Siegerehrung im 60. Bundeswettbewerb „Jugend forscht”
Mehr als 10.000 junge Menschen haben sich an der 60. Wettbewerbsrunde von „Jugend forscht“ beteiligt. In Anwesenheit von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Bundesbildungsministerin Karin Prien wurden Deutschlands beste MINT-Talente ermittelt.
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Ausgezeichnet: Preisträger Louis Schwarzlose mit Bundesbildungsministerin Karin Prien und Moderator Ralph Caspers
Foto: Stiftung Jugend forscht e. V.
„Wir suchen die Forscher von morgen!“ So fing vor 60 Jahren die Geschichte von Jugend forscht an, als stern-Chefredakteur Henri Nannen zur ersten Wettbewerbsrunde aufrief. Seither haben mehr als 340.000 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Auch im Jubiläumsjahr hat der bekannte Nachwuchswettbewerb nichts von seiner Aktualität verloren: Damals wie heute, auch angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen, ist Deutschland darauf angewiesen, besondere Leistungen und Begabungen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu fördern.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hob besonders die positive Stimmung während der gesamten Veranstaltung hervor. Sie dankte daher allen Jungforschenden, dass „wir wieder ein optimistisches, positives, ganz großartiges Land sein können”. Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien unterstrich: „Forschen ist Lernen, das Spaß macht, Neugier weckt und Lernen für die Zukunft ist”. Deshalb sei Jugend forscht so wichtig und „ein kraftvolles Zeichen für Wissenschafts- und Forschungsfreiheit in Deutschland.”
Preis des Bundeskanzlers für die „originellste Arbeit“
Beim diesjährigen „Gipfeltreffen“ der besten Jungforscherinnen und Jungforscher Deutschlands in Hamburg wurden jetzt die Siegerinnen und Sieger der 60. Wettbewerbsrunde „Jugend forscht“ gekürt. Unter ihnen ist auch Louis Schwarzlose (17 Jahre) aus Hamburg. Der Gymnasiast baute eine mobile Forschungsboje zur Erfassung von Umweltdaten in Gewässern. Sie hat einen autonomen Antrieb und gewinnt den Strom dafür aus Wind- und Wellenkraft sowie Solarenergie. Damit können künftig an schwer zugänglichen Stellen auf dem Wasser Sensoren platziert werden, die wichtige Informationen zur Ökologie liefern.
Mobile Forschungsboje zur Erfassung von Umweltdaten: Louis Schwarzlose mit seinem Projekt
Foto: Stiftung Jugend forscht e. V
Für seine Analytik und Kreativität, sein „ingenieursmäßiges” Vorgehen und die erfolgreiche Umsetzung seiner Idee, auf Umweltschäden zu reagieren, erhielt Louis Schwarzlose den „Sonderpreis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit”. Der Jungforscher wird seine Arbeit bald persönlich Bundeskanzler Friedrich Merz vorstellen können. Zu diesem feierlichen Empfang, der traditionell im Bundeskanzleramt in Berlin stattfindet, sind auch alle weiteren Prämierten eingeladen.
Der Sonderpreis des Bundeskanzlers wurde 1971 erstmals ausgelobt. Er unterstreicht die große Bedeutung der Förderung des Forschungsnachwuchses und die Wertschätzung, die diesem bundesweiten Wettbewerb zukommt.
Unter dem Motto „Macht aus Fragen Antworten“ hatten sich in diesem Jahr 10.350 Jungforscherinnen und -forscher aus ganz Deutschland angemeldet. Dabei lag der Anteil von Mädchen bei rund 40 Prozent, dem zweithöchsten Anteil in der Jugend-forscht-Geschichte. Für den Bundeswettbewerb, der Finale und Höhepunkt darstellt, hatten sich in Veranstaltungen auf Regional- und Landesebene 167 Jugendliche qualifiziert. Die jeweils besten fünf Projekte pro Fachgebiet werden mit Geld- und Sachpreisen wie beispielsweise Forschungspraktika und Stipendien ausgezeichnet.
Strahlende Sieger des Bundeswettbewerbs auf der Bühne: Mehr als 10.000 Jugendliche hatten sich angemeldet.
Foto: BMFTR/Hans-Joachim Rickel
Deutschlands beste MINT – die Bundessiegerinnen und Bundessieger
Vincent Engelbrecht (19) aus Bayern programmierte eine spezielle Software, mit der sich alle zentralen Prozesse der Verwaltung von Zoos in einer App darstellen und steuern lassen. Die Managementplattform reduziert den Verwaltungsaufwand und verbessert die Lebensqualität der Tiere.
Misha Hegde (15) und Mia Maurer (15) aus Hessen fanden einen speziellen Phagen (Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren), mit dem sich das Bakterium „Rhizobium rhizogenes”, das Pflanzen befällt, umweltschonend bekämpfen lässt. Ihr Ansatz ersetzt Antibiotika und könnte künftig für die biologische Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft genutzt werden.
Elisabeth Fischermann (17) und Tom Kreßbach (17) aus Bayern entwickelten eine essbare Batterie in Tablettenform und nutzten dafür ungiftige Chemikalien. Ihre Batterie muss vor dem Einsatz nicht extra aufgeladen werden und kann in Zukunft für die medizinische Bildgebung von Magen und Darm als Energiequelle dienen.
Sienna Drack (16) und Claire Dillmann (17) aus Bayern haben ein sogenanntes „Citizen-Science-Projekt” ins Leben gerufen. Damit können Bürgerinnen und Bürger mit Handykameras die Reflexion des Erdlichts auf der Mondoberfläche fotografieren. Anhand der so ermittelten Daten ist es möglich, neue Erkenntnisse zur Vegetationsentwicklung auf der Erde zu gewinnen und zu verbessern.
Simon Neuenhausen (17) aus Nordrhein-Westfalen entwickelten für einen verbreiteten, kostengünstigen Minicomputer eine eigene, frei zugängliche WLAN-Funktion. einenentwickelte der 17-Jährige. Damit lässt sich der eingebaute Chip dazu nutzen, Netzwerke einzurichten, neue Anwendungen zu testen oder Sicherheitslücken zu erkennen. Die Software macht teure Spezialgeräte überflüssig.
Johanna Freya Pluschke (18) aus Niedersachsen programmierte eine Software, mit der sich zentrale Prozesse von Ionentriebwerken, die auch Raumfahrzeuge elektrisch antreiben, nachbilden lassen. Unter anderem lässt sich damit simulieren, wie das Gas, das für den Schub sorgt, ionisiert beziehungsweise elektrisch aufgeladen wird.
Jonathan Baschek (16) aus Rheinland-Pfalz entwickelte eine kostengünstige Augmented-Reality-Brille. Zentrales Element ist ein Mikrochip, der mit mehreren Sensoren kommuniziert. Die Optik der Brille ist so gestaltet, dass pro Auge ein kleines Bild wie bei einem Head-up-Display erscheint. Darüber hinaus schrieb der Jungforscher eine Software, mit sich die Brille steuern lässt. Die Software könnte hierbei beispielsweise als digitaler Assistent oder als Übersetzungshilfe dienen.
Preise des Bundespräsidenten und der Bundesforschungsministerin
Als Schirmherr von Jugend forscht stiftet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier jedes Jahr den Preis für eine „außergewöhnliche Arbeit”. In diesem Jahr ging er an Oskar Rost (17) und Marius Strauß (18) aus Jena. Die beiden Schüler entwickelten eine KI-basierte Software, die Fehlererkennung, Punktabzüge und Notenvorschläge bei Prüfungen automatisiert. Die benutzerfreundliche Anwendung kann nahtlos in den Schulalltag integriert werden und entlastet die Lehrkräfte.
Auch die Bundesforschungsministerin ehrt die Jungforscherinnen und Jungforscher mit einem Preis für die „beste interdisziplinäre Arbeit“: David Rutkevich (20) aus Berlin entwickelte ein computergestütztes Verfahren, mit dem unvollständige Bildinformationen von MRT- oder Röntgenaufnahmen ergänzt werden können. Sein KI-Modell kommt ohne zusätzliche, komplett trainierte Hilfsmodelle aus und lässt sich flexibel in bestehende Systeme integrieren. Nach Expertenauffassung übertrifft dieses Verfahren den aktuellen Stand der Forschung.
Der Startschuss für die 61. Wettbewerbsrunde erfolgt am 1. Juli 2025. bis zum 30. November 2025 können sich junge Menschen mit ihren Projekten bewerben: Jugend forscht