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Singapur, Japan und Südkorea - drei Länder, mit denen Deutschland viele Interessen und eine bedeutende Eigenschaft teilt: Hier handelt es sich um Mittelmächte, und Mittelmächte ziehen sich in Zeiten der Großmachtpolitik geradezu magnetisch an. Diese magnetische Wirkung konnte Bundeskanzler Friedrich Merz in dieser Woche ausführlich studieren. Seine Drei-Länder-Reise nach Ostasien – die bislang längste Tour dieser Kanzlerschaft – geriet zum Besuch bei Nachbarn. Nachbarn deshalb, weil die drei Staaten in ihren Interessen und Nöten, in ihrer sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Lage mehr gemein haben mit Deutschland, als das bei einer Distanz von 9.000 Kilometern zu erwarten gewesen wäre. Wer die neue Weltordnung verstehen will, der findet sowohl in Europa wie in Ostasien dieselben Antworten. In dieser neuen Welt ist die wirtschaftliche Verflechtung eine Frage der Märkte, der Handelsregeln, der Lieferketten, der Innovationskraft und nicht zuletzt der Sicherheit. Wer in dieser Welt bestehen will und nicht nur den Regeln der Großmächte ausgeliefert sein möchte, der muss Partnerschaften mit Gleichgesinnten pflegen. Natürlich war das Handelsvolumen zwischen Deutschland und seinen Partnern in Asien schon immer beeindruckend groß. Nun aber haben sich die Gewichte zu Lasten der Mittelmächte verschoben, die sich gegen einseitige Marktmacht und unfaire Handelspraktiken nur schwer zur Wehr setzen können. Zusammen aber ist man stärker, vor allem wenn man Regeln wechselseitig einhält. Merz stieß deshalb auf Beifall, als er eine neue politische Unterfütterung der guten alten Welthandelsorganisation vorschlug. Die WTO braucht einen politischen Umsetzungswillen – und politische Stärke entsteht durch Geschlossenheit. Merz unterbreitete seinen Vorschlag vor der deutsch-japanischen Handelskammer in einem Vortrag im Imperial Hotel im Herzen von Tokio, gleich gegenüber dem Kaiserpalast. Und auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der traditionsreichen Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Seoul applaudierten großzügig, als der Kanzler diese Botschaft deponierte. Untermauert wurde das handelspolitische Interesse von einer beeindruckenden Wirtschaftsdelegation, die Merz begleitete. Dutzende Absichtserklärungen und Memoranda of Understanding wurden während der fünftägigen Reise unterzeichnet. Der Kanzler nutzte die Zeit, um sich über die asiatische Aufbruchsszene schlau zu machen: Ob bei Start-ups oder den Grundlagenforscherinnen des Quantum Nanozentrums in Seoul, den Fusions-Forschern von Kyoto Fusioneering in Tokio oder auf dem stark automatisierten Hafengelände von PSA Horizons in Singapur – die Mittelmächte sind alles andere als Mittelklasse. Vor allem gibt es Kooperationsbedarf in der KI-Szene, die – ähnlich wie in Europa – das Bedürfnis nach Souveränität antreibt. Aber: Geteilte Souveränität, so die Erkenntnis, kann auch stark machen. Vier Leitsätze für Deutschland sind es, die der Bundeskanzler in der Singapur Lecture – dem traditionsschweren Redeformat zu den Grundlagen der Geopolitik – postulierte: in globale Allianzen investieren, die eigene Resilienz stärken, die internationale Ordnung festigen und weiterhin auf Dialog und Diplomatie setzen. Diplomatie führt zum Thema Sicherheit – ein Neuzugang im Katalog der geteilten Interessen zwischen Deutschland und seinen asiatischen Partnern. Das Sicherheitsbedürfnis begründet sich mit denselben Konflikten, die in Asien wie in Europa für Instabilität und echte Bedrohung sorgen. Ganz oben der Krieg in der Ukraine, der seit der Entsendung nordkoreanischer Soldaten an die europäische Front auch zu einem asiatischen Konflikt geworden ist. Auch die Öl- und Gasabhängigkeit von der kriegsgeschüttelten Golfregion, hybride Bedrohungen oder überwölbende Fragen der nuklearen Bedrohung und Abschreckung bringen die Mittelmächte in ihrer Verletzbarkeit zusammen. Die neuen Bruchlinien sind am Ende die alten Bruchlinien, wie Bundeskanzler Merz während seines Besuchs in der demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea feststellen konnte. Hier, wo der kalte Krieg noch in denselben, alten Barracken haust, wird nun die neue Bedrohung greifbar: Nuklearrüstung, Raketentests, die Söldner-Entsendung und Krypto-Angriffe. Die Gefährdung trägt vielleicht ein neues Gewand, aber sie gehorcht immer noch den alten Prinzipien. Auch hierfür gilt die Erkenntnis: Mittelmächte ziehen sich magnetisch an, weil sie sich gegenseitig schützen und stärken können. Das ist die Erkenntnis, die weit über eine Fünf-Tage-Reise hinausreichen wird. Ihr |