|
hinter uns liegt eine Woche der Neuentdeckungen - terra incognita, Neuland, wohin das Auge reicht. Von der Arktis bis zur Sanduhr - der politische Alltag kennt keine Routine. Auch nicht im Umgang mit den Krisen dieser Erde, wo in dieser Woche die Golf-Region für einen dramatischen Schock gesorgt hat. Dort nutzen iranische Erfüllungsgehilfen wie die jemenitischen Huthis die Abhängigkeit großer Teile der Welt von den Rohstoffen der Golf-Staaten. Die Sprengung einer zentralen Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien hat die Verwundbarkeit offenbart und schlagartig die Spritpreise auch in Deutschland nach oben gejagt. Für viele Menschen, die jeden Tag auf ihr Auto angewiesen sind, war eine Belastungsgrenze erreicht. Die Bundesregierung hat deshalb gemeinsam mit den Bundesländern in nur drei Tagen gehandelt. Der Bund senkt die Spritpreise um 17 Cent pro Liter. Das wird man an der Tankstelle spüren. Insgesamt werden die Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet. Die Länder leisten ihren Beitrag in einer Höhe von 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag. Darüber hinaus wird der Bund mit der Mineralölwirtschaft sprechen, um einen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens spätestens zum 1. Januar 2027 einzuführen. Spritpreisdeckel, das bedeutet: Die Bundesregierung wird mit den Mineralölkonzernen zusammenarbeiten, damit der realistische, vom Markt erzwungene Preis, auch bei den Verbrauchern ankommt. Ausschläge sollen so verhindert werden. Auch wenn das Zeitalter der Entdecker längst hinter uns liegt – auch die Arktis bleibt terra incognita. Die Erderwärmung und neue technologische Möglichkeiten zwingen dazu, die Polarregion aus vielen Winkeln neu zu betrachten. Rohstoffe, Transportwege, Sicherheit, das Klima und der Lebensraum Arktis: Die Exploration dieser gewaltigen Erdmasse ist entbrannt, der Kampf um die geopolitischen Interessen hat begonnen. Auch die Europäische Union widmet sich diesem Thema, konkret beim Arktis-Gipfel im finnischen Rovaniemi, an dem auch Bundeskanzler Friedrich Merz teilgenommen hat. Die bestehende Arktis-Strategie soll schnellstmöglich um das Kapitel Sicherheit und Verteidigung erweitert werden. Daran hat auch Deutschland als Ostsee-Anrainer und Nachbar der unmittelbaren Arktis-Nationen ein Interesse. Das Treffen in der Stadt des Weihnachtsmannes ließ dabei wenig Platz für Winterromantik und Polarlicht-Euphorie. Es ging um die Sicherheit Europas, den Schutz von Datenleitungen und Pipelines, sichere Seewege, eine lange Landgrenze zu Russland und das Vertrauen in die Bündniskraft der Europäer. Die wachsende Präsenz Russlands beherrscht das sicherheitspolitische Bewusstsein nicht nur der Finnen. Deswegen ist das Signal von NATO und EU auch wichtig für die Menschen vor Ort, die sich in atemberaubender Geschwindigkeit ihrer neuen Exponiertheit gestellt haben. Ob Golfregion oder Arktis – das Gefühl der Unsicherheit wächst. Allerdings wächst auch die Entschlossenheit der Regierung, gegen diese Angriffe vorzugehen. Beispiel dafür: Der Beschluss des Kabinetts in dieser Woche über härtere Strafen gegen islamistischen Terror und bessere Prävention. Was diese Gesellschaft am Ende tatsächlich sicher macht, sind die Bürgerinnen und Bürger, ob jung oder alt, die Lust an einer guten Zukunft haben, und die sich vom grassierenden Pessimismus nicht die Lebensfreude verderben lassen. Von ansteckender Freude war deshalb ein ganz besonderer Kanzlertermin. Der Wettbewerb „Jugend forscht“ zeigt jedes Jahr, wie viel Erfindergeist in jungen Menschen stecken. Friedrich Merz hat die Preisträgerinnen und Preisträger im Kanzleramt begrüßt. Der Sonderpreis ging an einen leidenschaftlichen Nachwuchs-Physiker. Tim Kammel hat die simple Frage gestellt: Wie tickt eigentlich eine Sanduhr? Die Antwort hat er dann nach langen Studien, mit Hilfe von Computersimulationen und mit der nötigen Portion Esprit gegeben. Trichterwinkel, Öffnungsgröße oder Schaftlänge – was spielerisch anmutet, kann in einerseits kommerziell genutzt werden, etwa in der Medizin oder beim Bau von Getreidesilos genutzt werden. Viel wichtiger ist aber das Beispiel, das Tim Kammel abgibt: Er hat eine simple Frage gestellt, seinen Entdeckergeist aktiviert und sich dann seine ganz persönliche terra incognita erschlossen. |