Die
Euro-Krise nimmt kein Ende. Kann sie die politische Existenz der
Europäischen Union gefährden?
Westerwelle: Zunächst zeigt sich, wie richtig es war, den
Schutzschirm zu spannen. Und wie falsch die Opposition lag, nach
der Aufweichung des Stabilitätspakts unter Rot-Grün sich nun auch
der Beseitigung der Folgen dieses historischen Irrtums zu
verweigern. Anders als anfänglich im Fall Griechenlands sind wir
nämlich jetzt gewappnet und haben ein Instrument zu reagieren. Ich
sehe im Übrigen keine Ansteckungsgefahren, weil jeder Fall anders
liegt. Wichtig ist, dass die Haushaltskonsolidierung überall in
Europa konsequent vorangeht.
Rheinische
Post: Ist es für Sie
vorstellbar, dass Pleite-Länder die Europäische Union wieder
verlassen müssen?
Westerwelle: Nein. Europa ist das erfolgreichste
Friedensprojekt in der Geschichte des Kontinents und unsere
Wohlstandsversicherung. Der Euro ist auch eine Friedenswährung. Es
wäre verrückt, wenn ausgerechnet wir Deutsche vergessen würden, was
wir an Europa haben. Es ist ein Glück, dass wir in einem
europäischen Haus friedlich leben können. Natürlich ärgert man sich
bei 26 Mitbewohnern manchmal über die laute Musik beim Nachbarn
oder die vergessene Pflichterfüllung. Entscheidend ist aber, das
Fundament unseres Hauses durch einen wirksamen Krisenmechanismus
und eine Verschärfung des Stabilitätspakts zu stärken. Dazu zählen
Sanktionen, die wirken, und eine Beteiligung privater Gläubiger für
die Zeit nach 2013. Es kann nicht jedes Investitionsrisiko auf die
Steuerzahler abgewälzt werden.
Rheinische
Post: