Verband Beratender Ingenieure VBI

VBI-Stellungnahme zu ausgewählten Aspekten der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie

Im Verband Beratender Ingenieure engagieren sich rund 2.000 Ingenieur-, Consulting- und Architekturunternehmen mit mehr als 41.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie planen und entwickeln Bauwerke und Infrastruktur, die das Leben der Menschen verbessern und Generationen überdauern. Sie arbeiten unabhängig von Hersteller- und Lieferinteressen und sind nur einem Ziel verpflichtet: die beste Lösung für ihre Auftraggeber zu finden. Grundlegend dafür sind eine exzellente Ausbildung, eine hohe Planungsqualität und eine engagierte Projektbegleitung.

Die Megatrends des 21. Jahrhunderts fordern die Unternehmender Planungs- und Bauwirtschaft in besonderer Weise. So werden die kommenden zehn Jahre die Branche tiefgreifend verändern: Die Digitalisierung revolutioniert und integriert das Planen und das Bauen. Sie bietet die Chance zu mehr Transparenz und Effizienz, braucht aber auch Investitionen in Technik und stetige Fort- und Weiterbildung. Der Klima¬wandel und die Reduzierung der CO2-Emissionen erfordern zwingend den Ausbau umweltfreundlicher Technologien, die Entwicklung neuer Bauverfahren und die verstärkte Nutzung natürlicher Baustoffe. Dafür sind auch deutlich beschleunigte und schlankere Planungsprozesse grundlegend. Gleichzeitig verstärken das bisher stetige Wirtschaftswachstum und der demografische Wandel das Ringen um die besten Köpfe und die Konzentration der Unternehmen.


Zum SDG 4 und SDG 5: Hochwertige Bildung und Geschlechtergleichheit

Eine hochwertige und zielgerichtete Bildung legt frühzeitig den Grundstein für eine nachhaltige Entwicklung sowie die Wettbewerbsfähigkeit unserer Gesellschaft. Damit diese Ziele erreicht werden können, sind nachhaltig geplante Bauwerke und Infrastruktur entscheidend. Jedoch wächst die Planungs- und Bauwirtschaft seit einem Jahrzehnt kontinuierlich an und benötigt zunehmend mehr gut ausgebildete Mitarbeiter. Die demografische Entwicklung verschärft diese Lage zusätzlich. Weiterhin verändert die digitale Transformation zukünftige Qualifikationen und Kompetenzen der Ingenieurausbildung. Deshalb begrüßt der VBI Maßnahmen, die insbesondere die MINT-Bildung qualitativ verbessern und auch für eine breitere Bevölkerungsgruppe attraktiver machen. Gerade die Mädchen und Frauen für die Ingenieurausbildung zu begeistern, ist nicht nur unter dem Aspekt des Fachkräftemangels wichtig, sondern auch weil Frauen durch andere Perspektiven innovativ wirken können.


Zum SDG 7: Bezahlbare und saubere Energie

Die Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung ist für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen entscheidend. Es ist zu begrüßen, dass die Bundesregierung mit der Energiewende grundsätzlich auf das Richtige zielt, um bspw. das SDG 7 zu erreichen. Insbesondere der Fokus auf die Steigerung der Energieeffizienz wird vom VBI befürwortet. Um die Ziele einer zukunftsfähigen Energieversorgung zu erreichen, muss der Ausbau erneuerbarer Energien konsequent vorangetrieben werden. Allerdings ist die tatsächlich installierte Leistung, hauptsächlich der Windkraft, in den letzten Jahren eingebrochen. Der VBI setzt sich dafür ein, Repowering von alten Anlagen zu erleichtern und allgemein gesetzliche Hürden für den Ausbau zu verringern. Positiv hervorzuheben ist die, in der Novelle des EEG genannte, finanzielle Beteiligung der Kommunen, die zu mehr Akzeptanz führen wird.

Um bezahlbare Energie zugänglich zu machen, ist es wichtig, dass die Strompreise in Deutschland sinken. Umlagen und Steuern auf den Strompreis müssen transparent und fair gestaltet werden und mittelfristig deutlich sinken. Dies entlastet nicht nur die Industrie, sondern sorgt auch für die Akzeptanz der Energie¬wende in der Bevölkerung.


Zum SDG 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur

Die deutsche Industrie und Logistikwirtschaft sind Wachstumsmotoren unserer Volkswirtschaft und auf eine funktionierende Infrastruktur zwingend angewiesen. Hierbei spielt unteranderem der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) eine zentrale Rolle, denn durch ihn werden Prioritäten für den Erhalt, Aus- und Neubau gelegt und somit die Weichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland, aber auch für eine nachhaltige Mobili¬tät gestellt.  Die Verkehrsplaner im VBI befassen sich in Mobilitätslaboren damit, Mobilität und Transport für eine umweltbewusste und intelligente Zukunft zu planen. Dieses Know-how kann der Bundesregierung von großem Nutzen sein.

Bezüglich des Bundesverkehrswegeplans wäre es wünschenswert, wenn einerseits die Umsetzung der priorisierten Maßnahmen des BVWP klar nachverfolgt würden. Hierfür ist es erforderlich, dass die Priorisierung möglichst transparent erfolgt. Ebenso ist die Möglichkeit von flexiblen Änderungen und Anpassungen einzuräumen, um auf aktuelle Situationen reagieren zu können. Eine Verstetigung der überjährigen Mittelverwendung gewährleistet eine langfristige Planungssicherheit.
Die COVID-19-Pandemie hat die Dringlichkeit der Digitalisierung verdeutlicht. Um auf dem Weltmarkt die eigene Konkurrenzfähigkeit zu stärken, ist eine schnelle und flächendeckende Digitalisierung in Deutschland notwendig. Gleichzeitig ist die Förderung einer Verlagerung von Produktions- und Lieferketten nach Deutschland und die Stärkung der Marke "Made in Germany" entscheidend.

Neben den Durchführungsorganisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (GIZ und KfW), ist es ratsam die deutsche (Consulting-) Wirtschaft stärker einzubeziehen, z.B. im Rahmen der Sonderinitiativen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.  Im Rahmen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit sollte es grundsätzlich möglich sein, Angebote digital abgeben zu können.


Zum SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden

Der Erhalt und der Betrieb von Gebäuden hat einen erheblichen Einfluss auf die energiebezogenen Treibhausgasemissionen und den globalen Endenergieverbrauch. Deshalb unterstützt der VBI grundsätzlich das Ziel, einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Qualifizierte Planungen für nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen und Betreiben von Bauwerken sind dabei zentrale Bausteine zur Reduzierung von CO2-Emissionen.

Neben dem Neubau, kommt insbesondere der energetischen Sanierung und Umnutzung des Gebäudebestands eine wichtige Funktion zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu. Somit ist die Förderung des Erhalts von Bausubstanz ein entscheidender Faktor, damit ein klimaneutraler Gebäudebestand erreicht werden kann. Auch die Überlegung, einen Nachhaltigkeitsindikator zum Stand der Gebäudeenergieeffizienz als Steuerungselement der Nachhaltigkeitsstrategie zu implementieren, halten wir für geeignet.