Natalie Garbotz

Sehr geehrte Damen und Herren,
als Mutter und „normale“ Bürgerin möchte ich mich gerne an Ihrer Online-Konsultation zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz beteiligen.

Viel kann ich leider nicht beitragen, weil mir eindeutig die Fachkompetenz fehlt, jedoch möchte ich ihnen mitteilen was ich sehe. Mich besorgt insbesondere die Schnelligkeit, in der wir auf diese Katastrophe zusteuern. Und die Rücksichtslosigkeit in der Menschen vorgehen, wenn sie ihren Willen nicht bekommen (das hat aus meiner Sicht Corona sehr deutlich gemacht). Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben diese Art von 'Spaltung' in der Gesellschaft erlebt und war erschrocken darüber, wie einfach das geht! Darum möchte ich mich hier gerne beteiligen, auch wenn ich mir sicher bin, dass bereits viel bessere Vorschläge eingereicht wurden.
 
Diese Punkte möchte ich anbringen:

  • Die CO2 Kompensation bei Flugreisen sollte deutlich höher ausfallen. Sie sollte wirklich eine Strafe sein und sich nicht anfühlen wie die schnellen 2 Cent, die man einfach hinblättert und sofort wieder vergisst. Mir ist aktuell unklar wofür diese Kompensation verwendet wird, jedoch ist es mir ein großes Anliegen, dass auch wirklich Bäume davon gepflanzt werden!
  • Wir haben vor 3 Jahren ein neues Haus gebaut. Wir haben uns mit diesem Thema sehr intensiv auseinandergesetzt und hier geht es mir um die Dämmung. Aktuell werden einem überall Polysterol-Platten als Dämmung angepriesen. Und damit es auch ganz sicher gekauft wird, ist diese Art der Dämmung die preisgünstigste. Aus nachhaltiger Sicht ist das eine Katastrophe, da bislang wohl nicht einmal geklärt ist, wie diese Platten irgendwann mal entsorgt werden sollen (wahrscheinlich Sondermüll!?) und dazu verlieren sie Giftstoffe, die durch Regen ausgeschwemmt werden. Bei einer nachhaltigen Dämmung fällt das alles weg – diese Dämmung hätte in unserem Fall aber (ernsthaft!) 50.000€ Mehrkosten verursacht. Wir konnten uns das nicht leisten, obwohl es uns wichtig war. Uns konnte leider auch nicht gesagt werden wie sich denn diese Preisdifferenz erklärt und daher vermuten wir, dass hier über den Preis schlicht Kontrolle ausgeübt wird um sicherzustellen, dass der Großteil der Kunden kauft, was sich das Unternehmen vorstellt. Wie sie als Regierung das beeinflussen können, ist mir zwar nicht ganz klar, aber ich möchte es trotzdem in den Raum stellen. Denn im Grunde sollte es andersrum sein: Wer sich für die nachhaltige Lösung entscheidet sollte belohnt werden und nicht diejenigen, die die Umwelt verschmutzen. Es steht hier für mich die Frage im Raum, wie die Baubranche zu nachhaltigem bauen angeregt werden kann.
  • Für mehr Nachhaltigkeit braucht es eine bestimmte Art zu denken. Ich komme aus einem sehr armen Haushalt und meine Mutter war dazu noch alleinerziehend mit 2 Kindern. Für mich war es mein Leben lang normal, dass ich pfleglich mit allen meinen Besitztümern umgehe. Und es war für mich auch normal, nicht konsumieren zu können und entsprechend wenig zu besitzen. Deshalb war mir mein weniger Besitz auch so heilig. Mir wurde alles mögliche beigebracht – Haushaltsführung, kleine Reparaturen rund um Wohnung und Kleidung, usw. Dieses nachhaltige Denken („Ich repariere es, wenn es kaputt ist“ / „Ich gehe sparsam mit XY um“ / „Ich besitze wenig, dafür aber Dinge die mir wichtig sind“ / „Ich kaufe nur Produkte von sehr guter Qualität damit sie länger haltbar sind“) ist aus meiner Sicht bereits so gut wie verloren. Die Frage ist also: Wie können wir alle wieder in dieses nachhaltige Denken kommen? Ich bin während des ersten Lockdowns aus der Not heraus (ich war mit meinem Kind überfordert) über Maria Montessori gestolpert. Ich wusste nicht, wie ich ihn beschäftigen kann, also habe ich gesucht und Montessori gefunden. Es hat mich interessiert also habe ich sie im Original gelesen („Kinder sind anders“ / „Das kreative Kind“ und „Die Entdeckung des Kindes“). Eines ist mir nach der Lektüre klar geworden:

1. Nachhaltigkeit und Achtung gegenüber der Natur sind große Themen, vor allem im Kindergarten-Bereich. Auch die Achtsamkeit den anderen Kindern gegenüber ist integriert.

2. Die Einrichtung ist schlicht und minimalistisch gehalten. Alle Materialien sind von sehr guter Qualität – meist aus Holz. Durch die gute Verarbeitung halten sie natürlich auch länger, es ist also auch hier nachhaltiger. Kaputte Materialien werden – sofern möglich – gemeinschaftlich repariert (= Nachhaltigkeitsgedanke!).

3. Der Ansatz ist ganzheitlich. Es wird das Alltägliche genauso angesprochen wie das Akademische Wissen. Es wird wert auf Gleichberechtigung gelegt (Mädchen und Jungs dürfen das Selbe). Dadurch das es sogar Darbietungen in Anmut und Höflichkeit (= Höflichkeitserziehung) gibt, sollte auch die Integration deutlich besser klappen.

4. Die Kinder werden dazu angeleitet, wie sie sich Wissen selbst aneignen können und das sehr strukturiert und durchdacht.

In Bezug auf Montessori gibt es inzwischen auch einige Studien.

  • Mir fällt auf, dass die Spaltung in Deutschland auch die Finanzen betrifft. Die Armen bleiben arm und werden auch immer ärmer, weil sie die steigenden Preise nicht mittragen können. Infolge dessen, können sie sich keinen Luxus leisten. Diejenigen die gut verdienen wohnen vielleicht doch im Hochhaus, haben aber die ganze Küche voller Küchengeräte. Und das in vielen Haushalten ist ja toll für die Industrie, aber leider auch nicht nachhaltig. Ich möchte daher den Vorschlag machen, gerade bei Sozialwohnungen eine Art offene Küche zu integrieren. Damit alle gemeinsam Küchengeräte nutzen können und nicht jeder sein eigenes Zeug kaufen muss. Jemand der in einer Sozialwohnung lebt, der macht das weil die Miete billiger ist. Es sind also zwei Dinge zu tun:

1. Sozialwohnungen ausbauen – vor allem in den armen Regionen Deutschlands, etwa Bremen.

2. In die Neubauten eine offene Küche integrieren, in der gemeinschaftlich Küchengeräte wie Küchenmaschine, kleine Getreidemühle, Kaffee-Vollautomat, Nähmaschine etc. genutzt werden kann. Wenn möglich sogar mit Sitzmöglichkeiten und ein paar Gemeinschafts-Spielen.

Das fördert nicht nur das Miteinander sondern es gibt gerade armen Menschen die Möglichkeit sich das Leben etwas leichter zu machen.

Eine Überlegung ist das etwa auch bei Hochhäusern wert. Unsere Wohnräume werden wohl zwangsläufig immer enger und kleiner werden – es wird also immer mehr Menschen geben die beengt wohnen, wenig Platz haben und entsprechend wenig besitzen. Auch hier wäre es interessant, eine gemeinschaftlich genutzte Küche / Aufenthaltsraum zu integrieren.

  • Ich habe von einem Projekt gehört, bei dem in einer Stadt statt Blumen einfach 'essbare' Beete gestaltet und angelegt wurden. Ich meine es war Tauberbischofsheim und es wurde an einem Areal entlang der Stadtmauer angelegt. Ich finde das eine grandiose Idee! Ich würde mir hier wünschen, dass ein solches Projekt eine breitere Akzeptanz findet und in wirklich JEDER Stadt praktiziert wird! Wenn dennoch Blumen gepflanzt werden, dann würde ich mir wünschen, dass es bevorzugt Blumen für Insekten und Bienen werden.
  • Last but not least: Ich halte die Sache mit den Elektro-Autos für keine gute Idee. Es ist in meinen Augen eine nette Spielerei, die aber genauso massive Schäden anrichtet wie die bisherige Auto-Industrie. Halt nur an anderer Stelle. Das heißt, ich halte das für eine Verlagerung des aktuellen Problems. Ich denke ich würde eher auf Wasserstoff setzen. Wenn dieser absolut nicht verfügbar ist, dann gäbe es immerhin noch die Alternative auf Bio-Benzin umzustellen wie es Brasilien bereits tut. Ja, Tierschützer sind dagegen. Ich prinzipiell auch. Allerdings ordne ich in diesem Fall das Klima höher ein als den Tierschutz. Denn ohne Klima / Umwelt / Sauerstoff weder Mensch noch Tier.
  • Und bitte: Wenn Sie Wirtschafts-Verträge mit Brasilien abschließen wollen... Zwingen Sie die Regierung dazu den Amazonas zu erhalten und zu schützen! In diesem Wald leben Menschen und er IST wichtig für Klima und UNS! Wenn das Ökosystem innerhalb des Amazonas kippt (und das wird es in voraussichtlich weniger als 10 Jahren), dann hat dieser Erdball ein ECHTES Problem.

 
Mehr kann ich aktuell leider nicht beitragen. Ich bin gespannt, was sie daraus machen.
Alles Liebe und viel Erfolg,
Natalie Garbotz