Pandemie bremst Migration

Migrationsbericht 2020 Pandemie bremst Migration

Die Corona-Pandemie hat sich 2020 auch auf das Migrationsgeschehen ausgewirkt: Ab März verzeichneten alle Wanderungsformen einen klaren Rückgang. Diese und weitere wichtige Erkenntnisse fasst der Migrationsbericht 2020 zusammen, der vom Kabinett beschlossen wurde.

Schriftzug "Bundesamt für Migration und Flüchtlinge" auf der Fassade des Behördengebäudes

Das Forschungszentrum des BAMF erstellt jährlich den Migrationsbericht der Bundesregierung.

Foto: imago images / Lars Reimann

Die Migration von und nach Deutschland stand im Jahr 2020 im Zeichen der Corona-Pandemie: Bei allen Wanderungsbewegungen wurde ab März ein Rückgang verzeichnet – auch verursacht durch die eingeschränkte internationale Mobilität durch die sich ausbreitende Covid-19-Pandemie. 

Auch das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz und der Brexit prägten das Migrationsgeschehen. Insgesamt wurden für 2020 knapp 24 Prozent weniger Zuwanderer und über 21 Prozent weniger Abwanderer als im Vorjahr verzeichnet.

Nettozuwanderung weiter rückläufig

Die Nettozuwanderung nahm weiter ab: Den 1.186.702 Zuzügen standen 966.451 Fortzüge gegenüber. Unter dem Strich lebten am Jahresende 2020 damit gut 220.000 Menschen mehr in Deutschland als zu Jahresbeginn. Diese Zahl ist damit im fünften Jahr in Folge rückläufig – 2016 lag sie noch bei fast 500.000. Der Rückgang an registrierten Wanderungen fiel dabei überwiegend in den Zeitraum von März bis Dezember 2020, in welchem weltweite Reisebeschränkungen durch die Pandemie galten.

Der Migrationsbericht der Bundesregierung informiert auf Basis vieler statistischer Daten über das Migrationsgeschehen in Deutschland und gibt einen umfassenden Überblick über die Wanderungsbewegungen im Berichtsjahr. Die Zu- und Abwanderungen über die deutschen Grenzen hinweg werden detailliert dargestellt und in den Kontext der politischen und rechtlichen Entwicklungen im Berichtszeitraum eingebettet. Hier finden Sie den Migrationsbericht 2020

Europa steht im Vordergrund

Die Zu- und Abwanderung in Deutschland erfolgt hauptsächlich durch europäische Staaten. Es zeigt, dass die Bundesrepublik besonders für EU-Staatsangehörige, die hier studieren und arbeiten wollen, ein attraktives Ziel ist. 2020 kamen 69 Prozent aller zugewanderten Personen aus einem europäischen Land, knapp 55 Prozent aus einem EU-Staat.

„Oft aus dem öffentlichen Blickfeld gerät, dass das Migrationsgeschehen in Deutschland insbesondere durch die europäische Binnenmigration und Zuwanderungen und Abwanderungen zwischen den europäischen Staaten geprägt ist“, erklärte dazu Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Es sei positiv, „dass sich die Bundesrepublik besonders für Menschen die hier studieren und arbeiten wollen sowie für EU-Staatsangehörige als ein attraktives Ziel etabliert hat.“

Auch bei den Fortzügen war Europa die Hauptzielregion: Etwa zwei Drittel der abwandernden Personen zogen im Jahr 2020 aus Deutschland in ein anderes europäisches Land, gut 55 Prozent in einen EU-Staat. Der höchste positive Wanderungssaldo im Jahr 2020 wurde gegenüber Rumänien (+36.824) und Bulgarien (+22.758) verzeichnet.

Weniger Asylanträge

Die Zahl der Asylanträge war weiter rückläufig, was den anhaltenden Rückgang der Fluchtmigration widerspiegelt: Von 2016 auf 2019 gingen die Erstantragszahlen bereits um gut 80 Prozent zurück. Der rückläufige Trend hat sich pandemiebedingt 2020 weiter fortgesetzt. Die Zahl der Asylantragstellerinnen und Asylantragsteller fiel erstmals unter das Niveau von 2013 und lag 2020 bei 102.581 Menschen. 

Wie bereits seit 2014 belegt Syrien unter den zugangsstärksten Staatsangehörigkeiten bei den Asylerstanträgen den ersten Rang. 2020 wurden 36.433 Asylerstanträge von syrischen Staatsangehörigen gestellt, dies entspricht einem Anteil von 35,5 Prozent.

Experten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ordnen in einem Interview das Migrationsgeschehen 2020 ein.

Zahl der Studienanfänger rückläufig

Pandemiebedingt ist auch die Zahl der sogenannten Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer rückläufig, die ein Studium in Deutschland aufgenommen haben. Im Vergleich zu 2019 ist die Zahl um 22 Prozent auf 86.528 Personen zurückgegangen.

Die Zahlen zur Erwerbsmigration lassen sich vor dem Hintergrund der Pandemie und einer veränderten statistischen Erfassung aufgrund des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes nur bedingt mit denen der Vorjahre vergleichen. Im Jahr 2020 sind 29.747 Personen eingereist, die einen Aufenthaltstitel zur Erwerbsmigration erhielten. Das sind 53,7 Prozent weniger als 2019. Die Mehrheit dieser Zuwanderer sind qualifizierte und hochqualifizierte Fachkräfte.

Mehr als 26 Prozent haben Migrationshintergrund

2020 lebten 21,9 Millionen Menschen in Deutschland, die selbst oder bei denen mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht seit Geburt besitzen. Damit hatten 26,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund, von denen wiederum mehr als die Hälfte deutsche Staatsbürger sind.

„Deutschland ist heute unbestreitbar ein Einwanderungsland“, erklärt dazu die Bundesinnenministerin. Die neue Bundesregierung wolle „einen Neuanfang in der Migrations- und Integrationspolitik gestalten, der einem modernen Einwanderungsland gerecht wird“, so Faeser. Der Migrationsbericht biete „Daten und Fakten, um Diskussionen mit Substanz führen zu können und Debatten zu versachlichen“.