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      <p begin="00:00:00.084" xml:id="p0" end="00:00:05.224">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen<br />und Kollegen! Werte Gäste dieser Debatte!</p>
      <p begin="00:00:05.224" xml:id="p1" end="00:00:07.065">Meine Damen und Herren!</p>
      <p begin="00:00:07.162" xml:id="p2" end="00:00:11.458">Heute vor 75 Jahren begann<br />der Zweite Weltkrieg.</p>
      <p begin="00:00:11.538" xml:id="p3" end="00:00:17.954">Am 1. September 1939<br />überfiel Deutschland Polen.</p>
      <p begin="00:00:18.192" xml:id="p4" end="00:00:22.689">Der von Deutschland entfesselte Krieg und<br />die Verbrechen des Nationalsozialismus</p>
      <p begin="00:00:22.761" xml:id="p5" end="00:00:29.402">waren die Ursache für Millionen von Toten<br />und für unermessliches Leid vieler Völker.</p>
      <p begin="00:00:29.636" xml:id="p6" end="00:00:38.765">6 Millionen Juden und viele andere Menschen wurden in Ghettos<br />und Vernichtungslagern oder nahe ihrer Heimatorte ermordet.</p>
      <p begin="00:00:38.874" xml:id="p7" end="00:00:42.433">Das werden wir Deutschen niemals vergessen.</p>
      <p begin="00:00:42.578" xml:id="p8" end="00:00:48.082">Das ist Deutschlands immerwährende<br />geschichtliche Verantwortung,</p>
      <p begin="00:00:48.318" xml:id="p9" end="00:00:51.458">und zu dieser Verantwortung<br />bekennen wir uns.</p>
      <p begin="00:00:51.697" xml:id="p10" end="00:00:55.650">Knapp sechs grausame<br />Kriegsjahre dauerte es,</p>
      <p begin="00:00:55.889" xml:id="p11" end="00:01:01.593">bis den Alliierten mit vereinten Kräften der Sieg<br />über das nationalsozialistische Deutschland gelang</p>
      <p begin="00:01:01.682" xml:id="p12" end="00:01:05.434">und die unmenschlichen<br />Verbrechen ein Ende fanden.</p>
      <p begin="00:01:05.560" xml:id="p13" end="00:01:11.026">Damals schienen die Gräben zwischen<br />den Nationen unüberwindbar.</p>
      <p begin="00:01:11.258" xml:id="p14" end="00:01:20.209">Heute sitzen wir, 28 Mitgliedstaaten, in der<br />Europäischen Union gemeinsam an einem Tisch.</p>
      <p begin="00:01:20.303" xml:id="p15" end="00:01:24.074">Aus Feinden sind längst Freunde geworden,</p>
      <p begin="00:01:24.195" xml:id="p16" end="00:01:32.737">und mitten unter ihnen befindet sich unser Land, <br />das einst seinen Nachbarn so viel Leid gebracht hat.</p>
      <p begin="00:01:32.797" xml:id="p17" end="00:01:44.082">Deshalb haben wir 2007 anlässlich von 50 Jahren Römischer Verträge<br />gesagt: „Wir Europäer, wir sind zu unserem Glück vereint.“</p>
      <p begin="00:01:44.249" xml:id="p18" end="00:01:49.634">Weite Teile unserer Politik gestalten wir<br />in enger Abstimmung oder sogar gemeinsam.</p>
      <p begin="00:01:49.705" xml:id="p19" end="00:01:55.738">Wir meistern zusammen schwierige Herausforderungen<br />wie etwa die internationale Finanzkrise</p>
      <p begin="00:01:55.818" xml:id="p20" end="00:02:01.568">und die Schuldenkrise im Euro-Raum, <br />und wir vertreten Seite an Seite unsere Werte,</p>
      <p begin="00:02:01.568" xml:id="p21" end="00:02:05.772">Überzeugungen und Interessen in der Welt.</p>
      <p begin="00:02:06.711" xml:id="p22" end="00:02:12.835">Welches Glück die europäische Einigung bedeutet,<br />wird uns derzeit täglich vor Augen geführt.</p>
      <p begin="00:02:12.968" xml:id="p23" end="00:02:21.778">Geschichte und Gegenwart mahnen uns, <br />dieses Glück für kommende Generationen zu schützen.</p>
      <p begin="00:02:21.877" xml:id="p24" end="00:02:28.416">Ich freue mich, dass wir uns am vergangenen<br />Samstag beim Europäischen Rat mit Donald Tusk</p>
      <p begin="00:02:28.530" xml:id="p25" end="00:02:32.632">auf einen neuen Präsidenten des<br />Europäischen Rates einigen konnten,</p>
      <p begin="00:02:32.729" xml:id="p26" end="00:02:37.284">von dem ich sicher bin, dass er mit aller<br />Kraft seinen Beitrag dazu leisten wird,</p>
      <p begin="00:02:37.377" xml:id="p27" end="00:02:41.683">dass Europa die anstehenden<br />Herausforderungen erfolgreich meistert,</p>
      <p begin="00:02:41.770" xml:id="p28" end="00:02:46.976">seien sie außenpolitischer oder<br />wirtschafts- und finanzpolitischer Natur.</p>
      <p begin="00:02:47.001" xml:id="p29" end="00:02:55.395">Applaus</p>
      <p begin="00:02:55.395" xml:id="p30" end="00:02:59.137">Als Donald Tusk 2010 mit dem<br />Karlspreis ausgezeichnet wurde,</p>
      <p begin="00:02:59.225" xml:id="p31" end="00:03:01.505">habe ich mit Freude die Laudatio gehalten.</p>
      <p begin="00:03:01.593" xml:id="p32" end="00:03:05.914">Damals habe ich gesagt - ich wiederhole<br />es heute gerne; ich zitiere :</p>
      <p begin="00:03:05.986" xml:id="p33" end="00:03:11.769">Europa braucht auch weiterhin mehr als<br />alles andere leidenschaftliche, überzeugte</p>
      <p begin="00:03:11.857" xml:id="p34" end="00:03:17.242">und überzeugende Europäer, die unser<br />gemeinsames Haus mit Leben erfüllen,</p>
      <p begin="00:03:17.392" xml:id="p35" end="00:03:23.145">es ausbauen und erhalten. <br />Donald Tusk ist einer von ihnen. Zitat Ende.</p>
      <p begin="00:03:23.201" xml:id="p36" end="00:03:32.528">Dass 25 Jahre nach der friedlichen Revolution in Mittel- und<br />Osteuropa ein Pole an der Spitze des Europäischen Rates stehen wird,</p>
      <p begin="00:03:32.617" xml:id="p37" end="00:03:38.528">ist für mich - und ich glaube, auch für<br />viele andere - von hoher Symbolkraft.</p>
      <p begin="00:03:38.553" xml:id="p38" end="00:03:47.026">Applaus</p>
      <p begin="00:03:47.131" xml:id="p39" end="00:03:49.613">Von Danzig, der Heimatstadt<br />von Donald Tusk,</p>
      <p begin="00:03:49.708" xml:id="p40" end="00:03:51.725">ging mit der Solidarnosc-Bewegung ein,</p>
      <p begin="00:03:51.813" xml:id="p41" end="00:03:56.509">wenn nicht der entscheidende Impuls<br />für das Ende der Teilung Europas aus.</p>
      <p begin="00:03:56.605" xml:id="p42" end="00:04:00.069">Ohne das Freiheitsstreben der<br />Menschen gerade auch in Polen,</p>
      <p begin="00:04:00.173" xml:id="p43" end="00:04:05.692">gerade auch von Menschen wie Donald Tusk<br />wäre die Überwindung der Teilung Europas</p>
      <p begin="00:04:05.779" xml:id="p44" end="00:04:07.773">und Deutschlands undenkbar gewesen.</p>
      <p begin="00:04:07.844" xml:id="p45" end="00:04:17.029">Deutschland und Polen sind sich heute so nah wie<br />nie zuvor als Nachbarn und als Partner in Europa.</p>
      <p begin="00:04:17.202" xml:id="p46" end="00:04:20.493">Daran hat auch Donald Tusk großen Anteil.</p>
      <p begin="00:04:20.589" xml:id="p47" end="00:04:26.645">Ich habe mit ihm als polnischem Ministerpräsidenten intensiv,<br />vertrauensvoll und freundschaftlich zusammengearbeitet.</p>
      <p begin="00:04:26.702" xml:id="p48" end="00:04:31.133">Ich freue mich auch auf die Zusammenarbeit<br />mit ihm als neuem ER-Präsidenten,</p>
      <p begin="00:04:31.228" xml:id="p49" end="00:04:36.853">genauso wie ich mich auf die Zusammenarbeit mit dem<br />neuen Präsidenten der Kommission, Jean-Claude Juncker,</p>
      <p begin="00:04:36.919" xml:id="p50" end="00:04:44.453">und mit der neu benannten Hohen Vertreterin der Europäischen Union<br />für Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini, freue.</p>
      <p begin="00:04:44.549" xml:id="p51" end="00:04:52.030">Das Amt des Hohen Vertreters steht für unsere Gemeinsame<br />Außen- und Sicherheitspolitik in der Europäischen Union.</p>
      <p begin="00:04:52.183" xml:id="p52" end="00:04:57.405">Gemeinsam mit der NATO-Mitgliedschaft<br />Deutschlands sind dies die beiden Pfeiler</p>
      <p begin="00:04:57.493" xml:id="p53" end="00:05:01.589">unserer internationalen Bündnispolitik<br />in Fragen der Sicherheit.</p>
      <p begin="00:05:01.677" xml:id="p54" end="00:05:07.621">Am Donnerstag und Freitag dieser Woche wird in<br />Wales der diesjährige NATO-Gipfel stattfinden.</p>
      <p begin="00:05:07.721" xml:id="p55" end="00:05:15.250">Gemeinsam mit unseren Bündnispartnern werden wir über<br />die verschiedenen globalen Konfliktherde sprechen</p>
      <p begin="00:05:15.304" xml:id="p56" end="00:05:17.546">und uns über unser Vorgehen abstimmen.</p>
      <p begin="00:05:17.658" xml:id="p57" end="00:05:25.241">Neben der Situation im Irak und in Syrien geht es<br />dabei derzeit vor allem um die Lage in der Ukraine.</p>
      <p begin="00:05:25.395" xml:id="p58" end="00:05:32.210">An der Tagung der NATO-Ukraine-Kommission <br />wird der ukrainische Präsident Poroschenko teilnehmen.</p>
      <p begin="00:05:32.322" xml:id="p59" end="00:05:35.043">Was geschieht in diesen<br />Tagen in der Ukraine?</p>
      <p begin="00:05:35.170" xml:id="p60" end="00:05:40.875">Russland unternimmt den Versuch,<br />bestehende Grenzen unter Androhung</p>
      <p begin="00:05:41.026" xml:id="p61" end="00:05:44.762">oder sogar unter Einsatz<br />von Gewalt zu verschieben.</p>
      <p begin="00:05:44.890" xml:id="p62" end="00:05:48.915">Die territoriale Integrität<br />eines souveränen Landes</p>
      <p begin="00:05:49.030" xml:id="p63" end="00:05:54.634">wurde durch die Annexion der Krim in einem<br />eklatanten Bruch des Völkerrechts verletzt.</p>
      <p begin="00:05:54.784" xml:id="p64" end="00:06:00.010">Dies verletzt die Grundfeste unserer<br />europäischen Nachkriegsordnung,</p>
      <p begin="00:06:00.065" xml:id="p65" end="00:06:04.000">die territoriale Integrität<br />jedes Landes anzuerkennen.</p>
      <p begin="00:06:04.088" xml:id="p66" end="00:06:09.142">Nur so konnte in Europa ein<br />friedliches Zusammenleben entstehen.</p>
      <p begin="00:06:09.294" xml:id="p67" end="00:06:14.103">Die jüngsten Berichte über ein<br />Vordringen russischer Soldaten</p>
      <p begin="00:06:14.185" xml:id="p68" end="00:06:19.655">auf ukrainisches Gebiet unterstreichen die<br />Dramatik der augenblicklichen Situation.</p>
      <p begin="00:06:19.720" xml:id="p69" end="00:06:21.751">Es wird immer klarer:</p>
      <p begin="00:06:21.842" xml:id="p70" end="00:06:26.559">Es handelte sich von Anfang an nicht um<br />einen Konflikt innerhalb der Ukraine,</p>
      <p begin="00:06:26.640" xml:id="p71" end="00:06:31.167">sondern um eine Auseinandersetzung<br />zwischen Russland und der Ukraine.</p>
      <p begin="00:06:31.192" xml:id="p72" end="00:06:39.739">Applaus</p>
      <p begin="00:06:39.837" xml:id="p73" end="00:06:44.779">Wir haben bereits deutlich gemacht, dass wir das<br />russische Verhalten nicht tatenlos hinnehmen.</p>
      <p begin="00:06:44.891" xml:id="p74" end="00:06:48.115">In großer Übereinstimmung<br />zwischen der Europäischen Union</p>
      <p begin="00:06:48.218" xml:id="p75" end="00:06:50.995">und den USA haben wir<br />Sanktionsmaßnahmen beschlossen.</p>
      <p begin="00:06:51.060" xml:id="p76" end="00:06:55.211">Ein Bruch des Völkerrechts darf<br />nicht ohne Folgen bleiben.</p>
      <p begin="00:06:55.291" xml:id="p77" end="00:07:01.339">Wir haben am Samstag angesichts der neuerlichen<br />Eskalation die Kommission gebeten,</p>
      <p begin="00:07:01.428" xml:id="p78" end="00:07:06.827">innerhalb einer Woche weitere substanzielle<br />Sanktionsschritte vorzubereiten.</p>
      <p begin="00:07:06.899" xml:id="p79" end="00:07:10.650">Dabei leitet die Bundesregierung<br />die Überzeugung,</p>
      <p begin="00:07:10.739" xml:id="p80" end="00:07:16.028">dass es eine militärische Lösung<br />des Konflikts nicht geben wird.</p>
      <p begin="00:07:16.120" xml:id="p81" end="00:07:19.940">Darüber sind sich auch alle<br />EU-Mitgliedstaaten einig.</p>
      <p begin="00:07:19.965" xml:id="p82" end="00:07:26.723">Applaus</p>
      <p begin="00:07:26.796" xml:id="p83" end="00:07:32.403">Umso dringlicher sind unsere Bemühungen,<br />eine politische Lösung zu erreichen.</p>
      <p begin="00:07:32.499" xml:id="p84" end="00:07:37.636">Für uns stehen ein schneller Waffenstillstand<br />und die Sicherung der Grenze im Vordergrund.</p>
      <p begin="00:07:37.797" xml:id="p85" end="00:07:42.299">Dafür werden wir in all unseren<br />Gesprächen auch weiter werben,</p>
      <p begin="00:07:42.356" xml:id="p86" end="00:07:45.827">der Bundesaußenminister genauso wie ich.</p>
      <p begin="00:07:45.908" xml:id="p87" end="00:07:50.667">Durch das russische Verhalten ist die Sorge<br />bei einigen NATO-Partnern gewachsen,</p>
      <p begin="00:07:50.756" xml:id="p88" end="00:07:53.587">dass auch sie akut bedroht sein könnten.</p>
      <p begin="00:07:53.654" xml:id="p89" end="00:07:58.354">Dies gilt zum Beispiel für die baltischen<br />Staaten und genauso für Polen.</p>
      <p begin="00:07:58.412" xml:id="p90" end="00:08:03.147">Ich wiederhole heute das, as ich auch bei<br />meinem Besuch in Lettland gesagt habe:</p>
      <p begin="00:08:03.229" xml:id="p91" end="00:08:06.235">Wir stehen zu unseren<br />Bündnisverpflichtungen.</p>
      <p begin="00:08:06.323" xml:id="p92" end="00:08:09.811">Artikel 5 des NATO-Vertrages gilt für alle.</p>
      <p begin="00:08:09.923" xml:id="p93" end="00:08:13.994">- Das werden auch unsere Beschlüsse<br />in Wales noch einmal unterstreichen.</p>
      <p begin="00:08:14.152" xml:id="p94" end="00:08:16.460">Wir werden Maßnahmen beschließen,</p>
      <p begin="00:08:16.530" xml:id="p95" end="00:08:23.275">durch die die Reaktions- und Verteidigungsfähigkeit<br />des Bündnisses weiter gestärkt werden.</p>
      <p begin="00:08:23.329" xml:id="p96" end="00:08:26.507">Dabei ist es für Deutschland wichtig,</p>
      <p begin="00:08:26.604" xml:id="p97" end="00:08:31.988">dass wir uns im Einklang mit der<br />NATO-Russland-Grundakte von 1997 bewegen.</p>
      <p begin="00:08:32.067" xml:id="p98" end="00:08:38.051">Sie ist geprägt von der Einsicht, dass<br />Sicherheit in Europa nicht durch Konfrontation,</p>
      <p begin="00:08:38.140" xml:id="p99" end="00:08:44.891">sondern nur durch Kooperation zu erreichen ist.<br />Dies ist und bleibt unsere Überzeugung.</p>
      <p begin="00:08:44.988" xml:id="p100" end="00:08:47.659">Wir werden weiter intensiv dafür werben.</p>
      <p begin="00:08:48.901" xml:id="p101" end="00:08:55.940">Applaus</p>
      <p begin="00:08:56.044" xml:id="p102" end="00:08:58.837">In Wales werden wir auch<br />die Gelegenheit haben,</p>
      <p begin="00:08:58.916" xml:id="p103" end="00:09:04.244">kurz vor dem Ende der ISAF-Mission eine<br />Bilanz des Afghanistan-Einsatzes zu ziehen,</p>
      <p begin="00:09:04.396" xml:id="p104" end="00:09:08.452">aber auch nächste Schritte zur<br />Unterstützung des Landes zu besprechen.</p>
      <p begin="00:09:08.523" xml:id="p105" end="00:09:14.820">Dazu gehören die Pläne für die Nachfolgemission<br />„Resolute Support“ und die weitere Unterstützung,</p>
      <p begin="00:09:14.908" xml:id="p106" end="00:09:17.220">etwa der afghanischen Sicherheitskräfte.</p>
      <p begin="00:09:17.371" xml:id="p107" end="00:09:22.964">Hier geht es uns darum, das bisher<br />Erreichte möglichst nachhaltig zu sichern.</p>
      <p begin="00:09:23.075" xml:id="p108" end="00:09:28.780">Die innenpolitischen Auseinandersetzungen in<br />Afghanistan um die Nachfolge im Präsidentenamt</p>
      <p begin="00:09:28.860" xml:id="p109" end="00:09:33.373">und das militärische Vorgehen der<br />immer noch aktiven Taliban zeigen,</p>
      <p begin="00:09:33.461" xml:id="p110" end="00:09:41.793">dass Afghanistan weiter Unterstützung der internationalen<br />Staatengemeinschaft und damit auch unsere Unterstützung braucht.</p>
      <p begin="00:09:41.849" xml:id="p111" end="00:09:47.896">Das Ende des ISAF-Mission - ich habe das<br />in der Vergangenheit wiederholt betont -</p>
      <p begin="00:09:47.976" xml:id="p112" end="00:09:53.167">bedeutet nicht das Ende unseres Engagements<br />für Afghanistan und das afghanische Volk.</p>
      <p begin="00:09:53.327" xml:id="p113" end="00:10:00.760">Ich bin zuversichtlich, dass vom Gipfel in Wales erneut<br />ein Signal der gemeinsamen Unterstützung ausgehen wird.</p>
      <p begin="00:10:00.857" xml:id="p114" end="00:10:04.864">Die neuen sicherheitspolitischen<br />Herausforderungen sind von uns</p>
      <p begin="00:10:04.938" xml:id="p115" end="00:10:10.295">und auch unseren Partnern in Zeiten<br />zunehmend knapper Haushalte zu bewältigen.</p>
      <p begin="00:10:10.401" xml:id="p116" end="00:10:13.744">Daher werben wir nachdrücklich dafür,</p>
      <p begin="00:10:13.834" xml:id="p117" end="00:10:20.136">unsere verteidigungspolitischen Anstrengungen innerhalb der<br />NATO und auch der EU besser miteinander zu verknüpfen.</p>
      <p begin="00:10:20.209" xml:id="p118" end="00:10:25.671">Wir wollen daran arbeiten, die notwendigen<br />Kapazitäten gemeinsam zu entwickeln und vorzuhalten.</p>
      <p begin="00:10:25.825" xml:id="p119" end="00:10:32.864">Ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem Gipfel<br />nächste Schritte dazu vereinbaren können.</p>
      <p begin="00:10:34.606" xml:id="p120" end="00:10:38.672">Liebe Kolleginnen und Kollegen, für<br />die Bundesregierung ist dabei klar:</p>
      <p begin="00:10:38.744" xml:id="p121" end="00:10:43.032">Kein Konflikt der Welt lässt<br />sich allein militärisch lösen.</p>
      <p begin="00:10:43.185" xml:id="p122" end="00:10:47.416">Aber immer wieder standen wir in den<br />letzten Jahren vor Entscheidungen,</p>
      <p begin="00:10:47.504" xml:id="p123" end="00:10:49.711">bei denen auch deutlich wurde:</p>
      <p begin="00:10:49.790" xml:id="p124" end="00:10:59.440">Es gibt Situationen, in denen nur noch militärische<br />Mittel helfen, um wieder eine politische Option zu haben.</p>
      <p begin="00:10:59.529" xml:id="p125" end="00:11:06.792">Jeder Konflikt hat seinen eigenen Charakter;<br />jedes Mal ist der Abwägungsprozess schwierig;</p>
      <p begin="00:11:06.936" xml:id="p126" end="00:11:10.279">jedes Mal ringen wir, die Regierung,</p>
      <p begin="00:11:10.345" xml:id="p127" end="00:11:16.152">aber in vielen Fragen auch die Abgeordneten<br />hier im Parlament, um den richtigen Weg.</p>
      <p begin="00:11:16.245" xml:id="p128" end="00:11:21.025">Der Blick zurück bis in die 90er-Jahre<br />des letzten Jahrhunderts zeigt:</p>
      <p begin="00:11:21.094" xml:id="p129" end="00:11:26.583">Wir haben seitdem zahlreiche<br />weitreichende Entscheidungen gefällt.</p>
      <p begin="00:11:26.679" xml:id="p130" end="00:11:31.583">Es gab kontroverse Diskussionen,<br />als Deutschland gefragt war,</p>
      <p begin="00:11:31.676" xml:id="p131" end="00:11:35.824">sich am NATO-Einsatz im ehemaligen<br />Jugoslawien zu beteiligen.</p>
      <p begin="00:11:35.880" xml:id="p132" end="00:11:39.152">Es gab kontroverse Diskussionen,<br />als es darum ging,</p>
      <p begin="00:11:39.256" xml:id="p133" end="00:11:45.303">nach dem 11. September 2001 Kampftruppen<br />nach Afghanistan zu entsenden.</p>
      <p begin="00:11:45.403" xml:id="p134" end="00:11:51.600">Es gab kontroverse Diskussionen über die<br />Beteiligung an anderen militärischen Missionen.</p>
      <p begin="00:11:51.600" xml:id="p135" end="00:11:56.722">Soldatinnen und Soldaten der deutschen<br />Bundeswehr sind nach wie vor auf dem Balkan,</p>
      <p begin="00:11:56.802" xml:id="p136" end="00:12:00.546">in Afghanistan und auch<br />in Afrika im Einsatz.</p>
      <p begin="00:12:00.626" xml:id="p137" end="00:12:03.571">Ich danke ihnen von<br />Herzen für ihren Dienst,</p>
      <p begin="00:12:03.659" xml:id="p138" end="00:12:09.516">der mit hohen persönlichen Risiken für<br />Leib, Seele und Leben verbunden ist.</p>
      <p begin="00:12:09.541" xml:id="p139" end="00:12:22.269">Applaus</p>
      <p begin="00:12:22.477" xml:id="p140" end="00:12:27.069">Bei der heute zu debattierenden Entscheidung<br />geht es nicht um den Einsatz von Soldaten.</p>
      <p begin="00:12:27.164" xml:id="p141" end="00:12:36.525">Aber auch das Liefern von militärischer Ausrüstung an eine<br />Konfliktpartei ist eine Entscheidung, die sorgsam abzuwägen ist.</p>
      <p begin="00:12:36.682" xml:id="p142" end="00:12:42.700">In den vergangenen Wochen sind wir Zeugen<br />unfassbarer Gräueltaten einer Terrorgruppe</p>
      <p begin="00:12:42.765" xml:id="p143" end="00:12:46.692">unter dem Namen „Islamischer Staat“<br />in Irak und Syrien geworden.</p>
      <p begin="00:12:46.757" xml:id="p144" end="00:12:53.501">Marodierend, plündernd, mordend sind ihre<br />schwerbewaffneten Milizen im Irak vorgerückt</p>
      <p begin="00:12:53.667" xml:id="p145" end="00:13:01.076">bis in die Nähe Bagdads und zuletzt bis an die Schwelle<br />zur kurdischen Autonomieregion im Norden des Iraks.</p>
      <p begin="00:13:01.198" xml:id="p146" end="00:13:07.412">Alles, was nicht ihrem Weltbild entspricht,<br />räumen sie grausam aus dem Weg.</p>
      <p begin="00:13:07.629" xml:id="p147" end="00:13:12.476">Besonders dramatisch ist die Bedrohung<br />von religiösen Minderheiten im Irak.</p>
      <p begin="00:13:12.626" xml:id="p148" end="00:13:16.012">Die Milizen stellen Mitglieder<br />christlicher Kirchen vor die Wahl,</p>
      <p begin="00:13:16.116" xml:id="p149" end="00:13:22.100">entweder zum Islam zu konvertieren oder ihre<br />Heimat und Existenzgrundlage aufzugeben,</p>
      <p begin="00:13:22.212" xml:id="p150" end="00:13:24.820">andernfalls drohe ihnen der Tod.</p>
      <p begin="00:13:24.974" xml:id="p151" end="00:13:31.533">Die Existenz einer gesamten Glaubensgemeinschaft,<br />die der Jesiden, war zeitweise gefährdet.</p>
      <p begin="00:13:31.636" xml:id="p152" end="00:13:38.332">Die dramatischen Bilder von der Situation auf dem<br />Sindschargebirge haben wir alle noch vor Augen:</p>
      <p begin="00:13:38.420" xml:id="p153" end="00:13:45.381">die eingekesselte Menge, die ums Überleben ringenden<br />Männer und Frauen, die verdurstenden Kinder.</p>
      <p begin="00:13:45.467" xml:id="p154" end="00:13:48.964">Am Ende haben kurdische<br />Kräfte mutig eingegriffen,</p>
      <p begin="00:13:49.030" xml:id="p155" end="00:13:53.828">flankiert von entschlossener Luftunterstützung<br />der Vereinigten Staaten von Amerika.</p>
      <p begin="00:13:53.925" xml:id="p156" end="00:13:59.316">Nur so konnte einem Großteil der Jesiden<br />die Flucht aus den Bergen gelingen.</p>
      <p begin="00:13:59.407" xml:id="p157" end="00:14:02.740">Aber nicht nur die<br />Minderheiten sind bedroht,</p>
      <p begin="00:14:02.812" xml:id="p158" end="00:14:07.973">sondern auch schiitische Muslime und Sunniten,<br />die sich dem Terror entgegenstellen.</p>
      <p begin="00:14:08.092" xml:id="p159" end="00:14:14.117">Jeder, der sich gegen die Terrorgruppe ISIS<br />wehrt, muss mit dem Schlimmsten rechnen.</p>
      <p begin="00:14:14.203" xml:id="p160" end="00:14:23.309">Hier wird eine Religion in furchtbarer Weise missbraucht,<br />um Mord, Terror und Herrschaftsanspruch zu legitimieren.</p>
      <p begin="00:14:23.382" xml:id="p161" end="00:14:27.860">Über 1 Million Menschen sind inzwischen<br />auf der Flucht vor dem Terror.</p>
      <p begin="00:14:27.916" xml:id="p162" end="00:14:32.308">Hunderttausende haben Schutz im<br />kurdischen Norden des Irak gefunden,</p>
      <p begin="00:14:32.405" xml:id="p163" end="00:14:35.396">aber auch in Teilen Syriens<br />und in der Türkei.</p>
      <p begin="00:14:35.466" xml:id="p164" end="00:14:41.221">Die kurdische Autonomieregierung stößt mit der<br />immensen Zahl an Flüchtlingen an ihre Grenzen.</p>
      <p begin="00:14:41.277" xml:id="p165" end="00:14:48.637">Es mangelt an allem. Es fehlen Unterkünfte,<br />Lebensmittel, medizinische Versorgung.</p>
      <p begin="00:14:48.723" xml:id="p166" end="00:14:52.629">Es droht eine humanitäre Katastrophe.</p>
      <p begin="00:14:52.725" xml:id="p167" end="00:15:01.492">Die Terrorgruppe ISIS demonstriert Tag für Tag und Zug<br />um Zug einen grenzüberschreitenden Herrschaftsanspruch.</p>
      <p begin="00:15:01.566" xml:id="p168" end="00:15:10.756">Mit modernen Waffen und erbeuteten Finanzmitteln agiert<br />ISIS in Syrien und im Irak inzwischen auf einer Fläche,</p>
      <p begin="00:15:10.845" xml:id="p169" end="00:15:17.597">die größer als halb Deutschland ist, und die<br />Terrormilizen setzen ihren Vormarsch fort.</p>
      <p begin="00:15:17.718" xml:id="p170" end="00:15:23.957">ISIS schwebt ein Kalifat vor, das bis zum<br />Mittelmeer reichen soll und Jerusalem einschließt.</p>
      <p begin="00:15:24.180" xml:id="p171" end="00:15:28.405">Die Terrorgruppe hat sich eigene<br />finanzielle Einnahmequellen geschaffen.</p>
      <p begin="00:15:28.562" xml:id="p172" end="00:15:33.476">Dies führt entscheidend mit zu ihrer<br />Stärke und macht sie so gefährlich.</p>
      <p begin="00:15:33.543" xml:id="p173" end="00:15:37.340">Die Kämpfer gehen<br />unvorstellbar grausam vor.</p>
      <p begin="00:15:37.392" xml:id="p174" end="00:15:42.757">UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay spricht<br />von Verbrechen gegen die Menschlichkeit;</p>
      <p begin="00:15:42.846" xml:id="p175" end="00:15:50.260">in den Gebieten, in denen ISIS agiert, würden<br />ethnische und religiöse Säuberungen durchgeführt.</p>
      <p begin="00:15:50.341" xml:id="p176" end="00:15:57.092">Darüber hinaus steht der Irak durch das expandierende<br />Terrorregime von ISIS vor einer Zerreißprobe.</p>
      <p begin="00:15:57.205" xml:id="p177" end="00:16:04.206">Es droht eine weitere Destabilisierung der<br />ohnehin schon politisch fragilen Region.</p>
      <p begin="00:16:04.206" xml:id="p178" end="00:16:11.104">Längst spüren auch Libanon, Jordanien und<br />die Türkei die Auswirkungen des Terrors.</p>
      <p begin="00:16:11.164" xml:id="p179" end="00:16:20.327">Eine so weitreichende Destabilisierung einer ganzen<br />Region wirkt sich auch auf Deutschland und Europa aus.</p>
      <p begin="00:16:20.401" xml:id="p180" end="00:16:24.528">Meine Damen und Herren, wenn<br />Terroristen ein Gebiet unterjochen,</p>
      <p begin="00:16:24.615" xml:id="p181" end="00:16:29.559">um dort ein stabiles Fundament für ihre<br />Schreckensherrschaft und einen Rückzugsort für sich</p>
      <p begin="00:16:29.559" xml:id="p182" end="00:16:33.890">und andere Fanatiker zu schaffen,<br />dann wächst auch für uns die Gefahr;</p>
      <p begin="00:16:33.978" xml:id="p183" end="00:16:37.554">dann sind unsere<br />Sicherheitsinteressen betroffen.</p>
      <p begin="00:16:37.646" xml:id="p184" end="00:16:45.586">Zudem schließen sich Dschihadisten aus vielen Ländern<br />auch aus europäischen Staaten der Terrorgruppe an.</p>
      <p begin="00:16:45.673" xml:id="p185" end="00:16:50.753">Mehr als 400 Deutsche sind<br />mittlerweile in die Region gereist.</p>
      <p begin="00:16:50.818" xml:id="p186" end="00:16:57.834">Schätzungen zufolge liegt die Zahl der europäischen Kämpfer<br />in den Reihen der ISIS insgesamt im vierstelligen Bereich.</p>
      <p begin="00:16:57.928" xml:id="p187" end="00:17:01.297">Dies liegt in unserem<br />Verantwortungsbereich.</p>
      <p begin="00:17:01.386" xml:id="p188" end="00:17:05.913">Wir müssen zudem befürchten, dass diese<br />Kämpfer eines Tages zurückkehren</p>
      <p begin="00:17:05.993" xml:id="p189" end="00:17:09.058">und unsere Sicherheit auch<br />ganz unmittelbar bedrohen.</p>
      <p begin="00:17:09.154" xml:id="p190" end="00:17:13.722">Die Gefahr ist seit Monaten ein Thema<br />in der öffentlichen Diskussion.</p>
      <p begin="00:17:13.810" xml:id="p191" end="00:17:19.835">Der ISIS-Terror kann uns deshalb in vielerlei<br />Hinsicht auf keinen Fall kaltlassen.</p>
      <p begin="00:17:19.908" xml:id="p192" end="00:17:22.849">Seine Expansion muss aufgehalten werden.</p>
      <p begin="00:17:22.939" xml:id="p193" end="00:17:27.346">Darüber sind wir uns in der NATO und<br />in der Europäischen Union einig.</p>
      <p begin="00:17:28.875" xml:id="p194" end="00:17:33.808">Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat <br />am 15. August 2014 eine Resolution verabschiedet.</p>
      <p begin="00:17:33.888" xml:id="p195" end="00:17:36.520">Sie brandmarkt die Terrorgruppe ISIS,</p>
      <p begin="00:17:36.612" xml:id="p196" end="00:17:42.800">verurteilt ihre Gewalttaten auf das Schärfste<br />und sieht Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung vor.</p>
      <p begin="00:17:42.882" xml:id="p197" end="00:17:50.008">In der von Deutschland mit einberufenen Sondersitzung<br />der EU-Außenminister wurde die Unterstützung</p>
      <p begin="00:17:50.098" xml:id="p198" end="00:17:56.112">durch einzelne Mitgliedstaaten für die kurdischen<br />Streitkräfte im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS begrüßt.</p>
      <p begin="00:17:56.216" xml:id="p199" end="00:17:59.088">Für die Bundesregierung ist klar:</p>
      <p begin="00:17:59.168" xml:id="p200" end="00:18:04.625">In erster Linie muss die Not Hunderttausender<br />Flüchtlinge gelindert werden.</p>
      <p begin="00:18:04.721" xml:id="p201" end="00:18:13.955">Wir konnten dank der engen Koordination der Ressorts schnell<br />auf den Hilferuf der kurdischen Regionalregierung reagieren.</p>
      <p begin="00:18:14.047" xml:id="p202" end="00:18:21.801">Bereits mehr als 150 Tonnen Hilfsgüter wurden von der<br />Bundeswehr nach Arbil in den Norden Iraks ausgeflogen.</p>
      <p begin="00:18:21.889" xml:id="p203" end="00:18:30.672">Aktuell haben wir insgesamt rund 50 Millionen Euro an<br />humanitärer Hilfe schon aufgewendet und neu zugesagt.</p>
      <p begin="00:18:30.742" xml:id="p204" end="00:18:34.632">Das ist dringend benötigte Soforthilfe.</p>
      <p begin="00:18:34.789" xml:id="p205" end="00:18:39.665">All dies ist wichtig, und dort,<br />wo Menschen in Not sind,</p>
      <p begin="00:18:39.738" xml:id="p206" end="00:18:44.807">werden wir helfen auch durch die<br />zusätzliche Aufnahme von Flüchtlingen.</p>
      <p begin="00:18:44.807" xml:id="p207" end="00:18:54.532">Applaus</p>
      <p begin="00:18:54.645" xml:id="p208" end="00:18:57.612">Unsere Politik muss aber in<br />erster Linie darauf abzielen,</p>
      <p begin="00:18:57.685" xml:id="p209" end="00:19:02.068">dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben<br />und dort in Sicherheit leben können.</p>
      <p begin="00:19:02.157" xml:id="p210" end="00:19:08.285">Es gilt, die Not der Menschen nicht nur zu<br />lindern, sondern sie auch zu verhindern.</p>
      <p begin="00:19:08.285" xml:id="p211" end="00:19:16.685">Applaus</p>
      <p begin="00:19:16.757" xml:id="p212" end="00:19:22.916">Gemeinsam mit den Einheiten der irakischen<br />Armee und den USA versuchen die Peschmerga,</p>
      <p begin="00:19:23.021" xml:id="p213" end="00:19:26.829">das weitere Vorrücken der<br />Terrorgruppe ISIS abzuwehren.</p>
      <p begin="00:19:26.927" xml:id="p214" end="00:19:29.525">Wir können dankbar dafür sein.</p>
      <p begin="00:19:29.582" xml:id="p215" end="00:19:36.347">Sie setzen sich hohen Risiken aus, um etwas zu<br />erreichen, das auch in unserem Interesse ist.</p>
      <p begin="00:19:36.347" xml:id="p216" end="00:19:43.450">Applaus</p>
      <p begin="00:19:43.554" xml:id="p217" end="00:19:47.548">Ebenso wie einige unserer EU-Partner<br />hat die Bundesregierung beschlossen</p>
      <p begin="00:19:47.637" xml:id="p218" end="00:19:54.107">- auf Bitten der kurdischen Regionalregierung und<br />mit Zustimmung der irakischen Zentralregierung - ,</p>
      <p begin="00:19:54.181" xml:id="p219" end="00:19:57.883">weitergehende, umfassende Hilfe zu leisten.</p>
      <p begin="00:19:57.963" xml:id="p220" end="00:20:04.548">Wir stimmen uns dazu mit den EU-Mitgliedstaaten, den USA<br />und unseren anderen Partnern in der Welt engstens ab.</p>
      <p begin="00:20:04.640" xml:id="p221" end="00:20:10.627">Es besteht dringender Bedarf an militärischer<br />Ausrüstung wie Schutzwesten, Helmen und Funkgeräten.</p>
      <p begin="00:20:10.688" xml:id="p222" end="00:20:16.628">Darum kümmern wir uns, und wir sind<br />auch bereit, in begrenztem Umfang</p>
      <p begin="00:20:16.688" xml:id="p223" end="00:20:23.532">und in enger Abstimmung mit unseren Partnern den<br />Streitkräften der autonomen Region Irakisch-Kurdistan</p>
      <p begin="00:20:23.686" xml:id="p224" end="00:20:28.587">Waffen und Munition für den Kampf gegen<br />die ISIS-Terrormiliz bereitzustellen.</p>
      <p begin="00:20:28.663" xml:id="p225" end="00:20:37.060">Um diese zu liefern, nutzen die zuständen Ressorts innerhalb der<br />Bundesregierung ihren politischen und rechtlichen Spielraum.</p>
      <p begin="00:20:37.172" xml:id="p226" end="00:20:44.836">Es geht dabei um die Abgabe von militärischer<br />Ausrüstung, also von Fahrzeugen, Waffen und Munition,</p>
      <p begin="00:20:44.991" xml:id="p227" end="00:20:47.688">aus vorhandenen Beständen der Bundeswehr.</p>
      <p begin="00:20:47.688" xml:id="p228" end="00:20:52.538">Die Abgabe erfolgt im Einverständnis<br />mit der irakischen Zentralregierung</p>
      <p begin="00:20:52.626" xml:id="p229" end="00:20:57.554">an die Streitkräfte der autonomen<br />Region Irakisch-Kurdistan.</p>
      <p begin="00:20:57.649" xml:id="p230" end="00:21:04.345">Die Einzelheiten dieser Hilfsleistungen haben wir Ihnen,<br />liebe Kolleginnen und Kollegen, gesondert übermittelt,</p>
      <p begin="00:21:04.434" xml:id="p231" end="00:21:09.337">und sie wurden im Verteidigungsausschuss und<br />auch im Auswärtigen Ausschuss vorgestellt.</p>
      <p begin="00:21:09.425" xml:id="p232" end="00:21:13.226">Diese Entscheidung ist weitreichend.</p>
      <p begin="00:21:13.322" xml:id="p233" end="00:21:21.337">Wir haben sehr sorgsam abgewogen und dabei sämtliche<br />außen- und sicherheitspolitischen Aspekte beleuchtet.</p>
      <p begin="00:21:21.465" xml:id="p234" end="00:21:28.193">Wir standen vor der Wahl, kein<br />Risiko einzugehen, nicht zu liefern</p>
      <p begin="00:21:28.265" xml:id="p235" end="00:21:34.394">und letztlich die Ausbreitung des Terrors<br />hinzunehmen oder diejenigen zu unterstützen,</p>
      <p begin="00:21:34.482" xml:id="p236" end="00:21:41.609">die verzweifelt, aber mutig mit knappsten<br />Ressourcen gegen den grausamen ISIS-Terror kämpfen.</p>
      <p begin="00:21:41.682" xml:id="p237" end="00:21:46.418">Uns sind die Risiken einer<br />solchen Unterstützung bewusst.</p>
      <p begin="00:21:46.477" xml:id="p238" end="00:21:49.202">Wir haben sie natürlich bedacht.</p>
      <p begin="00:21:49.291" xml:id="p239" end="00:21:52.362">Umgekehrt haben wir aber auch gefragt:</p>
      <p begin="00:21:52.434" xml:id="p240" end="00:21:57.938">Was ist mit den akuten Risiken, die<br />von der Terrorgruppe ISIS ausgehen,</p>
      <p begin="00:21:58.034" xml:id="p241" end="00:22:01.490">wenn wir jetzt keine Waffen<br />und keine Munition liefern?</p>
      <p begin="00:22:01.645" xml:id="p242" end="00:22:09.674">Können wir wirklich warten und hoffen, dass<br />andere sich dieser akuten Gefahr stellen? Nein.</p>
      <p begin="00:22:09.741" xml:id="p243" end="00:22:14.553">Dies entspricht nicht unserer Vorstellung<br />von Verantwortung in dieser Situation.</p>
      <p begin="00:22:14.641" xml:id="p244" end="00:22:18.313">Das immense Leid vieler<br />Menschen schreit zum Himmel,</p>
      <p begin="00:22:18.466" xml:id="p245" end="00:22:21.842">und unsere eigenen<br />Sicherheitsinteressen sind bedroht.</p>
      <p begin="00:22:21.938" xml:id="p246" end="00:22:28.946">Das, was ist, wiegt in diesem Falle<br />schwerer als das, was sein könnte.</p>
      <p begin="00:22:29.034" xml:id="p247" end="00:22:34.433">Wir haben jetzt die Chance, mitzuhelfen, eine<br />menschenverachtende Terrorgruppe zu stoppen</p>
      <p begin="00:22:34.522" xml:id="p248" end="00:22:37.729">und ihre weitere Ausbreitung abzuwenden.</p>
      <p begin="00:22:37.785" xml:id="p249" end="00:22:45.346">Wir haben jetzt die Chance, das Leben von Menschen zu<br />retten und weitere Massenmorde im Irak zu verhindern.</p>
      <p begin="00:22:45.425" xml:id="p250" end="00:22:52.506">Wir haben jetzt die Chance, zu verhindern, dass Terroristen<br />sich einen neuen, sicheren Rückzugsort schaffen</p>
      <p begin="00:22:52.595" xml:id="p251" end="00:22:56.418">und von dort Hass und<br />Gewalt in die Welt tragen.</p>
      <p begin="00:22:56.489" xml:id="p252" end="00:22:59.106">Diese Chance müssen wir nutzen.</p>
      <p begin="00:22:59.170" xml:id="p253" end="00:23:01.250">Ich betone noch einmal:</p>
      <p begin="00:23:01.414" xml:id="p254" end="00:23:08.249">Die Lieferung militärischer Ausrüstung wird mit dem<br />Einverständnis der irakischen Zentralregierung erfolgen.</p>
      <p begin="00:23:08.307" xml:id="p255" end="00:23:13.641">Uns liegt es fern, zentrifugale<br />Kräfte im Irak zu unterstützen.</p>
      <p begin="00:23:13.755" xml:id="p256" end="00:23:21.370">Ganz im Gegenteil: Im Kern geht es darum, das<br />irakische Staatsgefüge vor einem Zerfall zu bewahren.</p>
      <p begin="00:23:21.463" xml:id="p257" end="00:23:28.625">Der entscheidende Schlüssel dazu liegt in einem politischen<br />Prozess, der alle Bevölkerungsgruppen einbezieht.</p>
      <p begin="00:23:28.684" xml:id="p258" end="00:23:32.154">Der Irak braucht einen<br />Prozess der Aussöhnung.</p>
      <p begin="00:23:32.210" xml:id="p259" end="00:23:39.010">Die Marginalisierung großer Teile der Bevölkerung,<br />allen voran der Sunniten, muss aufhören.</p>
      <p begin="00:23:39.098" xml:id="p260" end="00:23:44.073">Es geht darum, den enttäuschten<br />sunnitischen Stämmen und anderen Gruppen</p>
      <p begin="00:23:44.154" xml:id="p261" end="00:23:49.938">einschließlich der Kurden einen angemessenen<br />Platz in ihrem Staats- und Gemeinwesen zu geben.</p>
      <p begin="00:23:50.026" xml:id="p262" end="00:23:55.226">Es geht darum, dem Extremismus<br />schon im Ansatz entgegenzuwirken.</p>
      <p begin="00:23:55.331" xml:id="p263" end="00:24:00.505">Es geht auch darum, verfassungsrechtlich<br />garantierte Rechte,</p>
      <p begin="00:24:00.601" xml:id="p264" end="00:24:04.857">beispielsweise für die autonome kurdische<br />Regionalregierung, einzuhalten.</p>
      <p begin="00:24:06.233" xml:id="p265" end="00:24:11.540">Dies sind große Herausforderungen für den<br />designierten irakischen Premierminister al-Abadi.</p>
      <p begin="00:24:11.620" xml:id="p266" end="00:24:18.341">Die Bundesregierung steht bereit, den Irak bei der<br />Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen.</p>
      <p begin="00:24:18.421" xml:id="p267" end="00:24:25.796">Denn es bleibt dabei: Kein Konflikt dieser<br />Welt lässt sich allein militärisch lösen.</p>
      <p begin="00:24:25.885" xml:id="p268" end="00:24:30.165">Wirklich dauerhaft lösen lassen<br />sich Konflikte nur politisch,</p>
      <p begin="00:24:30.253" xml:id="p269" end="00:24:33.892">so wie wir es in Europa erfahren haben</p>
      <p begin="00:24:33.981" xml:id="p270" end="00:24:39.660">durch den europäischen Integrationsprozess<br />nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.</p>
      <p begin="00:24:39.772" xml:id="p271" end="00:24:41.332">Herzlichen Dank.</p>

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