Überschuldung vermeiden

Verbraucherfinanzen

Überschuldung vermeiden

Aktuelle Zahlen weisen darauf hin: Überschuldung ist ein ernst zu nehmendes Problem. Sie kann Menschen in existenzielle Krisen führen, wenn Rechnungen nicht mehr bezahlt und laufende Kredite nicht bedient werden können. Es lohnt sich, früh Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Eine Frau an einem Tisch mit Rechnungen

Haben die Schulden überhand genommen, sollte man eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen.

Foto: mauritius images

Eine aktuelle Studie – der "SchuldnerAtlas" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform - zeigt: Die Überschuldungsquote liegt bundesweit bei rund zehn Prozent. Das bedeutet, dass knapp sieben Millionen Bürger über 18 Jahre betroffen sind, mehr als vier Millionen von ihnen sind sogar dauerhaft überschuldet.

Die Gründe für die Überschuldung haben sich in den vergangenen Jahren aufgrund der guten Konjunktur aber verändert, stellten die Experten fest. Zwar ist nach wie vor Arbeitslosigkeit Hauptauslöser für Überschuldung. Doch gewannen in den vergangenen Jahren Erkrankungen, Suchtprobleme und Unfälle, aber auch unwirtschaftliche Haushaltsführung eine immer größere Bedeutung.

Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner seine fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Schuldenfallen aus dem Weg gehen

In erster Linie gilt es, erst gar nicht in eine solche Situation zu kommen. Hierfür gibt es einfache, aber wirksame Tipps:

Das klassische Haushaltsbuch ermöglicht, die eigene Einnahme- und Ausgabesituation im Blick zu behalten. Wichtig ist, neben den Fixkosten – unter anderem die Miete, Energiekosten und der Krankenkassenbeitrag - auch die laufenden, monatlich variierenden Kosten einzutragen. Das sind etwa Ausgaben für Lebensmittel, Kleidung oder Benzin. Mit geringem Aufwand können Verbraucherinnen und Verbraucher so feststellen, ob ihre finanzielle Situation ausgeglichen ist.

Um unnötige Ausgaben zu vermeiden, raten Experten, sich Einkaufszettel zu schreiben und Einkäufe stets bar zu zahlen. Das reduziert die Gefahr von Spontankäufen. Zudem sollten Verbraucher vor entbehrlichen Konsumeinkäufen zunächst ihre Fixkosten bezahlen und eingehende Rechnungen sofort begleichen. Dringend zu empfehlen ist der Aufbau eines finanziellen Polsters. Eine solche Rücklage hilft, bei unvorhergesehenen Ausgaben, zum Beispiel notwendigen Reparaturen, nicht aus der Bahn geworfen zu werden.

Im Ratgeber "Schulden abbauen – Schulden vermeiden" können Verbraucher einen Muster- Haushaltsplan einsehen. Die Broschüre ist online verfügbar und kann in Printversion beim Presse- und Informationsamt der Bundesregierung bestellt werden. Hier ist auch der Ablauf einer Schuldnerberatung beschrieben, ebenso finden sich dort Pfändungstabellen und Musterbriefe.

Verzicht ist besser als Konsum auf Pump

Viele Verbraucher kommen nicht umhin, zur Finanzierung beispielsweise eines Autos, einen Kredit aufzunehmen. Unabhängig vom Umfang einer Schuldenaufnahme sollte man sich stets kritisch fragen, ob man die fälligen Raten über die gesamte Vertragslaufzeit aus dem eigenen Budget sicher decken kann. Auch bei "kleineren" Krediten muss die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit geprüft werden.

Denn bewältigt der Verbraucher die Zahlungen nur, indem er häufiger einen teuren Dispo-Kredit in Anspruch nimmt, kann er schnell in die "Dispo-Falle" rutschen: Wer es nicht schafft, den kurzfristig verfügbaren Dispo-Kredit zügig zurückzuzahlen, dem droht neben der Kündigung des Dispokreditrahmens durch die Bank ein weiteres Absacken in die roten Zahlen.

Auch die vielfach angebotenen Null-Prozent-Kredite belasten das eigene Konto über Monate oder Jahre. Neben der Kreditrate sollte immer Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben bestehen.

Generell gilt: Reicht das Ersparte nicht aus, sollten sich Verbraucher kritisch fragen, ob der erwünschte "Kauf auf Pump" tatsächlich notwendig ist. Verzicht an der richtigen Stelle bietet den effektivsten Schutz vor einer Schuldenspirale.

Schuldnerberatungen helfen weiter

Hat man den Eindruck, den Überblick über die eigenen Finanzen verloren zu haben und nehmen die Schulden  überhand , sollte man so schnell wie möglich einen Termin bei der nächstgelegenen Schuldnerberatungsstelle vereinbaren. Der Schuldnerberater hilft, Wege zu finden um die Schulden Schritt für Schritt abzubauen. Bei der Suche nach einer seriösen Beratung hilft die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung.

Falls Wohnungsverlust, Energiesperre oder Pfändungsmaßnahmen drohen, sollte die Beratungsstelle schon bei der Terminanfrage hierauf hingewiesen werden. In diesem Fall kann der Berater  bereits vor dem Termin existenzsichernde Schritte einleiten.

Seit 2014: Neue Regeln zur Verbraucherinsolvenz

Können Privatpersonen Forderungen, die zu Recht bestehen, nicht mehr zahlen, haben die Gläubiger das Recht, bis zu 30 Jahre lang auf ihre Forderungen zu bestehen. Um Verbrauchern dennoch die Perspektive auf einen wirtschaftlichen Neuanfang zu geben, wurde das Verbraucherinsolvenzverfahren eingeführt. Es hat zum Ziel, berechtigte Forderungen der Gläubiger zu bedienen; zugleich sieht es aber die Möglichkeit einer Restschuldbefreiung nach einem bestimmten Zeitraum vor.

Detaillierte Informationen dazu hält auch die Broschüre "Restschuldbefreiung - eine neue Chance für redliche Schuldner" bereit. Diese kann beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz bestellt beziehungsweise online heruntergeladen werden.

6,9 Millionen Verbraucher überschuldet

Laut "SchuldnerAtlas" hat die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland seit 2014 zum vierten Mal in Folge zugenommen (plus 0,9 Prozent). Zum Stichtag 1. Oktober 2017 waren mehr als 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet. Bei gut jedem zehnten Erwachsenen sind also die Gesamtausgaben dauerhaft höher als die Einnahmen. Die Überschuldungsquote (10,4 Prozent) ist leicht gesunken – jedoch nur weil die Bevölkerung spürbar zugenommen hat.

Bemerkenswert ist laut Creditreform, dass auch in diesem Jahr praktisch alle neuen Überschuldungsfälle aus der Mittelschicht stammen. Überdurchschnittlich stark zugenommen hat zudem erneut die Altersüberschuldung. 2017 müssen rund 194.000 Menschen in Deutschland ab 70 Jahren als überschuldet eingestuft werden. Das ist ein Zuwachs von zwölf Prozent. Zurückgegangen sind die Überschuldungsquoten lediglich bei den unter 30-jährigen.

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