Ich sehe die Europäische Sicherheits- und
Verteidigungspolitik als eine neue Form der Kooperation mit der
NATO. Nicht mehr jeder einzelne Mitgliedstaat bringt sich nur
alleine ein, sondern an einigen Stellen bringt sich auch die
Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik in die NATO ein.
Das heißt, wir haben die Möglichkeit, durch die Europäische
Sicherheits- und Verteidigungspolitik unser Bündnis, die NATO,
stärker zu machen. Ich sehe das nicht als Konkurrenz an, ich sehe
das nicht als Wettbewerb an, sondern wir müssen von Fall zu Fall
nach gemeinsamer Analyse und mit gemeinsamer Beschlussfassung
entscheiden, welche Form der Mission die geeignete ist. Das heißt
also, unsere Zusammenarbeit in der NATO kann durch die Europäische
Sicherheits- und Verteidigungspolitik gestärkt werden. Das ist
zumindest das, was ich mir vorstelle.
Das neue strategische Konzept der NATO muss nun diesem
Konzept der Vernetzten Sicherheit entsprechen und ihm näher kommen.
Das heißt, wir müssen lernen, mit den militärischen Fähigkeiten der
NATO dann auch Vernetzte Sicherheit vor Ort in Aktion wahrnehmen zu
können. Das heißt, und darüber habe ich eigentlich jedes Jahr auf
dieser Sicherheitskonferenz gesprochen: Die NATO muss ein Ort
politischer Diskussionen sein. Man kann nicht Vernetzte Sicherheit
fordern und anschließend die NATO nur als militärisches Bündnis
begreifen. Das wird schief gehen, die wesentlichen
transatlantischen Diskussionen werden dann woanders
ablaufen.
Ich denke, in der Afghanistan-Mission sind wir diesem Ziel
und dieser Herangehensweise schon sehr nahe gekommen. Wer auf dem
Bukarester NATO-Gipfel dabei war, der hat gesehen, dass dort die
politischen Vertreter Afghanistans waren, dass dort die Vereinten
Nationen waren, dass dort natürlich die NATO-Vertreter und all die
Länder vertreten waren, die in der ISAF-Mission mitmachen, die ja
sehr viel mehr Länder als nur die NATO-Mitgliedstaaten umfasst. Das
war eine politische Zusammenkunft. Diese Art des Herangehens muss
sich verstärken und erweitern.