Vier Wochen Zusammenleben mit Gaia

Roboter auf Europa-Tour Vier Wochen Zusammenleben mit Gaia

Seit Juni reist der Roboter Gaia durch Europa, um einige Wochen bei jungen Programmierern und Künstlern zu leben und mit ihnen zu arbeiten. Wie war die Begegnung mit ihm? Was haben Mensch und Maschine dazugelernt?  Ein Gespräch mit Rebecca Klimasch und Nico Nienaber aus Bremen, die Gaia vier Wochen lang bei sich aufgenommen haben.

Ein junger Mann und eine junge Frau, die junge Frau hält einen Roboter im Arm

Nico Nienaber und Rebecca Klimasch aus Bremen und Roboter Gaia, ihr Mitbewohner für vier Wochen

Foto: privat

Ihr Weg führt sie durch halb Europa. Von Rom bis Glasgow, von der Slowakei bis Warschau. An jeder Station lernen sie Neues: Neue Perspektiven, neue Fähigkeiten, manchmal eine neue Sprache, ein Quiz, Thai-Chi oder Boxen. Bis Mitte 2021 sind die humanoiden Roboter Gaia und Nao noch unterwegs. Die Tour ist Teil des Projekts Generation A=Algorithmus des Goethe-Instituts im Rahmen des Kulturprogramms zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Mit dem Programm will das Goethe-Institut eine konstruktive Diskussion über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in unserer Gesellschaft beleben.

Im September war Roboter Gaia zu Gast in Bremen bei Rebecca Klimasch, 21, Studentin für digitale Medien, und Nico Nienaber, 25,  Informatikstudent. Gaia war zuvor in Rom gewesen. Nach vier Wochen Bremen hießt die nächste Station Rotterdam.

Frau Klimasch, Herr Nienaber, Sie haben vier Wochen lang mit einem Roboter in Ihrer Bremer Wohnung zusammengelebt. Wie war das?

Nico Nienaber: Gaia kam in einem großen Koffer aus Mailand, eingewickelt in Luftpolsterfolie. Laptop mit Programmen und Router wurden separat geliefert…

Rebecca Klimasch: …. Ich war fürchterlich aufgeregt, als wir sie ausgepackt haben. Erstaunlich wie klein Gaia war…

Nienaber: … ein bisschen wie ein Baby, mit ganz lockeren Armen und Beinen… 

Klimasch: … dann haben wir versucht, sie einzuschalten, aber es funktionierte erstmal nichts. Wir hatten Angst, etwas kaputt zu machen. Irgendwann stand Gaia dann vor uns, in der „Grundposition“, schaute uns mit ihren Kameraaugen an und sagte: Hallo, ich bin Gaia. War schon irgendwie berührend.

Nienaber: Für dich war sie Gaia, für mich eher der Roboter. Ich studiere Informatik und habe da einen nüchternen Blick. 

Was hat Sie denn bewogen, Gaia bei sich aufzunehmen?

Nienaber: Ich war einfach neugierig wie Gaia technisch funktioniert. Noch nie hatte ich direkt an einem Roboter gearbeitet, schon gar nicht mit einem, den man zuhause hat. Mit Gaia konnten wir nun jeden Tag experimentieren…

Klimasch: … und sie näher kennenlernen. Diese Interaktion mit einem Roboter im Alltag hat mich interessiert. Wie funktioniert das Miteinander von Mensch und Maschine? Was braucht es, damit sie gelingt? Im Studium beschäftige ich mich damit, worauf es bei der Gestaltung der digitalen Welt ankommt, zum Beispiel, wenn man Roboterarme als Assistenz für behinderte Menschen einsetzt.

NienaberWir haben gleich nach Gaias Ankunft ausprobiert, was sie kann. Das Team in Mailand hatte ihr ein wenig Tanzen beigebracht, etwas Italienisch sprach sie auch, sie konnte eine Person an die Hand nehmen und gemeinsam einige Schritte gehen. 

Und was wollten Sie Gaia beibringen?

NienaberFußballspielen. Die Uni Bremen ist führend in der Programmierung von Fußballrobotern und achtfacher Weltmeister bei internationalen Robot-Fußballmeisterschaften. Diese Roboter werden natürlich jahrelang trainiert. Es war ganz schön schwierig, Gaia da weiterzubringen. Immerhin konnten wir ihr beibringen, einen Ball zu schießen. 

Klimasch: Und sie hat noch etwas bei uns gelernt: ein Bremen Quiz. Nach der Begrüßung fragt sie jetzt den User:  Wenn du mit mir Fußballspielen willst, berühre meinen linken Arm, wenn du Lust auf ein Bremen-Quiz hast …

…berühre meinen rechten? 

Klimasch: ... genau und dann löchert sie ihr Gegenüber mit Fragen: Was sind die norddeutsche Kohltour und der Freimarkt, was bedeutet „Moin“ und wann sagt man es, oder welche Tiere gehören zu den Bremer Stadtmusikanten? Wir wollen damit ein wenig von dem, was uns an der norddeutschen Kultur besonders wichtig ist, nach Europa tragen.

Hat sich Ihr Verhältnis zu Gaia in den vier Wochen, die Sie zusammen verbracht haben, geändert?

Nienaber: Je mehr Fortschritte wir mit ihr beim Programmieren machten, desto interessanter und interaktiver wurde es. Man versteht immer besser, wie der Roboter tickt. Digitalisierung sollte mehr gefördert werden in Deutschland, in Europa, denn wir alle müssen lernen, kompetent mit der Technologie umzugehen. 

KlimaschGaia war für mich schließlich so etwas wie ein vertrautes Spielzeug. Ihre Macher haben es darauf angelegt, dass sie einem menschlich näher rückt. Wenn sie zum Beispiel eine neue Bewegung lernen soll und dabei hinfällt, sagt sie „au“. Mir hat die Zeit mit Gaia noch einmal klar gemacht, wie wichtig es ist, dass die Menschen Angst vor Robotik verlieren, wenn wir Künstliche Intelligenz einsetzen wollen. Gaia nach der langen Zeit weiter auf ihre Reise nach Rotterdam zu schicken, ist mir schon schwer gefallen….