Erntebericht 2026
Trockenheit und Hitze haben zu Ernteverlusten und Futterknappheit geführt. Hohe Kosten bei Diesel und Dünger erhöhen den wirtschaftlichen Druck. Bundeslandwirtschaftsminister Rainer nannte die Situation „Krise von nationaler Tragweite“ und kündigte schnelle Hilfen an.
Aufgrund von Trockenheit und Dürre ist die Getreideernte in diesem Jahr zurückgegangen.
Foto: imago/Jochen Tack
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat den Erntebericht 2026 vorgestellt. Nach vorläufigen Ergebnissen können die Landwirte in diesem Jahr mit einer Getreideernte von rund 37,4 Millionen Tonnen rechnen. Damit liegt die Erntemenge um 7,3 Prozent unter der des Vorjahres. Der Hektarertrag liegt bei 69,1 Dezitonnen und damit um 5,6 Prozent niedriger als 2025.
Bei der wichtigsten Getreideart in Deutschland, dem Winterweizen, beläuft sich die Erntemenge voraussichtlich auf 20,2 Millionen Tonnen. Das sind 2,4 Millionen Tonnen beziehungsweise 10,4 Prozent weniger als 2025. Die Erntemenge von Winterraps wird voraussichtlich 3,5 Millionen Tonnen betragen und sinkt damit um 11,5 Prozent beziehungsweise 456.000 Tonnen gegenüber dem Vorjahr.
Starke regionale Unterschiede
„Die Bilanz fällt insgesamt deutlich ernster aus, als wir es uns erhofft hatten“, betonte der Bundeslandwirtschaftsminister. „Trockenheit und Hitze haben in einigen Regionen Deutschlands deutliche, teils verheerende Spuren auf den Feldern hinterlassen.“
Er führte aus, dass es zum Beispiel den Mais im Süden und Südwesten besonders schwer getroffen habe. Dort ist er vielerorts kaum gewachsen, teilweise haben die Pflanzen keine Kolben ausgebildet. Auch bei der Getreideernte musste der Süden starke Verluste hinnehmen.
In Mecklenburg-Vorpommern, dem größten Rapsanbauland, würden die Hektarerträge, vor allem durch Insektenschäden, voraussichtlich rund 25 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegen.
Rainer: „Krise von nationaler Tragweite“
Extrem angespannt sei die Lage auch beim Futter: Im Süden und Südwesten sei auf vielen Wiesen nach dem ersten Schnitt kaum noch Gras nachgewachsen. Viele Betriebe mussten deshalb schon im Sommer auf ihre Futterreserven zurückgreifen, die eigentlich für den Herbst und Winter vorgesehen sind.
Der Bundesminister hob hervor, dass der Blick auf die offiziellen Erntedaten nicht ausreiche, um ein Gesamtlagebild der Landwirtschaft zu geben. Das Zusammentreffen vieler Faktoren sei zu berücksichtigen: „Dürre, Trockenheit, regionale Ernte- und Qualitätsverluste, massive Futterknappheit, hohe Betriebsmittelkosten bei Diesel und Dünger infolge geopolitischer Krisen, wirtschaftlicher Druck in der Tierhaltung, insbesondere im Schweinemarkt, und erhebliche Belastungen unserer Wälder treffen gleichzeitig zusammen.“
Laut Alois Rainer handele es sich um „eine Krise von nationaler Tragweite“. Es gehe nicht darum, jede Ertragsschwankung staatlich auszugleichen. „Wenn aber die Substanz unserer Betriebe und damit Produktionskapazitäten dauerhaft gefährdet sind, dann dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Daran hängen regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze im ländlichen Raum und auch unsere Versorgungssicherheit in Deutschland“, so der Minister.
Unterstützung durch den Bund
Die Bundesregierung steht hinter den Landwirten. „Es geht um wirtschaftliche Existenzen, um Familienbetriebe und um die Zukunft der Landwirtschaft in unserem Land“, so Rainer. Folgende Maßnahmen sind unter anderem geplant:
- Zusammen mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank wird das bestehende Liquiditätshilfeprogramm um 300 Millionen Euro auf ein Darlehensvolumen von insgesamt 500 Millionen Euro aufgestockt. Zudem soll zeitnah ein zweites Liquiditätsprogramm aufgesetzt werden – mit deutlich stärker gesenkten Zinsen und längeren Laufzeiten.
- Die von der EU zur Verfügung gestellten Düngemittelhilfen in Höhe von 60 Millionen Euro sollen als Hektarprämien zielgenau den Betrieben zur Verfügung stehen, bei denen Kosten für Dünger oder Diesel stark gestiegen sind.
- Die Direktzahlungen an die deutsche Landwirtschaft sollen im kommenden Jahr einmalig um den EU-rechtlich möglichen Betrag erhöht werden. Nach den derzeitigen Planungen würden die Direktzahlungen von rund 4,1 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf rund 4,9 Milliarden Euro in 2027 steigen.
Auf der Webseite des BMLEH sind alle bereits geltenden sowie geplanten Instrumente zur finanziellen Unterstützung der landwirtschaftlichen Betriebe dargestellt.