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Merkel in Japan

Lange Freundschaft ist "Ansporn, enger zusammenzuarbeiten"

Eine neue, höhere Ebene der japanisch-deutschen Beziehungen - das ist das Ergebnis des zweitägigen Besuchs in Japan. Bei einem Treffen mit dem japanischen Premierminister Abe hat Bundeskanzlerin Merkel angekündigt, das gemeinsame Engagement für internationalen Freihandel und Multilateralismus auszubauen und den Handel zu intensivieren.

Kanzlerin Merkel mit Kaiser Akihito im Gespräch.

Audienz beim Kaiser: Bereits zum dritten Mal hat Akihito Merkel empfangen.

Foto: Bundesregierung/Steins

Die "lange Freundschaft, die sich 2021 auch in 160 Jahren diplomatischer Beziehungen ausdrücken wird", sei "Ansporn", enger zusammenzuarbeiten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Anschluss an ihr Gespräch mit Japans Premierminister Shinzō Abe in Tokio. Dies gelte umso mehr in Zeiten schwieriger weltpolitischer Rahmenbedingungen.

Neue Ebene freundschaftlicher Beziehungen

Die deutsch-japanischen Beziehungen seien auf eine neue, höhere Ebene gehoben worden, befand Abe. Das zeige der gemeinsame Wille, für Stabilität und Wohlstand der internationalen Staatengemeinschaft die Zusammenarbeit der beiden Länder zu vertiefen.

Die Grafik zeigt die Fluglinien der Reise der Kanzlerin nach Japan und stellt die Schwerpunktthemen zusammen. Merkel trifft sich mit dem japanischen Ministerpräsidenten Abe und Wirtschaftsvertreter. Thema wird u.a. das Thema Künstliche Intelligenz sein.

Volles Programm: Kanzlerin Merkel war zwei Tage lang in Japan.

Foto: Bundesregierung

Wirtschaftsthemen im Fokus

Merkel und Abe tauschten sich neben bilateralen Beziehungen und globalen Fragen auch zu wirtschafts- und handelspolitischen Themen aus.

Die Bundeskanzlerin lobte das in Kraft getretene Partnerschaftsabkommen der EU mit Japan und die Bereitschaft, sehr gute Win-Win-Situationen durch partnerschaftliche Zusammenarbeit herbeizuführen, "auch wenn multilaterale Abkommen zum Teil in schwierigerem Fahrwasser sind." Dazu setzten sich beide Seiten für Fairness und Gegenseitigkeit ein.

Am 1. Februar 2019 ist das EU-Japan-Partnerschafts- und Handelsabkommen in Kraft getreten, das im vergangenen Jahr neu abgeschlossen wurde. Dabei wurden auf viele europäische Exportprodukte aus oder nach Japan sukzessive Zölle gesenkt oder ganz abgebaut.

Schwerpunkt G20

Bei dem Gespräch ging es auch um die diesjährige japanische G20-Präsidentschaft und den anstehenden G20-Gipfel in Osaka. Kanzlerin Merkel betonte, ein wesentlicher Zweck ihres Besuches sei es, "zu zeigen, dass wir gemeinsam das G20-Treffen vorbereiten wollen".

Beim G20-Gipfel im Juni werde sich die Staatengemeinschaft neben den großen Themen Weltwirtschaft, Handel und Klimawandel vor allem mit dem japanischen Schwerpunkt Gesellschaft 5.0 auseinandersetzen. "Deutschland und Japan können hier sehr eng zusammenarbeiten, weil wir auf diesem Gebiet auch einiges voranbringen", erklärte Merkel.

Der diesjährige G20-Gipfel findet am 28. und 29. Juni 2019 in Osaka statt. Die Bundeskanzlerin plant an dem Gipfel teilzunehmen.

Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz

Auch das Interesse für eine deutsch-japanische Zusammenarbeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz sowie im gesamten Wirtschaftsbereich sei groß. "Ich unterstütze auch, dass wir das Geheimschutzabkommen entwickeln, um in der Cyberzusammenarbeit voranzukommen", sagte die Kanzlerin.  

Gemeinsam mit Premierminister Abe traf Merkel außerdem mit japanischen und deutschen Unternehmensvertretern zusammen. Daran nahm auch die mitreisende Wirtschaftsdelegation, bestehend aus Vertretern der deutschen Elektro-, IT- und Chemieindustrie, des Pharmabereichs, der Gesundheitsbranche sowie von Finanzdienstleistungen und Automobilzulieferern, teil.

Übereinstimmung in globalen Fragen

Die Bundeskanzlerin hob die zahlreichen Kooperationsfelder auf globaler Ebene hervor. So sprachen sie und Abe beispielsweise über die gemeinsamen Kooperationspartner Russland und China, aber auch über entwicklungspolitische Maßnahmen in Afrika und Japans Unterstützung des Berliner Prozesses auf dem westlichen Balkan. Auch die deutsch-japanische Zusammenarbeit in der Korea-Frage war Thema des Gesprächs.

Die beiden Regierungschefs betonten, dass man zukünftig auch auf globaler Ebene noch enger zusammenarbeiten wolle.

Audienz beim Kaiser

Am zweiten Tag ihrer Reise traf Merkel japanische Intellektuelle und Publizisten. Bei einem gemeinsamen Frühstück tauschte sie sich mit ihnen über die innen- und außenpolitische Lage Japans aus.

Anschließend ging es weiter zum Kaiserpalast. Hier wurde sie von Kaiser Akihito zu einem bilateralen Gespräch empfangen. Es war die dritte Audienz beim Kaiser - eine besondere Ehre. Akihito wird Ende April abdanken und sein Sohn, Kronprinz Naruhito, wird den Thron besteigen. Diesen hat Bundeskanzlerin Merkel am frühen Nachmittag ebenfalls zum Gespräch getroffen.

Im Zeichen der Wissenschaft

An der Keiō-Universität, einer der ältesten Universitäten Japans, sprach Merkel mit Studentinnen und Studenten über die deutsch-japanischen Beziehungen und die Herausforderungen der Zukunft. Danach traf sie mit Deutsch-Studenten des Goethe-Instituts zusammen. Auch ein Treffen mit Forschern aus verschiedenen naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen stand auf dem Programm.

Einladung zur wirtschaftlichen Kooperation

Zum Abschluss ihrer Reise nahm Merkel an der Abschlussveranstaltung des deutsch-japanischen Wirtschaftsforums teil.

In ihrer Rede würdigte sie das EU-Japan-Partnerschafts- und Handelsabkommen: Es gehe "nicht um irgendein kleineres Abkommen, sondern wirklich um neue Chancen in jede Richtung". Dabei verwies sie auf den europäisch-japanischen Raum, der "fast 600 Millionen Menschen mit fast 40 Prozent des globalen Handels" umfasse. Von dem Abkommen erhoffe sie sich eine "Intensivierung unseres Handels in beide Richtungen".

Aktuell gibt es 450 deutsche Firmen, die in Japan aktiv sind. Merkel lud "alle Vertreter der japanischen Unternehmen ein, sich auch in Deutschland heimisch zu fühlen". Deutschland biete einen offenen Markt, der sie brauche.

Anschließend besuchte die Bundeskanzlerin den Showroom der Firma NEC. Dort informierte sie sich über die Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Künstlichen Intelligenz.