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          <p begin="00:00:13.47" end="00:00:17.18">Frau Bundeskanzlerin, Sie fliegen<br />an diesem Wochenende nach Japan,</p>
         <p begin="00:00:17.18" end="00:00:24.82">zum ersten Mal seit dem G8-Gipfel 2008 in Toyako.<br />Welche Bedeutung hat diese Reise nach Japan für Sie?</p>
         <p begin="00:00:24.82" end="00:00:28.31">Diese Reise hat eine sehr<br />große Bedeutung für mich.</p>
         <p begin="00:00:28.31" end="00:00:32.31">Ich habe den Premierminister Abe<br />natürlich international schon sehr oft getroffen,</p>
         <p begin="00:00:32.31" end="00:00:37.34">aber schon lange war ich nicht mehr in Japan.<br />Deutschland hat jetzt die G7 Präsidentschaft,</p>
         <p begin="00:00:37.34" end="00:00:43.41">und deshalb möchte ich unser Programm auch der<br />japanischen Regierung und dem Premierminister vorstellen.</p>
         <p begin="00:00:43.41" end="00:00:47.75">Aber die bilateralen Beziehungen zwischen<br />unseren beiden Ländern sind auch sehr wichtig.</p>
         <p begin="00:00:47.75" end="00:00:52.92">Japan ist der zweitgrößte Handelspartner<br />für Deutschland in Asien,</p>
         <p begin="00:00:52.92" end="00:00:59.62">und wir teilen gemeinsame Werte und Vorstellungen.<br />Und deshalb freue ich mich sehr auf diese Reise.</p>
         <p begin="00:00:59.62" end="00:01:04.42">Auf dieser Reise haben Sie auch<br />ein Gespräch mit japanischen Forschern</p>
         <p begin="00:01:04.42" end="00:01:10.37">über die deutsch-japanische Wissenschaftskooperation.<br />Als Chemiker möchte ich Sie fragen:</p>
         <p begin="00:01:10.37" end="00:01:13.86">Was erwarten Sie von<br />dieser Wissenschaftskooperation?</p>
         <p begin="00:01:13.86" end="00:01:18.35">Wir haben eine historisch schon sehr<br />gewachsene Wissenschaftskooperation.</p>
         <p begin="00:01:18.35" end="00:01:20.83">Es gab schon den Arzt Kaempfer,</p>
         <p begin="00:01:20.83" end="00:01:26.75">der von deutscher Seite im 17. Jahrhundert<br />die deutsch-japanischen Beziehungen gepflegt hat.</p>
         <p begin="00:01:26.75" end="00:01:32.25">Es gab im 18. Jahrhundert immer wieder Bemühungen,<br />und seitdem wir diplomatische Beziehungen haben</p>
         <p begin="00:01:32.26" end="00:01:37.30">– 1861 war das schon –,<br />gibt es immer wieder Forschungskooperationen.</p>
         <p begin="00:01:37.30" end="00:01:41.01">Das hängt damit zusammen, dass in beiden<br />Ländern die Forschung sehr gut entwickelt ist.</p>
         <p begin="00:01:41.01" end="00:01:47.53">Japan gibt immerhin mehr als 3 Prozent, nämlich<br />3,3 Prozent, für Forschung und Entwicklung aus.</p>
         <p begin="00:01:47.53" end="00:01:50.39">Es gibt 600 Hochschulkooperationen.</p>
         <p begin="00:01:50.39" end="00:01:54.32">Und es gibt ganz viel Gemeinsamkeit,<br />nicht nur im medizinischen Bereich,</p>
         <p begin="00:01:54.33" end="00:01:57.75">sondern gerade auch in den physikalischen,<br />chemischen Wissenschaften.</p>
         <p begin="00:01:57.76" end="00:02:02.67">Ich denke auch, bei allem, was Philosophie<br />ausmacht, könnten wir noch mehr tun.</p>
         <p begin="00:02:02.67" end="00:02:08.43">Das heißt also, gerade das Gespräch mit Forschern<br />wird auch ein Höhepunkt meiner Reise sein.</p>
         <p begin="00:02:08.44" end="00:02:15.38">Seit über 150 Jahren haben Deutschland<br />und Japan eine freundschaftliche Verbindung.</p>
         <p begin="00:02:15.38" end="00:02:20.67">Heutzutage gibt es auch einen regen<br />Austausch von Forschern zwischen beiden Ländern.</p>
         <p begin="00:02:20.68" end="00:02:24.27">Wie wichtig ist dieser<br />Austausch von Forschern</p>
         <p begin="00:02:24.27" end="00:02:27.54">für eine vielversprechende<br />Zukunft für die beiden Länder?</p>
         <p begin="00:02:27.55" end="00:02:33.13">Beide Länder sind ja Länder, die einen<br />vergleichsweise hohen Lebensstandard haben.</p>
         <p begin="00:02:33.13" end="00:02:36.03">Beide Länder haben<br />ein demografisches Problem,</p>
         <p begin="00:02:36.03" end="00:02:41.93">das heißt, die älteren Menschen sind mehr,<br />und es gibt weniger Kinder als früher.</p>
         <p begin="00:02:41.93" end="00:02:45.74">Das heißt: Wenn wir unseren Lebensstandard<br />erhalten wollen, dann müssen wir </p>
         <p begin="00:02:45.74" end="00:02:49.04">– gerade dort, wo es um<br />Innovation geht, um Patente geht,</p>
         <p begin="00:02:49.04" end="00:02:54.16">um Wissenschaft geht, um neue Ergebnisse –<br />führend sein. Nur wenn wir das sind,</p>
         <p begin="00:02:54.16" end="00:02:57.70">werden wir auch auf<br />der Welt weiter gefragt sein, </p>
         <p begin="00:02:57.70" end="00:03:01.57">werden wir Produkte verkaufen können,<br />die aus solchen Innovationen entstehen.</p>
         <p begin="00:03:01.57" end="00:03:04.50">Nur so können wir unseren<br />Lebensstandard halten. </p>
         <p begin="00:03:04.50" end="00:03:07.47">Und da, glaube ich, stehen Japan und<br />Deutschland vor dem gleichen Problem.</p>
         <p begin="00:03:07.47" end="00:03:10.44">Gleichzeitig haben wir<br />– wie ich es schon beschrieben habe – </p>
         <p begin="00:03:10.44" end="00:03:15.56">auch eine langjährige, über Jahrhunderte<br />gewachsene wissenschaftliche Tradition.</p>
         <p begin="00:03:15.56" end="00:03:17.50">Und deshalb sind die beiden Länder,</p>
         <p begin="00:03:17.50" end="00:03:22.59">obwohl sie regional und geografisch<br />ja weit voneinander entfernt sind,</p>
         <p begin="00:03:22.59" end="00:03:26.39">doch sehr, sehr gut geeignet, um die<br />Wissenschaftskooperation voranzubringen</p>
         <p begin="00:03:26.39" end="00:03:29.94">Und Ihre eigene Biografie<br />ist ja auch ein Beispiel dafür.</p>
         <p begin="00:03:29.94" end="00:03:37.43">Ich möchte Sie auch über Japan bzw. Fukushima<br />fragen, weil Fukushima meine Heimat ist.</p>
         <p begin="00:03:37.43" end="00:03:46.44">Wie Sie wissen, hat Japan, insbesondere Fukushima<br />im Jahr 2011 große Schäden durch Erdbeben,</p>
         <p begin="00:03:46.44" end="00:03:49.93">Tsunami und den Unfall<br />im Atomkraftwerk erlitten.</p>
         <p begin="00:03:49.93" end="00:03:56.05">Das Image Japans hat leider darunter gelitten.<br />Wie kann man es wieder verbessern?</p>
         <p begin="00:03:56.05" end="00:04:01.64">Ja, wir haben ja sehr mitgefühlt<br />bei diesem schrecklichen Unfall.</p>
         <p begin="00:04:01.64" end="00:04:04.83">Und Deutschland hat damals auch<br />weitreichende Entscheidungen getroffen,</p>
         <p begin="00:04:04.83" end="00:04:07.62">nämlich schneller aus der<br />Kernenergie auszusteigen.</p>
         <p begin="00:04:07.62" end="00:04:11.60">Wir setzen jetzt sehr<br />auf erneuerbare Energien.</p>
         <p begin="00:04:11.60" end="00:04:16.11">Und ich glaube, Japan sollte auch<br />diesen Weg gehen – und geht ihn ja auch. </p>
         <p begin="00:04:16.11" end="00:04:19.17">Und wir sollten ihn vor allem in Deutschland<br />und Japan auch ein Stück zusammen gehen. </p>
         <p begin="00:04:19.17" end="00:04:22.56">Das heißt, ich werde dort auch über den<br />Ausbau erneuerbarer Energien sprechen.</p>
         <p begin="00:04:22.56" end="00:04:26.11">Natürlich brauchen wir auch das,<br />was wir „Grundlast“ nennen.</p>
         <p begin="00:04:26.11" end="00:04:32.46">Und Japan als eine Insel – oder mehrere Inseln –<br />hat natürlich zum Teil auch ein Rohstoffproblem.</p>
         <p begin="00:04:32.46" end="00:04:38.01">Deshalb gehen wir vielleicht auch etwas<br />unterschiedliche Wege, was die Kernenergie anbelangt. </p>
         <p begin="00:04:38.01" end="00:04:41.19">Aber ich kann nur aus<br />der Erfahrung von Fukushima sagen:</p>
         <p begin="00:04:41.19" end="00:04:43.44">Sicherheit ist das oberste Gebot. </p>
         <p begin="00:04:43.44" end="00:04:49.32">Und ich als deutsche Bundeskanzlerin habe mich<br />hier jetzt – mit der Erfahrung von Fukushima –</p>
         <p begin="00:04:49.32" end="00:04:53.11">dafür eingesetzt, so schnell wie möglich<br />aus der Kernenergie auszusteigen.</p>
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