Zeit: Also doch: nie wieder
Afghanistan?
de Maizière: Nein. Aber der Sturz einer Regierung, das
Besetzen eines Landes sind denkbar schwerste Eingriffe. Sie müssen
besonders gut begründet, besonders gut rechtlich abgesichert werden
und dürfen nie auf Dauer angelegt sein. Keine Regierung, das ist
unsere Botschaft, darf sich darauf verlassen, dass immer andere für
ihre Sicherheit sorgen. Fördern und fordern gilt auch hier. Das
Land, das man durch einen Eingriff gefördert hat, muss gefordert
werden, die Ursachen dieser Intervention selbst zu
beseitigen.
Zeit: Sie reden gern von Solidarität als
Grundprinzip der internationalen Politik.
de Maizière: Lieber rede ich von Verantwortung.
Zeit: Zur Solidarität in der Nato war die
Bundesregierung aber in der Libyen-Frage nicht fähig. Ist
Schwarz-Gelb zu schwach, um einem weiteren Auslandseinsatz
zuzustimmen?
de Maizière: Mitnichten. Natürlich wären wir fähig gewesen,
in Libyen dabei zu sein. Wir haben uns politisch anders
entschieden.