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 <p begin="00:00:07.751" xml:id="p0" end="00:00:11.650">Sehr geehrte Frau Fahidi,<br />sehr geehrter Herr Turski,</p>
      <p begin="00:00:11.650" xml:id="p1" end="00:00:14.950">sehr geehrter Herr Heubner,<br />sehr geehrte Botschafter,</p>
      <p begin="00:00:14.950" xml:id="p2" end="00:00:18.550">Herr Ministerpräsident Woidke,<br />meine Damen und Herren,</p>
      <p begin="00:00:18.550" xml:id="p3" end="00:00:20.349">liebe junge Gäste,</p>
      <p begin="00:00:21.389" xml:id="p4" end="00:00:25.888">es ist für mich eine große Ehre<br />und erfüllt mich mit Dankbarkeit,</p>
      <p begin="00:00:26.191" xml:id="p5" end="00:00:30.388">heute hier bei Ihnen zu sein und<br />zu Ihnen sprechen zu dürfen.</p>
      <p begin="00:00:30.388" xml:id="p6" end="00:00:39.088">Der Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz-Birkenau<br />durch sowjetische Soldaten jährt sich morgen zum 70. Mal.</p>
      <p begin="00:00:40.656" xml:id="p7" end="00:00:47.154">Auschwitz – dieses eine Wort steht<br />für Millionen Einzelschicksale.</p>
      <p begin="00:00:47.154" xml:id="p8" end="00:00:50.454">Jedes Schicksal steht für sich.</p>
      <p begin="00:00:50.454" xml:id="p9" end="00:00:55.855">Jedes Schicksal erzählt auf seine<br />Weise von unfassbarem Leid,</p>
      <p begin="00:00:55.855" xml:id="p10" end="00:01:02.156">von unsäglicher Quälerei bis hin<br />zur systematischen Ermordung.</p>
      <p begin="00:01:03.431" xml:id="p11" end="00:01:08.817">Wie grausam all die vielen Lebenswege<br />durchkreuzt und beendet wurden</p>
      <p begin="00:01:09.117" xml:id="p12" end="00:01:13.317">– das übersteigt letztlich<br />unsere Vorstellungskraft.</p>
      <p begin="00:01:13.317" xml:id="p13" end="00:01:21.316">Eines aber wissen wir: Das Unvorstellbare<br />ist geschehen; es war möglich.</p>
      <p begin="00:01:22.649" xml:id="p14" end="00:01:29.635">Der Auschwitzüberlebende und langjährige Präsident des Zentralrats<br />der Juden in Deutschland Heinz Galinski hat einmal gesagt:</p>
      <p begin="00:01:29.635" xml:id="p15" end="00:01:38.334">„Auschwitz – dieser Name steht für Untaten<br />einer bis dahin unbekannten Dimension,</p>
      <p begin="00:01:38.334" xml:id="p16" end="00:01:46.935">für Verbrechen nicht allein gegen die Menschlichkeit,<br />sondern für Verbrechen an der Menschheit.“</p>
      <p begin="00:01:49.495" xml:id="p17" end="00:01:54.513">Was dort geschehen ist, war ein<br />fundamentaler Angriff auf den Kern dessen,</p>
      <p begin="00:01:54.513" xml:id="p18" end="00:02:00.213">was unser Menschsein ausmacht:<br />auf die Würde des Menschen.</p>
      <p begin="00:02:00.213" xml:id="p19" end="00:02:06.512">Eine wahnhafte Ideologie sprach<br />Menschen das Menschsein ab.</p>
      <p begin="00:02:06.512" xml:id="p20" end="00:02:15.213">An Auschwitz manifestiert sich das grausame Vorhaben,<br />jüdisches Leben in ganz Europa auszulöschen.</p>
      <p begin="00:02:15.213" xml:id="p21" end="00:02:23.393">Denken wir an Auschwitz, dann denken wir auch an die<br />vielen anderen Konzentrations- und Vernichtungslager.</p>
      <p begin="00:02:23.393" xml:id="p22" end="00:02:32.658">Der Name Auschwitz ist seit jeher ein Synonym für die gesamte<br />nationalsozialistische Verfolgungs- und Ermordungsmaschinerie.</p>
      <p begin="00:02:34.337" xml:id="p23" end="00:02:39.391">Auschwitz ist eine Mahnung, was<br />Menschen anderen Menschen antun können.</p>
      <p begin="00:02:40.659" xml:id="p24" end="00:02:44.959">Auschwitz ist eine grausame Zäsur<br />in der Geschichte der Menschheit.</p>
      <p begin="00:02:44.959" xml:id="p25" end="00:02:52.259">Auschwitz steht für den von Deutschland<br />begangenen Zivilisationsbruch der Shoa.</p>
      <p begin="00:02:54.376" xml:id="p26" end="00:03:01.875">Dies verleiht dem Tag, an dem sich die Befreiung des<br />Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau jährt,</p>
      <p begin="00:03:01.875" xml:id="p27" end="00:03:05.577">seine ganz besondere Bedeutung.</p>
      <p begin="00:03:05.872" xml:id="p28" end="00:03:13.075">Am morgigen 70. Jahrestag erinnern wir<br />an die sechs Millionen ermordeten Juden.</p>
      <p begin="00:03:13.075" xml:id="p29" end="00:03:17.678">Wir erinnern an das grausame<br />Schicksal der Sinti und Roma.</p>
      <p begin="00:03:17.678" xml:id="p30" end="00:03:24.313">Wir erinnern an das erbarmungslose Vorgehen<br />gegen Gegner des Nationalsozialismus.</p>
      <p begin="00:03:24.313" xml:id="p31" end="00:03:31.380">Wir erinnern an die Menschen mit Behinderung,<br />an Homosexuelle, an Zwangsarbeiter,</p>
      <p begin="00:03:31.380" xml:id="p32" end="00:03:35.880">an die leidgeprüften Menschen in den<br />von Deutschland überfallenen Ländern.</p>
      <p begin="00:03:36.180" xml:id="p33" end="00:03:43.081">Wir erinnern an alle, die von Deutschland<br />im Nationalsozialismus verfolgt,</p>
      <p begin="00:03:43.377" xml:id="p34" end="00:03:48.780">misshandelt, gequält,<br />vertrieben und ermordet wurden.</p>
      <p begin="00:03:48.780" xml:id="p35" end="00:03:53.644">Verbrechen an der Menschheit verjähren nicht.</p>
      <p begin="00:03:53.644" xml:id="p36" end="00:03:56.682">Wir haben die immerwährende Verantwortung,</p>
      <p begin="00:03:56.682" xml:id="p37" end="00:04:04.582">das Wissen über die Gräueltaten von damals<br />weiterzugeben und das Erinnern wachzuhalten.</p>
      <p begin="00:04:05.474" xml:id="p38" end="00:04:14.334">Liebe Frau Fahidi, lieber Herr Turski, Sie haben die Hölle des<br />Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau</p>
      <p begin="00:04:14.644" xml:id="p39" end="00:04:20.029">als Jugendliche von 18, 19<br />Jahren erlitten und überlebt.</p>
      <p begin="00:04:20.433" xml:id="p40" end="00:04:23.433">Ihre Familien wurden dort ermordet.</p>
      <p begin="00:04:23.433" xml:id="p41" end="00:04:30.808">Die Bilder von einst und die<br />Trauer tragen Sie tief in sich.</p>
      <p begin="00:04:30.808" xml:id="p42" end="00:04:33.832">Ich trauere mit Ihnen.</p>
      <p begin="00:04:33.832" xml:id="p43" end="00:04:38.931">Ich trauere mit all denjenigen, die<br />gelitten und Angehörige verloren haben.</p>
      <p begin="00:04:38.931" xml:id="p44" end="00:04:45.630">Was geschehen ist, erfüllt uns<br />Deutsche mit großer Scham.</p>
      <p begin="00:04:45.931" xml:id="p45" end="00:04:54.931">Denn es waren Deutsche, die das Leid und den Tod von<br />Millionen Menschen verschuldet oder in Kauf genommen haben</p>
      <p begin="00:04:55.231" xml:id="p46" end="00:05:04.533">– als Täter, als Mitläufer, als wegschauende<br />und stillschweigende Mitwisser.</p>
      <p begin="00:05:04.833" xml:id="p47" end="00:05:10.968">Liebe Frau Fahidi, von<br />Ihnen stammt der Satz:</p>
      <p begin="00:05:10.968" xml:id="p48" end="00:05:19.172">„In uns, die wir aus Auschwitz zurückgekommen<br />sind, ist die Lebenskraft sehr tief.</p>
      <p begin="00:05:19.472" xml:id="p49" end="00:05:23.069">Wir wissen, wie kostbar das Leben ist.“</p>
      <p begin="00:05:25.109" xml:id="p50" end="00:05:32.199">Sie haben ebenso wie Herr Turski diese<br />Lebenskraft eingesetzt, um Zeugnis abzulegen.</p>
      <p begin="00:05:32.498" xml:id="p51" end="00:05:35.801">Sie haben Ihre Geschichte<br />wieder und wieder erzählt.</p>
      <p begin="00:05:35.801" xml:id="p52" end="00:05:45.211">Es ist kaum zu ermessen, wie viel Kraft es kostet, sich<br />schmerzhafte Erinerungen immer wieder vor Augen zu führen.</p>
      <p begin="00:05:45.211" xml:id="p53" end="00:05:53.807">Gleichwohl haben Sie mit dafür gesorgt, dass<br />Erinnerung über Generationen hinweg wachbleibt –</p>
      <p begin="00:05:54.112" xml:id="p54" end="00:05:58.912">dass aus ihr auch künftig<br />Lehren gezogen werden können.</p>
      <p begin="00:05:58.912" xml:id="p55" end="00:06:05.812">Sie haben uns damit ein großes,<br />ein wichtiges Geschenk gemacht,</p>
      <p begin="00:06:05.812" xml:id="p56" end="00:06:09.714">für das ich Ihnen von ganzem<br />Herzen danken möchte.</p>
      <p begin="00:06:09.715" xml:id="p57" end="00:06:19.330">Applaus</p>
      <p begin="00:06:19.330" xml:id="p58" end="00:06:24.511">Denn wir dürfen nicht vergessen.<br />Das sind wir Ihnen schuldig.</p>
      <p begin="00:06:24.511" xml:id="p59" end="00:06:27.813">Das sind wir den vielen<br />Millionen Opfern schuldig.</p>
      <p begin="00:06:28.106" xml:id="p60" end="00:06:35.010">Und das sind wir uns selbst schuldig, die wir heute<br />leben und eine gute Zukunft gestalten wollen.</p>
      <p begin="00:06:35.010" xml:id="p61" end="00:06:38.912">Wir müssen immer wieder aufs<br />Neue der Frage nachgehen,</p>
      <p begin="00:06:38.912" xml:id="p62" end="00:06:45.213">die der Auschwitzüberlebende und Friedensnobelpreisträger<br />Elie Wiesel in die Worte gefasst hat:</p>
      <p begin="00:06:45.513" xml:id="p63" end="00:06:54.212">„Wie konnten intelligente und gebildete Menschen tagsüber<br />mit Maschinengewehren auf hunderte Kinder schießen</p>
      <p begin="00:06:54.212" xml:id="p64" end="00:07:03.210">und sich am Abend an den Versen Schillers<br />oder einer Partitur von Bach erfreuen?“</p>
      <p begin="00:07:03.210" xml:id="p65" end="00:07:11.911">Unter uns leben Menschen, die die Folgen der Shoa in<br />ihren Familien nach wie vor ganz persönlich spüren.</p>
      <p begin="00:07:11.911" xml:id="p66" end="00:07:17.311">Für sie stellt sich ganz unmittelbar<br />die Frage, wie es dazu kommen konnte.</p>
      <p begin="00:07:17.311" xml:id="p67" end="00:07:26.311">Umso wunderbarer ist es, dass heute wieder weit mehr<br />als 100.000 Juden in Deutschland ihre Heimat haben,</p>
      <p begin="00:07:26.311" xml:id="p68" end="00:07:33.212">hier ihre Zukunft sehen und aufbauen –<br />dass wir gemeinsam unser Land gestalten.</p>
      <p begin="00:07:33.212" xml:id="p69" end="00:07:41.313">Und doch befürchten nicht wenige Juden heute in<br />unserem Land Beleidigungen oder gar Übergriffe</p>
      <p begin="00:07:41.313" xml:id="p70" end="00:07:43.410">– und das leider nicht ohne Grund.</p>
      <p begin="00:07:43.710" xml:id="p71" end="00:07:51.514">Es ist eine Schande, dass Menschen in Deutschland<br />angepöbelt, bedroht oder angegriffen werden,</p>
      <p begin="00:07:51.514" xml:id="p72" end="00:07:54.811">wenn sie sich irgendwie als<br />Juden zu erkennen geben</p>
      <p begin="00:07:54.811" xml:id="p73" end="00:07:58.412">oder auch wenn sie für den<br />Staat Israel Partei ergreifen.</p>
      <p begin="00:07:58.413" xml:id="p74" end="00:08:06.710">Applaus</p>
      <p begin="00:08:07.019" xml:id="p75" end="00:08:11.812">Dass Synagogen und jüdische Institutionen<br />vielerorts unter Polizeischutz stehen müssen,</p>
      <p begin="00:08:12.107" xml:id="p76" end="00:08:16.211">lastet wie ein Makel auf unserem Land.</p>
      <p begin="00:08:16.511" xml:id="p77" end="00:08:20.413">Das Denken, das sich in<br />Angriffen auf Juden offenbart,</p>
      <p begin="00:08:20.413" xml:id="p78" end="00:08:26.715">hat mit einem freiheitlichen und demokratischen<br />Staatsverständnis nichts zu tun.</p>
      <p begin="00:08:26.715" xml:id="p79" end="00:08:35.411">Deshalb müssen wir Antisemitismus und jeder anderen Form<br />von Menschenfeindlichkeit von Anfang an die Stirn bieten.</p>
      <p begin="00:08:35.735" xml:id="p80" end="00:08:39.910">Jeder, dem eine gute Zukunft<br />Deutschlands am Herzen liegt,</p>
      <p begin="00:08:39.910" xml:id="p81" end="00:08:46.212">ist sich der immerwährenden Verantwortung<br />nach dem Zivilisationsbruch der Shoa bewusst.</p>
      <p begin="00:08:46.212" xml:id="p82" end="00:08:54.609">Die Erinnerung an die grausamen Kapitel unserer<br />Geschichte prägt unser Selbstverständnis als Nation.</p>
      <p begin="00:08:54.909" xml:id="p83" end="00:09:02.710">Bei uns muss jeder – unabhängig von Religion<br />oder Herkunft – frei und sicher leben können.</p>
      <p begin="00:09:02.710" xml:id="p84" end="00:09:13.812">„Nie wieder!“ – Diese Botschaft ist für unser demokratisches Land,<br />das in Frieden mit seinen Nachbarn lebt, geradezu konstitutiv.</p>
      <p begin="00:09:13.812" xml:id="p85" end="00:09:21.613">Unser Bekenntnis zu einem geeinten Europa ist ebenso<br />wie das Bewusstsein der unermesslich hohen Bedeutung</p>
      <p begin="00:09:21.613" xml:id="p86" end="00:09:28.207">von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit,<br />Pluralität und Toleranz fest verankert.</p>
      <p begin="00:09:28.207" xml:id="p87" end="00:09:35.412">Doch so kostbar diese Werte auch sind,<br />so zerbrechlich sind sie zugleich.</p>
      <p begin="00:09:35.711" xml:id="p88" end="00:09:42.609">Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verlangen<br />stets unsere Aufmerksamkeit und unseren Einsatz.</p>
      <p begin="00:09:42.609" xml:id="p89" end="00:09:51.911">Das beginnt schon damit, alte und neue Vorurteile<br />und Feindbilder als solche zu entlarven.</p>
      <p begin="00:09:51.911" xml:id="p90" end="00:09:58.210">Welche furchtbaren Taten letzten Endes aus<br />irregeleiteter Gesinnung erwachsen können,</p>
      <p begin="00:09:58.210" xml:id="p91" end="00:10:02.322">haben uns die Attentate in Paris<br />einmal mehr vor Augen geführt.</p>
      <p begin="00:10:02.322" xml:id="p92" end="00:10:06.524">Dort richteten sich Hass und<br />Gewalt gezielt gegen Menschen,</p>
      <p begin="00:10:06.524" xml:id="p93" end="00:10:11.924">die als Journalisten und Karikaturisten Gebrauch<br />von ihrer Meinungsfreiheit gemacht haben.</p>
      <p begin="00:10:12.224" xml:id="p94" end="00:10:21.525">Dort richteten sich Hass und Gewalt gezielt gegen jüdische Kunden eines<br />koscheren Supermarkts bzw. weil die Mörder annahmen, dort Juden anzutreffen.</p>
      <p begin="00:10:21.822" xml:id="p95" end="00:10:29.322">Dort zeigten sich zwei der großen Übel unserer Zeit:<br />islamistischer Terrorismus und Antisemitismus.</p>
      <p begin="00:10:29.622" xml:id="p96" end="00:10:35.024">Wenige Tage nach den Attentaten fanden<br />sich in Paris Millionen Menschen zusammen,</p>
      <p begin="00:10:35.024" xml:id="p97" end="00:10:38.921">um eine beeindruckende Botschaft zu senden:</p>
      <p begin="00:10:39.222" xml:id="p98" end="00:10:42.822">Wir wollen frei und friedlich miteinander leben.</p>
      <p begin="00:10:42.822" xml:id="p99" end="00:10:48.519">Gemeinsam wenden wir uns gegen<br />menschverachtende Barbarei.</p>
      <p begin="00:10:48.519" xml:id="p100" end="00:10:56.319">Ob muslimisch, jüdisch, christlich, ob mit<br />oder ohne Religion – wir gehören zusammen.</p>
      <p begin="00:10:56.319" xml:id="p101" end="00:11:05.321">Wir lassen uns nicht spalten. Jeder von uns ist ein<br />Mensch mit einer unantastbaren und unteilbaren Würde.</p>
      <p begin="00:11:05.321" xml:id="p102" end="00:11:13.420">Das Lebensprinzip der Demokratie ist unser<br />Gegenentwurf zur Welt des Terrorismus.</p>
      <p begin="00:11:13.420" xml:id="p103" end="00:11:16.119">Und er ist stärker als der Terrorismus.</p>
      <p begin="00:11:16.119" xml:id="p104" end="00:11:22.121">Diese Überzeugung gilt es auch im Alltag<br />immer und immer wieder zu bekunden,</p>
      <p begin="00:11:22.121" xml:id="p105" end="00:11:27.220">um jegliche Stimmungsmache auf Kosten<br />bestimmter Gruppen zu bekämpfen</p>
      <p begin="00:11:27.220" xml:id="p106" end="00:11:32.925">– ganz gleich, von welcher Seite sie kommt;<br />ganz gleich, gegen wen sie sich richtet.</p>
      <p begin="00:11:32.925" xml:id="p107" end="00:11:39.225">Wir wollen keine hasserfüllten Parolen gegen<br />angeblich Ungläubige oder Andersgläubige.</p>
      <p begin="00:11:39.225" xml:id="p108" end="00:11:42.624">Wir wollen keine hasserfüllten<br />Parolen gegen Juden.</p>
      <p begin="00:11:42.624" xml:id="p109" end="00:11:48.320">Wir wollen keine hasserfüllten Parolen gegen Menschen,<br />die in Deutschland ein neues Zuhause gefunden haben</p>
      <p begin="00:11:48.320" xml:id="p110" end="00:11:52.519">oder bei uns Zuflucht vor<br />Krieg und Verfolgung suchen.</p>
      <p begin="00:11:52.818" xml:id="p111" end="00:11:58.218">Uns gegen jedes Aufkeimen von Antisemitismus<br />und Menschenfeindlichkeit zu wehren,</p>
      <p begin="00:11:58.218" xml:id="p112" end="00:12:04.817">ist unsere bürgerschaftliche,<br />gesellschaftliche und staatliche Pflicht.</p>
      <p begin="00:12:04.817" xml:id="p113" end="00:12:10.819">Ich freue mich besonders über die jungen<br />Menschen, die heute hier unter uns sind.</p>
      <p begin="00:12:10.819" xml:id="p114" end="00:12:16.820">Sie haben sich auf die dunkelsten Kapitel<br />der Geschichte unseres Landes eingelassen.</p>
      <p begin="00:12:16.820" xml:id="p115" end="00:12:22.516">Sie wissen um die eindringliche Mahnung,<br />die aus Vergangenem zu uns heute spricht.</p>
      <p begin="00:12:22.817" xml:id="p116" end="00:12:28.517">Daher wissen sie auch, wie wichtig<br />es ist, Erinnerung wachzuhalten.</p>
      <p begin="00:12:28.517" xml:id="p117" end="00:12:32.116">Denn gerade wer sich mit Auschwitz,</p>
      <p begin="00:12:32.116" xml:id="p118" end="00:12:37.813">wer sich mit der Shoa und den Verbrechen Deutschlands<br />im Nationalsozialismus auseinandersetzt,</p>
      <p begin="00:12:37.813" xml:id="p119" end="00:12:44.116">der kann ein feines Gespür und<br />Warnsystem dafür entwickeln,</p>
      <p begin="00:12:44.116" xml:id="p120" end="00:12:48.920">wenn grundlegende Werte unseres<br />Zusammenlebens infrage gestellt werden.</p>
      <p begin="00:12:49.220" xml:id="p121" end="00:12:54.020">Was geschehen ist, können wir<br />nicht ungeschehen machen.</p>
      <p begin="00:12:54.320" xml:id="p122" end="00:13:01.817">Doch nur im Bewusstsein unserer immerwährenden<br />Verantwortung können wir eine gute Zukunft gestalten.</p>
      <p begin="00:13:01.817" xml:id="p123" end="00:13:08.364">Dieses Wissen lässt uns nicht ruhen<br />und uns einfach darauf verlassen,</p>
      <p begin="00:13:08.364" xml:id="p124" end="00:13:12.864">dass sich schon andere finden werden,<br />die sich um eine gute Zukunft kümmern.</p>
      <p begin="00:13:12.864" xml:id="p125" end="00:13:18.214">Aus Erinnerung erwächst also ein Auftrag.</p>
      <p begin="00:13:18.214" xml:id="p126" end="00:13:24.088">Und so lautet die Botschaft des Gedenktags<br />an die Opfer des Nationalsozialismus:</p>
      <p begin="00:13:24.088" xml:id="p127" end="00:13:27.389">Vergangenes wird nicht vergessen.</p>
      <p begin="00:13:27.389" xml:id="p128" end="00:13:31.109">Auschwitz fordert uns täglich heraus,</p>
      <p begin="00:13:31.109" xml:id="p129" end="00:13:35.488">unser Miteinander nach Maßstäben<br />der Menschlichkeit zu gestalten.</p>
      <p begin="00:13:35.488" xml:id="p130" end="00:13:43.888">Auschwitz geht uns alle an – heute und<br />morgen, nicht nur an Gedenktagen.</p>
      <p begin="00:13:44.188" xml:id="p131" end="00:13:47.991">Ich danke Ihnen. - Applaus</p>



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