Aktive Verbraucherbeteiligung erwünscht

Marktbeobachtung Energie

Aktive Verbraucherbeteiligung erwünscht

Der neue "Marktwächter Energie" ist gestartet. Er analysiert den Energiemarkt, um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Ärgern sich Verbraucher etwa über Preiserhöhungen oder einen schwierigen Anbieterwechsel, sind sie hier mit ihrer Beschwerde richtig.

Bedienfeld eines Einbaugeschirrspüler mit ECO-Modus.

Bei Beschwerden über Strompreiserhöhungen ist der Marktwächter Energie die richtige Adresse.

Foto: Bundesregierung/Tybussek

Unverständliche Tarife, komplizierte Verträge, Fehler in der Stromabrechnung – Verbraucher haben es manchmal nicht leicht, den Überblick über ihre Energiesituation zu bewahren. Auch beim Wechsel von einem Anbieter zum anderen kann es Probleme geben. Immerhin gibt es laut Verbraucherzentralen bundesweit mehr als 1.100 Stromlieferanten und etwa 900 bei Gas. Die Anbieter müssen also um Kunden werben. Nicht immer sind die Geschäftspraktiken einwandfrei.

Marktwächter Energie im Aufbau

Hier hilft der Marktwächter Energie. Der Aufbau des bundesweiten Projektes startete kürzlich. Der Marktwächter analysiert den Markt für Strom, Gas und Fernwärme aus Verbrauchersicht. Er nimmt Heizkostenabrechnungen und auch die Monopolstellung von Ablesediensten unter die Lupe. Dadurch kann er systematisch Fehlentwicklungen identifizieren und somit Schaden von den Verbraucherinnen und Verbrauchern abwenden.

Der Marktwächter Energie ist ein Projekt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) in Zusammenarbeit mit Verbraucherzentralen aus 14 Bundesländern. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) fördert das Projekt zunächst bis Ende August 2018 mit insgesamt bis zu 1,5 Millionen Euro. Bis dahin sollen die Grundstrukturen für eine bundesweite Marktbeobachtung vorliegen.

Der neue Marktwächter kann auf Erfahrungen aus Niedersachsen zurückgreifen. Hier beobachtet ein Landesmarktwächter bereits seit März 2015 den Energiemarkt. Ausgehend von Kundenbeschwerden leitete er mehrfach rechtliche Schritte gegen Anbieter ein. Bisher konnte er rund 70 Unterlassungserklärungen erzielen. Auch interessant für Verbraucher: Zum Thema Ökostrom stellt er eine Bewertung der am deutschen Markt verbreiteten Labels online.

Mitwirkung der Verbraucher erwünscht

Der Marktwächter Energie funktioniert – wie auch die beiden seit 2015 etablierten Marktwächter Finanzen und Digitale Welt – durch die Mitwirkung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Denn die Grundlage für die systematische Untersuchung liefern die Verbraucherbeschwerden aus den bundesweit rund 200 Beratungsstellen der Verbraucherzentralen.

Verbraucher können über das Beschwerdeformular auf der Webseite des Marktwächters Energie Hinweise einreichen. Die Marktwächter ermuntern Verbraucherinnen und Verbraucher auch mit "Aufrufen" zu einer direkten Mitwirkung. Aktuell suchen die Marktwächter Finanzen beispielsweise Verbrauchererfahrungen zum Thema Pfändungsschutzkonto und zu Fake-Shops auf Händlerportalen.

Alle Hinweise unterstützen wiederum die Beraterinnen und Berater in den Verbraucherzentralen. Sie können ihre Arbeit damit noch zielgerichteter ausführen. Der vzbv gibt dieses Wissen zudem an Aufsichtsbehörden, politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit weiter.

Ein Erfolg: Marktwächter Finanzen und Digitale Welt

Seit Oktober 2015 gingen bei den Marktwächtern Finanzen und Digitale Welt über 18.000 Meldungen von Verbrauchern ein. Das sind wöchentlich 100 bis 200 Meldungen. Durch diese Hinweise und zusätzliche Auswertungen können die Marktwächter die Funktion eines Frühwarnsystems ausüben. So wurden bisher über einhundert Gespräche mit Anbietern, Behörden wie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und anderen Experten geführt. Mehr als 70 Mal mahnten die Marktwächter Anbieter ab, beispielsweise Ankaufportale im Internet. Auch konnten sie bereits zwei Gerichtsurteile im Sinne der Verbraucher erwirken.

In 28 Fällen warnten die Marktwächter Verbraucher explizit vor unseriösen Maschen und Anbietern – zuletzt vor Fake-Tickets bei einem Anbieter von Konzertkarten. Bereits 15 Untersuchungsberichte fertigten sie zu ausgewählten Verbraucherthemen, die auf der Internetseite abrufbar sind.

Bis 2019 fördert das BMJV die beiden Marktwächter mit zehn Millionen Euro jährlich. Über 100 Mitarbeiter arbeiten an der Marktbeobachtung in den Verbraucherzentralen und beim vzbv. Die Marktbeobachtung für beide Themen – Finanzen und Digitale Welt – findet in jeweils fünf Schwerpunkt-Verbraucherzentralen statt. Welche spezifischen Themen wo behandelt werden, ist auf der Webseite der Marktwächter nachlesbar.

Fundgrube: die Internetseite der Marktwächter

Ein Blick auf die Webseite der Marktwächter lohnt immer. Neben den schon genannten Angeboten finden Verbraucher hier die "Aufreger des Monats" und Quizfragen zu aktuellen Themen. Eine interaktive Landkarte zeigt die für Verbraucher nächstliegende Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Ebenso sind hier Hinweise zur telefonischen Beratung und E-Mail-Beratung zu finden.

Die Marktwächter sind auch bei Twitter und YouTube vertreten und twittern zu aktuellen Problemen, etwa eine Warnung vor Schufa-freien Krediten bestimmter Dienstleister oder dem schlechten Datenschutz bei Online-Dating-Portalen.

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