﻿1
00:00:04,913 --> 00:00:14,086
Verschwundene
Mauer, bleibende Worte.

2
00:00:17,633 --> 00:00:24,380
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ –
Walter Ulbricht, Staatsvorsitzender der DDR, 15. Juni 1961

3
00:00:25,907 --> 00:00:36,100
1949-1961. Von September 1949 bis August 1961 fliehen
2,8 Millionen Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik.

4
00:00:37,240 --> 00:00:45,280
Allein vom 1. bis zum 13.
August 1961 sind es über 47.000.

5
00:00:47,087 --> 00:00:55,193
August 1961. Am 13. August 1961 beginnt unter
dem Decknamen „Operation Rose“ der Mauerbau.

6
00:00:55,760 --> 00:01:01,893
Die Leitung hat Erich Honecker, zu jener Zeit Sekretär
im Zentralkomitee der SED für Sicherheitsfragen.

7
00:01:01,893 --> 00:01:08,253
Es ist die totale Abriegelung
der Grenze zu West-Berlin.

8
00:01:10,427 --> 00:01:13,908
Dezember 1963. Die Teilung
geht nicht nur durch Berlin.

9
00:01:13,908 --> 00:01:17,200
Familien, Dörfer und Städte
werden auseinandergerissen.

10
00:01:17,807 --> 00:01:20,286
Erst ab Dezember 1963
sind Verwandtschaftsbesuche

11
00:01:20,310 --> 00:01:23,927
von West nach Ost mit
Passierschein möglich.

12
00:01:25,160 --> 00:01:31,200
„Zeigt menschliches Verhalten, wo immer es möglich ist, und vor
allem, schießt vor allem nicht auf eure eigenen Landsleute!“

13
00:01:31,200 --> 00:01:36,780
– Willy Brandt, damals Regierender Bürgermeister West-Berlins,
in einem Appell an die DDR-Grenztruppen, 16. August 1961

14
00:01:39,313 --> 00:01:44,964
1961-1989. Die sogenannte Republikflucht ist
nur noch unter großer Lebensgefahr möglich.

15
00:01:46,162 --> 00:01:47,513
Doch zigtausende
nehmen das Risiko auf sich.

16
00:01:47,513 --> 00:01:51,516
Mehrere hundert Versuche, über
die Grenze zu fliehen, scheitern.

17
00:01:52,515 --> 00:01:59,115
Dennoch gelingt etwa 5000 Bürgerinnen und
Bürgern der DDR die Flucht über die Grenze.

18
00:01:59,115 --> 00:02:04,916
1976. Kulturpolitische Zäsur: Wolf
Biermann wird 1976 nach einem Konzert

19
00:02:04,916 --> 00:02:09,376
in Köln von der
DDR-Führung ausgewiesen.

20
00:02:09,376 --> 00:02:11,124
Die DDR-Kulturszene
ist erschüttert,

21
00:02:11,124 --> 00:02:16,874
und eine riesige Solidaritätswelle von Intellektuellen,
Künstlerinnen und Künstlern erfasst das Land.

22
00:02:18,322 --> 00:02:20,751
Einige von ihnen erhalten
daraufhin selbst Auftrittsverbote,

23
00:02:20,751 --> 00:02:25,298
werden inhaftiert, schikaniert und
genötigt, ebenfalls die DDR zu verlassen.

24
00:02:25,298 --> 00:02:33,612
Biermann erhält Unterstützung von Literaturnobelpreisträger
Heinrich Böll und Günter Wallraff.

25
00:02:35,356 --> 00:02:41,670
1963. Zu einer ergiebigen Einnahmequelle für
die DDR wird der Freikauf politischer Gegner.

26
00:02:41,670 --> 00:02:47,670
Insgesamt 33.755 politische Häftlinge
kauft die Bundesrepublik ab 1963 frei.

27
00:02:48,671 --> 00:02:54,522
Gegen Zahlungen und Warenlieferungen
im Wert von circa drei Milliarden D-Mark.

28
00:02:57,001 --> 00:03:01,298
1989. Aus dem „antifaschistischen
Schutzwall“ wird eine Todeszone.

29
00:03:01,748 --> 00:03:03,997
Beim Versuch, aus
der DDR zu fliehen,

30
00:03:03,997 --> 00:03:10,548
kommen zwischen 1961 und 1989 mindestens 140
Menschen an der Berliner Mauer ums Leben.

31
00:03:11,395 --> 00:03:16,645
Ende der 70er-Jahre. In ganz Deutschland
entsteht in den späten 70er-Jahren

32
00:03:16,645 --> 00:03:21,145
eine ökologische und pazifistische
Bewegung – auch in der DDR.

33
00:03:22,145 --> 00:03:24,895
„Man weiß: Dinge können sich von
Grund auf ändern, das ganze Leben.

34
00:03:24,895 --> 00:03:27,395
Das ist was Hoffnungsvolles.

35
00:03:27,395 --> 00:03:34,345
Der zähste Brei kann zum Vulkan werden.“
– Bärbel Bohley, DDR-Bürgerrechtlerin, 2009

36
00:03:36,631 --> 00:03:40,532
August 1989. Während des „Paneuropäischen
Picknicks“ im August 1989

37
00:03:40,532 --> 00:03:44,532
öffnet sich an der ungarisch-österreichischen
Grenze für wenige Stunden ein Grenztor.

38
00:03:45,624 --> 00:03:50,035
600 Menschen nutzen diesen
Moment zur Flucht in den Westen.

39
00:03:50,035 --> 00:04:02,135
Die ungarischen
Behörden greifen nicht ein.

40
00:04:04,948 --> 00:04:08,988
September 1989. In Warschau und Prag
stürmen Ausreisewillige die Botschaften.

41
00:04:08,988 --> 00:04:11,938
Polen und die ČSSR
stimmen der Ausreise zu.

42
00:04:13,038 --> 00:04:16,237
Am 30. September 1989 kann der damalige
Außenminister der BRD, Hans-Dietrich Genscher,

43
00:04:16,237 --> 00:04:18,388
in Prag einen
Durchbruch verkünden.

44
00:04:18,468 --> 00:04:20,568
Seine Ankündigung auf dem
Balkon der westdeutschen Botschaft

45
00:04:20,568 --> 00:04:26,567
„Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen,
dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist“,

46
00:04:26,567 --> 00:04:31,767
geht im Freudentaumel der
anwesenden DDR-Flüchtlinge unter.

47
00:04:33,392 --> 00:04:36,642
August 1989. Die „Prager
Züge“: Die Strecke der Züge,

48
00:04:36,642 --> 00:04:40,652
die im Oktober 1989 insgesamt etwa 5000
Flüchtlinge aus Prag nach Westdeutschland bringen,

49
00:04:40,652 --> 00:04:44,402
ist streng geheim.

50
00:04:45,202 --> 00:04:48,165
Niemand in der DDR
soll noch aufspringen.

51
00:04:48,165 --> 00:04:53,715
Im bayerischen Hof angekommen, erfahren
die Menschen große Hilfe und Solidarität.

52
00:04:55,012 --> 00:04:59,882
„Ich glaube, Gefahren warten nur auf
jene, die nicht auf das Leben reagieren.“

53
00:04:59,882 --> 00:05:02,882
– Michail Gorbatschow, damals
Generalsekretär des ZK der KPdSU,

54
00:05:02,882 --> 00:05:06,182
zum 40. Jahrestag der
DDR am 6. Oktober 1989

55
00:05:07,882 --> 00:05:08,858
Oktober 1989.

56
00:05:08,858 --> 00:05:12,358
Zum 40. Jahrestag der DDR, am 7. Oktober
1989, ist die DDR nur noch Fassade.

57
00:05:12,358 --> 00:05:15,907
Ihre Bürgerinnen und Bürger
sind im offenen Widerstand.

58
00:05:15,907 --> 00:05:19,108
Während im Palast der Republik
die Führungsriege der DDR feiert,

59
00:05:19,108 --> 00:05:23,058
macht sich draußen Unmut breit.

60
00:05:23,058 --> 00:05:30,692
Oktober 1989. Die Demonstrationen
in der DDR werden immer größer.

61
00:05:31,372 --> 00:05:34,573
Auch wenn Sicherheitskräfte
in Bereitschaft versetzt werden,

62
00:05:34,573 --> 00:05:40,072
entscheidet SED-Regierungschef Hans Modrow, dass eine
gewaltsame Niederschlagung der Revolution nicht infrage kommt.

63
00:05:41,922 --> 00:05:51,554
November 1989. Der Protest erfasst das ganze Land.
Überall kommt es zu friedlichen Demonstrationen.

64
00:05:52,255 --> 00:05:58,005
„Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen
nach all den Jahren der Stagnation.“

65
00:05:58,005 --> 00:06:03,905
– Schriftsteller Stefan Heym am 4.
November 1989 auf dem Alexanderplatz

66
00:06:05,868 --> 00:06:08,382
„Private Reisen ins Ausland können
ohne Auflagen beantragt werden…

67
00:06:08,382 --> 00:06:16,881
Die Erlaubnis wird sofort erteilt… Das tritt nach
meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.“ –

68
00:06:16,881 --> 00:06:24,482
Günter Schabowski,
SED-Politbüromitglied, am 9. November 1989

69
00:06:26,182 --> 00:06:29,881
November 1989. Am
Abend des 9. Novembers

70
00:06:29,881 --> 00:06:33,982
verkündet Politbüro-Mitglied Günter Schabowski
neue Reiseregelungen und öffnet damit die Grenze.

71
00:06:35,087 --> 00:06:42,838
Die neue Ausreise-Regelung gilt
eigentlich erst ab dem Folgetag.

72
00:06:44,127 --> 00:06:46,102
„Träume können wahr werden.
Nichts muss so bleiben, wie es ist.“ –

73
00:06:46,102 --> 00:06:52,902
Angela Merkel, die damalige Bundeskanzlerin, in ihrer
Rede am 25. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2014

74
00:06:54,202 --> 00:07:01,748
November 1989. Tausende Ostdeutsche strömen
an die Grenzübergänge nach West-Berlin.

75
00:07:01,748 --> 00:07:05,848
Grenzsoldaten lassen unter dem Druck der
Massen am Grenzübergang Bornholmer Straße

76
00:07:05,848 --> 00:07:10,847
um 21:20 Uhr die ersten DDR-Bürgerinnen
und -Bürger nach West-Berlin ausreisen.

77
00:07:10,847 --> 00:07:13,935
„Ihr seid nicht allein,
wir stehen an eurer Seite.

78
00:07:13,935 --> 00:07:17,185
Wir sind und bleiben eine Nation,
und wir gehören zusammen.“

79
00:07:17,185 --> 00:07:20,334
– Helmut Kohl, in der Rede am 10. November
1989 vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin

80
00:07:22,457 --> 00:07:23,822
November 1989.

81
00:07:23,822 --> 00:07:27,571
In den ersten Tagen nach der Grenzöffnung
ist das ganze Land im Freudentaumel:

82
00:07:27,571 --> 00:07:29,971
Menschen aus dem
Osten wollen in den Westen.

83
00:07:30,572 --> 00:07:34,822
Umgekehrt wollen Westdeutsche
das Land hinter der Mauer,

84
00:07:34,822 --> 00:07:38,522
von dem sie so wenig
wissen, kennenlernen.

85
00:07:40,245 --> 00:07:43,148
„Viele kleine Leute, die in vielen
kleinen Orten viele kleine Dinge tun,

86
00:07:43,148 --> 00:07:48,898
können das Gesicht
der Welt verändern.“ –

87
00:07:48,898 --> 00:07:52,148
Originalzitat East Side
Gallery Berlin, 1990

88
00:07:59,748 --> 00:08:02,925
„Einheit ist kein Zustand,
sondern eine Aufgabe.

89
00:08:03,424 --> 00:08:08,275
Und unsere Zukunft entsteht da, wo Wandel möglich
ist – gemeinsam, demokratisch und solidarisch.“ -

90
00:08:08,275 --> 00:08:11,425
Friedrich Merz, Bundeskanzler

