|
in China hat gerade das neue Jahr begonnen, Familien kommen zusammen, das Land feiert. Dass Staatspräsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Qiang in dieser Zeit den Bundeskanzler zum Gespräch treffen, ist eine besondere Geste. „Ich wünsche uns ein gutes Tempo, Kraft und Energie für das Jahr des Pferdes. Möge es ein Jahr der Zusammenarbeit und des Wachstums für Deutschland und China werden“, hat Friedrich Merz ins Gästebuch der Verbotenen Stadt geschrieben. Die freundlichen Worte sind ehrlich gemeint – und sie sind mit einer klaren Erwartung verknüpft. Die Zusammenarbeit kann nur dann gelingen, wenn auch die Probleme reduziert werden, die sich in den vergangenen Jahren aufgetürmt haben. Die Handelsbilanz zwischen der Nummer zwei und der Nummer drei in der Weltwirtschaft weist eine wachsende Kluft auf, chinesische Überproduktionen sorgen für eine Marktverzerrung, deutsche Unternehmen beklagen Hemmnisse für ihre Arbeit in China. In Europa wächst eine protektionistische Stimmung. Chancen und Risiken liegen in der Beziehung zu China eng beinander, weshalb der beständige Austausch zwingend ist. Als Handelsnation hat Deutschland kein Interesse an Protektionismus, solange die Geschäfte nach transparenten Regeln abgewickelt werden. Das war die Kernbotschaft, die der Bundeskanzler ins Gästehaus der chinesischen Regierung und in die Große Halle des Volkes trug. Botschaft Nummer zwei betraf die aus deutscher Sicht vordringlichste geopolitische Bedrohung, den Krieg in der Ukraine. Auch hier kann China seinen Einfluss ausüben und Russland zu einem Ende der Angriffe bewegen. Für den Kanzler und seine beeindruckend große Wirtschaftsdelegation brachte die Reise auch Anschauung, wie weit China in der Modernisierung seiner Industrie gekommen ist. In Peking fuhr Merz in einem autonom gesteuerten Fahrzeug, in Hangzhou führten Roboter Kung-Fu-Kämpfe auf, prügelten sich im Boxring oder erledigten die Hausarbeit. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich neue Anwendungen für diese KI-gesteuerten Maschinen auszudenken. China ist ein ernst zu nehmender Taktgeber in der Welt der Großmachtspolitik – der andere liegt von Deutschland aus betrachtet in der entgegengesetzten Himmelsrichtung. Dorthin, in die USA, bricht der Bundeskanzler am Montag auf, zu seinem nun bereits dritten Besuch in Washington seit Amtsantritt. Die Themen sind hier nicht unähnlich: Überschattet vom Urteil des Obersten Gerichtshofs zur Zollpolitik der Administration wird der Bundeskanzler im Weißen Haus die deutschen und europäischen Interessen in Handelsfragen und vor allem zum Thema Ukrainekrieg deutlich machen. Ihr |