Gedenken an Völkermord an den Herero und Nama
Namibia erinnert erstmals mit einem nationalen Gedenktag an die Kolonialverbrechen in der Zeit des deutschen Kaiserreichs. Die Bundesregierung bekennt sich zur moralischen und politischen Verantwortung Deutschlands und betont die Wichtigkeit der Versöhnung.
2 Min. Lesedauer
Gefangene Herero 1904/05 in Ketten: Die Kolonialmacht führte Krieg gegen die lokale Bevölkerung.
Foto: ullstein bild
Namibia erinnert mit einem offiziellen Gedenktag am Mittwoch, 28. Mai 2025, an das Schicksal der Herero und Nama: Schätzungsweise 100.000 Menschen aus diesen Bevölkerungsgruppen starben von 1904 bis 1908 während der Gräueltaten in der Kolonialzeit. Auch für Deutschland ist das Andenken an die Opfer und der Weg zur Versöhnung wichtig.
2021 machte die Bundesregierung deutlich, dass Deutschland Namibia und die Nachkommen der Opfer um Verzeihung bitten will. Sie erkannte den Völkermord, der im damaligen Deutsch-Südwestafrika begangen wurde, und die moralische, historische und politische Verantwortung hierfür an. In diesem Sinne unterstrich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier 2024 in seiner Rede beim Staatsbegräbnis für den ehemaligen namibischen Präsidenten Hage Geingob: „Versöhnung bedeutet nicht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, sondern Verantwortung für die eigene Vergangenheit zu übernehmen.“
Warum ist der 28. Mai in Namibia ein Gedenktag? Die Regierung Namibias rief im vergangenen Jahr den 28. Mai zum „Genocide Remembrance Day“ aus – nach jahrelanger Debatte um einen Gedenktag, der für alle betroffenen Gemeinschaften in Namibia akzeptabel sein sollte. Der Gedenktag wird 2025 zum ersten Mal begangen. Er erinnert an das Datum, an dem 1908 die Schließung aller damals so bezeichneten Konzentrationslager in Deutsch-Südwestafrika angeordnet wurde.
Kolonialverbrechen in Deutsch-Südwestafrika
Von 1884 bis 1915 war das Deutsche Reich Kolonialmacht im heutigen Namibia. Die deutschen Soldaten bekämpften die lokale Bevölkerung mit militärischer Gewalt und dehnten ihr Herrschaftsgebiet immer weiter aus. In der Zeit von 1904 bis 1908 führten die deutschen Kolonialherren einen Vernichtungskrieg gegen die Herero und Nama.
Generalleutnant Lothar von Trotha befahl die völlige Vernichtung der Herero im Oktober 1904 und der Nama im April 1905. 100.000 Menschen starben durch Gewalt, sie verdursteten oder kamen in Lagern um. Diese Verbrechen gelten als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts.
Rückgabe von Kulturgütern: Bibel und Peitsche des Nama-Anführers und Nationalhelden Hendrik Witbooi (1830-1905) befinden sich seit 2019 wieder in Namibia.
Foto: epd-bild/Gerhard Baeuerle
Deutschland steht zu seiner Verantwortung
Ein zentrales Anliegen Deutschlands ist die Aufarbeitung der Gräueltaten von 1904 bis 1908. Eine enge Zusammenarbeit besteht unter anderem bei Rückführung von Kulturgütern, dem Kulturerhalt, der wissenschaftlich-historischen Forschung wie auch der Förderung bilateraler Kulturprojekte. Im Mai 2021 wurde eine Gemeinsame Erklärung zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialverbrechen von Deutschland und Namibia paraphiert. Hierzu finden noch weitere Gespräche beider Seiten statt. Der deutsche Botschafter Dr. Thorsten Hutter wird an der zentralen Gedenkveranstaltung in Namibia teilnehmen.
Wichtig aber bleibt: Die Verbrechen der deutschen Kolonialherrschaft sind das dunkelste Kapitel deutsch-namibischer Beziehungen. Die Anerkennung deutscher Schuld und die Bitte um Entschuldigung sind wichtige Schritte, um gemeinsam die Verbrechen aufzuarbeiten und die Zukunft zu gestalten.