Nachhaltigkeitspolitik

Klima- und Umweltschutz

Unsere Wälder schützen

Stürme, langanhaltende Dürre, Borkenkäferbefall: Die Wälder in Deutschland leiden. Dabei sind sie von besonderer Bedeutung als Lebensraum für Flora und Fauna, als Wirtschaftsfaktor, Rohstofflieferant und als Klimaregulator. Die Bundesregierung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Wälder zu schützen - weitere werden derzeit geprüft. 

Klimawandel, großräumige luftgetragene Stickstoffmengen, sowie eine zunehmende Nachfrage nach Holz - das sind einige der Herausforderungen, die sich für die "grüne Lunge" unserer Gesellschaft stellen.

Jährlich werden weltweit Wälder im Umfang von etwa 20 Millionen Hektar vernichtet. In zahlreichen Ländern sind weitere Bestände durch das ungebremste Wirtschaften des Menschen in ihrer Substanz bedroht.

Deutscher Wald in Bedrängnis

In Deutschland haben die Stürme im Winterhalbjahr 2017/2018, die langanhaltende Dürre im Sommer 2018 und der anschließende Borkenkäferbefall in den Wäldern gravierende Schäden verursacht. Das alles setzt dem Wald auch in diesem Jahr extrem zu.

Es zeichnet sich ab, dass nicht nur die Nadelbäume extrem betroffen sind. Auch die Laubbäume weisen gravierende Schäden auf. Bei der Rotbuche etwa sind vielerorts deutliche Absterbeprozesse zu verzeichnen, ebenso bei anderen Laubbaumarten. Kurzum: Die Wälder sind in Gänze und in allen Regionen betroffen.

Wälder benötigen schnelle Hilfe

Die Bundesregierung ist angesichts der sehr ernsten Lage äußerst besorgt. Um die Folgen der Sturm- und Dürreschäden zu bewältigen, hat sie konkrete Maßnahmen für Waldbauern und Forstbetriebe eingeleitet.

So wurden neue Fördermaßnahmen im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) auf den Weg gebracht. Hilfen gibt es

  • zur bestands- und bodenschonenden Räumung von Schadflächen und zur Lagerung von Schadholz,
  • zur Überwachung, Vorbeugung und Bekämpfung von Schadorganismen,
  • zur Prävention und Bekämpfung von Waldbränden und
  • für Maßnahmen zur Wiederaufforstung.

Der Bund stellt dafür in einem Zeitraum von fünf Jahren zusätzlich 25 Millionen Euro bereit. Dieses Geld verstärkt die bereits bestehenden GAK-Mittel des Bundes für den Wald, die etwa 30 Millionen Euro pro Jahr betragen. Darüber hinaus ist geplant, weitere Mittel für die Bewältigung von Extremwetterfolgen im Wald bereitzustellen.

Außerdem gibt es steuerliche Erleichterungen für betroffene Waldeigentümer und eine neue Waldfördersparte bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Der Abtransport von Schadholz wurde ebenfalls erleichtert.

Die Bundesregierung prüft derzeit weitere Maßnahmen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner steht hierzu mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus den Bundesländern in einem engen Austausch. Noch im August wird sie zu einem Verbändegespräch und am 25. September zum nationalen Waldgipfel einladen. Dabei wird es sowohl um ein nachhaltiges Aufforstungsprogramm als auch um standortangepasste Bäume und robuste Mischwälder gehen.

Waldklimafonds und Waldstrategie

Darüber hinaus finanziert die Bundesregierung bereits seit 2013 mit dem Waldklimafonds ein wichtiges Bundesprogramm zugunsten des Waldes mit jährlich rund 20 Millionen Euro, ab 2019 sind es rund 25 Millionen Euro. Über den Waldklimafonds werden zahlreiche Projekte gefördert, die dazu beitragen, die Wälder an den Klimawandel anzupassen. Die Nationale Waldstrategie 2020 will darüber hinaus die vielfältigen Ansprüche an Klimaleistung, Biodiversität, Rohstoffe, Erholungsleistung und Energie aufeinander abstimmen. Sie soll weiterentwickelt werden.

Wald als Klimaschützer

Gesunde Wälder sind unverzichtbar für den Klimaschutz: Denn Wald und Forstwirtschaft sowie die Verwendung von Holz in langlebigen Produkten binden klimawirksam CO2. Allein der jährliche Beitrag der deutschen Forstwirtschaft und der Holzverwendung zur Minderung von Treibhausgasen beträgt derzeit durchschnittlich 127 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Ohne diesen Beitrag wären die Gesamtemissionen Deutschlands - bezogen auf das Jahr 2014 - um 14 Prozent höher.

CO2-Äquivalente: Emissionen anderer Treibhausgase als CO2 - etwa Lachgas und Methan - werden, um besser vergleichen zu können, entsprechend ihrem globalen Erwärmungspotenzial in Tonnen von CO2-Äquivalenten angegeben.

Der Wald bindet Kohlenstoff im Boden und im Holz. Diese positive Klimawirkung ist bei nachhaltig bewirtschaftetem Wald stärker. Ebenfalls positiv: die Verwendung des geernteten Holzes im stofflichen und energetischen Bereich. Dadurch wird zusätzlicher Kohlenstoff gespeichert, wodurch sich die Emissionen senken lassen.

Bedeutender Wirtschaftsfaktor

Der Wald leistet aber noch mehr: Er ist ein hochproduktives Ökosystem, das Einkommen und Arbeit in den ländlichen Räumen schafft. In Deutschland erwirtschaften rund eine Million Beschäftigte in rund 125.000 Unternehmen in der Forst-, Holz- und Papierwirtschaft einen Umsatz von etwa 178 Milliarden Euro. Die deutschen Wälder zu schützen und zu pflegen, heißt deshalb auch, einen bedeutenden Wirtschaftsmotor im ländlichen Raum zu erhalten.

Eine langfristige Aufgabe

Kurzfristige Hilfen für den Wald sind wichtig. Gleichzeitig gilt es, langfristig zu denken und das Ökosystem Wald an die Herausforderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen, anzupassen. Dazu gibt es zahlreiche Forschungsvorhaben. Aspekte dabei sind:

  • Trockenheitstolerantere Baumarten zu pflanzen
  • die Wasserspeicherfähigkeit der Waldböden zu verbessern
  • Baumarten mit unterschiedlichen Ansprüchen und Eigenschaften (etwa Bäume mit tieferen und flacheren Wurzelsystemen) zu mischen
  • den Waldzustand, Schadensrisiko und Schädlingssituation zielgerichtet zu analysieren (Waldschutzmonitoring)
  • die Waldhygiene deutlich zu intensivieren (zum Beispiel durch rasche Beseitigung von Brutmaterial für Schaderreger)

Internationale Koordinierung notwendig

Eine Vielzahl von Strategien und Förderprogrammen sollen die Wälder auch international schützen. Etwa im Rahmen der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Deutschland gehört dabei zu den größten Geberländern für waldrelevante Projekte weltweit. Die umfassende Walderklärung der Klimakonferenz von Kattowitz vom 12. Dezember 2018 betont mit Bezug auf das Pariser Klimaabkommen von 2015 zum Schutz der Wälder, dass das Zwei-Grad-Ziel ohne Waldschutz und nachhaltige Nutzung von Holz nicht erreicht werden kann.

EU verstärkt Engagement

Auch die Europäische Kommission hat zum Schutz der Wälder weltweit eine umfassende Strategie beschlossen. Durch nachhaltigeren Konsum innerhalb der EU, gezielte internationale Zusammenarbeit, bessere Informationen und eine Neuausrichtung von Finanzmitteln will sie gesunde bestehende Wälder schützen und die Dichte der Flächen erhöhen, die von nachhaltigen Wäldern bewachsen sind.