Über 60 Jahre Frieden und Freiheit in Westeuropa - und heute
in fast ganz Europa - das verdanken wir sowohl unserer eigenen
Entschlossenheit als auch den Vereinigten Staaten von Amerika, die
uns militärisch und politisch unterstützt haben und immer für ein
freies und demokratisches Europa eingestanden sind. Angesichts der
Risiken ist es auch im 21. Jahrhundert unverzichtbar, dass wir
unsere sicherheits- und verteidigungspolitische Zusammenarbeit über
den Atlantik hinweg weiter vertiefen und an die neuen
Herausforderungen anpassen. Dies bedeutet: gemeinsames Analysieren,
Entscheiden und Umsetzen. Einseitige Schritte würden dem Geist
dieser Partnerschaft widersprechen. Das heißt aber auch: Wir
Europäer müssen in der Außen- und Sicherheitspolitik noch stärker
mit einer Stimme sprechen, was von den Mitgliedstaaten ein hohes
Maß an Disziplin verlangt. Und wir müssen unsere Fähigkeiten weiter
bündeln und erhöhen, sowohl bei zivilen als auch militärischen
Mitteln. Die Synergie von beidem ist das Markenzeichen der
europäischen Sicherheitspolitik. Unter der gerade zu Ende
gegangenen französischen EU-Präsidentschaft haben wir hier auch
dank des deutsch-französischen Engagements einige weitere Schritte
geschafft. Damit werden wir in Zukunft ein noch stärkerer Partner
für die USA sein.
Deutschland und Frankreich werden in ihrer militärischen
Zusammenarbeit einen bedeutenden Schritt vorangehen: Die
deutsch-französische Brigade, die gemeinsam mit unseren Partnern
auf dem Balkan und in Afghanistan im Einsatz war, wird in Zukunft
in unseren beiden Ländern stationiert sein. Frankreich wird auf
seinem Boden einen deutschen Verband dieser Brigade beherbergen.
Wer unsere gemeinsame Geschichte kennt, weiß um die historische
Bedeutung dieses neuen Schrittes in der deutsch-französischen
Freundschaft.
Den Jubiläumsgipfel zum 60. Geburtstag der Atlantischen
Allianz am 3. und 4. April werden mit Deutschland und Frankreich
erstmals in der Geschichte der Nato zwei Länder gemeinsam
ausrichten. Wir verstehen dies als besonderes deutschfranzösisches
Symbol für Frieden und für Sicherheit. Aber auch als Zeichen eines
nunmehr gemeinsamen Europas in Ost und West, das in Freiheit leben
kann. Wir treten dafür ein, dass die Allianz diesen Jubiläumsgipfel
auch zu strategischen Debatten und Weichenstellungen nutzt, die
weit über den Charakter eines Geburtstagsfestes hinausgehen. Dabei
müssen wir die Grundlage der Nato - den Vertrag von Washington mit
seinen Prinzipien Allianzsolidarität und Werteübereinstimmung -
nicht neu erfinden. Aber wir müssen auf dem Gipfel eine Diskussion-
ohne Scheuklappen - zur sinnvollen Transformation und
Neuausrichtung der Allianz führen. Genau das hat die Nato mit ihren
Strategischen Konzepten von 1991 und 1999 geleistet. Und so ist es
auch heute wieder wichtig, neu festzulegen, wie sich das Bündnis in
Zukunft gegen veränderte Bedrohungen aufstellt. Wir erwarten, dass
der Gipfel in Straßburg und Kehl den Startschuss für die
Überarbeitung des Strategischen Konzepts gibt. Dabei sehen wir für
die künftigen strategischen Anforderungen an das Bündnis folgende
Kernbereiche: