Stärkung ländlicher Regionen
Mit dem Programm Aller.Land stärkt die Bundesregierung das kulturelle Leben auf dem Land. Bis 2030 werden 30 Regionen vom Bund gefördert. Nun wurden die ausgewählten Regionen bekanntgegeben. Sehen Sie hier drei der geförderten Projekte.
4 Min. Lesedauer
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den ländlichen Raum zu fördern.
Foto: Getty Images/Bim
Insgesamt 97 Regionen haben 2024 bundesweit vielfältige Konzepte für neue Kulturprojekte entwickelt. Dazu gehören Kulturnetzwerke, regionenübergreifende Festivals, Bürgerräte für Kultur, regionale Kulturkonferenzen oder Kulturbüros. Aus all diesen Projekten hat eine Jury nun 30 Projekte ausgewählt, die in den Regionen bis 2030 gefördert werden.
Investitionen in kulturelle Angebote auf dem Land unterstützen die gesamte Kulturlandschaft, aber auch die Regionen selbst sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer betonte bei der Bekanntgabe der Projekte in Berlin: „Entscheidend für unser kulturelles Leben in Deutschland ist ein vielfältiges Kulturangebot – nicht nur in größeren Städten, sondern auch jenseits der Metropolen.“
Das Programm „Aller.Land – zusammen gestalten. Strukturen stärken“ startete 2023 und richtet sich insbesondere an strukturschwache ländliche Regionen – mit dem Ziel den Zusammenhalt auf dem Land zu fördern. Kulturelle, künstlerische und kreative Vorhaben sowie Bürgerbeteiligung sollen die Demokratie und den Austausch vor Ort stärken. Einen Überblick über alle geförderten Regionen finden Sie beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.
Welche konkreten Vorhaben werden gefördert?
Aller.Land bringt Kultur dorthin, wo sie Gemeinschaft stiftet – auf dem Dorfplatz, in leerstehenden Läden oder Gasthäusern. Ob offene Kultur-Werkstätten, Pop-up-Theaterprojekte, neue digitale Vernetzungsangebote, „Kunst an Schulen“ oder andere kreative Konzepte – alle Projekte zielen darauf, Menschen zusammenzubringen, individuelle und lokale Besonderheiten, aber auch das regionale kulturelle Erbe lebendig werden zu lassen.
Das sind drei der geförderten Projekte
„Schaff | Räume | Rhön-Grabfeld“ im Landkreis Rhön-Grabfeld:
Das Projekt widmet sich langen Wegen und Lücken im öffentlichen Nahverkehr sind fast überall auf dem Land ein Thema. Mit dem „Kulturmobil“ bringt das Projekt „Schaff | Räume | Rhön Grabfeld“ Kulturangebote genau dorthin, wo sie sonst nicht zu finden und Menschen schwer zu erreichen sind.
Vor allem Jugendliche und Personen mit eingeschränkter Mobilität finden in ihrem Dorf und in ihrer Stadt einen Ort, an dem Begegnung möglich und Mitmachen erwünscht ist. Das Kulturmobil bietet einen gemeinschaftlich erarbeiteten Baukasten – samt Formatideen, Equipment, finanzieller Hilfe und Kontakten zu Kunstschaffenden.
„Schaff | Räume | Rhön Grabfeld“ ermöglicht noch mehr: ein Jugendkulturfestival ist geplant, lokale Gruppen können sich in Demokratietrainings weiterbilden. Außerdem gibt es Workshops für Holzbildhauerei und leerstehende Gebäude werden mit kulturellen Events belebt.
Jugend beteiligt: Ideen für morgen im Landkreis Vorpommern-Greifswald
Erst rein in die Schulen, dann raus in die Region: Unter dem Motto „Jugend beteiligt“ entwickeln junge Menschen eine Vision ihres Landkreises. Dafür findet der Dialog in unterschiedlichen Klassen statt – mit der Hilfe des Theaters, der Heimvolkshochschule und eines breiten Netzwerks lokaler Akteurinnen und Akteure.
Dann geht es raus in die Dörfer und Städte: Jugendorganisationen, Kunstschaffende und Bildungsinitiativen sind dabei und helfen den interessierten Jugendlichen, dort aktiv zu werden, wo sie leben und Verantwortung zu übernehmen. Denn das ist Demokratie im Kleinen: mitmachen! Durch gemeinsames Anpacken entstehen neue Räume für Jugendkultur, bunte Residenzen und lebendige Netzwerke, die die Region voranbringen. Dabei lernen junge Menschen, wie sie etwas bewegen, Impulse setzen und eigene Ideen Wirklichkeit werden lassen.
Lernbaustellen – Ideen für verlassene Orte im Landkreis Northeim
In den Straßen der sogenannten „Fachwerk5Eck“-Region in Südniedersachsen verfallen alte Fachwerkhäuser. So finden sich leerstehende Wohnhäuser, das ehemalige Kaufhaus, der geschlossene Gasthof in den Zentren vieler Dörfer und Städte auf dem Land.
Mit dem Projekt „Lernbaustellen“ erwecken Engagierte die Häuser zu neuem Leben. Bauaktionen mit Jugendlichen, Kunst- und Kulturveranstaltungen für Menschen aller Altersstufen und mit allen Hintergründen entdecken das Potenzial der leerstehenden Gebäude. Dabei bewahren die Aktiven nicht nur das kulturelle Erbe der Region, sondern knüpfen auch ein starkes Netzwerk: Kunstschaffende, Bürgerinnen und Bürger, Menschen aus der Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft nehmen die Zukunft in die Hand.
Warum ist die Einbindung kultureller Akteure so wichtig?
„Wir wollen Dörfer der Zukunft als lebens- und liebenswerte Heimat fördern.“ So steht es im Koalitionsvertrag. Damit ist festgehalten, dass attraktive ländliche Räume ein wichtiger Pfeiler für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und gelebte Demokratie sind. Immerhin leben über die Hälfte aller Menschen in Deutschland – 57 Prozent – in ländlichen Regionen.
Bei der Förderung des ländlichen Raums kommt der Kultur eine herausragende Bedeutung zu, denn im ländlichen Raum ist die Einbindung kultureller Akteure essenziell. Deshalb werden die Förderprogramme „Aller.Land”, „Kultur in ländlichen Räumen” und BULE – das „Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung” fortgeführt.
Wie wird das Programm finanziert?
Die Bundesregierung fördert Aller.Land von 2025 bis 2030 mit insgesamt 45 Millionen Euro. Für jedes Vorhaben stehen 1,5 Millionen Euro bereit. Das ressortübergreifende Programm wird vom Beauftragten für Kultur und Medien, dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Bundesministerium des Innern getragen. Die Länder und Kommunen beteiligen sich mit einer Kofinanzierung von 10 Prozent.
Insgesamt stehen für das Programm von 2023 bis 2030 bis zu 69,4 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus) sowie aus Mitteln der bpb zur Verfügung.