„Deutschland und Polen sind unverzichtbare Partner“

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Pressekonferenz zu den 17. deutsch-polnischen Regierungskonsultationen „Deutschland und Polen sind unverzichtbare Partner“

Bei den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen bekräftigt Bundeskanzler Merz das fundamentale Interesse Deutschlands an einem starken Polen als gleichwertigen Partner. Im Mittelpunkt des Treffens standen Sicherheit, Infrastruktur und die Unterstützung der Ukraine.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Montag, 1. Dezember 2025
Bundeskanzler Merz empfängt Donald Tusk im Bundeskanzleramt.

„Wir müssen und werden zusammenstehen”, sagte Bundeskanzler Merz bei den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen.

Foto: Bundesregierung / Jesco Denzel

Im Rahmen der 17. Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen im Bundeskanzleramt haben Bundeskanzler Friedrich Merz und der polnische Ministerpräsident Donald Tusk zentrale Weichen für die zukünftige Zusammenarbeit gestellt. „Wir wünschen uns Polen als kraftvollen Partner für ein sicheres, freies und wohlhabendes Europa,“ sagte Merz.

Beide Regierungen einigten sich auf eine umfassende gemeinsame Erklärung PDF, 186 KB, nicht barrierefrei , die die sicherheitspolitische, infrastrukturelle und historische Partnerschaft beider Länder festigt. Militärische Ehren, bilaterale Gespräche und eine Plenarsitzung rahmten die Konsultationen ein.

Anlässlich der Regierungskonsultationen hat Deutschland im Beisein von Bundeskanzler Merz und Ministerpräsident Tusk 73 historische Pergamente und das Fragment „Kopf des heiligen Jakobus des Älteren“ an Polen übergeben. Dabei handelt es sich um Dokumente aus der Zeit des Deutschen Ordens, die im Bestand des Geheimen Staatsarchivs waren, teilte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer mit.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gemeinsame Erklärung zur Zukunft der Zusammenarbeit: „Deutschland und Polen sind unverzichtbare Partner“, heißt es in einer Gemeinsamen Erklärung, die im Rahmen der Regierungskonsultationen verabschiedet wurde. Drei Schwerpunkte  bilden das Fundament für die Zusammenarbeit: Sicherheit und Verteidigung, Vernetzung und Infrastruktur sowie Erinnerung.
  • Im Bereich „Sicherheit und Verteidigung“ soll unter anderem die gemeinsame NATO-Luftraumüberwachung, aber auch die Zusammenarbeit bei der Erkennung und Abwehr von Drohnen intensiviert werden.
  • Im Bereich „Vernetzung und Infrastruktur“ nannte Bundeskanzler Merz die Modernisierung grenzüberschreitender Bahnstrecken wie Angermünde-Stettin.
  • Im Bereich „Erinnerung“ wolle die Bundesregierung ein Zeichen setzen und die Errichtung eines Denkmals für die polnischen NS-Opfer während des Zweiten Weltkrieges voranbringen.
  • Unterstützung für die Ukraine: Beide Länder bekräftigen ihre militärische und politische Unterstützung für die Ukraine. Neben der Militärhilfe für die Ukraine solle die Nutzung der eingefrorenen russischen Vermögenswerte in der EU durchgesetzt werden. Die transatlantische Gemeinschaft müsse „so gut wir nur können“ zusammenzuhalten.
  • Europäische Einigkeit sichern: In der Ukraine stehe die Einheit Europas auf dem Spiel, so Merz. Deshalb sei die klare Botschaft, dass kein Keil zwischen die europäischen Partner getrieben werden dürfe. Deutschland und Polen wollen eng abgestimmt handeln, um Stabilität und europäische Handlungsfähigkeit zu gewährleisten.

Sehen Sie hier das Video der Pressekonferenz:

45:54

Video Pressekonferenz des Bundeskanzlers und des Ministerpräsidenten der Republik Polen, Donald Tusk

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, es ist mir eine wirklich besonders große Freude, am heutigen Tag den Ministerpräsidenten von Polen sehr herzlich in Deutschland begrüßen zu dürfen. Lieber Donald, ein herzliches Willkommen an dich und deine Regierung in Berlin!

Wir setzen mit den Regierungskonsultationen ein Zeichen. In der Erklärung, die wir heute verabschieden, heißt es: Deutschland und Polen sind unverzichtbare Partner. Als deutscher Bundeskanzler will ich sagen: Wir Deutsche brauchen das starke Polen als gleichwertigen Partner. Daran haben wir ein fundamentales Interesse. Wir wünschen uns Polen als kraftvollen Partner für ein sicheres, freies und wohlhabendes Europa ‑ ich füge hinzu: für ein Europa, das sich auf das Wesentliche konzentriert, statt sich selbst durch kleinteilige Bürokratie zu fesseln; denn das ist das Gebot in dieser neuen Zeit, in der wir uns als Europäer in einer rauer werdenden Welt behaupten müssen. Es drängt sich angesichts der Bedrohung durch ein revisionistisches Russland geradezu auf.

80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und den deutschen Gräueltaten am polnischen Volk bleibt eine zentrale Lehre aus der Geschichte: Deutschland gehört fest und zuverlässig an die Seite Polens. Gerade in diesen Zeiten, in denen die Einheit Europas so unter Druck steht, dürfen wir uns nicht auseinanderdividieren lassen. Wir müssen und wir werden zusammenstehen. Das tun unsere beiden Regierungen heute geradezu im Wortsinn. Die gemeinsame Erklärung, die wir verabschieden, legt ein Fundament der Zusammenarbeit in den nächsten Monaten und Jahren. Drei Schwerpunkte haben wir dabei vereinbart.

Erstens. Sicherheit und Verteidigung. Es liegt auf der Hand, dass wir unsere Zusammenarbeit in diesem Bereich vertiefen und systematischer anlegen. Nach den jüngsten russischen Verletzungen des polnischen Luftraums etwa hat die Bundesregierung sofort ihr Air Policing verstärkt, um mit den polnischen Streitkräften das NATO-Gebiet zu schützen. Durch den Einsatz deutscher Eurofighter-Kampfflugzeuge auf dem polnischen Luftwaffenstützpunkt Malbork tragen wir gemeinsam zur Luftraumüberwachung in der NATO bei. Wir bauen unsere Kooperation aus, wo es um die Erkennung und die Neutralisierung von Drohnen geht. Unsere Landstreitkräfte werden enger kooperieren, unter anderem durch verstärkte gemeinsame Übungen. Wir haben zudem unsere Minister beauftragt, eine Vereinbarung in der Verteidigungspolitik auszuarbeiten. Diese wollen wir im bilateralen Jubiläumsjahr 2026 abschließen ‑ ich komme darauf noch einmal zu sprechen.

Den zweiten Schwerpunkt setzen wir bei Vernetzung und Infrastruktur. Dass wir politisch näher zusammenrücken, das soll sich auch in der Lebenswirklichkeit unserer Bürgerinnen und Bürger widerspiegeln. Deshalb arbeiten wir an folgenden Vorhaben: Wir treiben die Modernisierung weiterer grenzüberschreitender Bahnstrecken mit hoher Priorität voran, beispielsweise auf der Strecke Angermünde-Stettin. Bis Ende 2025, also schon in wenigen Wochen, werden wir die Straßeninfrastruktur für den Grenzübertritt bei Frankfurt an der Oder verbessern. Wir haben außerdem verabredet, dass die Verkehrsminister gemeinsam einen Plan zur Modernisierung von Brücken, Autobahnen und Eisenbahnstrecken entwickeln und eine Vereinbarung zum Ausbau von grenzüberschreitendem Transport und der Konnektivität ausarbeiten.

Unser dritter Schwerpunkt, meine Damen und Herren, ist die Erinnerung. Ja, die deutsch-polnische Agenda soll in die Zukunft weisen. Aber wir können und wir wollen die Geschichte nicht ausblenden. Wir müssen die Erinnerung wachhalten, auch die schmerzhafte Erinnerung. Ich wünsche mir, dass uns das in einer Weise gelingt, die uns nicht trennt, sondern die uns weiter zusammenführt. Heute geben wir den Anstoß zur Errichtung eines dauerhaften Denkmals für die polnischen Staatsbürger, Opfer der nationalsozialistischen Tyrannei und des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945. Die entsprechenden Ausschreibungen auf der deutschen Seite werden nun beginnen. Wir beschleunigen die Restitution von polnischen Kulturgütern. Das Auswärtige Amt wird eine entsprechende Arbeitsgruppe einrichten. Zudem haben wir gerade eben 73 historische Pergamente und das Fragment „Kopf des heiligen Jakobus des Älteren“ übergeben. Sie sind Zeitzeugen dieser Zeremonie.

Meine Damen und Herren, neben all diesen Themen hat auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine unsere heutigen Gespräche bisher bestimmt und wird sie weiter bestimmen. Ich bin dankbar, lieber Donald, dass wir hier zusammenstehen. Im Mai, kurz nach meinem Amtsantritt, sind wir zusammen mit Emmanuel Macron und Keir Starmer in die Ukraine gereist. Für mich war das ein prägender Anfang unserer gemeinsamen Arbeit. Im Umfeld des Alaska-Gipfels haben wir uns zudem sehr eng miteinander abgestimmt.

Lieber Donald, wir haben gerade gemeinsam mit Präsident Selenskyj, Emmanuel Macron, Keir Starmer und anderen europäischen Partnern telefoniert ‑ wir kommen gerade von diesem Telefonat. Vor uns liegen jetzt wichtige Tage und Wochen für die Ukraine, in die wir eng abgestimmt miteinander gehen. Wir verfolgen dabei folgende strategische Ziele:

Erstens tun wir alles in unserer Macht Stehende, um Kyjiw gegenüber dem russischen Aggressor beizustehen. Wir wollen dabei nun den stärksten Hebel nutzen, der uns zur Verfügung steht, um Moskau endlich an den Verhandlungstisch zu bringen. Zusammen wollen wir in Brüssel durchsetzen, dass wir die eingefrorenen russischen Vermögenswerte nutzen.

Zweitens halten wir die transatlantische Gemeinschaft so gut wir nur können zusammen. Die Gespräche, die wir als Europäer in enger Koordination in Genf geführt haben, haben erste Fortschritte hin zu einem ausgearbeiteten Friedensplan gebracht. Diese Arbeit setzen wir zusammen fort. Dazu sind wir auf Ebene unserer Berater in ständigem Kontakt mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir haben dabei einen klaren Kurs: Keine Entscheidung über die Ukraine und Europa ohne Ukrainer und ohne Europäer; kein Diktatfrieden über die Köpfe der Ukraine hinweg; keine Schwächung oder Spaltung der Europäischen Union und der NATO.

Ein weiteres Ziel dürfen wir nie aus dem Auge verlieren: In der Ukraine steht auch die Einigkeit Europas auf dem Spiel. Kein Blatt darf deshalb zwischen Polen und Deutsche passen. Mit Frankreich und Großbritannien, mit Italien und anderen tragen wir besondere Verantwortung dafür, dass nichts und niemand einen Keil in Europa treibt. Dieser Verantwortung wollen wir gerecht werden.

Meine Damen und Herren, 2026 werden wir das 35-jährige Jubiläum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags feiern. Aus diesem Vertrag ging damals unter anderem das Deutsch-Polnische Jugendwerk hervor. Es hat seitdem über drei Millionen Menschen aus Deutschland und aus Polen zusammengebracht und miteinander und gegenseitig bereichert. Aus unseren Parlamenten hat uns nun auch die Idee eines deutsch-polnischen Jugendparlaments erreicht. Solche Initiativen brauchen wir. Deshalb wollen wir sie auch unterstützen. Sie weisen in eine Zukunft, in der Deutsche und Polen sich nahe sind und bleiben, eben als unverzichtbare Nachbarn und Partner.

In diesem Sinne, lieber Donald, noch einmal herzlichen Dank an dich persönlich, aber auch an deine Regierung. Ich füge einen persönlichen Dank an unsere sehr gute, vertrauliche, vertrauensvolle und geradezu freundschaftliche Arbeit in der Europäischen Union hinzu. Wir haben uns lange darauf vorbereitet, als wir beide noch nicht in der Regierung waren. Wir kennen uns nun schon seit vielen Jahren. Ich bin sehr dankbar, dass wir diese Zusammenarbeit gemeinsam ausüben, dass wir diese gemeinsame Verantwortung auch in Europa tragen und dass wir beide auch dazu beitragen können, dass unsere beiden Länder sich näherkommen, dass Deutsche und Polen gute Nachbarn miteinander sind. Das ehrt uns, das freut mich persönlich sehr, und genau auf dieser Basis möchte ich unsere Arbeit gerne fortsetzen.

Herzlichen Dank.

Ministerpräsident Donald Tusk:

Herr Bundeskanzler, lieber Freund, danke, dass wir dieses Gespräch und diese ehrliche, gute Diskussion hier in Berlin führen können. Der wesentliche Teil liegt noch vor uns. Für beide Staaten ist es eine wichtige Tradition, dass die Regierungen der beiden Länder zusammenkommen. Wir werden diese Tradition auch heute pflegen und dem treu sein, was wir bisher als Tradition hatten. Wir werden uns ehrlich und offen über das austauschen, was im gemeinsamen Interesse liegt. Auch über die Meinungsunterschiede werden wir uns unterhalten, aber auch über gemeinsame Aufgaben, die uns in diesen schwierigen Zeiten an diesem sehr herausfordernden Ort auf der Karte Europas erwarten.

Wir haben gerade ein gutes Zeichen gesetzt, indem wir mit Selenskyj, Macron und Starmer sowie dem Generalsekretär der NATO und den Leadern der Europäischen Union zusammengekommen sind und uns mit diesen Staatschefs vor diesem Treffen austauschen konnten. Wie wir wissen, stand die Politik in den letzten Jahren, Monaten und Wochen unter dem Zeichen der großen Spannungen infolge der Aggression Russlands in der Ukraine, und dieses Thema ist der erste Gegenstand unserer heutigen Debatten, Gespräche und Zusammenarbeit. Das ist ein historischer Wechsel, eine Wende historischer Natur.

Der Herr Bundeskanzler hat in unseren Gesprächen soeben eine Agenda vorgestellt. Ich werde diese Punkte nicht noch einmal wiederholen, aber ich möchte ganz deutlich hervorstreichen, dass der erste Punkt, die gemeinsame Sicherheit, in sich schon Aufgaben, Pläne, aber auch Fakten, die stattgefunden haben, enthält. Das zeigt uns auch, wie sehr sich die Beziehungen verändert haben, wie sehr sich die geopolitische Situation in unserer Region verändert hat und dass wir auch Zeugen einer riesigen, geradezu kopernikanischen Wende in der Politik in Europa sind. So ist die volle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen jetzt zu bezeichnen, was die Verteidigung der östlichen Grenze Europas, die gleichzeitig die Ostgrenze Polens ist, anbelangt.

Unsere diesbezügliche Zusammenarbeit ist nicht unbedingt etwas, was eine sehr lange Geschichte hätte. Eine volle Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern, was die Sicherung der östlichen Grenze Polens, der östlichen Grenze der EU, der Ostflanke der NATO anbelangt, ist vielmehr etwas Neues. Wie Sie wissen, hat das ein bisschen Zeit in Anspruch genommen. Ich bin Veteran der europäischen Politik und der deutsch-polnischen Zusammenarbeit, aber ich musste unsere deutschen Partnerinnen und Partner überzeugen, dass die Sicherheit in diesem Teil Europas wirklich als eine gemeinsame Aufgabe behandelt werden kann. Die Aggression Russlands hat mit voller Kraft gezeigt, dass das nicht nur Projekte waren, die für den Fall eines Falles geschmiedet worden sind; es war vielmehr ein ernsthafter Vorschlag, dass diese zwei Schlüsselstaaten in der Region, Deutschland und Polen, die volle Verantwortung für unsere gemeinsame Sicherheit übernehmen.

Es liegt mir sehr viel daran, dass unsere Zusammenarbeit wirklich ausgesprochen gut ist. Ich möchte auch danken für das volle Vertrauen, das wir uns gegenseitig schenken, was gar nicht so selbstverständlich ist. Wir beide haben auch einige schwierige Dinge zu besprechen, und einiges steht noch aus. Wir brauchen noch ein bisschen Zeit, damit wirklich alle Fragen und Dinge vereinbart werden können, bei denen wir übereinkommen können, auch was die Geschichte und das Thema Reparationen betrifft. Wir wissen, wo es Meinungsunterschiede gibt, aber ich kann mit großer Freude sagen, dass wir heute bei Schlüsselthemen – Sicherheit, infrastrukturelle Investitionen, die direkt der Sicherheit förderlich sind, und unsere gemeinsame Arbeit zugunsten der Unterstützung der Ukraine – Hand in Hand gehen. Es ist wirklich einmalig, dass vollständige Meinungsgleichheit vorliegt, was die Position von ganz Europa gegenüber dem Krieg und unsere volle Bereitschaft, die Ukraine in ihrer Verteidigung gegen Russland weiterhin zu unterstützen, anbelangt.

Ein Zeichen für diesen radikalen Wechsel ist auch unsere gemeinsame Energiepolitik. Wir haben heute eine Erklärung auf dem Tisch, die diese Regierungskonsultationen begleitet, und in dieser Erklärung sprechen Deutschland und Polen die gleiche Sprache. Es gibt das Bedürfnis, dass wir, Polen, Deutschland und Europa, uns hundertprozentig unabhängig von Energielieferungen aus Russland machen. Vor einigen Jahren – das brauche ich Ihnen hier in Berlin nicht zu sagen ‑ wäre das unvorstellbar gewesen. Als wir von den Gefahren gesprochen haben, die sich aus solchen Investitionen wie in Nord Stream ergeben haben, als wir von der Gasabhängigkeit von Russland sprachen, hatte ich sehr oft das Gefühl einer Vereinsamung in Europa. Heute – wir wollen diese Worte wirklich sehr ernst nehmen – habe ich seitens des Bundeskanzlers die größte Unterstützung, was die harte Position in der Energiepolitik anbelangt. Das ist wirklich ein wichtiges Zeichen der Zeit. Dank dessen wird die Unabhängigkeit Polens und Europas von den russischen Lieferungen zur Tatsache und bleibt nicht nur ein polnisches Postulat.

Zu unserer Zusammenarbeit in der Verteidigung: 15 Jahre ist es jetzt her, seitdem ich der damaligen Frau Bundeskanzlerin und dem französischen Staatspräsidenten Hollande den Vorschlag unterbreitet habe, gemeinsam über einen sicheren Luftraum über Mittel- und Osteuropa im Zusammenhang mit den Gefahren vonseiten Russlands nachzudenken. Heute ist die deutsch-polnische Zusammenarbeit das beste Beispiel dafür, dass diese Kooperation, eine enge Zusammenarbeit in Sachen von Verteidigung und Sicherheit, auch zwischen Ländern möglich ist, die die schlechtesten Erfahrungen haben, was Kriege, Konflikte und Armeen anbelangt. Dass Deutschland und Polen heute sehr eng zusammenarbeiten, was die gemeinsame Sicherheit anbelangt, das ist das neue, sehr wichtige Zeichen unserer Zeit.

Ich werde darum werben und sehr bestrebt sein, dass unsere deutschen Partner außer den Erklärungen in Bezug auf die Investitionen in die Infrastruktur, die zugunsten der Sicherheit getätigt werden ‑ ‑ ‑ Es geht auch um Pipelines, die wir einrichten, damit wir die NATO-Sicherheit schaffen können. Es geht auch um die Straßenverbindungen, um Brücken über die Oder, damit die NATO im Falle einer russischen Aggression reagieren kann. Damit diese Reaktionen wirklich zügig erfolgen können, brauchen wir mehr infrastrukturelle Verbindungen und Kommunikationsverbindungen zwischen unseren Ländern. Es geht nicht nur um die Fahrgäste und um den Verkehr, sondern es geht um Sicherheitsfragen. Das hat eine Schlüsselbedeutung. Polen ist bereit, schon morgen über konkrete Projekte bezüglich der Straßeninfrastruktur zu sprechen und sie anzugehen, auch Eisenbahn- und Energieverbindungen, Energiedurchleitungsnetze. Ich weiß, ich werde bei Ihnen auf Verständnis stoßen, Herr Bundeskanzler.

Vielen herzlichen Dank für diese für mich persönlich sehr wichtige Geste. Das ist eine große Sammlung von Urkunden. Ich habe die Urkunden durchgesehen, die nach Polen gehen sollen. Ich weiß, das war eine persönliche Entscheidung des Herrn Bundeskanzlers. Ich danke dir für dein Engagement. Das war eine sehr wichtige Geste. Ich habe die Urkunden durchgesehen, die nach Polen zurückkommen. Wenn man die Siegel sieht von Wladislaw Jagiello, von Kasimir dem Großen, von Kasimir dem Jagiellonen, dann ist man überglücklich, dass nach so vielen Jahren unserer Bestrebungen endlich diese Entscheidungen getroffen werden konnten und diese Urkunden zurückgeführt werden können. Das ist die Geschichte zwischen Polen und dem Ordensstaat, dem Deutschritterorden. Papst Alexander IV. ruft den Deutschen Orden dazu auf, sich gemeinsam gegen die Tataren zu verteidigen, sich mit den Polen und anderen Nachbarn gegen die Tataren zu verteidigen. Das klingt sehr modern. Ich freue mich sehr, dass wir heute keine Aufrufe des Papstes brauchen. Wir, Polen, Europa, die Ukraine, sind heute Hand in Hand dazu bereit, Europa gegen die brutale Aggression Russlands gegen die Ukraine zu verteidigen. Wir haben uns darüber ausgetauscht. Wir werden jetzt keine Details verraten.

Das ist nicht die letzte Entscheidung über die Rückführung von Kulturgütern. Es wurde lange erwartet, solche Artefakte wie der Kopf des Jakobus oder auch Urkunden aus unserer Geschichte. Ich zähle sehr darauf, dass eine Zusammenarbeit stattfindet. Ihr habt eine Debatte im Bundestag noch vor euch, aber ich denke, die Entscheidung liegt nahe.

Ich danke dir für dein persönliches Engagement, dass an diesem prestigeträchtigen Ort auch das Denkmal für die polnischen Opfer entstehen wird. Es geht um polnische Opfer des Naziterrors, des Nazikrieges, des Dritten Reiches. Das ist ein wichtiges Symbol in unseren Beziehungen. Vielen herzlichen Dank dafür!

Ich zähle sehr darauf, dass wir das alles fortsetzen werden, was wir heute besprechen. Ich kenne deine Konsequenz und deine Bereitschaft, dass das vertieft werden kann, was uns bisher wirklich sehr gut zu bewerkstelligen und gemeinsam zu tätigen gelungen ist. Diese Zusammenarbeit, diese Verbindungen zwischen Deutschland und Polen, sie sind eine der besten Garantien dafür, dass sich die Polinnen und Polen und die deutschen Frauen und Männer in Europa sicher fühlen können. Ich rechne mit noch mehr, das will ich nicht leugnen. Aber es ist schon okay.