Regionale Wertschöpfungsketten aufbauen

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Nachhaltiger Konsum Regionale Wertschöpfungsketten aufbauen

Regionalität liegt bei Verbrauchern im Trend – unter anderem wegen hoher Qualität und Transparenz der Produkte. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert hier in vielfältiger Weise. Imker Christian Grune aus Brandenburg berichtet im Interview, welche Vorteile ein regionaler Verbund bringt.

3 Min. Lesedauer

Bioland Imkerei „Honigtreu eG“ - Dr. Jörg Weigelt, Gesine Conrad und Christian Grune (v.l.n.r.)

Sie machen sich gemeinsam für Honig aus Berlin/Brandenburg stark: Dr. Jörg Weigelt, Gesine Conrad und Christian Grune (v.l.).

Foto: Steffen Weigelt

Christian Grune betreibt eine kleine Bioland Imkerei in der Lausitz (Brandenburg) im Pücklerdorf Groß Döbbern. Seine Völker sammeln Honig vor allem in der Umgebung von Cottbus und Spremberg, einige auch in der Nähe von Berlin. Er ist Mitgründer und Vorstand der Honigtreu eG, die regionalen Honig mehrerer Bioland Imkereien in Berlin und Brandenburg vermarket. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen.

Sie haben gemeinsam mit weiteren Bioland Imkereien einen regionalen Vertriebsverbund gegründet. Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Zusammenschluss?

Christian Grune: Guter regionaler Honig wird oft von kleineren Imkereien erzeugt, die allein nicht die Ressourcen haben, ein umfangreiches Angebot in die Breite zu bringen. Da lag es nahe zusammenzuarbeiten. Gemeinsam mit mehreren Bioland Imkereien wird seit 2023 der Honig, der in den Mitgliedsbetrieben produziert wird, unter dem Namen Honigtreu vermarktet.

Wie fördert das BMEL regionale Wertschöpfungsketten?
Mit dem Bundesprogramm BULEplus „Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung“ werden innovative Konzepte gefördert, um erfolgreiche Lösungen in die Breite zu tragen. Ein Überblick über die bestehenden Maßnahmen zur Förderung von regionalen Bio-Wertschöpfungsketten ist auf oekolandbau.de zu finden. Am 13. Juni 2024 lädt das BMEL zudem zum Kongress „Erfolgreiche Regionalvermarktung – Erfahrungen und Best Practice“ in Berlin ein.

Können Sie schon ein erstes Fazit ziehen: Was läuft gut, welche Herausforderungen gibt es noch?

Grune: Die Rückmeldungen unserer Kunden sind durchweg positiv. Das Konzept findet Zuspruch. Ich sehe einige positive Entwicklungen: Als erstes will ich feststellen, dass die Kunden die Möglichkeit, mehrere Frühlings- oder Blütenhonige aus verschiedenen Teilen Brandenburgs und Berlins aus einer Hand zu bekommen, sehr schätzen. Zweitens hat sich der Weg in die Supermärkte vereinfacht – mit nur einem Ansprechpartner.

Ein nächster Punkt ist unser gemeinsames Onlineangebot, von dem alle Genossenschaftsmitglieder profitieren. Hier arbeiten wir mit dem Verein „Lebenshilfe“ in Cottbus zusammen, die den Versand übernimmt und damit eine große Entlastung für die beteiligten Imkereien ermöglicht.

Nachhaltiger Konsum ist für viele Verbraucherinnen und Verbraucher wichtig. Doch was bedeutet das konkret beim Einkauf von Honig?

Grune: Honig unterscheidet sich wie ein guter Wein nach Herkünften: Das jeweils vor Ort verfügbare Trachtangebot bestimmt den Geschmack und die wertvollen gesundheitsfördernden Inhaltstoffe des Honigs. Für Verbraucher ist es daher wichtig zu wissen, wo der Honig herkommt. Die aktuellen Regelungen geben hier sehr ungenau die Herkunft mit aus „EU- und Nicht-EU Ländern“ an.

Dieses Problem soll durch die Neufassung der sogenannten EU-Honigdeklaration verbraucherfreundlicher gestaltet werden: Danach müssen die Herkunftsländer bei Honigmischungen in absteigender Reihenfolge nach ihrem Gewichtsanteil mit der jeweils entsprechenden Prozentangabe deutlich erkennbar angegeben werden. Es besteht die Möglichkeit, nur die vier Hauptanteile anzugeben, sofern sie mehr als 50 Prozent der Mischung insgesamt ausmachen. Das reicht meines Erachtens nicht aus – verbraucherfreundlich wäre eine vollständige prozentuale Angabe aller Mischungsanteile.

Verbraucher sollten genau darauf achten, welches Herkunftsland auf dem Honigglas steht. Honig direkt vom Imker ist nur garantiert, wenn nur ein einziges Herkunftsland und die produzierende Imkerei angegeben ist. Wird freiwillig noch die Region angegeben, wo genau produziert wurde, steigt die Sicherheit zusätzlich.

Die Bedrohung der Bienen ist ein Thema, das viele Bürgerinnen und Bürger bewegt. Was kann jeder tun, um eine bienenfreundliche Umgebung zu schaffen?

Grune: Die Wahrnehmungen verändern sich ja drastisch: Während vor einigen Jahren noch die Honigbiene als Symbol für Umwelt- und Artenschutz stand, wird sie heute auch als Bedrohung für Wildbienen gesehen. Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte. Als wichtigste Bestäuber von Blütenpflanzen und als Erzeuger von Honig sind Bienen wichtige Nutztiere. Dazu werden Honigbienen in größeren Beständen gehalten und von Imkereien betreut. Solange es Imkereien gibt, wird es auch Honigbienen geben.

Wildbienen wiederum sind als Spezialisten auf bestimmten Lebensräume und Landschaften angewiesen. Werden diese durch Städtebau oder  Monokulturen in der Landwirtschaft zerstört, gibt es keine Lebensräume. Hier kann im eigenen Garten mit sehr arbeitssparenden Methoden Abhilfe geschaffen werden: Zumindest Teile des Gartens sollten „verwildern“ können, der Rasen nicht alle zwei Wochen gemäht und natürlicher Aufwuchs nicht unterbunden werden. Natürlich darf keine Chemie im Garten eingesetzt werden. So können natürliche Lebensräume wieder entstehen.