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<p begin="00:00:01.729" xml:id="p0" end="00:00:03.798">BK’in Merkel: Meine Damen<br />und Herren, ich freue mich,</p>
      <p begin="00:00:03.798" xml:id="p1" end="00:00:08.097">Donald Tusk heute in<br />Berlin begrüßen zu können.</p>
      <p begin="00:00:08.097" xml:id="p2" end="00:00:11.296">Wir sind in einem sehr engen Austausch,</p>
      <p begin="00:00:11.296" xml:id="p3" end="00:00:14.896">sei es telefonisch, sei es<br />durch gegenseitige Besuche,</p>
      <p begin="00:00:15.196" xml:id="p4" end="00:00:18.096">und dies natürlich ganz<br />besonders in Zeiten,</p>
      <p begin="00:00:18.096" xml:id="p5" end="00:00:23.797">in denen so ernsthafte Probleme zu bewältigen<br />sind wie die im Zusammenhang mit der Ukraine</p>
      <p begin="00:00:24.097" xml:id="p6" end="00:00:31.390">und der Rolle Russlands sowie unserer<br />Bemühungen um einen vernünftigen Weg.</p>
      <p begin="00:00:31.390" xml:id="p7" end="00:00:35.044">Wir werden heute über zwei<br />Themenkomplexe sprechen.</p>
      <p begin="00:00:35.044" xml:id="p8" end="00:00:38.945">Das eine ist die aktuelle<br />Situation in der Ukraine.</p>
      <p begin="00:00:38.945" xml:id="p9" end="00:00:44.046">Ich habe heute Morgen mit dem<br />russischen Präsidenten gesprochen</p>
      <p begin="00:00:44.046" xml:id="p10" end="00:00:47.045">und von meiner Seite aus noch<br />einmal deutlich gemacht,</p>
      <p begin="00:00:47.045" xml:id="p11" end="00:00:52.445">dass einerseits die Ukraine eine ganze<br />Reihe von Schritten unternommen hat,</p>
      <p begin="00:00:52.745" xml:id="p12" end="00:00:54.845">um den Genfer Prozess umzusetzen,</p>
      <p begin="00:00:55.145" xml:id="p13" end="00:01:00.844">dass mir auf der anderen Seite das russische<br />Bekenntnis zu dem Prozess von Genf fehlt</p>
      <p begin="00:01:01.144" xml:id="p14" end="00:01:06.246">und dass das natürlich auch eine Wirkung<br />auf die Separatisten in der Ukraine hat.</p>
      <p begin="00:01:06.544" xml:id="p15" end="00:01:12.545">Russland hätte davon bin ich<br />zutiefst überzeugt die Möglichkeit,</p>
      <p begin="00:01:12.545" xml:id="p16" end="00:01:19.745">die Separatisten in der Ukraine auf einen<br />friedlichen Weg der Verfassungsdiskussion</p>
      <p begin="00:01:20.045" xml:id="p17" end="00:01:21.845">und der Wahlvorbereitung zu bringen.</p>
      <p begin="00:01:21.845" xml:id="p18" end="00:01:25.445">Solche Signale sind bis<br />jetzt leider ausgeblieben.</p>
      <p begin="00:01:25.445" xml:id="p19" end="00:01:29.645">Zum Zweiten werden wir<br />deshalb agieren müssen.</p>
      <p begin="00:01:29.944" xml:id="p20" end="00:01:36.544">Ich denke, das wird eine gemeinsame europäische Aktion<br />und eine gemeinsame Aktion der G7-Staaten sein.</p>
      <p begin="00:01:36.845" xml:id="p21" end="00:01:43.746">Das heißt: Angesichts der mangelnden Fortschritte setzen<br />wir einerseits weiter auf den diplomatischen Prozess.</p>
      <p begin="00:01:43.746" xml:id="p22" end="00:01:48.915">Wir brauchen eine vernünftige<br />Vorbereitung der Wahlen in der Ukraine.</p>
      <p begin="00:01:48.915" xml:id="p23" end="00:01:51.096">Das ist zurzeit nicht gewährleistet.</p>
      <p begin="00:01:51.096" xml:id="p24" end="00:01:59.795">Auf der anderen Seite müssen wir angesichts der<br />nicht eingetretenen Erfolge auch darüber nachdenken</p>
      <p begin="00:02:00.095" xml:id="p25" end="00:02:02.495">und nicht nur darüber nachdenken,<br />sondern auch dazu kommen,</p>
      <p begin="00:02:02.495" xml:id="p26" end="00:02:06.395">im Rahmen der Stufe 2 weitere<br />Sanktionen ins Auge zu fassen.</p>
      <p begin="00:02:06.695" xml:id="p27" end="00:02:11.695">Hierzu werden sich die Außenminister der<br />Europäischen Union baldmöglichst treffen.</p>
      <p begin="00:02:11.695" xml:id="p28" end="00:02:14.880">Dazu werden Sie sicherlich<br />bald Informationen erhalten.</p>
      <p begin="00:02:14.880" xml:id="p29" end="00:02:21.180">Neben der aktuellen Entwicklung werden<br />Donald Tusk und ich heute darüber sprechen,</p>
      <p begin="00:02:21.180" xml:id="p30" end="00:02:26.880">wie die polnischen Vorschläge einer engeren<br />Energiezusammenarbeit zu bewerten sind.</p>
      <p begin="00:02:27.180" xml:id="p31" end="00:02:29.580">Ich unterstützte diese<br />Vorschläge im Grundsatz.</p>
      <p begin="00:02:29.580" xml:id="p32" end="00:02:35.280">Wir müssen jetzt nur schauen, wie wir<br />die operativen Punkte vorantreiben.</p>
      <p begin="00:02:35.280" xml:id="p33" end="00:02:37.680">Dazu dient auch der heutige Besuch.</p>
      <p begin="00:02:37.680" xml:id="p34" end="00:02:42.780">Wir brauchen einen gemeinsamen Energiebinnenmarkt,<br />wir brauchen eine gemeinsame Struktur.</p>
      <p begin="00:02:42.780" xml:id="p35" end="00:02:49.081">Dass wir heute schon Gas aus der Slowakei zurück in<br />die Ukraine leiten können, ist ein erstes Ergebnis.</p>
      <p begin="00:02:49.081" xml:id="p36" end="00:02:55.080">Jetzt geht es darum, wie wir unsere europäische<br />Kraft sowohl im privatwirtschaftlichen Bereich,</p>
      <p begin="00:02:55.380" xml:id="p37" end="00:02:57.480">wenn ich an die<br />Energieversorgungsunternehmen denke,</p>
      <p begin="00:02:57.480" xml:id="p38" end="00:03:01.680">als auch im staatlichen Bereich noch besser<br />bündeln können, um auch deutlich zu machen:</p>
      <p begin="00:03:01.680" xml:id="p39" end="00:03:04.980">Unser Binnenmarkt ist nicht nur<br />ein Binnenmarkt von Waren,</p>
      <p begin="00:03:04.980" xml:id="p40" end="00:03:07.979">sondern auch ein Binnenmarkt einer<br />gemeinsamen Energiepolitik.</p>
      <p begin="00:03:07.979" xml:id="p41" end="00:03:13.380">Eine solche Energiepolitik muss<br />diversifizierter sein, als sie es bisher war.</p>
      <p begin="00:03:13.380" xml:id="p42" end="00:03:17.281">Ich freue mich auf unser<br />gemeinsames Gespräch.</p>
      <p begin="00:03:17.281" xml:id="p43" end="00:03:20.880">– Herzlich willkommen, Herr<br />Ministerpräsident, lieber Donald!</p>
      <p begin="00:03:24.235" xml:id="p44" end="00:03:28.880">MP Tusk: Danke für die Möglichkeit<br />des heutigen Gesprächs.</p>
      <p begin="00:03:28.880" xml:id="p45" end="00:03:30.242">Wir beide haben uns diesen 25.<br />Jahrestag des Mauerfalls</p>
      <p begin="00:03:31.193" xml:id="p46" end="00:03:44.099">und den 25. Jahrestag der Solidarność<br />eigentlich anders vorgestellt.</p>
      <p begin="00:03:44.099" xml:id="p47" end="00:03:45.499">Wir haben ja nicht gedacht,</p>
      <p begin="00:03:45.499" xml:id="p48" end="00:03:55.398">dass der Bedarf nach Solidarität östlich von unseren<br />europäischen Grenzen so radikal sichtbar sein wird,</p>
      <p begin="00:03:55.398" xml:id="p49" end="00:04:01.998">was eine große Herausforderung für die Polen<br />und für die Deutschen dargestellt hat,</p>
      <p begin="00:04:01.998" xml:id="p50" end="00:04:05.298">insbesondere für diejenigen Deutschen<br />aus dem östlichen Teil Deutschlands,</p>
      <p begin="00:04:05.298" xml:id="p51" end="00:04:07.098">was die Frau Bundeskanzlerin<br />am besten weiß.</p>
      <p begin="00:04:07.398" xml:id="p52" end="00:04:11.598">Was der größte Traum und auch<br />die größte Hoffnung war,</p>
      <p begin="00:04:11.898" xml:id="p53" end="00:04:19.098">das war die Rückkehr zu einer Welt der Werte,<br />in der die Werte keine bloßen Slogans sind,</p>
      <p begin="00:04:19.098" xml:id="p54" end="00:04:24.240">sondern in der sie das Leben der Völker und<br />der einzelnen Bürgerinnen und Bürger ordnen.</p>
      <p begin="00:04:24.240" xml:id="p55" end="00:04:27.239">Ich meine hiermit die Freiheit,<br />die Achtung der Menschenrechte</p>
      <p begin="00:04:27.239" xml:id="p56" end="00:04:30.839">und das Aufgeben von Gewalt in<br />den internationalen Beziehungen,</p>
      <p begin="00:04:30.839" xml:id="p57" end="00:04:33.539">also alles, was das Fundament der<br />Europäischen Union darstellt.</p>
      <p begin="00:04:33.539" xml:id="p58" end="00:04:35.329">Wir sind der Auffassung,</p>
      <p begin="00:04:35.329" xml:id="p59" end="00:04:43.438">dass wir heute ganz besonders<br />konsequent sein müssen im Schutz dieses Erbes</p>
      <p begin="00:04:43.438" xml:id="p60" end="00:04:47.860">und im Aufbau der nächsten Phase<br />der europäischen Solidarität.</p>
      <p begin="00:04:47.860" xml:id="p61" end="00:04:50.336">Ich möchte aber auch sagen:</p>
      <p begin="00:04:50.336" xml:id="p62" end="00:04:56.959">da ich mich hier in Berlin befinde, <br />das möchte ich hier ganz besonders unterstreichen,</p>
      <p begin="00:04:57.259" xml:id="p63" end="00:05:01.859">In den letzten Jahren hat besonders<br />die Frau Bundeskanzlerin darum gekämpft,</p>
      <p begin="00:05:02.159" xml:id="p64" end="00:05:04.223">dass es ein stabiles Europa gibt.</p>
      <p begin="00:05:04.223" xml:id="p65" end="00:05:06.917">Das hing mit der Finanzmarktkrise<br />zusammen, aber nicht nur,</p>
      <p begin="00:05:06.917" xml:id="p66" end="00:05:10.022">sondern auch mit einer<br />ernsthaften Wirtschaftskrise.</p>
      <p begin="00:05:10.022" xml:id="p67" end="00:05:15.722">Die Stabilität der Eurozone und von<br />ganz Europa war das Ziel Nummer 1.</p>
      <p begin="00:05:15.722" xml:id="p68" end="00:05:18.122">Das war die erste Herausforderung.</p>
      <p begin="00:05:18.423" xml:id="p69" end="00:05:25.022">Dann konnte man diese Probleme hier in Berlin<br />dank der Frau Bundeskanzlerin wirksam lösen.</p>
      <p begin="00:05:25.022" xml:id="p70" end="00:05:26.223">Ich bin der Auffassung:</p>
      <p begin="00:05:26.223" xml:id="p71" end="00:05:30.722">Die größte Herausforderung <br />von heute ist ein sicheres Europa.</p>
      <p begin="00:05:30.722" xml:id="p72" end="00:05:36.922">Eines der Elemente, die ein<br />sicheres Europa garantieren,</p>
      <p begin="00:05:36.922" xml:id="p73" end="00:05:41.122">ist neben der Stabilität die Energieunabhängigkeit.</p>
      <p begin="00:05:41.122" xml:id="p74" end="00:05:46.222">Darüber werden wir uns unterhalten,<br />auch im Bewusstsein dessen,</p>
      <p begin="00:05:46.222" xml:id="p75" end="00:05:50.723">dass verschiedene Staaten hierbei unterschiedliche<br />Interessen und unterschiedliche Ansichten vertreten können.</p>
      <p begin="00:05:50.723" xml:id="p76" end="00:05:57.022">Aber unsere Aufgabe ist es, <br />hier vernünftig das zu koordinieren,</p>
      <p begin="00:05:57.022" xml:id="p77" end="00:06:01.521">was gemeinsam getan werden kann, auch im<br />Rahmen dieser gemeinsamen Energiepolitik.</p>
      <p begin="00:06:01.521" xml:id="p78" end="00:06:05.217">Ich bin damit einverstanden. <br />Wie wir es in Polen manchmal sagen:</p>
      <p begin="00:06:05.217" xml:id="p79" end="00:06:07.382">Der Teufel steckt im Detail!</p>
      <p begin="00:06:07.382" xml:id="p80" end="00:06:12.812">Man muss sich also gegenseitig<br />beschreiben, was gemeinsam zu tun ist,</p>
      <p begin="00:06:12.812" xml:id="p81" end="00:06:17.138">damit eine Energieunion aufgebaut werden kann,<br />in der sich auch alle wohlfühlen können</p>
      <p begin="00:06:17.138" xml:id="p82" end="00:06:22.238">und in der das nicht auf<br />Kosten von einzelnen passiert.</p>
      <p begin="00:06:22.238" xml:id="p83" end="00:06:28.838">Die Parole „Einer für alle, alle für einen“<br />muss sich auch hierin widerspiegeln können.</p>
      <p begin="00:06:28.838" xml:id="p84" end="00:06:37.238">Ich möchte auch ganz besonders betonen,<br />und diese 25 Jahre, die vergangen sind,</p>
      <p begin="00:06:37.238" xml:id="p85" end="00:06:38.437">verpflichten uns geradezu dazu:</p>
      <p begin="00:06:38.437" xml:id="p86" end="00:06:45.195">Europa darf nicht ratlos sein gegenüber<br />Gewalt, gegenüber einer aggressiven Politik,</p>
      <p begin="00:06:45.195" xml:id="p87" end="00:06:47.794">die wir jetzt im Osten erfahren.</p>
      <p begin="00:06:47.794" xml:id="p88" end="00:06:54.993">Wir haben eine „soft power“ aufgebaut,<br />und zwar die Spezialität Europas.</p>
      <p begin="00:06:54.993" xml:id="p89" end="00:06:59.222">Diese „soft power“ ist, dass man<br />gewissen Werten gegenüber treu ist</p>
      <p begin="00:06:59.222" xml:id="p90" end="00:07:03.421">und dass es Solidarität gegenüber <br />Menschen gibt, deren Freiheit bedroht ist.</p>
      <p begin="00:07:03.421" xml:id="p91" end="00:07:06.765">Wenn wir heute nicht bereit sind,</p>
      <p begin="00:07:09.518" xml:id="p92" end="00:07:14.569">diese Werte hart außerhalb <br />der Grenzen der EU zu verteidigen</p>
      <p begin="00:07:14.569" xml:id="p93" end="00:07:16.968">niemand wünscht sich<br />einen militärischen Konflikt ,</p>
      <p begin="00:07:16.968" xml:id="p94" end="00:07:24.506">dann müssen wir umso mehr bereit sein, uns<br />gegenüber dieser „soft power“ treu zu zeigen,</p>
      <p begin="00:07:24.506" xml:id="p95" end="00:07:28.791">also gegenüber diesen Werte, die das<br />Fundament der Europäischen Union darstellen.</p>
      <p begin="00:07:28.791" xml:id="p96" end="00:07:33.193">Wenn wir an die Ukraine denken,<br />sollten wir auch dies bedenken.</p>
      <p begin="00:07:33.193" xml:id="p97" end="00:07:35.186">Das, was in der Ukraine passiert ist</p>
      <p begin="00:07:35.186" xml:id="p98" end="00:07:40.063">und weiterhin passiert, ist<br />vielleicht eine permanente Krise.</p>
      <p begin="00:07:40.063" xml:id="p99" end="00:07:42.463">Vielleicht ist es deshalb notwendig,</p>
      <p begin="00:07:42.463" xml:id="p100" end="00:07:48.885">dass wir als Europäische Union eine neue<br />Politik gegenüber dem Osten betreiben.</p>
      <p begin="00:07:48.885" xml:id="p101" end="00:07:53.684">Es geht um eine neue Dimension<br />der europäischen Solidarität.</p>
      <p begin="00:07:53.684" xml:id="p102" end="00:07:56.684">Manche meinen, „business as<br />usual“ sei weiterhin möglich.</p>
      <p begin="00:07:56.984" xml:id="p103" end="00:08:01.483">Es sei irgendetwas passiert, aber im Grunde<br />genommen könnte man so weitermachen,</p>
      <p begin="00:08:01.483" xml:id="p104" end="00:08:02.685">wie wir es bislang gemacht haben.</p>
      <p begin="00:08:02.685" xml:id="p105" end="00:08:06.284">- Ich kann mir nicht vorstellen,<br />dass Europa diese Position vertritt.</p>
      <p begin="00:08:06.584" xml:id="p106" end="00:08:10.184">Sicherlich müssen wir neue Schlussfolgerungen<br />aus einer neuen Situation ziehen,</p>
      <p begin="00:08:10.184" xml:id="p107" end="00:08:11.887">und darüber wollen wir<br />uns heute unterhalten.</p>

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