Prof. Dr. Hans Diefenbacher, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Institut für interdisziplinäre Forschung

Zur Nachhaltigkeitsstrategie

S. 81   
„doch wirkt das Mindestsicherungssystem zusammen mit den aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung auch unter diesen schwierigen Bedingungen. Absolute Armut kann damit vermieden werden.“
Das  klingt so, als gäbe es absolute Armut in der Bundesrepublik nicht. Es gibt aber Menschen, die durch das Mindestsicherungssystem nicht erreicht werden. Darauf sollte zumindest hingewiesen werden.


S.94    
Die Erklärung des Unterschiedes der Zahlen von BLE und BMEL ist nicht sehr klar. Vor allem erklärt es nicht, warum die Differenz zwischen MBEL und BLE gerade in letzter Zeit deutlich zunimmt.


S. 102   
Nach wie vor fände ich es besser, hier den Potential Years of Life Lost Indicator mit der Grenze 70 Jahre zu verwenden, also die jeweiligen verlorenen Jahre zu gewichten.


S. 104    
Die Zielsetzung zur Verringerung der Raucherquote bei Erwachsenen kommt mir sehr niedrig vor. Könnte man kurz ausführen, wie dieses Ziel zustandegekommen ist?


S. 107    
Die Zielsetzung bei Adipositas ist sehr vage: „soll nicht weiter ansteigen“ – im Gegensatz zur Raucherquote, bei der bis 2030 zumindest ein geringer Rückgang als Ziel gesetzt ist. Warum wäre ein solcher moderater Rückgang hier nicht auch möglich?


S. 110    
Warum wird in Indikator 3.2.a Feinstaub PM 2,5 genommen, in Indikator 3.2.b aber PM 10? Beim  zweiten Indikator ist der Ausschluss lokaler Quellen ein Grund, dass der Indikator eigentlich nicht interpretiert werden kann.


S. 133    
Beim Verdienstabstand ist (Indikator 5.1.a) relativ deutlich, dass das Ziel für 2020 nicht erreicht wird. Wäre es nicht sinnvoll, hier auch ein Ziel für 2030 zu formulieren? Eigentlich müsste dieses Ziel dann bei Null sein.


S. 181    
„Das BIP misst den Wert der im Inland erwirtschafteten Leistung;“
Die Definition schönt das BIP, außerdem ist sie nicht präzise. Besser wäre es, das etwas eingeschränkt auszudrücken, etwa: „Das BIP misst die über dem Markt vermittelte Wertschöpfung eines Landes in einem bestimmten Jahr.“ Das sollte nicht erst im übernächsten Abschnitt angedeutet werden, in dem man noch sagen könnte: Die über Hausarbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten sind nicht im BIP enthalten.

„Das BIP gilt als wichtiger Indikator für Konjunktur und Wachstum einer Volkswirtschaft, folglich ist das Ziel ein stetiges und angemessenes Wachstum“
Das ist selbstbezüglich: Da das BIP einer wichtiger Indikator für das Wachstum sei, ist Wachstum des BIP das Ziel. Hier könnte die Formulierung geändert werden.


    „W_i_r_t_s_c_h_a_f_t_l_i_c_h_e_ _L_e_i_s_t_u_n_g_s_f_äh_i_g_k_e_i_t_ Wirtschaftsleistung umwelt- und sozialverträglich steigern“
Dass das BIP die Leistungsfähigkeit umwelt- und sozialverträglich steigern soll, ist in der Definition des BIP nicht enthalten, hier wird aber der Eindruck erweckt, als würde genau das durch das Diagramm abgebildet. Das sollte hier nicht auf diese Weise geschönt werden.


S. 184 oben  
 „Einige Bundesländer nutzen den Indikator Nationaler Wohlfahrtsindex (NWI) für eine erweiterte Bewertung der gesellschaftlichen Entwicklung“
Hier könnte man zusätzlich sagen, dass der Index regelmäßig jährlich auch für die Bundesrepublik Deutschland insgesamt veröffentlicht wird und damit als Ergänzung zum BIP zur Verfügung steht. Alle Veröffentlichungenbefinden sich auf der Internetseite der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg (FEST) und der Forschungszentrums für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin (FFU). Erwähnt werden könnte auch, dass der NWI ursprünglich auch mit finanzieller Förderung durch das Bundesumweltministerium  und des Umweltbundesamts entwickelt wurde.


S. 187    
Der Indikator ist ziemlich schwach und wenig aussagekräftig, so wie er dargestellt ist. Wesentlich wäre nicht nur die aktuelle Zahl der Mitglieder des Textilbündnisses, sondern auch die Zahl der Unternehmen, die dem Bündnis potenziell beitreten könnte. Erst dann könnte man die Zahl der Mitglieder richtig einschätzen.


S. 202    
Abbildung Gini-Koeffizienz. Durch die Art der Darstellung wird der Eindruck vermittelt, als habe sich eigentlich nicht sehr viel getan. Das wäre ganz anders, wenn man die y-Skala hier nur von 0,1 bis 0,4 gehen ließe und die Vermögensungleichheit in einem zweiten Diagramm abbilden würde, von 0,6 bis 0.9 y-skaliert. Außerdem sollte die Grafik bis in die 1990er Jahre zurückgeführt werden, dann würde man einen Eindruck von der Größenordung der Veränderung erhalten, die sich vor allem Anfang der 2000er Jahre abgespielt hat.