Thomas Kaminski, Bürgermeister der Stadt Schmalkalden

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf den Seiten 247 und 266 werden Ausführungen zur Biomasseverwertung und zum Walderhalt gemacht. Die abzugebende Stellungnahme umfasst beide Themen.

Die Bundesregierung wird zum Zwecke der Reduzierung des CO2-Ausstoßes ab dem 01.01.2021 eine CO2-Besteuerung einführen, die einen Betrag von 25 €/t CO2 ausmacht. Die Einnahmen sollen unter anderem verwendet werden, um aus der Besteuerung entstehende soziale Härten auszugleichen.

Richtig ist, mit dieser Steuer die Klimaschädigung zunächst pauschal und relativ niedrig einzupreisen. Allerdings gibt diese Steuer und die Mittelverwendung noch keinen Anreiz dafür, CO2 zu binden. Wald speichert Kohlendioxid. Dies ist unbestritten. Die Frage ist jedoch: Wie viel?

Eine genaue Antwort hierauf existiert noch nicht. Vor allem, weil Wald nicht gleich Wald ist. Tropische Wälder wachsen viel schneller als Wälder in Deutschland. Entsprechend mehr CO2 wird im gleichen Zeitraum von tropischen Bäumen auch aufgenommen und gespeichert. Auch im Waldboden (Humus) wird CO2 gespeichert. Aber auch hier existieren noch keine genauen Daten.

Aufnahme von CO2

Im Rahmen der Photosynthese entnimmt der Baum das Kohlendioxid aus der Atmosphäre.

Die Formel hierfür lautet:
6 CO2 + 12 H2O -> Energie und Chlorophyll -> C6H12O6 (Traubenzucker) + 6 O2 (Sauerstoff) + 6 H2O (Wasser)
Der Traubenzucker wird wiederum vom Baum verwertet, so dass das Kohlendioxid in Form von Kohlenstoff (C) im Holzkörper gespeichert wird.

Hier einige Beispiele:

Fichte

Eine 35 m hohe Fichte mit einem Alter von ca. 100 Jahren hat einem Durchmesser von 50 cm (in 1,3 m Höhe über dem Boden gemessen). Das Holzvolumen inklusive Äste aber ohne Wurzeln beträgt 3,4 m3. Die darin enthaltene gesamte Biomasse hat ein Trockengewicht von knapp 1,4 Tonnen; die Hälfte des Holzkörpers besteht aus Kohlenstoff, also 0,7 Tonnen.
Das bedeutet: Eine 35m Hohe Fichte hat 0,7 Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Dies entspricht einer CO2 Absorption von 2,6 Tonnen CO2 (Umrechnungsfaktor 3,67).


Buche

Eine 120jährige und ca. 35 m hohe Buche mit einem Durchmesser von 50 cm (gemessen auf 1,3m Höhe) hat ein Trockengewicht von 1,9 Tonnen, also rund 0,95 Tonnen Kohlenstoff. Dies multipliziert mit 3,67 ergibt 3,5 Tonnen CO2.

Eine Buche mit der gleichen Höhe und dem gleichen Durchmesser hat fast eine Tonne mehr CO2 gespeichert als eine Fichte. Dies liegt daran, dass die Holzdichte bei der Buche höher ist.

Hier noch einige Zahlen zum Wald und Holz:

1,169 Milliarden Tonnen Kohlenstoff sind gegenwärtig in lebenden Bäumen und in Totholz gebunden. Im Einzelnen: oberirdischen Biomasse 993 Mi Tonnen, 156 Millionen Tonnen in unterirdischer Biomasse, vor allem den Wurzeln und 20 Millionen Tonnen im Totholz. Das sind rund 105 Tonnen Kohlenstoff (ca. 385t CO2) pro Hektar in der ober- und unterirdischen Biomasse (ohne Streuauflage und Mineralboden).

Die Bodenzustandserhebung im Wald gibt für die Streuauflage und den Mineralboden einen Vorrat von weiteren 850 Millionen Tonnen Kohlenstoff an. Der Wald in Deutschland wirkt derzeit als Senke und entlastet die Atmosphäre jährlich um rund 52 Millionen Tonnen Kohlendioxid
(Quelle: 3. Bundeswaldinventur)


Faustformel:
Ein Hektar Wald speichert pro Jahr über alle Altersklassen hinweg ca. 13 Tonnen CO2.

Wald als Möglichkeit zur Bekämpfung des Treibhauseffektes

Bei der Bekämpfung des Treibhauseffektes spielt der Wald also eine entscheidende Rolle – und das gleich in dreifacher Hinsicht:

  • Erstens entzieht er der Atmosphäre CO2. Diese Speicherung verlängert sich
  • zweitens, wenn Holz etwa für Neubauten, Modernisierungen, Anbauten oder Möbel verwendet und der enthaltene Kohlenstoff so festgesetzt wird.
  • Ein Niedrigenergiehaus in Holzbauweise beispielsweise entlastet die Atmosphäre um rund 80 Tonnen Kohlendioxid.
  • Drittens ersetzt Holz andere energieintensive Materialien wie Stahl oder Beton, die auf Basis endlicher Rohstoffe hergestellt werden. Da die heimischen Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden – heißt das, es wird nie mehr Holz geerntet als nachwächst –, erschöpft sich die Ressource Holz nicht.

Das zuletzt ausgeführte ist der Regelfall. Allerdings leiden die Wälder in Deutschland seit mindestens 3 Jahren unter extremer Trockenheit und Hitze. Der Borkenkäfer hat mit den Fichtenbeständen leichtes Spiel, weshalb die Baumart, die in unseren Wäldern am schnellsten wächst und daher auch als Bauholz stark gefragt ist, extrem gefährdet ist.

Die Waldeigentümer erleiden derzeit große Schäden, die mitunter in Form von Förderungen von Einzelmaßnahmen etwas abgemildert werden. Es gibt aber keine oder zumindest keine ausreichenden Maßnahmen, um zusätzliche Anreize zu schaffen, den Wald mit zusätzlichem Aufwand zu schützen. Außerdem sind die Programme aus dem Konjunkturpaket zur Folgenbekämpfung der Coronakrise zur Kohlenstoffbindung im Holz, indem Holz als Baustoff eine Renaissance erlebt, nicht erarbeitet oder schlicht nicht bekannt.

Aus diesen Ausführungen ergeben sich mehrere Schlussfolgerungen, die Eingang in die Nachhaltigkeitsstrategie finden müssen.

Es sollten jedoch keine Abstufungen nach Baumbestand des Waldes, nach Zuwachsrate und anderen Kriterien erfolgen. Die deutschen Wälder erleben wegen hoher Temperaturen im Sommer und zunehmender Dürre die schwerste Belastung der letzten Jahrzehnte. Der Wald, einst die Sparbüchse für Generationen und als Wirtschaftsgut gehandelt, hat diese Bedeutung aktuell und auf absehbare Zeit verloren. Der Markt wird daher den Bestand an Waldflächen nicht sichern. Es braucht andere Instrumente, um den Wald als zuverlässigen und weitere ausbaubaren CO2-Absorber zu sichern und weiterzuentwickeln.

Der Ansatz

  • Die Einnahmen aus der CO2-Besteuerung haben im gleichen Umfang als Auszahlung pro absorbierte Tonne CO2 an die Eigentümer des Waldes zu erfolgen.
  • Die Mittel sind in vollem Umfang in einem Fonds zu zahlen und an die Eigentümer des Waldes auszuzahlen, sofern die Mittel nachweislich für die Waldbewirtschaftung, wissenschaftlich anerkannte Maßnahmen des Waldschutzes oder Waldumbaus, genutzt werden oder der mit dem geernteten Holz anfallende Kohlenstoff gebunden bleibt, indem das Holz für nachhaltiges Bauen und Ähnliches verwendet wird.
  • Die Waldeigentümer werden von den örtlichen Forstämtern bei der Mittelverwendung fachlich beraten. Sofern Mittel aus dem Fonds wegen unklarer Eigentumsfragen oder nicht den geregelten Zwecken entsprechend mit dem Holz und/ oder Wald verfahren wird, nicht zur Auszahlung kommen, sind diese Mittel für experimentelle Verfahren im Umgang mit Holz unter dem Gesichtspunkt der CO2-Reduzierung einzusetzen.

Außerdem führt dies zu einer gerechteren Verteilung finanzieller Mittel zwischen Ballungszentrum und ländlichem Raum und es werden diejenigen in Anspruch genommen, die den Klimawandel beschleunigen und auf der anderen Seite Bemühungen zur CO2-Absorbtion honoriert. Sollten weitergehende Ausführungen erforderlich sein bitte ich um entsprechende Mitteilung.

Mit freundlichen Grüßen

Kaminski