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Pressekonferenz zu den 3. Deutsch-Brasilianischen Regierungskonsultationen in Hannover Für eine starke und dynamische Partnerschaft   

Deutschland und Brasilien wollen ihre bilateralen Verbindungen weiter vertiefen. Bei den 3. Deutsch-Brasilianischen Regierungskonsultationen in Hannover hob Bundeskanzler Friedrich Merz die Bedeutung einer starken und dynamischen strategischen Partnerschaft hervor.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Montag, 20. April 2026
Großaufnahme Bundeskanzler Friedrich Merz und Lula da Silva, Brasiliens Präsident, bei gemeinsamer Pressekonferenz.

„Die strategische Partnerschaft mit Brasilien ist stark und dynamisch“, betonte Bundeskanzler Merz in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Brasiliens Präsident Lula.

Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

Die 3. Deutsch-Brasilianischen Regierungskonsultationen standen unter dem Motto eines gemeinsamen inklusiven Wachstums und von Beschäftigung, Frieden und Sicherheit. In einer Zeit, in der sich die Weltordnung grundlegend verändert, sei die Nähe beider Länder notwendiger denn je: „Wir wollen ein Netz starker und gleichgesinnter Partner sein“, so Bundeskanzler Merz in der gemeinsamen Pressekonferenz. 

Er verwies auf die langjährigen bilateralen Verbindungen zwischen Deutschland und Brasilien, aus denen bis heute eine enge Verknüpfung beider Länder in Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie hervorgeht. „Wir teilen das Interesse an einer internationalen Ordnung, in der wir auf Verabredungen und Verträge vertrauen können und in der wir zur gemeinsamen Bewältigung auch globaler Probleme imstande sind“, sagte Merz.

In einer Gemeinsamen Erklärung PDF, 141 KB, barrierefrei verständigten sich beide Länder auf gemeinsame Projekte und Initiativen, um die enge bilaterale Zusammenarbeit noch weiter zu vertiefen. Dazu gehören Programme in der Außenpolitik, der Rüstungszusammenarbeit und Verteidigungspolitik, außerdem bei Wirtschaftskooperationen, der digitalen Transformation, Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie im Umwelt- und Klimabereich, dem Arbeitsrecht und Fair Trade.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für starke Volkswirtschaften: Der Kanzler lobte das EU-MERCOSUR-Handelsabkommens, das am 1. Mai vorläufig in Kraft tritt, als einen gemeinsamen Erfolg der Partnerschaft: „Das Abkommen wird maßgeblich zu engerer Zusammenarbeit beitragen. Das gilt besonders für die Zukunftsthemen Technologie, künstliche Intelligenz, Energie, Kreislaufwirtschaft, Umwelttechnologien und Landwirtschaft.“ Beide Seiten einigten sich auf einen Katalog von Maßnahmen, um das Abkommen möglichst rasch konkret umzusetzen.
  • Für wirtschaftliche Resilienz: In einer zunehmend unberechenbaren Welt sei es ein Gebot der Stunde, die wirtschaftliche Resilienz und Diversifizierung zu stärken, so der Kanzler: „Wir vertiefen unsere Kooperation im Bereich kritischer Rohstoffe. Dies ist eine zentrale Grundlage für die industrielle Transformation, in der wir uns längst befinden, und für den Aufbau von Zukunftstechnologien.“
  • Für eine regelbasierte internationale Ordnung: Hier baue man auf gemeinsamen Anstrengungen zur Reform der Vereinten Nationen. In diesem Zusammenhang dankte er Präsident Lula für die Unterstützung der Bewerbung Deutschlands um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Zur Sicherung von Frieden und Freiheit sei außerdem eine Intensivierung der Verteidigungs- und Rüstungszusammenarbeit beschlossen worden, erklärte Merz.
  • Schwerpunkt Nahost: Beide Seiten tauschten sich auch über die Lage im Nahen und Mittleren Osten aus. „Wir unterstützen die laufenden Bemühungen um eine rasche diplomatische Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran nach Kräften“, so Kanzler Merz. 

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Deutschland und Brasilien haben sich heute zum dritten Mal zu Regierungskonsultationen getroffen. Wir haben ganz bewusst Hannover als Ort unseres Treffens gewählt. Denn Brasilien ist in diesem Jahr, wie Sie alle wissen, auch das Partnerland der Hannover Messe. Ich bin der brasilianischen Regierung und ganz besonders Präsident Lula dankbar dafür, dass sie bereit waren, in der Abfolge und in der Reihenfolge der Regierungskonsultationen eine Veränderung vorzunehmen. Denn eigentlich wären wir in diesem Jahr Gäste in Brasilien gewesen. Aber die Partnerschaft Brasiliens bei dieser Hannover Messe hat uns beide, Präsident Lula und mich, zu dem Entschluss veranlasst, die Regierungskonsultation jetzt zum zweiten Mal hintereinander in Deutschland stattfinden zu lassen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Denn wir haben mit Brasilien eine strategische Partnerschaft – die Zahl der Länder, die diesen Status für uns haben, ist nicht allzu groß –, und diese strategische Partnerschaft mit Brasilien ist stark und dynamisch. Wir haben sie in diesen Tagen fortentwickelt. Denn die Nähe zwischen unseren beiden Ländern ist in einer Zeit, in der sich die Weltordnung so grundlegend verändert, notwendiger denn je. Wir wollen den gegenseitigen Nutzen stärken, und wir wollen ein Netz starker und gleichgesinnter Partner sein. Ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Präsident Lula da Silva, und ich danke Ihrer Regierung sehr herzlich für Ihr Kommen, für die offenen Gespräche und für das gegenseitige Vertrauen, das diesen Anspruch einer strategischen Partnerschaft noch einmal unterstrichen hat.

Die bilateralen Verbindungen zwischen Deutschland und Brasilien reichen sehr weit zurück. Vor mehr als 200 Jahren, am 25. Juli 1824, erreichten die ersten 39 deutschen Einwanderer den Süden Brasiliens auf dem Weg zu einem besseren, zu einem anderen Leben. Heute, 200 Jahre später, haben rund zehn Prozent der Brasilianer deutsche Vorfahren. Deutsch ist die am zweithäufigsten gesprochene Sprache in Brasilien. Aus diesen Wurzeln wächst eine dynamische und strategische Partnerschaft.

Wir wollen unsere Partnerschaft vertiefen, und ich bin dankbar dafür, dass wir das im Zuge unserer Konsultationen tun konnten. Denn wir wollen in Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie enger zusammenarbeiten. Wir teilen das Interesse an einer internationalen Ordnung, in der wir auf Verabredungen und auf Verträge vertrauen können und in der wir zur gemeinsamen Bewältigung auch globaler Probleme imstande sind. In diesem Sinne haben wir drei Schwerpunkte der vertieften Zusammenarbeit verabredet.

Erstens: Wir wollen die Stärken unserer Volkswirtschaften gemeinsam entfalten, und zwar als wichtige Handelspartner. Deutschland und Brasilien gehörten zu den entschiedenen Befürwortern des EU-MERCOSUR-Handelsabkommens. Dieses Abkommen tritt in wenigen Tagen in Kraft. Das ist ein gemeinsamer Erfolg unserer Partnerschaft. Ich darf das sagen: Präsident Lula, Sie haben in Südamerika und ich habe in Europa zu denen gehört, die darauf gedrängt haben, dass dieses Abkommen jetzt auch wirklich in Kraft treten kann. Das ist ein gemeinsamer Erfolg. – Das Abkommen wird maßgeblich zu engerer Zusammenarbeit beitragen. Das gilt ganz besonders für die Zukunftsthemen Technologie, künstliche Intelligenz, Energie, Kreislaufwirtschaft, Umwelttechnologien und Landwirtschaft.

Damit wir dies möglichst rasch konkret umsetzen, haben wir uns auf einen Katalog von Maßnahmen geeinigt. So haben wir beschlossen, die seit vielen Jahren ruhenden Verhandlungen für ein Doppelbesteuerungsabkommen wiederaufzunehmen und unsere Wirtschaftsbeziehungen auch damit noch weiter zu intensivieren.

Zweitens: Wir stärken unsere wirtschaftliche Resilienz und Diversifizierung. Das ist ein Gebot der Stunde in einer Welt, die eben unberechenbar geworden ist. Wir vertiefen unsere Kooperation im Bereich kritischer Rohstoffe. Dies ist eine zentrale Grundlage für die industrielle Transformation, in der wir uns längst befinden, und für den Aufbau von Zukunftstechnologien.

Drittens: Wir bekräftigen unseren gemeinsamen Einsatz für eine regelbasierte internationale Ordnung. Hierbei bauen wir auf gemeinsamen Anstrengungen auf, etwa bei den Bemühungen um eine Reform der Vereinten Nationen.

Ich will die Gelegenheit auch dafür nutzen, der brasilianischen Regierung und besonders dem brasilianischen Präsidenten für die Unterstützung der Bewerbung der Bundesrepublik Deutschland um einen nicht ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu danken. Die Abstimmung darüber wird in wenigen Wochen stattfinden.

Ich freue mich, dass wir zur Sicherung unseres Friedens und unserer Freiheit auch eine Intensivierung unserer Verteidigungs- und Rüstungszusammenarbeit beschlossen haben. Schließlich haben wir heute über die Lage im Nahen und Mittleren Osten gesprochen. Wir unterstützen die laufenden Bemühungen um eine rasche diplomatische Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran nach Kräften.

Meine Damen und Herren, ich will abschließend darauf hinweisen, dass wir heute auch die Verabredung getroffen haben, dass wir im Bereich der Zukunftstechnologien enger zusammenarbeiten. Präsident Lula hat uns eindrucksvoll gezeigt, was im Bereich von synthetischen Kraftstoffen, von Kraftstoffen, die auch in Verbrennungsmotoren CO2-neutral betrieben werden können, möglich ist. Heute stand ein Daimler-Truck-LKW auf dem Messegelände, den wir anschauen konnten und der mit synthetischem Kraftstoff betrieben wird. Wir wissen, dass diese Technologie in Brasilien mittlerweile weit vorangeschritten ist. Das zeigt, dass wir auch in dieser Hinsicht von Brasilien lernen können.

Dies ist übrigens eine Tradition auch in der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasilien in der Automobilindustrie. Ich habe Präsident Lula ein Modell des legendären VW-Käfers geschenkt. Der Käfer ist ein Sinnbild unserer industriellen Partnerschaft, die 1953 mit dem ersten Volkswagen-Werk außerhalb Deutschlands begonnen hat. Ja, dieses Werk ist in Brasilien gebaut worden. Es erinnert an die Zeit, in der auch Präsident Lula in den Werkshallen von VW von São Bernardo do Campo tätig war. So schließt sich heute der Kreis auch seines Besuches mit einem Besuch bei Volkswagen. So verlässlich, wie der Käfer über Jahrzehnte über die Straßen rollte, so verlässlich wünsche ich mir unsere Partnerschaft und unsere Zusammenarbeit.

Noch einmal herzlichen Dank, Präsident Lula, für den guten Besuch in Deutschland, für den guten Besuch hier in Hannover! Auf weiterhin gute Zusammenarbeit! Auch Ihrer Regierung herzlichen Dank für Ihr Kommen! Herzlichen Dank für das gute Miteinander auch in den einzelnen Ressorts unserer Regierungen!

Präsident Lula da Silva:

Ich wollte dieses so interessante Gespräch damit beginnen, den Bundeskanzler einzuladen, dass wir, falls Deutschland in Brasilien an der nächsten Fußball-WM teilnehmen will, Donald Trump einladen, die WM mit uns gemeinsam anzusehen, mit einem Finale zwischen Brasilien und Deutschland. Vielleicht wird Brasilien dann gewinnen, wer weiß. Das werden wir sehen; warten wir einmal ab. Wenn Brasilien ins Finale kommt, werden wir wahrscheinlich wieder aufeinandertreffen.

Die zweite wichtige Sache, die ich sagen wollte, ist folgende: In einem Augenblick, in dem die Menschheit ein wenig erschrocken ist angesichts der Vielfalt der Kriege und angesichts der vielen Menschen, die in Kriegen, die nicht passieren hätten dürfen, jeden Tag ihr Leben lassen müssen, in dieser Situation schreiten Brasilien und Deutschland mit einem Beispiel voran und zeigen, dass jedes Volk viel mehr als den Krieg den Frieden und die Ruhe wünscht. Die Bevölkerung möchte keine Ungewissheit in der Zukunft. Sie möchte die Gewissheit, dass die Zukunft vielversprechend ist.

Mit Blick auf diese vielversprechende Zukunft habe ich die Einladung von Bundeskanzler Merz angenommen und die Industriemesse in Hannover besucht. Ich wollte damit unmissverständlich zeigen, dass Brasilien und Deutschland an Frieden interessiert sind, dass Brasilien und Deutschland für Multilateralismus eintreten und dass Brasilien und Deutschland für Entwicklung, nicht für Zerstörung eintreten. Wir wollen das Leben, nicht den Tod. Wir wollen Brot, keine Bomben. Wir wollen Erziehung und Bildung, keinen Krieg. Das ist die meiner Deutschlandreise zugrunde liegende Idee.

Diese Reise findet in einem sehr besonderen Moment statt; denn die deutsche Presse wird ja jetzt auch veröffentlichen müssen, dass wir heute einen Test mit erneuerbarem Biodiesel aus Brasilien und mit dem traditionellen Dieselöl in Deutschland durchgeführt haben, und zwar an einem deutschen LKW – nicht an einem brasilianischen LKW – und auf deutschen Straßen. Wir haben damit versucht, den Mythos bzw. das Vorurteil aufzulösen, das immer wieder auftaucht, wenn man von erneuerbarem Biotreibstoff aus Brasilien spricht. Das hat heute ein Deutscher gesagt, der ein Experte ist und in allen Werken die Treibhausgasemissionen misst. Ich habe ihn gebeten, auf Deutsch zu sagen, was mit dem erneuerbaren Biotreibstoff passiert ist. Passiert ist Folgendes: Der erneuerbare Kraftstoff aus Brasilien emittiert viel weniger CO2 als fossiler Kraftstoff. Vom Benzintank über den Motor bis zum Rad können wir die Emissionen dadurch um 90 Prozent senken.

Diejenigen, die Angst haben, über die niedrige Verwendung fossiler Brennstoffe zu reden, können ihre Angst jetzt ad acta legen; denn Brasilien zeigt: Auch wenn Brasilien inzwischen ein Erdöl förderndes und Erdöl exportierendes Land ist, arbeiten wir sehr willensstark daran, den Nachweis zu führen, dass die Welt nicht verwaisen wird, wenn sie keine fossilen Brennstoffe mehr benutzt. Die Technologie und die menschliche Energie – nicht die KI, sondern die menschliche Intelligenz – zeigen, dass man schon heute Flugzeuge, LKW und Automobile mit Biotreibstoffen fahren bzw. fliegen kann. Deswegen ist es wichtig, dass die deutsche Presse darüber offen und ehrlich berichtet. Wir werden mit diesem Vorurteil aufräumen.

Ein weiteres Vorurteil ist, dass man immer sagt: Wenn wir Biotreibstoff herstellen, dann werden wir keine Nahrungsmittel herstellen. Auch das trifft nicht zu. Wenn wir in Brasilien etwas wirklich im Überfluss haben, dann ist das landwirtschaftlich nutzbares Land. Wer nach Brasilien kommen will und uns helfen will, der mag nach Brasilien kommen. Wir haben 40 Millionen Hektar degradiertes Land, auf denen man anbauen kann, was immer man will, einschließlich Ölpflanzen, um Biotreibstoff oder Ethanol herzustellen. Herr Merz, ich habe größten Wert darauf gelegt, das zu sagen; denn es gibt das Vorurteil: Wenn Biodiesel hergestellt wird, dann wird das Amazonasgebiet entwaldet. Das wird nicht passieren. Wir haben die Entwaldungsrate in nur zwei Jahren und acht Monaten schon um 50 Prozent gesenkt, und wir haben die Verpflichtung übernommen, dass wir bis zum Jahr 2030 zu einer Entwaldungsrate von null Prozent im Amazonasgebiet kommen werden. Wir werden dies tun. Wir werden dieses Ziel erreichen, weil es im Interesse Brasiliens liegt, der Welt einen Beitrag zu liefern. Brasilien verfügt über den größten tropischen Regenwald des Planeten, und wir wollen diesen Regenwald nicht zerstören; denn würden wir ihn zerstören, dann würden wir einen Teil unseres Lebens zerstören.

Dies gesagt habend, möchte ich dem Bundeskanzler sagen, dass es mir eine Freude ist, wieder in dieses Land zu kommen, das mich und meine Delegationen wie auch bisher immer sehr herzlich empfangen hat. Die einzige Sache, die ich bedauere, ist: Ich habe auf keiner Straße einen Wagen gesehen, der eine Currywurst oder eine Bratwurst verkauft. Ich werde also Hannover verlassen, ohne eine Bratwurst an einem Wagen auf der Straße gegessen zu haben. Ich mag das sehr. Wenn Sie also nach Brasilien kommen, Herr Merz, dann bringen Sie mir eine gute Portion Bratwürste mit.

Ich komme jetzt in diesem Regierungsmandat zum zweiten Mal nach Deutschland, um an drei außerordentlich wichtigen Veranstaltungen teilzunehmen: erstens die Hannover Messe, zweitens die dritte Auflage der Regierungskonsultationen auf höchster Ebene und drittens die Eröffnung der deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage.

Die Ergebnisse der Sitzung mit Kanzler Merz zeigen, dass die Partnerschaft zwischen Brasilien und Deutschland weiterhin auf festen Füßen steht und neue Fronten erschließt. Wir haben Abkommen in den Bereichen Zusammenarbeit in der Verteidigung, KI, Quantentechnologie, Infrastruktur, Kreiswirtschaft, Energieeffizienz, Bioökonomie, Meeresforschung und Klimaforschung geschlossen.

Deutschland ist die drittgrößte Weltwirtschaft und unser viertgrößter Handelspartner. Wir haben einen gemeinsamen Umsatz von 20 Milliarden US-Dollar. Deutschland ist einer der größten Direktinvestoren in Brasilien. Wir haben fast 40 Milliarden US-Dollar Investitionen in Brasilien. Das Programm zur Beschleunigung des Wachstums, das Programm „Nova Indústria Brasil“ und der Plan für ökologische Transformation bieten neue Gelegenheiten für deutsche Investoren, die daran interessiert sind, technologische Innovationen und nachhaltige Lösungen nach Brasilien zu bringen.

Im Bereich der Verteidigung hat sich heute ein binationales Konsortium damit befasst, vier Fregatten der Tamandaré-Klasse zu bauen, die bis zum Jahr 2028 ausgeliefert werden sollen. Hier in Hannover haben wir einige Fortschritte gemacht. Wir werden vier weitere Fregatten erwerben.

Jetzt zum MERCOSUR-EU-Abkommen: Nach 25 Jahren Verhandlungen haben unsere Regionen endlich Ja zur Integration gesagt, um eine Freihandelszone einzurichten, die 720 Millionen Menschen und insgesamt ein Bruttoinlandsprodukt von 22 Billionen US-Dollar umfasst. Wir zeigen der Welt, dass es möglich ist, so einen Weg zu beschreiten

Eine Reihe von Maßnahmen, die die Europäische Union getroffen hat, führt allerdings zu der Gefahr, die Schalen dieser Waage ein wenig ins Ungleichgewicht zu bringen. Es ist durchaus legitim, eine Politik der Dekarbonisierung zu betreiben, den Umweltschutz zu fördern und die Industrie zu entwickeln. Es ist aber nicht gerecht, Kennzahlen anzuwenden, die nicht der Wirklichkeit entsprechen und auch nicht kompatibel mit multilateralen Regeln sind.

Das Abkommen MERCOSUR-EU-Abkommen wird am 1. Mai in Kraft treten, und dies ebnet den Weg zu einer umfassenden Partnerschaft, die viel weiter als der freie Handel reicht. Ich denke an ein Zusammenarbeitsmodell, das die Arbeitnehmer positiv bewertet und schützt und das sich für Menschenrechte und für die Umwelt einsetzt.

Deutschland und Brasilien sind sich bewusst, dass die Zukunft davon abhängt, wie sorgfältig wir mit unserem Planeten umgehen. Rio de Janeiro war die Wiege des Abkommens der Vereinten Nationen über den Klimawandel. Bonn ist das Haus des Klimawandels, weil dort das Sekretariat dieser Institution ist. Wir haben die Entwaldung im Amazonasgebiet schon um 50 Prozent und auf dem Feuchtsavannengebiet in Mittelbrasilien um 32 Prozent reduziert. Wir haben unsere Kooperation mit Deutschland im Amazonasfonds wiederaufgenommen und ausgeweitet. Deutschland hat in Berlin Ende des letzten Jahres Investitionen in die „Tropical Forest Forever Facility“ im Wert von einer Milliarde Euro angekündigt. Wir werden jetzt eine Art Roadmap ausarbeiten, um uns für das Ende der fossilen Brennstoffe einzusetzen. Wir werden zusammenarbeiten, um diese Idee auch in der COP 31 in Antalya zu vertreten.

Jetzt zu Energie und kritischen Mineralien: Es gibt keine Energiesicherheit ohne Diversifizierung. Der kürzliche Anstieg der Erdölpreise zeigt, dass es mehr als an der Zeit ist, dass Europa seinen ideologischen Widerstand gegen Biotreibstoffe überwindet. Biotreibstoffe sind eine billige Option, eine vertrauenswerte und effiziente Option, um bestimmte schwierige Sektoren und Branchen zu dekarbonisieren, wie zum Beispiel den Seetransport.

Wir haben Bodenschätze, die dazu führen, dass Brasilien eigentlich nicht ignoriert werden kann, wenn über kritische Mineralien diskutiert wird. Wir haben Interesse daran, Verarbeitungsketten im brasilianischen Hoheitsgebiet durchzuführen, ohne exkludierende Optionen vorzuschlagen, die bestimmte Länder ausschließen und andere nicht.

Deutschland ist Weltreferenz im Gesundheitswesen in sogenannten intelligenten Kliniken. Wir wollen dieses Modell in Brasilien replizieren. Wir sind gerade dabei, eine Reihe von Krankenhausdiensten, von intelligenten Klinikdiensten einzusetzen, damit die Leute nicht so lange auf Konsultationen bei Ärzten warten müssen.

Ich komme jetzt zum digitalen Dialog und zur Demokratie. Es gibt Gemeinsamkeiten zwischen der deutschen Politik für KI und den Richtlinien des brasilianischen Plans für KI. Hier werden natürlich die jeweiligen lokalen Kapazitäten und ihre Entwicklungspotenziale berücksichtigt. Wir sind an der Entwicklung von digitalen Infrastrukturen wie Datencentern, Hochleistungsrechnern und Halbleitern interessiert. Wir wollen nicht mehr von ausländischen Unternehmen abhängig sein, die sich auf Kosten der Daten unserer Bürger bereichern, ohne Garantien in puncto Privatheit und Sicherheit zu bieten.

Brasilien und Deutschland arbeiten zusammen in der Regulierung der virtuellen Plattformen. Unser Dialog über digitale Rechte zeigt sich durch die Ausgewogenheit zwischen der Meinungsfreiheit und der Verteidigung der Menschenrechte. Auch Brasilien hat gerade ein Gesetz auf den Weg gebracht, um unsere Kinder und Jugendliche vor virtuellen Angreifern zu schützen.

Meine sehr verehrten Freunde und Freundinnen, es frommt nicht, das eigene Haus in Ordnung zu halten, wenn die Welt um einen herum in Unordnung ist. Wir machen uns sehr große Sorgen angesichts der Risiken des Konflikts im Iran und der Eskalation des Konflikts im Libanon. Das Überleben des palästinensischen Staates und seiner Bevölkerung ist weiterhin bedroht. In der Ukraine ist der ersehnte Frieden ferner denn je. Die UNO ist wieder einmal gelähmt. Brasilien und Deutschland vertreten seit Jahrzehnten eine Reform der UNO an Haupt und Gliedern, die die Legitimität des Weltsicherheitsrats wiedererobert.

Aber nicht nur die UNO bedarf mehr Effizienz. Die Sitzung der Minister in der WTO, die vor zwei Wochen in Yaoundé in Afrika durchgeführt wurde, ist wegen des Moratoriums über Zölle und elektronische Datenlieferungen in eine Sackgasse geraten. Südafrika wird willkürlich vom G20-Gipfel ausgeschlossen. Das ist ein schwerer Präzedenzfall.

Im vergangenen März ist der berühmte deutsche Philosoph Jürgen Habermas gestorben. Habermas war eine der einflussrechten Stimmen in der Verteidigung des Dialogs als eines Instruments zum Aufbau von Konsensen. Die Bedeutung seines Werks erneuert sich im gegenwärtigen Kontext des Extremismus in den digitalen Netzwerken und der Kriege in der wirklichen Welt. Die Menschheit muss wieder die Idee aufnehmen, dass der Frieden moralisch notwendig und politisch möglich ist. Dies ist ein Projekt und eine Verpflichtung, die Brasilien und Deutschland vereint.

Vielen Dank.