Seite an Seite in der Europäischen Union

  • Bundesregierung | Startseite
  • Bundeskanzler

  • Schwerpunkte 

  • Bundesregierung

  • Aktuelles

  • Mediathek 

  • Service   

Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Irlands Premierminister Martin Seite an Seite in der Europäischen Union

Bundeskanzler Merz empfing den irischen Premierminister Martin zu seinem Antrittsbesuch in Berlin. Im Mittelpunkt des gemeinsamen Austausches stand die Vorbereitung auf die bevorstehende Präsidentschaft Irlands im Rat der Europäischen Union.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Donnerstag, 16. April 2026
Bundeskanzler Merz und Irlands Premierminister Martin beim Empfang mit militärischen Ehren am Bundeskanzleramt.

Auch die bevorstehende EU-Ratspräsidentschaft Irlands war Thema beim Antrittsbesuch des irischen Premierministers, Micheál Martin.

Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

„Deutschland und Irland stehen auch in der Europäischen Union Seite an Seite“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz zu Beginn der Pressekonferenz mit dem irischen Premierminister (Taoiseach) Micheál Martin. Damit unterstrich er die europapolitische Ausrichtung der stattgefundenen Gespräche. Irland übernimmt vom 1. Juli bis 31. Dezember 2026 den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. 

Hinsichtlich zentraler Themen der irischen Ratspräsidentschaft bestehe große Einigkeit: die Stärkung europäischer Wettbewerbsfähigkeit und eine zeitnahe Finalisierung des neuen EU-Haushaltes. Daneben sprach der Bundeskanzler mit seinem irischen Gast auch über die Situation im Nahen Osten und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. All diese Themen werden voraussichtlich auch Gegenstand der Gespräche beim informellen Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs nächste Woche in Zypern sein.

Das Wichtigste in Kürze: 

  • EU-Haushalt und Wettbewerbsfähigkeit: Mit dem nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) beschließt die EU ihre Haushaltspolitik für die Jahre 2028 bis 2034. Ziel ist es, die Verhandlungen bis Ende 2026 abzuschließen und eine Einigung zu erzielen. „Wir brauchen einen modernisierten mittelfristigen Finanzplan, der die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union vor allem mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und auf unsere Verteidigungsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt und auch Prioritäten setzt“, betonte Merz.
  • Naher Osten: Beide Länder teilen die Ansicht, dass es ohne einen diplomatischen Weg keinen nachhaltigen Frieden in der Region geben wird. Merz forderte insbesondere eine tragfähige Verständigung über die Straße von Hormus und eine Einigung zum iranischen militärischen Nuklearprogramm.
  • Ukraine: Die Unterstützung der Ukraine gegen Russlands Waffengewalt dürfe nicht nachlassen, betonte Merz. Deutschland und Irland seien sich einig, dass die Ukraine dringend finanzielle Mittel brauche, um sich militärisch gegen Russland zu verteidigen. Das 90 Milliarden-Euro-Darlehen für die Ukraine müsse daher nun zügig umgesetzt werden. Man baue darauf, dass Ungarn seine Blockade mit Antritt der neuen Regierung nicht mehr aufrechterhalten werde, erklärte der Kanzler.

Die Ratspräsidentschaft der EU wechselt alle sechs Monate zwischen den Mitgliedsstaaten der Union. Während dieser Zeit leitet das jeweilige Land die Sitzungen des Rates, organisiert die Arbeit und vertritt den Rat gegenüber den anderen EU-Institutionen. Dazu kann die Ratspräsidentschaft auch eigene politische Schwerpunkte setzen. Weitere Informationen finden Sie auf der Themenseite zur EU-Ratspräsidentschaft

Sehen Sie hier die Pressekonferenz:

27:45

Video Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Irlands Premierminister Martin

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen! Ich freue mich, dass ich heute den Premierminister aus Irland, Micheál Martin, herzlich in Berlin willkommen heißen darf.

Wir arbeiten jetzt seit fast einem Jahr im Europäischen Rat zusammen, und Irland wird die europäische Ratspräsidentschaft zum 1. Juli übernehmen. Wir haben über die Themen dieser Ratspräsidentschaft ausführlich gesprochen, aber auch über die bilateralen Beziehungen zwischen Irland und Deutschland, denn Deutschland und Irland sind enge Partner. Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Zusammenarbeit noch einmal erheblich verbessert und vertieft. Davon zeugt unter anderem unser gemeinsamer deutsch-irischer Aktionsplan, an dessen Umsetzung und Fortentwicklung wir seit 2024 gemeinsam arbeiten.

Deutschland und Irland stehen auch in der Europäischen Union Seite an Seite. Im Juli wird Irland die Ratspräsidentschaft übernehmen. Die Vorbereitung darauf stand heute im Mittelpunkt. unseres Gespräches. In dieser enorm herausfordernden Zeit ist das eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe und eine – das wurde in unserem Gespräch auch sehr deutlich –, auf die ihr euch, lieber Micheál, wirklich sehr intensiv vorbereitet. Über die zentralen Themen der irischen Ratspräsidentschaft sind wir uns einig. Der nächste Mehrjährige Finanzrahmen soll bis zum Jahresende, wenn es geht, finalisiert werden. Die Verhandlungen werden also unter irischem Ratsvorsitz in die entscheidende Phase treten. Ich habe der irischen Ratspräsidentschaft und dem irischen Ministerpräsidenten auch die Unterstützung für einen Abschluss im Jahr 2026 zugesagt.

Für uns ist dabei wichtig: Wir brauchen einen modernisierten mittelfristigen Finanzplan, der die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union vor allem mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und auf unsere Verteidigungsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt und auch Prioritäten setzt. Prioritäten zu setzen, heißt, bei anderen Themen auch zu reduzieren. Das wird die Bereiche betreffen, die wir in der Europäischen Union in den letzten Jahren und Jahrzehnten besonders im Blick gehabt haben. Aber die Prioritäten ändern sich, und damit müssen sich auch die Prioritäten in der Finanzpolitik der Europäischen Union ändern.

Wir haben heute sehr ausführlich auch über die Lage im Nahen und Mittleren Osten gesprochen. Deutschland und Irland teilen die Ansicht, dass es ohne einen diplomatischen Weg keinen nachhaltigen Frieden in der Region geben kann. Dafür muss es eine tragfähige, belastbare Verständigung über die Straße von Hormus geben. Wir sind bereit, als Bundesrepublik Deutschland hier einen Beitrag zur Sicherung der freien Schifffahrt zu leisten, wenn es eine klare Rechtsgrundlage dafür gibt, wenn es eine Entscheidung der Bundesregierung dazu gibt und wenn es dann auch ein Mandat des Deutschen Bundestages dafür gibt. In diesem Zusammenhang muss klar sein, dass das iranische militärische Nuklearprogramm beendet wird. Iran darf nicht in den Besitz der Atombombe kommen. Es liegt daher auch in unserem Interesse, dass diese Waffenruhe hält und dieser Krieg damit auch beendet wird.

Wir haben auch über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gesprochen. Die deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen vom Dienstag dieser Woche haben ein starkes Zeichen gesetzt. Ich habe den Premierminister über die Ergebnisse unserer Gespräche informiert, auch über die enormen technologischen Fortschritte, die die Ukraine im Hinblick auf militärische Technologie gemacht hat, die wir ja zum Teil im Kanzleramt auch ausgestellt haben. Eine solche Partnerschaft nutzt beiden Seiten. Sie wird Russland früher oder später auch veranlassen, einem Frieden zuzustimmen, der die Interessen der Ukraine und die Interessen Europas auch wahrt.

Wir werden in der Europäischen Union nach dem Wahlsieg der Opposition in Ungarn über die bisher regierende Fidesz-Partei jetzt zu einer Entscheidung über das Darlehen kommen können, das die Ukraine erhalten soll. Ich hoffe, dass wir hier sehr schnell zu einem Auszahlungsmodus kommen. Jedenfalls hoffe ich, dass der Weg zu einer Entscheidung jetzt frei ist; denn die Ukraine wird das Geld für ihre Verteidigung dringend brauchen. Das hat für uns eine sehr hohe Priorität. 

In diesem Sinne noch einmal, lieber Micheál, herzlichen Dank für unsere gute Zusammenarbeit, für unsere guten bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Irland, die ja traditionell seit Jahrhunderten eng miteinander verbunden sind. Viele Deutsche machen ganz regelmäßig in Irland Urlaub und haben die Insel sehr schätzen und lieben gelernt. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Das ist eine gute und vollkommen störungsfreie Zusammenarbeit, die wir sehr schätzen, die wir ausbauen wollen und auf deren Grundlage wir auch gemeinsam in der Europäischen Union arbeiten. Es macht einfach Freude, auch mit einer so guten Partnerschaft in Europa an gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Ganz herzlichen Dank!

Premierminister Micheál Martin:

Vielen Dank, Herr Bundeskanzler! Vielen Dank für diese herzliche Begrüßung heute hier in Berlin und auch für die Gastfreundschaft, die ich hier erfahre.

Sie haben ja zu Recht darauf hingewiesen, dass wir gute Freunde und Kollegen sind und ausgezeichnete bilaterale Beziehungen pflegen. Sehr häufig sind wir auch gleicher Meinung, was europäische Angelegenheiten anbetrifft. Dies ist wirklich eine Partnerschaft, die auf gemeinsamen Werten beruht.

Irland freut sich auf die Übernahme der Präsidentschaft des Europäischen Rates im Juli. Der Bundeskanzler und ich treffen uns ja regelmäßig bei Europäischen Räten. Die Gespräche heute haben es uns aber ermöglicht, doch etwas detaillierter auf einige der Themen einzugehen, die besonders wichtig für die Europäische Union sind. Ich habe insbesondere die Gelegenheit erhalten, direkt von deutscher Seite zu erfahren, welche Prioritäten Sie für unsere Präsidentschaft der EU sehen. Ich habe den Bundeskanzler über unsere Vorbereitungen für die Präsidentschaft gebrieft. Als ein kleines Land ist es ist eine besondere Ehre, für 415 Millionen Menschen zu arbeiten, die die Europäische Union ihre Heimat nennen.

Wir werden uns hier sicherlich auf die Bereiche der Wettbewerbsfähigkeit, der Werte und der Sicherheit konzentrieren. Der Bundeskanzler und ich sind uns einig gewesen, dass die Europäische Union ihre Anstrengungen verdoppeln muss, um ein wettbewerbsfähiges Umfeld für die Unternehmen zu schaffen. Das ist wichtig, wenn wir den Wohlstand bewahren wollen und auch wirtschaftliche Sicherheit garantieren wollen.

Der Europäische Rat hat bei dem letzten Treffen im März eine sehr ehrgeizige Agenda definiert. Wir haben Arbeitsprogramme und auch Zielvorgaben festgelegt. Es geht hier um die Vertiefung des gemeinsamen Binnenmarkts. Wir wollen weitere Regelsetzungen formulieren und fördern. Wir wollen auch die Spar- und Investitionsunion vorantreiben und kleine Unternehmen und Start-ups unterstützen. Wir sind uns einig, dass die Europäische Union mehr tun muss, um die Innovation zu stützen und zu befördern und die ökonomische Dynamik zu generieren, die wir brauchen, wenn wir uns den Herausforderungen der Zukunft stellen wollen.

Ohne eine starke, wettbewerbsfähige Wirtschaft wird Europa nicht in der Lage sein, den Lebensstandard unserer Bürger und Bürgerinnen zu bewahren und vor Bedrohungen von außen zu schützen. Angesichts der veränderten Sicherheitslage wird das sicherlich auch ein Thema unseres Vorsitzes sein. Dabei geht es vor allem um die starke und deutliche Unterstützung der Ukraine angesichts des illegalen Kriegs, den Russland gegen die Ukraine führt.

Wir haben auch über andere internationale Themen wie zum Beispiel den Konflikt im Nahen und Mittleren Osten gesprochen. Die Bedeutung, die der Konflikt für die Menschen in der Region hat, ist gewaltig, aber auch für die Welt insgesamt hat das Folgen. Deshalb müssen die Feindseligkeiten beendet werden. Das wirkt sich negativ auf die Energieversorgung und die Energiepreise aus. Deshalb ist das ein prioritäres Thema für alle Regierungen in der Europäischen Union. Wir haben heute die Gelegenheit genutzt, uns dahingehend auszutauschen, welche Maßnahmen jedes Land angesichts dieser Lage ergriffen hat.

Wir haben uns auch mit den ausgezeichneten Beziehungen zwischen Irland und Deutschland befasst und deutlich gemacht, dass wir gemeinsam entschlossen sind, diese Beziehungen weiter zu verstärken und zu vertiefen. Unsere bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen sind besonders gut. Wir haben ausgezeichnete Beziehungen in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Kultur, Sport, Musik und Künste.

Abschließend möchte ich dir, Friedrich, noch einmal ganz herzlich danken für die freundliche Begrüßung, die ich hier erfahren habe, und für die ausgezeichneten Gespräche heute. Ich freue mich auf deine Unterstützung während unserer Präsidentschaft des Europäischen Rates und auf die konstruktive Mitarbeit an den Themen, die uns allen im Interesse unserer Bürger und Bürgerinnen am Herzen liegen. Ich bin besonders dankbar für die Klarheit, die du bei den Sitzungen des Europäischen Rates an den Tag legst, und dafür, dass du auch immer deutlich klar machst, welche Ziele du siehst.