Wegweisendes EuGH-Urteil
Seit Januar 2001 stehen Frauen in der Bundeswehr alle militärischen Bereiche offen. Mehr als 25.000 Soldatinnen prägen die Truppe inzwischen entscheidend mit. Sie kämpfen bei der Infanterie, fahren Panzer oder fliegen Flugzeuge. Doch das war nicht immer so.
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Seit 25 Jahren werden Frauen in allen Bereichen der Bundeswehr eingestellt, einschließlich Kampf- sowie Kampfunterstützungstruppe.
Foto: picture alliance / Bernd von Jutrczenka
Seit nun genau 25 Jahren sind Frauen in allen Bereichen der Bundeswehr tätig. Vor 2001 war das anders: Ab 1975 dienten Frauen lediglich im Sanitätsdienst und waren dort für die medizinische Versorgung der Truppe zuständig. Sie wurden damals zwar auch an der Waffe ausgebildet – aber nur, um sich selbst und ihre Patienten schützen zu können. An Kampfhandlungen durften sie, genauso wie Männer im Sanitätsdienst, nicht teilnehmen.
Tanja Kreil: Die Wegbereiterin
Den Weg auch für andere Frauen geebnet hat die Elektronikerin Tanja Kreil: 1996 bewarb sie sich als Zeitsoldatin bei der Bundeswehr im Bereich der Instandsetzungstruppe, einschließlich des Dienstes an der Waffe. Diesen verbot das Grundgesetz Frauen jedoch damals: Frauen durften „auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten“. Kreils Bewerbung wurde abgelehnt.
Die junge Frau zog daraufhin vor Gericht. Am 11. Januar 2000 entschied der Europäische Gerichtshof: Das Verbot für Frauen, in kämpferischen Einheiten der Bundeswehr zu dienen, sei eine unzulässige Diskriminierung und damit rechtswidrig.
Grundgesetz wird geändert
Mit seiner „Kreil-Entscheidung“ schuf der EuGH die rechtliche Voraussetzung dafür, dass in Deutschland auch Frauen für den Dienst an der Waffe bei der Bundeswehr eingestellt werden. Dazu wurde Artikel 12a des Grundgesetzes geändert: Frauen dürfen seitdem lediglich „auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden“.
Frauen bestimmen die Entwicklung der Bundeswehr mit
Frauen sind heute fester Bestandteil einer einsatzbereiten Bundeswehr: Aktuell leisten mehr als 25.000 Soldatinnen Dienst – die meisten von ihnen als Zeitsoldatinnen. Das sind mehr als 13 Prozent der insgesamt mehr als 184.000 militärischen Angehörigen der Bundeswehr.
Dabei sind Frauen in allen Teilstreitkräften vertreten: Im Heer mit fast 5.000 Soldatinnen, in der Luftwaffe mit fast 3.000, bei der Marine sowie im Bereich Cyber- und Informationsraum zusammen mit mehr als 3.200. Die meisten Frauen – mehr als 11.000 – arbeiten im Unterstützungsbereich.
Frauen bestimmen die Entwicklung der Bundeswehr mit: mit ihren Erfahrungen, ihren Fertigkeiten und ihrem Blickwinkel. Und ihr Anteil soll wachsen. Ziel der Bundeswehr ist es, den Frauenanteil auf 20 Prozent zu steigern. Verteidigungsminister Boris Pistorius ist überzeugt, „dass die Bundeswehr nur dann ihre volle Wirkung entfalten kann, wenn sie über einen deutlich größeren Anteil von Frauen verfügt. Nur so werden Blickwinkel und Fähigkeiten aus der gesamten Gesellschaft in die Bundeswehr aufgenommen und integriert“.