Neben der
Bundeskanzlerin sprachen der französische Staatspräsident Nicholas
Sarkozy und der polnische Ministerpräsident Donald Tusk auf einem
gemeinsamen Podium. Dieser zentrale Teil der Veranstaltung war sehr
symbolisch. Schließlich waren Frankreich, Polen und Deutschland
nicht immer friedliche Nachbarn.
Foto:
REGIERUNGonline/Kugler
KonferenzatmosphäreMerkel
zählte all die Chancen des Jahres 2009 auf: Eine neue amerikanische
Regierung ist im Amt. Im September erinnert sich Deutschland an den
Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren. Die Nato wird im
April 60. Vor zwanzig Jahren fiel die Mauer.
Auf der anderen Seit hat die Welt eine schwere
Wirtschaftskrise erfasst. Der Krieg in Gaza ist immer noch nicht
beendet. Der Atomstreit mit dem Iran geht weiter. In Afghanistan
ist die Weltgemeinschaft noch nicht am Ziel.
Deshalb sei das Jahr 2009 auch eine "Nagelprobe". Es werde
zeigen, ob "wir Globalisierung gemeinsam leben können", sagte
Merkel.
Der Verleger Ewald von Kleist gründete 1962 die
Münchner Sicherheitskonferenz. Seine Erfahrungen aus dem Zweiten
Weltkrieg lehrten ihn: Die sicherheitspolitische Diskussion
zwischen Europa und den USA ist für den Frieden von größter
Bedeutung. Heute gilt die Tagung als eines der international
wichtigsten Treffen von Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft
und Medien. Da es sich um ein nicht-regierungsamtliches Treffen
handelt, werden keine offiziellen Beschlüsse gefasst. Deshalb kann
ohne Entscheidungsdruck sowohl öffentlich als auch intern über
kritische Fragen gestritten werden.
Neues strategisches Konzept der
Nato
Die Nato hat sich als Verteidigungsbündnis bewährt. Deshalb
solle auch der so genannte Beistandsartikel, der Artikel 5,
weiterhin die "Substanz der Nato" darstellen, meinte Merkel. Die
Nato sollte also auch in Zukunft hauptsächlich für die Verteidigung
ihrer Mitglieder da sein. Aber inzwischen gibt es neue Bedrohungen
und neue Konflikte.
Die Nato feiert im April ihren 60. Geburtstag. Der
Jubiläumsgipfel findet an der deutsch-französischen Grenze im
deutschen Kehl und dem französischen Straßburg gleichzeitig statt.
Dies sei der Zeitpunkt, um über ein neues, strategisches Konzept
nachzudenken, sagte Merkel.
Was muss es leisten?
Das Konzept muss von einer vernetzten
Sicherheitausgehen: Internationale Konflikte
können nicht mehr von einem Land allein sondern nur noch gemeinsam
gelöst werden. Das ist "meine und die Erwartung vieler Europäer an
die Vereinigten Staaten von Amerika", sagte Merkel.
Bei der vernetzten Sicherheit müssen zivile und militärische
Mittel kombiniert werden. Krisenprävention gehört genauso zur
Sicherheitspolitik wie Krisenbewältigung. "Die Nato muss ein Ort
der politischen Diskussion werden", appellierte
Merkel.
Die EUund
die Natomüssen eine neue
Form der
Kooperationfinden. Bisher ist
eine strategische Partnerschaft vereinbart. Aber aufgrund
fortbestehender Meinungsverschiedenheiten zwischen einzelnen
Mitgliedsstaaten, wie Zypern und Türkei, ist die weit hinter
ihren Erwartungen zurückgeblieben. Nun sollte die Europäischen
Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) enger in die Nato
einbezogen werden. Eines ist dabei klar: ESVP und Nato sind keine
Konkurrenten.
Ein regionaler
Ansatzgehört zum neuen Konzept. Weil sich
kein Konflikt auf ein Land allein beziehen lässt. Das zeigt die
Situation in Afghanistan. Die Taliban haben sich zu großen Teilen
nach Pakistan zurückgezogen. Ohne Pakistan ist der Konflikt in
Afghanistan nicht lösbar.
Rüstungskontrolleund
Abrüstungsind entscheidend
voranzubringen. Es muss geklärt werden, wie es mit dem
KSE-Vertrag (Vertrag über konventionelle Streitkräfte) weiter gehen
kann. 16 Mitglieder der NATO und 6 Warschauer-Pakt-Staaten hatten
das Abkommen im Jahre 1990 unterzeichnet. 2007 hat die russische
Regierung diesen Vertrag einseitig wegen ungelöster Konflikte mit
der Nato eingefroren.
Das neue Konzept müsse klar machen, wie
Russlandin die
Sicherheitsagentur einbezogen werden könne. Der Nato-Russland-Rat
ist nach Merkels Vorstellungen der richtige Ort. Aber auch die ESVP
und Russland sollten enger kooperieren.
Im nächsten Jahr steht die Überprüfungskonferenz über
die Nichtverbreitung von
Nuklearwaffenan. Merkel stellt sich
langfristig eine "Welt ohne Nuklearwaffen" vor. Jetzt ginge es aber
zunächst einmal darum, die riesigen Arsenale
abzubauen.
Zudem müsse unbedingt verhindert werden, dass der
IranNuklearwaffen entwickelt.
Deutschland sei immer noch für eine diplomatische Lösung. Es sei
aber auch bereit "härtere Sanktionen ins Auge zu fassen", wenn es
keine Fortschritte im Atomstreit gebe.
Der Atomwaffensperrvertrag (oder
Nichtverbreitungsvertrag) verbietet die
Verbreitung von Kernwaffen und verpflichtet zur Abrüstung. Er räumt
zugleich das Recht auf die friedliche Nutzung der Kernenergie ein.
Die fünf Atommächte USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und
China sowie mittlerweile 184 Staaten ohne Atomwaffen haben den
Vertrag unterzeichnet. Lediglich vier Nationen sind derzeit nicht
Mitglied: Indien, Israel, Nordkorea und Pakistan.
Im Atomwaffensperrvertrag verzichten die Unterzeichnerstaaten ohne
Atomwaffen auf nukleare Rüstung. Die fünf offiziellen Atommächte
verpflichten sich im Gegenzug, "in redlicher Absicht Verhandlungen
zu führen über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen
Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle."
Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) kontrolliert die
Einhaltung des Vertrags.