Historisches Kulturerbe vor KI-Fälschungen schützen: BKM und Google.org fördern die „Global Authentic Memory Initiative“

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Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und Google.org, die gemeinnützige Stiftung von Google, unterstützen gemeinsam die „Global Authentic Memory Initiative (GAMI)“. Ziel von GAMI ist, historische Digitalbestände vor Fälschungen zu schützen, die durch den Einsatz generativer künstlicher Intelligenz erzeugt wurden. GAMI bietet eine offene, herstellerunabhängige technische Lösung, mit der sich die Echtheit historischer Dokumente digital überprüfen lässt. Damit will GAMI einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung historischer Desinformationen im digitalen Raum leisten.

BKM unterstützt das Projekt mit Fördermitteln in Höhe von 100.000 Euro. Weitere 300.000 Euro trägt die Stiftung Google.org.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer reiste diese Woche in die USA, um sich auch mit Vertreterinnen und Vertretern großer Technologieunternehmen, darunter Google, auszutauschen. Im Rahmen seiner Reise sagte er: „Der Erhalt unseres kollektiven Gedächtnisses und der Schutz historischer Wahrheiten sind fundamentale Säulen einer wehrhaften Demokratie. Wir nehmen die Sorgen der Gedenkstätten sehr ernst, die uns im Januar erreicht haben. Mit GAMI stellen wir sicher, dass wertvolle Archivbestände im digitalen Zeitalter dauerhaft geschützt werden und für künftige Generationen unabhängig überprüfbar bleiben. Gleichzeitig gehen wir einen wichtigen Schritt im Kampf gegen Desinformation. Gedächtniseinrichtungen erhalten mit GAMI ein innovatives Tool, das ihre digitalen Bestände nachhaltig vor Fälschungen schützt und gleichzeitig sicherstellt, dass unsere Geschichte nicht zum Spielball politischer Interessen wird.“

Rowan Barnett, Director Google.org EMEA & APAC: „Die Bewahrung historischer Wahrheit, von Zeitzeugenberichten und des Vertrauens in authentische Informationen war noch nie so wichtig wie heute.Google.org unterstützt GAMI dabei, diese wichtige technische Infrastruktur zu skalieren und ein nachhaltiges Modell für Tausende von Archiven weltweit zu etablieren.“

Pablo Toussaint, Gründer und Direktor von Authentic Memory: „Die größte Gefahr ist nicht, dass Menschen Fälschungen glauben, sondern dass sie echten Dokumenten nicht mehr trauen. Wenn wir das Vertrauen in historische Aufnahmen erhalten wollen, müssen wir Archivbestände jetzt absichern, bevor sich das Zeitfenster schließt, in dem sich authentisches Material noch von synthetischem unterscheiden lässt.“

Die Herausforderung, Echtheit eindeutig zu erkennen

Indem Museen, Archive, Gedenkstätten und Forschungseinrichtungen ihre Digitalisate mit dem von GAMI entwickelten digitalen Nachweis versehen, bestehend aus einem kryptografischen Fingerabdruck, einem Zeitstempel und einer institutionellen Signatur, sorgen sie dafür, dass die Echtheit und Integrität ihrer digitalen Bestände über Jahrzehnte hinweg unabhängig überprüfbar sind. Authentische historische Dokumente werden somit digital eindeutig identifizierbar und können leicht von KI-generierten Fälschungen unterschieden werden.

In einem offenen Brief vom 13. Januar 2026 hatten insbesondere NS-Gedenkstätten darauf hingewiesen, dass durch den zunehmenden Einsatz generativer KI die Unterscheidung zwischen echten historischen Dokumenten und synthetischen Fälschungen oft nicht eindeutig ist. Dies führt zur Gefahr der sogenannten „Lügner-Dividende“: Echte historische Aufnahmen können zu Unrecht als KI-Fälschungen abgetan werden, während KI-generierte Fake-Inhalte als historische Tatsachen verbreitet werden. Millionen historische Bestandsobjekte tragen im Gegensatz zu modernen Medien keine eingebetteten Herkunftsnachweise, wodurch nicht gekennzeichnete historische Dokumente Gefahr laufen, als KI-generiert und somit als nicht echt eingestuft zu werden.

GAMI ist eine gemeinnützige Initiative der Authentic Memory gUG, die als Ausgründung der Technischen Universität München und der Ludwig-Maximilians-Universität München ins Leben gerufen wurde. Unter der Leitung des Gründers Pablo Toussaint entwickelt ein junges Team das technologische Verfahren und baut die erforderliche IT-Infrastruktur auf. Erste erfolgreiche Pilotprojekte wurden bereits mit der KZ-Gedenkstätte Dachau und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg durchgeführt.

Weimer erörtert auf USA-Reise mit Vertretern von Big Tech die Herausforderungen durch KI

Wie die Verbreitung von Deepfakes und Desinformation bekämpft werden kann, war auch Thema eines Gesprächs, das Staatsminister Weimer mit Vertreterinnen und Vertretern von YouTube und Google im Rahmen seiner USA-Reise in dieser Woche geführt hat. Es ging insbesondere um den Beitrag, den Technologieunternehmen leisten können, um die Kreativwirtschaft und kulturelle Einrichtungen vor dem schädlichen Einfluss etwa von KI-Fälschungen zu schützen.