über Russland und über den Krieg gesprochen, den Russland gegen die Ukraine führt. Ich habe unsere Haltung zu diesem Krieg deutlich gemacht. Wir arbeiten sehr ernsthaft an Verhandlungen, aber wichtig ist und bleibt, dass Russland nach bald fünf Jahren diesen Krieg beenden und dazu bereit sein muss, in ernsthafte Verhandlungen einzutreten. Friedensverhandlungen kann es natürlich nur mit den Europäern am Tisch geben. Ziel solcher Friedensverhandlungen muss eine souveräne Ukraine in einem sicheren Europa sein. Solange Russland zu diesem Frieden nicht bereit ist, wird die Bundesregierung die Unterstützung der Ukraine fortsetzen. Wir leisten diese Hilfe mit unseren Partnern. Ich will es wiederholen: Diese Hilfe dient nicht dazu, den Krieg zu verlängern. Diese Hilfe dient ausschließlich dazu, die Führung in Moskau zum Einlenken zu bewegen.

Meine Damen und Herren, wir haben natürlich auch über unsere bilateralen Beziehungen gesprochen. Wirtschaftliche Fragen haben dabei eine sehr große Rolle gespielt. Kasachstan ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Zentralasien. Das wollen wir weiter ausbauen, auch mit dem für heute Abend geplanten Wirtschaftsforum in Berlin. Ich begrüße deshalb unsere gemeinsame Roadmap für die Jahre von 2026 bis 2028. Mit ihr bringen wir unsere Zusammenarbeit zu Industrie, Technologie und Rohstoffen voran. Wir haben uns auch auf die Förderung gemeinsamer Analysen für unsere Lieferketten geeinigt. Wir wollen uns enger verbinden. Dafür wollen wir resiliente Logistikketten und den Mittleren Korridor weiter ausbauen. Kasachstan leistet schon heute einen wichtigen Beitrag zur europäischen Ölversorgung. Der deutsch-kasachische Energiedialog beweist hierbei seinen großen Wert.

Herr Präsident, ich möchte mich sehr herzlich auch für die sehr freundlichen Worte bedanken, die Sie zur Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft gefunden haben. Gerade für den Mittelstand sind Investitionen über große Distanzen häufig herausfordernd. Die schon genannte Roadmap wird daher verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen beider Seiten eröffnen, beispielsweise bei der Anerkennung von Standards.

Last, but not least sind Kasachen und Deutsche einander auch kulturell sehr nah. Die deutsche Minderheit in Kasachstan ist eine lebendige Brücke. Die Deutsch-Kasachische Universität in Almaty und die geplante deutsch-kasachische Schule in Astana zeigen, dass wir unsere Partnerschaft in die nächste Generation tragen. Das freut mich sehr. Ich darf hier einmal sagen, dass es gut 200.000 Deutschstämmige in Kasachstan gibt, die nach wie vor ihre Kultur sehr pflegen und gleichzeitig Bürger Kasachstans sind, sich dort wohl und zu Hause fühlen und gleichzeitig die Verbindungen in ihre alte Heimat, die zum Teil nur die Heimat ihrer Eltern und Großeltern war, intensiv pflegen. Danke, dass Sie das in Kasachstan möglich machen und dass auch die deutsche Sprache dort ihren Platz hat und dort gesprochen werden darf!

In diesem Sinne noch einmal, Herr Präsident, sehr herzlichen Dank für Ihren Besuch! Ich will es noch einmal sagen: Es hat mich sehr gefreut, dass wir heute die Gelegenheit hatten, einander kennenzulernen und uns auch so intensiv über unsere Beziehungen auszutauschen. Herzlichen Dank auch für das eine oder andere persönliche Wort, das wir miteinander gefunden haben!

Präsident Kassym-Schomart Tokajew:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Massenmedien! Wir haben heute Berlin besucht, eine Stadt mit reichen Traditionen und mit reicher Kultur. Ich bedanke mich ganz herzlich für den herzlichen Empfang und die ganz besondere Gastfreundschaft, die unserer kasachischen Delegation entgegengebracht wurde. Vielen herzlichen Dank!

Zwischen unseren Ländern gibt es einen festen, freundschaftlichen Dialog, der auf gegenseitigem Vertrauen aufbaut. Wir haben heute viele Verhandlungen, die gute Chancen für die Zukunft der bilateralen Kooperation öffnen. Dessen bin ich mir sicher. Was Deutschland betrifft, so genießt Deutschland natürlich hohes Ansehen in den Bereichen von Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Handel. Es gibt sehr viele Errungenschaften in Deutschland.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, aber natürlich auch das gesamte deutsche Volk zum bevorstehenden Tag der Deutschen Einheit zu beglückwünschen. Deutschland ist ein sehr wichtiger Partner für uns. Was die deutsche Bevölkerung betrifft, so möchte ich natürlich alles Gute für das weitere Gedeihen Deutschlands wünschen.

Deutschland ist für uns einer der führenden Partner in der Europäischen Union. Wir wissen, dass Deutschland eines der ersten Länder war, das die Unabhängigkeit der Republik Kasachstan anerkannt hat. Wir werden den 35. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen haben. Im Bereich der Kultur, im humanitären Bereich, in den Bereichen von Wirtschaft und Politik haben wir sehr gute Beziehungen, die sich sehr dynamisch entwickeln. Wir legen sehr viel Wert auf den Ausbau dieser Beziehungen. Unsere Beziehungen bauen auf gegenseitigem Respekt auf. Wir sind uns sicher, dass der Dialog fortgesetzt wird.

Sehr geehrte Journalistinnen und Journalisten, wir hatten heute ein sehr inhaltsreiches Gespräch mit dem deutschen Bundeskanzler. Wir haben uns über aktuelle Fragen in den Bereichen von Politik und Wirtschaft ausgetauscht. Es gibt auch einen Anstieg bei den Wirtschaftsbeziehungen. Das bilaterale Handelsvolumen entwickelt sich sehr dynamisch. In Kasachstan gibt es über 1.000 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung. Wir schätzen die Teilnahme der deutschen Wirtschaft am kasachischen Markt sehr und werden uns mit ganzer Kraft darum bemühen, dass die deutschen Investoren, die deutschen Unternehmen gute Bedingungen bei uns in Kasachstan haben.

Wir haben eine neue Verfassung. Natürlich schätzen wir unsere internationalen Partner. Die deutschen Investitionen betragen über acht Milliarden US-Dollar. Derzeit gibt es 40 gemeinsame Projekte mit einem Gesamtvolumen von über vier Milliarden Dollar. Unternehmen wie CLAAS, Siemens, Linde, Goldbeck Holding, Rhenus und andere sind in Kasachstan aktiv und arbeiten erfolgreich zusammen.

Unser Ziel besteht darin, die Investitionszusammenarbeit mit der deutschen Seite auf ein qualitativ neues Niveau zu bringen. Wir sind sehr an langfristigen Aktivitäten der Vertreter der deutschen Wirtschaft interessiert. Wir legen sehr viel Wert auf die Zusammenarbeit in den Bereichen von Energie, Maschinenbau und Chemie. Denn es sind weltweit führende Unternehmen aus Deutschland, an denen wir interessiert sind. Wir sind uns sicher, dass das Potenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft ist. Deutschland hat einen sehr starken Mittelstand, die Vertreter der kleinen und mittleren Unternehmen. Wir sind sehr daran interessiert, dass der Mittelstand aus Deutschland nach Kasachstan kommt und dort Produktionsstätten aufbaut.

Die Zusammenarbeit mit Deutschland genießt für uns hohe Priorität. Was die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern betrifft, so sind wir uns sicher, dass wir auf eine langfristige Partnerschaft setzen können.

Kasachstan ist einer der wichtigsten Erdöllieferanten für Deutschland. Wir haben vor, die Volumina der Lieferung von Erdöl zu steigern und möchten auch in der Zukunft ein zuverlässiger Partner im Bereich der Erdöllieferungen für Deutschland sein. Der grüne Wasserstoff und erneuerbare Energien sind weitere Bereiche.

Auch die Zusammenarbeit im Bereich der Umwelt, um die Schäden für die Umwelt reduzieren zu können, spielt für uns eine wichtige Rolle. Linde und Siemens Energy sind hierfür die besten Beispiele, und wir arbeiten mit diesen Unternehmen erfolgreich zusammen. Wir schätzen diese Zusammenarbeit sehr.

Verkehr und Logistik sind weitere Bereiche, die für uns wichtig sind. Wir haben ja eine günstige geografische Lage und sind gerne bereit, das Potenzial in diesem Bereich auszuschöpfen. Die Transkaspische Internationale Transportroute hat in dieser Hinsicht eine sehr große Bedeutung. Der Mittlere Korridor erfreut sich einer großen Nachfrage. Bis auf 20 Millionen Tonnen möchten wir das Transportaufkommen hier vergrößern und verbessern. Aus diesem Grund möchte ich die deutschen Unternehmen im Bereich des Verkehrs und der Logistik dazu auffordern, dass sie ihre Aktivitäten ausweiten. Es gibt dafür natürlich auch die Häfen in Kasachstan, wie den Hafen in Aktau. Wir sind gerne dafür bereit und planen konkrete Projekte mit der deutschen Seite.

Der Bereich der Landwirtschaft, der Ernährung und der Lebensmittel freut sich auch auf eine große Nachfrage. Wir legen sehr viel Wert auf diesen Bereich. Die deutschen Erfahrungen sind für uns wichtig. Aktivitäten wie zum Beispiel die von CLAAS mit der Montage der landwirtschaftlichen Maschinen in Kasachstan und von Westfalia im Bereich des Baus der Milchfabriken, der Milchfarmen, sind uns wichtig und haben sehr gute Chancen. Ökolandbau spielt eine wichtige Rolle. Natürlich ist es wichtig, dass die kasachischen Unternehmen einen Zugang zu dem europäischen Lebensmittelmarkt bekommen.

Wir schätzen die Arbeit des Deutsch-Kasachischen Agrarpolitischen Dialog in Kasachstan sehr. KI und Digitalisierung sind Bereiche mit großer Zukunft, auch Robotik. Wir sind hier sehr interessiert am Ausbau der Zusammenarbeit. Geologische Erkundung und Digitalisierung der geologischen Leistung stehen ganz hoch auf der Agenda.

Das gilt auch für den kulturell-humanitären Bereich, denn er bildet ja eine wichtige Brücke für unsere beiden Länder. Es gibt ja, wie gesagt, die deutsche Minderheit in Kasachstan, ca. 200.000 Menschen, die uns sehr wichtig sind und eine lebendige Brücke bilden. In Aktau gibt es ja ein deutsch-kasachisches Ingenieurszentrum. Es gibt auch weitere deutsch-kasachische Bildungseinrichtungen. Es wurde vor Kurzem eine Filiale einer deutschen Hochschule eröffnet. Wir hegen die Hoffnung auf den Ausbau der Zusammenarbeit im Bereich hochschulischer Bildung, denn dies ermöglicht langfristige Partnerschaft auch unter jungen Menschen.

Die heutigen Gespräche waren sehr inhaltsreich. Wir haben vor, im Laufe der Verhandlungen mehr als 30 kommerzielle Verträge zu unterzeichnen, und sind daran interessiert, dass die Verträge effizient umgesetzt werden.

Morgen habe ich vor, nach Bayern zu reisen. Es sind eine Reihe von Gesprächen mit den bayerischen Vertretern, auch mit Regierungsvertretern und Wirtschaftsvertretern vorgesehen. Ich werde auch am Technologieforum teilnehmen und bin mir sicher, dass dieses Forum einen weiteren Schritt auf dem Wege der Stärkung der Zusammenarbeit bilden wird.

Sehr geehrte Damen und Herren, heute haben wir uns hier im Laufe der Verhandlungen über die Fragen der internationalen Agenda, aber auch der bilateralen Agenda ausgetauscht. Natürlich ist es sehr wichtig, dass wir so einen Austausch haben und dass die Herausforderungen auf dem diplomatischen Wege auf der internationalen Bühne bewältigt werden. Wir haben verabredet, dass wir die Zusammenarbeit ausbauen. Die Zusammenarbeit sollte von gegenseitigem Vorteil sein. Deutschland ist ein strategischer Partner für uns. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!